Lebensdaten
1704 bis 1761
Geburtsort
Sankt Michael in Eppan (Südtirol)
Sterbeort
Sankt Michael in Eppan (Südtirol)
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11937627X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Platzer, Johann Georg
  • Plazer, Johann Georg
  • Plazer, Georg
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Zitierweise

Platzer, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11937627X.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Viktor (1665–1708), Maler (s. ThB);
    M Christine Ratschiller ( 1719);
    Stief-V (seit 1709) Joseph Anton Keßler (auch K[h]össler, s. NDB XI, ThB) (+ 1721), Maler in E.;
    Ov Jakob Christoph (1698-n. 1720), aus Salzburg, fürstbfl. Historien- u. Bildnismaler in Passau;
    B Johann Peter (1701–63), Maler (s. ThB);
    Halb-B Johann Anton Kößler (* 1716), Pfarrer in Absam; – ledig.

  • Leben

    P. dürfte seine erste Ausbildung bei seinem Stiefvater erhalten und anschließend bei seinem Onkel in Passau gelernt haben, wohin er wohl 19jährig kam. 1728 trat er in die wiedereröffnete kaiserl. Akademie in Wien ein. Aus dieser Zeit stammt seine Freundschaft und enge künstlerische Verbundenheit mit Franz Christoph Janneck (1703–61). Ein Aufenthalt in Schlesien bei seinem Gönner Albrecht v. Sebisch (Diplomat am kaiserl. Hof) ist anzunehmen. 1734 lebte er nachweislich in Wien, aber bereits 1739 kehrte der vermutlich an der Parkinsonschen Krankheit leidende P. in seine Heimat zurück, wo er hochangesehen und wohlhabend starb.

    P. ist ein Vertreter des Wiener Rokokos und zählt zu den bedeutendsten Feinmalern des 18. Jh. Dabei war er bei der Wahl seiner Motive und der Maltechnik von den niederländ. Kleinmeistern des 17. Jh. beeinflußt und auch von den rudolfinischen Kammermalern, wie den Manieristen Hans von Aachen und Bartholomäus Spranger, sowie von den Italienern Sebastiano Ricci, Alessandro Magnasco und den Galli Bibiena für seine Architekturen. Die Themen seiner meist kleinformatigen Arbeiten sind aus der Mythologie, der Bibel und der Geschichte entnommen oder schildern höfisches Leben des 17. Jh. In seinen prunkvollen Festdarstellungen kam er den Liebhabern von offenkundiger und versteckter Erotik entgegen – heiterer Lebensgenuß wird hier verfeinert und bis zum Rausch gesteigert. P. schuf gerne Gegenpaare und Bilderserien (4 Elemente, 5 Sinne, etc.), die oft zur Ausstattung von Kabinetten gedacht waren (so orderte Sebisch 14 Gemälde). Dabei überhäufte er seine Bilder mit (bis zu 100) Figuren und Dekorationen, die das Auge nicht zur Ruhe kommen und ständig Neues entdecken lassen. Winzige Details und Gemälde im Gemälde führen zu immer weiteren Andeutungen und Sinnzusammenhängen.

    Die Verwendung von Kupfer als Bildträger liefert die Grundlage für P.s gleichermaßen virtuosen wie minutiösen Malstil. Es steigert das Brillieren der Farben, das Changeant der Stoffe. Bis heute wird der „edelsteinfarbene Glanz seiner Farben“, das „vibrierende An- und Abschwellen des Lichtes“ betont. Mitunter erhält die Malerei allerdings auch eine fast spröde Note von Glätte und Perfektion. Bedingt durch seine Krankheit – in seinem Nachlaß befanden sich Geräte, die seiner zitternden Hand einigermaßen Halt und Ruhe gaben – wirken die Arbeiten seiner Spätzeit wie getupft.

  • Werke

    u. a. Öl auf Kupfer: Das Atelier d. Bildhauers, 1730 (Sydney/Australien, The Art Gallery of New South Wales);
    Atelier e. Malers, um 1750 (Wien, Kunsthist. Mus.);
    Das Konzert (Nürnberg;
    German. Nat.mus.);
    Gartenszene (Sotheby's, London 3.7.1991);
    Konzertprobe im Schloß, 4 Gem. (Salzburg, Residenzgal.);
    Die vier Jahreszeiten u. d. vier Elemente (Dorotheum, Wien 7.10.1998, Bernheimer München/London, TEFAF Maastricht 1999);
    Rebekka am Brunnen (Wien, Barockmus. im unteren Belvedere). – Öl auf Holz: Festl. Mahl, sign. (Innsbruck, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum);
    Das Tanzfest u. Vornehme Ges. b. Kartenspiel (Privatbes). – Öl/Zinn/Holz: Galante Szene (Wien, Niederösterr. Landesmus.).

  • Literatur

    Ch. L. v. Hagedorn, Lettre à un Amateur de la Peinture, 1755, S. 310;
    F. Teßmann, J. G. P. u. d. Eppaner Malerfam. Plazer-Kößler, in: Der Schiern 1953, H. 7, S. 296 ff.;
    M. Krapf, Im Paradies d. Sinne, Zum Werk v. J. G. R, in: Reich mir d. Hand, mein Leben, Ausst.kat. Salzburg 1996, S. 16 ff. (ausführl. L-Verz., P);
    Österr. Gal. Belvedere, Jber. 1997, S. 39 f.;
    ThB;
    KML;
    Dict. of Art.

  • Portraits

    Selbstbildnis 1731 (Innsbruck, Tiroler Landesmus. Ferdinandeum), Abb. in: Reich mir d. Hand, mein Leben, S. 15 (s. L).

  • Autor/in

    Regina Kaltenbrunner
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaltenbrunner, Regina, "Platzer, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 521 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11937627X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA