• Genealogie

    V Kaspar Georg (1889–1958), Eisenbahner;
    M Friederike Katharina Rupper (1898–1982);
    Elisabeth Heimbach;
    2 S, 2 T.

  • Leben

    P. wuchs seit 1934 in Nürnberg auf, nachdem sein Vater dorthin versetzt worden war. Aus einem religiösen Elternhaus stammend, engagierte er sich während der NS-Zeit in der verbotenen kath. Jugendbewegung. Nach dem Abitur wurde er 1943 zur Wehrmacht eingezogen und war bis 1945 Soldat. Wenige Wochen nach Kriegsende kehrte P. nach Nürnberg zurück und widmete sich erneut der Jugendarbeit, zunächst als Stadtjugendführer der kath. Jugend Nürnberg-Fürth, dann auch als 2. Vorsitzender des Kreisjugendrings Nürnberg. Noch 1945 besuchte er einen Ausbildungslehrgang für Volksschullehrer, bevor er ein Jahr später in Würzburg und Erlangen das Studium der Psychologie, Pädagogik, Geschichte und Volkswirtschaft aufnahm. 1950 erwarb er das Diplom im Fach Psychologie und wurde 1952 zum Dr. phil. promoviert. Anschließend war P. freiberuflich in der Erziehungs- und Wirtschaftsberatung tätig. 1954 trat er in die Arbeitsverwaltung ein, wo er bis 1964 beschäftigt war, zuletzt als Verwaltungsoberrat bei der Hauptstelle der Bundesanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung in Nürnberg. Schon 1949 war er Mitglied der CSU geworden und hatte sich nach anfänglichen Vorbehalten an der Reorganisation der von inneren Streitigkeiten zerrissenen Jungen Union (JU) in Bayern beteiligt. 1952 fungierte er vorübergehend als kommissarischer, 1952-57 als stellvertretender und 1957-61 als Landesvorsitzender der JU. 1961-65 hatte er auch das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden der JU Deutschlands inne. Daneben stieg P. auch in der CSU in die wichtigsten Führungsgremien auf. 1952-59 vertrat er die CSU im Nürnberger Stadtrat, 1958-84 im bayer. Landtag. 1964 berief Ministerpräsident Alfons Goppel (1905–91) P., dessen politische Überzeugungen stark von der kath. Soziallehre geprägt waren, zum Staatssekretär im bayer. Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung; 1966 rückte er an die Spitze des Ministeriums und blieb bis 1984 bayer. Arbeitsminister. In seiner Amtszeit wurden u. a. das Landesfamilienprogramm, der Landesaltenplan, der bayer. Psychiatrieplan und das Programm „Soziale Dienste in Bayern“ verabschiedet. P.s Absicht, unwirtschaftliche Krankenhäuser zu schließen, traf 1977 jedoch auf hartnäckigen Widerstand. 1984 zog P. als Spitzenkandidat der CSU in das Europ. Parlament ein, dessen Mitglied er bis 1993 blieb. Als einer der bekanntesten Sozialpolitiker der CSU war er 1969 zum Landesvorsitzenden der Christlich-Sozialen Arbeitnehmerschaft gewählt worden, die er bis 1989 führte. 1967 hatte er den Vorsitz der neu gegründeten Hanns-Seidel-Stiftung übernommen, der er bis zuletzt eng verbunden blieb, 1970 den der Gemeinschaft Kath. Männer Deutschlands. Neben der Sozialpolitik, der politischen Bildung und der europ. Integration waren es vor allem die Heimatvertriebenen, für deren Belange er sich einsetzte.|

  • Auszeichnungen

    Bayer. Verdienstorden (1965); Gr. BVK (1973) mit Stern (1976) u. Schulterband (1981); Bayer. Vfg.medaille in Gold (1986).

  • Werke

    u. a. Beruf u. Psyche bei d. erwerbstätigen Jugend v. heute, 1952;
    Gedanken z. Sozialstaat, in: 25 J. Grundgesetz, 1974, S. 143-57;
    Aufgabe u. Verpflichtung, Ausgew. Reden u. Aufss. … zu Fragen d. dt. Heimatvertriebenen u. d. dt. Ostens, 1975 (P);
    Arbeit u. Beruf in e. sich wandelnden Welt, 1980;
    Tragende Grundsätze e. zukunftsorientierten Sozialpol., in: Die Grundsatzdiskussion in d. CSU, 1981, S. 157-67;
    Dem Menschen dienen, Sozialpol. aus christl. Verantwortung, Reden u. Aufss., 1984 (P);
    Rückblick: Dr. F. P. erinnert sich, in: 40 J. JU Bayern, 1987, S. 30 ff. (P);
    Europa, Anwalt d. Dritten Welt, in: Europa – unsere Zukunft, 1989, S. 136-46. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv f. Christl.-Soz. Pol. d. Hanns-Seidel-Stiftung, München.

  • Literatur

    A. Mintzel, Die CSU, Anatomie e. konservativen Partei, 1975;
    K. J. Wohlhüter, Die CSU, Der linke Flügel lahmt, in: Im Prinzip sozial, Die gr. Parteien u. d. Arbeitnehmer, 1976, S. 87-105;
    Menschenwürde, soz. Gerechtigkeit, Europa, FS f. F. P. z. 60. Geb.tag, 1985 (P);
    Bayernkurier v. 18.8.1990 (P);
    SZ v. 20.8.1993 (P);
    FAZ v. 21.8.1993;
    50 J. JU in Bayern, Zukunft e. Volkspartei, 1997, S. 69 ff. (P);
    Stadtlex. Nürnberg (P).

  • Autor/in

    Thomas Schlemmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schlemmer, Thomas, "Pirkl, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 476 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119502275.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA