Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
fränkische Ministeriale ; bayerisches Adelsgeschlecht
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119505819 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Seinsheim, Freiherren und Grafen von
  • Seinsheim
  • Seinsheim, Freiherren und Grafen von

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Zitierweise

Seinsheim, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119505819.html [19.10.2019].

CC0

  • Leben

    Das bayer. Adelsgeschlecht fränk. Ursprungs hatte seinen gleichnamigen Stammsitz (auch Sawensheim, Sovensheim etc.) östlich von Ochsenfurt. Eine agnatische Abstammung von den 1155/72 bezeugten Edelfreien von S. ist fraglich, zweifelsfrei hingegen die Herkunft aus der Ministerialität der Edelherren v. Hohenlohe (1230). Der älteste nachweisbare seinsheimische Besitz rührte von den Hohenlohe, den Bischöfen von Würzburg und den Grafen von Castell zu Lehen. Bereits im 13. und 14. Jh. teilte sich die Familie in drei Stämme, die ihre Hauptsitze zu Hohenkottenheim (erloschen 1591), Wässerndorf bzw. Erlach und Stephansberg hatten. Erkinger ( 1437) aus der Stephansberger Linie begründete das bald eigenständige, seit 1670 fürstl. Haus Schwarzenberg (s. NDB 24). Eine reiche Begüterung, Konnubium mit den führenden Ritteradelsgeschlechtern Frankens, Domherrenpfründen in Würzburg und Eichstätt sowie Dienstverhältnisse zum König, zu den Bischöfen von Würzburg und den Markgrafen von Ansbach ermöglichten eine frühzeitige Etablierung in der Spitzengruppe des fränk. Ritteradels; vom 14. bis ins 16. Jh. gingen aus der Familie mehrere Deutschordensritter hervor, darunter der Deutschmeister Eberhard ( 1443, s. NDB 22). Ludwig (um 1465–1524), war Regimentsrat des Kurfürsten von Köln. →Georg Ludwig (zu Hohenkottenheim) (1514–91, ev.) wurde 1580 in den Freiherrenstand erhoben. Die 1590/92 erreichte Aufnahme ins fränk. Reichsgrafenkollegium wurde seit der ersten Hälfte des 14. Jh. infolge der konsequenten Hinwendung zum bayer. Hof und des im Streit mit den schwarzenbergischen Vettern schließlich erklärten vollständigen Verzichts auf die fränk. Stammgüter (1655/62) wieder hinfällig; Hauptsitz der kath. Familie war fortan das bereits 1572 durch Georg Ludwig erworbene Sünching bei Regensburg. Seit 1678 existierten die beiden Linien zu Sünching und zu Weng, letztere erlosch 1834. Die Erhebung in den Reichsgrafenstand – 1705 für Maximilian Franz ( 1737) zu Sünching, 1711 für Maximilian Eberhard ( 1737) zu Weng – blieb für die reichsrechtliche Stellung des Hauses ohne Belang; in Bayern freilich zählten die S. im 18. Jh. zu den sieben einflußreichsten Geschlechtern des Adels. Im 19. Jh. hing an dem Fideikommiß Sünching die erbliche Reichsratswürde der Krone Bayern. Der Mannesstamm der Familie erlosch 1917 mit Gf. Maximilian Karl Florian; letzte Namensträgerin und Erbin war die mit Frhr. Johann v. Hoenning O'Carroll vermählte Gräfin Gabriele ( 1954).

    Georg Ludwig (1514–91), letzter Agnat der Linie zu Hohenkottenheim, trat nach einem durch die schwarzenbergische Verwandtschaft vermittelten Aufenthalt am bayer. Hof 1534 in die Dienste des Pfalzgf. Ottheinrich von Neuburg, 1544 in die des Mgf. Georg von Brandenburg und 1549 in die des Bischofs von Würzburg. Er war ao. Mitglied des Reichshofrats und seit 1560 kaiserl. Rat. 1564/73 fungierte er als Obrist des Fränk. Kreises, 1576/77 im Auftrag des Herzogs von Bayern als Feldmarschall des Landsberger Bundes. Als Reichsritter galt sein Bemühen der Bewahrung mindermächtiger Reichsunmittelbarkeit im Rahmen der gewachsenen territorialen Strukturen Frankens. Das mit seinem Testament von 1589 unter Einbezug des Hauses Schwarzenberg errichtete Fideikommiß bewirkte zwei Generationen später deren alleinige Nachfolge im fränk. Besitz; Sünching und die bayer. Güter fielen an die Linie Seinsheim-Erlach. Joseph Franz (1707–87), aus der Linie zu Sünching, studierte in Würzburg (1728), war kurbayer. Kämmerer (1726), Pfleger zu Schongau (1739), Botschafter in Den Haag, Geheimer Konferenz- und Kriegsminister (1745), Obersthofmeister (1764) und schließlich Präsident der Bayer. Akademie der Wissenschaften (1769). Das Projekt des Kf. Karl Theodor, Bayern gegen die österr. Niederlande zu vertauschen, lehnte er ab. Adam Friedrich (1708–79, s. Gatz II; BBKL IX; Lb. Franken 16), jüngerer Bruder des vorigen, erlangte geistliche Pfründen in Bamberg (1718), Würzburg (1718) und Köln (1754). Nach Studien in Salzburg, Rom, Würzburg und Leiden und protegiert von seinem Onkel Friedrich Karl v. Schönborn wurde er 1742 zum Auditor Rotae bestellt. In Bamberg avancierte er 1747 zum Propst von St. Gangolf, in Würzburg 1748 zum Geheimen Rat und Präsidenten der Hofkammer, 1749 zum Präsidenten des Hofkriegsrats. 1751 erlangte er die Würde eines kaiserl. Geheimen Rats. 1755 zum Bischof von Würzburg und 1757 (nach erfolgloser Kandidatur 1753) zum Bischof von Bamberg gewählt, war er 1761 auch für den Kölner Erzstuhl im Gespräch. Mit seiner Politik orientierte er sich nach dem Wiener Hof. In den Hochstiften Würzburg und Bamberg erwarb er sich, seit 1731 Freimaurer, besondere Verdienste um die Reorganisation von Verwaltung, Justiz, Schulwesen und Kunst. Maximilian Joseph Clemens (1751–1803), Sohn des Joseph Franz, war pfalz-bayer. Kämmerer (1768), Wirklicher Geheimer Rat und Vizepräsident des Geheimen Ratskollegiums (1779). Als Ratgeber des Kurfürsten Karl Theodor wirkte er im Sinn aufgeklärter Reformen. Josef Erkinger (1775–1830, s. NND), Sohn des vorigen, studierte in Marburg, Jena und Ingolstadt und war bayer. Kämmerer; sein Bruder Karl (1784–1864, s. Schärl) studierte in Landshut und Göttingen; er war bayer. Kämmerer, 1833–40 Generalkommissär bzw. (seit 1837) Regierungspräsident von Oberbayern und schließlich 1840–47 bayer. Finanzminister. August Karl Maximilian (1789–1869, s. ADB 33), Bruder des vorigen, bayer. Kämmerer und Reichsrat, studierte 1809/11 in Landshut Rechte und 1813/16 an der Münchner Kunstakademie Zeichnung, Komposition und Ölmalerei. Er trat v. a. als Historienmaler und Radierer hervor; als seine Hauptwerke gelten die Altargemälde in der Pfarrkirche zu Vohburg an der Donau und in der Otto-Kapelle bei Kiefersfelden.

  • Quellen

    Qu Fam.- u. Herrschaftsarchiv d. Freiherren v. Hoenning O'Carroll (Sünching, Lkr. Regensburg, Schloß) (P).

  • Literatur

    L ADB 33;
    E. Gf. v. Fugger, Die S.s u. ihre Zeit, 1893;
    K. Weller u. Ch. Belschner, Hohenloh. Urkk.b., 3 Bde., 1899–1912;
    Gotha. Geneal. Tb. d. Gräfl. Häuser, 1917, S. 886–88;
    Heinrich Weber, Kitzingen, 1967, S. 55–58;
    B. v. Roda, Adam Friedrich v. S., 1980;
    D. Schwennicke, Europ. Stammtafeln 5, 1988, Tfl. 103–20;
    E. Böhme, Das fränk. Reichsgrafenkollegium im 16. u. 17. Jh., 1989, S. 69–71;
    J. Záloha, Die Grafen v. S., in: Blau-Weiße|Bll. 2, 1999, S. 5–7;
    E. Soder v. Güldenstubbe, Schwarzenberger u. Seinsheimer im Dienst d. fränk. Kirche, in: Auf den Spuren d. Schwarzenberg in Franken, 2001, S. 36–49;
    ders., Die Fam. v. S. in Franken während d. MA, ebd. 2003, S. 37–50;
    W. Wüst, Die Akte S.-Schwarzenberg, Eine fränk. Adelsherrschaft vor dem Reichskammerger., in: Jb. f. fränk. Landesforsch. 62, 2002, S. 203–30;
    Adel in Bayern, hg. v. W. Jahn u. a., 2008, S. 194.

  • Autor/in

    Kurt Andermann
  • Empfohlene Zitierweise

    Andermann, Kurt, "Seinsheim" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 194-196 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119505819.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA