Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Zementfabrikanten
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119465086 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwenk

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Zitierweise

Schwenk, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119465086.html [17.11.2018].

CC0

  • Leben

    1800 übernahm der aus Nerenstetten stammende Kupferschmied Johannes (1774–1855), dessen Vorfahren seit dem 16. Jh. im Ulmer Umland als Fuhr-, Wirts- und Handelsunternehmer nachweisbar sind, den Kupferhammer seiner verwitweten Tante Barbara geb. S. in Ulm und ehelichte 1805 deren Tochter Catharina Magdalena Leipheimer ( 1860). Sein Sohn Eduard (1812–69) absolvierte eine kaufmännische Ausbildung in Frankfurt/M. und wirkte bis 1837 als Prokurist einer Handelsfirma in Rotterdam. 1846 übernahm er den väterlichen Kupferhammer, konzentrierte sich jedoch bald – veranlaßt durch den wachsenden Bedarf an Baustoffen beim Ausbau der Bundesfestung Ulm – auf die 1847 begonnene Produktion von Zement. Er baute Produktionsstätten in Söflingen (1846–92), Gerhausen (1857–1909) und Allmendingen (seit 1857) auf, die 1870 einen Ausstoß von 1400 t erzielten. Ab 1869 führte seine Ehefrau Marie geb. Reichard (1828–1904) den Betrieb weiter und errichtete 1872 ein weiteres Werk in Blaubeuren, das bis 1924 bestand.|Der Sohn Carl (1852–1942; KR; Dr.-Ing. E. h., Stuttgart 1923; ⚭ Lina Ebner) absolvierte nach dem Besuch des Realgymnasiums seit 1868 eine kaufmännische Lehre in Stuttgart. 1873 begann er das Studium der Chemie und Mineralogie in Zürich, trat dann jedoch bereits 1874 in das Unternehmen ein, dessen Alleininhaber er 1886 wurde und das in der Folgezeit im Kerngeschäft mit Portlandzement hohe Wachstumsraten erzielte. Seit 1876 begann er in Ulm und Blaubeuren mit der Produktion von Betonsteinen, baute seit 1888 den Standort Allmendingen aus und errichtete 1901 eine weitere Zementfabrik in Mergelstetten. Seit 1904 betrieb er ein Terrazzowerk in Herrlingen, 1907 folgte die Gründung der „E. Schwenk, Bayerische Muschelkalksteinwerke“ in Rothenburg/Tauber. Beide Unternehmen gingen 1926 an die Tochter Clara verw. Holland (* 1880) und ihren zweiten Ehemann Ferdinand Greiß. Carls Enkelin Ruth Holland (* 1937) war mit dem Unternehmer Adolf Merckle (1934–2009) verheiratet. Die 1908 von Carl erworbenen „Marmorwerke Bad Aibling“ und die seit 1909 bestehende Beteiligung an der „Oberschwäbische Ziegelwerke Ulm AG“ wurden 1919 wieder veräußert. 1913 erreichte das Unternehmen mit 900 Beschäftigten einen Jahresausstoß von 60 000 t.

    Carls gleichnamiger Sohn (1883–1978, s. Wenzel; Klimesch; ⚭ Elisabeth Scholl) studierte nach dem Besuch des Realgymnasiums Chemie und Mineralogie in Zürich und Leipzig und trat 1913 in die „E. Schwenk Cement- und Steinwerke Ulm“ ein. Seit 1919 war er Teilhaber, seit 1937 Alleininhaber. Er engagierte sich stark im Verbandswesen der dt. Zementindustrie und vollzog 1927–32 durch Firmenübernahmen in Stuttgart und Ulm den Einstieg in den Baustoffhandel. Zur Absicherung der Marktposition des Familienunternehmens, das 1927 ein Versandvolumen von 122 000 t erzielte, schloß er 1925 eine Interessengemeinschaft mit der „Portland-Cement-Fabrik Dyckerhoff & Söhne GmbH“ in Mainz-Amöneburg. 1937 übernahm er sämtliche Anteile an der „Portland-Cement-Fabrik Karlstadt am Main AG“ und gliederte das Werk mit einer Jahreskapazität von 260 000 t seinem Unternehmen ein. 1933 wurde die Betonsteinfertigung vom Verwaltungssitz Ulm ins benachbarte Thalfingen verlagert. Am Standort Allmendingen begann 1930 die Produktion von Kalkputz und Leichtbauplatten.

    Das 1946 vor der Spruchkammer gegen Carl (NSDAP-Mitgl. seit 1937, Parteibuch rückdatiert auf 1.5.1933 lt. Klageschr. v. 12. 9. u. 25.11.1946) unter dem Vorwurf der Förderung der NSDAP und der Nutznießerschaft eingeleitete Verfahren endete im Okt. 1946 mit seiner Einstufung als „Mitläufer“, was nach zwei Berufungsverfahren im Aug. 1948 von der I. Berufungskammer Stuttgart bestätigt wurde. Nach der Abwendung von Demontageplänen und der Aufhebung der Vermögenskontrolle 1948 forcierte Carl die Erweiterung und Modernisierung der Werke, die 1953 ein Versandvolumen von über 1 Mio. t erreichten. Sein älterer Sohn Carl-Dieter (* 1921) kehrte 1947 aus russ. Kriegsgefangenschaft zurück und wirkte 1953–92 im Unternehmen; der zweite Sohn Conrad (1928–44) war als Flakhelfer gefallen. Seine Tochter Regina (* 1923) heiratete 1954 Eberhard Schleicher (1926–2007, Dr. rer. pol., Senator E. h.), der nach dem Studium der Volkswirtschaft und einer Tätigkeit als Wirtschaftsprüfer 1953 in das Unternehmen eingetreten war. Seit 1966 persönlich haftender Gesellschafter, baute er den Kernsektor Zement weiter aus und trieb gleichzeitig – flankiert durch weitere Firmengründungen, -übernahmen und -beteiligungen – die Diversifikation des Familienunternehmens durch den Ausbau der Sparten Dämm- und Putztechnik, Betonchemie und Transportbeton weiter voran. 1990 erfolgten die Übernahme der Zementwerke Bernburg (Sachsen-Anhalt) und der Ausbau zur damals modernsten Zementfabrik Europas, wodurch im Verbund mit den drei westdt. Produktionsstandorten 1994 ein Versandvolumen von 4 Mio. t erzielt wurde. Mit Vertretungen in den Niederlanden, Ungarn, Polen und Tschechien zählt die Unternehmensgruppe Schwenk, die Eberhard Schleicher gemeinsam mit seinem Sohn Eduard (* 1955, seit 1994 pers. haft. Gesellschafter) leitet, 2004 mit 2500 Mitarbeitern zur Gruppe der sechs führenden Hersteller von Zement und Baustoffgütern in Deutschland. Die Familie hält u. a. Beteiligungen an der „Heidelberg-Cement AG“ (seit 1911), der „Dyckerhoff AG“ und der „Wielandwerke AG“.

  • Quellen

    Qu zu Carl ( 1978): StA Ludwigsburg (Spruchkammerverfahrensakte).

  • Literatur

    W.-D. Hepach, S. 1847–1997, Fünf Generationen – e. Werk, 1997 (P);
    A. Rieber, Ahnentafel S., 1997.

  • Autor/in

    Richard Winkler
  • Empfohlene Zitierweise

    Winkler, Richard, "Schwenk" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 66-67 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119465086.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA