Lebensdaten
1717 oder 1718 bis 1787
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Mainz
Beruf/Funktion
Kameralist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 120172828 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfeiffer, Johann Friedrich von
  • Pfeifer Hr. von
  • Pfeifer, Johann Friederich von
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Zitierweise

Pfeiffer, Johann Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120172828.html [20.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Friedrich P., preuß. Rat u. Domänen-Fiskal, aus Schweizer Fam.;
    M Ursula Dorothea Witscheibe; ledig.

  • Leben

    Aus den spärlichen Informationen über P.s Werdegang ergibt sich das Bild eines „gelehrten Abenteurers“. Zunächst in den preuß. Militärdienst eingetreten, wechselte er in die zivile Verwaltung und stieg zum Direktor der Auseinandersetzungskommission und aller neuen Siedlungen in der Kurmark auf. 1747-50 war er für die Anlage von mehr als 100 bäuerlichen Ansiedlungen verantwortlich. Wegen einer angeblichen Unterschlagung wurde er angeklagt und kurzzeitig inhaftiert, woraufhin P., obwohl freigesprochen, den preuß. Dienst quittierte. Damit begann ein unstetes Wanderleben, das ihn – mit vielfältigen Aufgaben für verschiedene Reichsfürsten, u. a. für Österreich – durch zahlreiche deutsche Länder und die Schweiz, möglicherweise auch nach England führte. Seit 1769 lebte er überwiegend als Privatier, um sich schriftstellerischen Arbeiten zu widmen. Immer wieder befaßte sich P. mit landwirtschaftlich-technologischen Experimenten und verfolgte protoindustrielle Projekte. Aufgrund seiner wissenschaftlichen Reputation wurde der Autodidakt und Protestant 1782 auf den neuerrichteten Lehrstuhl für Kameralwissenschaften an der Univ. Mainz berufen, den er bis zu seinem Tod innehatte.

    P.s Werke behandeln nach dem Vorbild von Joh. Heinr. Gottlob Justi (1720–71) den gesamten Fächerkanon der Kameralwissenschaften, die er in Staatsregierungskunst, Polizeiwissenschaft, Staatsökonomie und Finanzwissenschaft einteilte. Im Zentrum seiner naturrechtlich fundierten Staatslehre steht die durch politische und bürgerliche Freiheitsrechte, Volkssouveränität und das Recht auf Widerstand bestimmte Freiheitsidee. P.s Ziel lag in der Überwindung der ökonomischen und politischen Schwäche Deutschlands. Hierzu entwickelte er ein Bündel liberaler wirtschaftlicher und sozialer Reformvorschläge, welche vielfach die nach der Jahrhundertwende durchgeführten Maßnahmen gedanklich vorwegnahmen. P. plädierte für eine Arrondierung des Reiches unter Säkularisation der geistlichen Fürstentümer und Mediatisierung kleinerer Reichsstände. Als Ideal zeichnet sich ein national geeintes Reich mit bundesstaatlich-gewaltenteiligem Aufbau ab. Verfassungstheoretisch propagierte P. eine konstitutionelle Monarchie mit Einkammersystem auf breiter Wählerbasis. Aufgrund der Systematik seiner Überlegungen ist P. als früher Vertreter eines nationalliberalen Programms anzusehen.

  • Werke

    u. a. Lehrbegriff sämtl. oeconom. u. Cameralwissenschaften, 4 Bde., 1764-78;
    Grundriß d. wahren u. falschen Staatskunst, 2 Bde., 1778/79;
    Natürl. aus d. Endzweck d. Ges. entstehende Allg. Policeiwiss., 2 Bde., 1779, Neudr. 1970;
    Die Manufacturen u. Fabriken Dtld.s, 2 Bde., 1780;
    Der Antiphysiokrat, 1780;
    Grundriß d. Finanzwiss., 1781;
    Grundriß d. Forstwiss., 1781;
    Berichtigungen berühmter Staats-, Finanz-, Policei-, Cameral-, Commerz- u. ökonom. Schrr. dieses Jh., 6 Bde., 1781-84;
    Grundsätze d. Universal-Cameral-Wiss., 2 Bde., 1783, Neudr. 1970;
    Prüfung d. beträchtlichsten Verbesserungsvorschläge zu Vermehrung d. Glückseligkeit u. Macht Dtld.s, 1786;
    Grundsätze u. Regeln d. Staatswirthsch., hg. v. J. N. Moser, 1787 (P).

  • Literatur

    ADB 25;
    W. Stieda, Die Nat.ök. als Univ.wiss., 1906;
    M. D. Damianoff, Die volkswirtschaftl. Anschauungen J. F. v. P.s, 1908;
    M. Humpert, Bibliogr. d. Kameralwiss., 1937 (W-Verz.);
    A. F. Napp-Zinn, J. F. v. P. u. d. Kameralwiss. an d. Univ. Mainz, 1955 (W-Verz.);
    E. Dittrich, Die dt. u. österr. Kameralisten, 1974 (W-Verz.);
    P. Preu, Polizeibegriff u. Staatszwecklehre, Die Entwicklung d. Polizeibegriffs durch d. Rechts- u. Staatswiss. d. 18. Jh., 1983;
    K. Tribe, Governing economy, The ref. of German economic discourse 1750-1840, 1988;
    H. Lehmann, in: Abhh. z. Handels- u. Sozialgesch. 26, 1989, S. 106-22;
    U. Wilhelm, Staat, Ges. u. Nation im Denken J. F. v. P.s (1718-1787), in: HJb. 115, 1995, S. 125-52;
    L. Sommer, in: Enc. of the Social Sciences XII, 1954.

  • Portraits

    Bildnis v. Krüger, in: J. G. Krünitz, Oekonom. Enc. 32, 1784.

  • Autor/in

    Uwe Wilhelm
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilhelm, Uwe, "Pfeiffer, Johann Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 321 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120172828.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Pfeiffer: Johann Friedrich v. P., Cameralist, geb. 1718 zu Berlin, am 5. März 1787 in Mainz, stammt aus einer Schweizeifamilie, trat früh in preußische Kriegsdienste, nahm als Officier an der Schlacht bei Molwitz (10. April 1741) Theil, wurde hernach Kriegscommissar, Kriegs- und Domänenrath, war 1747—1750 als Director der Auseinandersetzungscommission und der neuen Etablissements in der Kurmark, zuletzt mit dem Titel eines geheimen Rathes, thätig und legte während dieser Zeit 150 Dörfer und Etablissements in der Kurmark an, wurde aber zuletzt wegen Verdachts eines Unterschiefs beim Holzhandel in Untersuchung gezogen und nach Spandau gebracht. Obwol unschuldig erkannt, verließ P. doch den Preußischen Staatsdienst, durchwanderte in einer Reihe von Jahren Schlesien, Brandenburg, Mecklenburg, Sachsen, Oesterreich, Baiern, die Schweiz und mehrere kleine deutsche Länder, in denen er vorübergehend für mehrere Reichsfürsten Geschäfte besorgte, lebte seit 1769 zuerst im Hohenloheschen, dann in Hanau, theils auf eignen Landgütern, theils auf herrschaftlichen Domänen, wo er sich mit praktischer Landwirthschaft, Manufacturangelegenheiten, chemischen Versuchen und litterarischen Arbeiten beschäftigte. mußte Hanau 1782 wegen Verdrießlichkeiten mit einer Maitresse verlassen, ging nach Frankfurt und wurde noch im selben Jahre, obwol Protestant, an die Universität Mainz als Professor der Cameralwissenschaften berufen und starb als solcher 1787.

    Seine schriftstellerische Wirksamkeit beginnt erst 1768, also im 50. Lebensjahre, ist aber dann eine außerordentlich reiche und vielseitige. Seine Hauptwerke sind: „Lehrbegriff sämmtlicher ökonomischer und Cameralwissenschaften“, 4 Bände. 1770 ff., von Zeitgenossen als das vorzüglichste Buch dieser Art hervorgehoben; „Grundriß der wahren und falschen Staatskunst", 2 Bände, 1778; „Natürliche aus dem Endzweck der Gesellschaft entstehende allgemeine Polizeiwissenschaft", 2 Bände, 1779; „Grundriß der Finanzwissenschaft", 1781; „Grundsätze der Universal-Cameralwissenschaft", 4 Theile: Staatsregierungskunst, Polizeiwissenschaft, Staatsökonomie, Finanzwissenschaft, 1783, neben welchen insbesondere noch seine „kritischen Briefe", „vermischte Verbesserungsvorschläge und freie Gedanken“ und der „Antiphysiokrat“ zu erwähnen sind. J. N. Moser hat aus seinem Nachlasse noch „Grundsätze und Regeln der Staatswirthschaft“ 1791 herausgegeben. P. war einer der bedeutendsten und vielleicht der am meisten charakteristische Vertreter der specifisch deutschen Cameralwissenschaft, reich an positiven Kenntnissen und Erfahrungen sowol auf dem technischen wie dem praktisch-ökonomischen Gebiete der Wissenschaft, dabei nicht ohne Geist und Fähigkeiten, auch allgemeine Principielle Gedanken zu entwickeln; aber ebenso unphilosophisch wie unjuristisch und unhistorisch, ein reiner Empiriker, der eben deßhalb auch den großen Bewegungen der Geister seiner Zeit durchaus ablehnend gegenüberstand; festgerannt in die Routine der Verwaltung kleinerer deutscher Staatswesen, begriff er den Physiokratismus, den er immer so lebhaft bekämpfte, ebensowenig wie die Postulate der philosophischen Staatslehre seiner Zeit. Trotz seiner litterarischen Fruchtbarkeit hat er doch auf die Weiterbildung der politischen Oekonomie keinen Einfluß gehabt.

    • Literatur

      Meusel, Lexikon der von 1750—1800 verstorbenen Schriftsteller. — J. D. A. Höck, Allg. litt. Anz. 1797. —
      Strieder, Hessisches Gelehrtenlexikon. —
      Ernesti in Hirsching's Handbuch Bd. VII, wo auch reiche litterarische Hinweise. —
      Will, Versuch über die Physiokratie. —
      Roscher, Geschichte der Nationalökonomik. — Bildnisse von Krüger im 32. Theile der v. Krünitz'schen Encyklopädie 1784 und vor Pfeiffer's Grundsätzen der Staats wirthschaft 1791.

  • Autor/in

    Inama.
  • Empfohlene Zitierweise

    Inama von Sternegg, Theodor, "Pfeiffer, Johann Friedrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 25 (1887), S. 641-642 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120172828.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA