Lebensdaten
1890 bis 1981
Geburtsort
Kippenheim (Ortenau)
Sterbeort
Riehen bei Basel
Beruf/Funktion
Historikerin ; Publizistin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 119368161 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stern-Täubler, Selma (verheiratete)
  • Stern-Taeubler, Selma (verheiratete)
  • Taeubler-Stern, Selma (verheiratete)
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Zitierweise

Stern, Selma (geborene), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119368161.html [21.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Julius (1861–1908, aus Malsch (Baden), Dr. med., Arzt in K. u. Baden-Baden;
    M Emilie Durlacher (1863–1931, aus K.;
    1 B (früh †), 2 Schw Anna Strauss (1888–1978, emigrierte 1938 n. Großbritannien, Margarete (* 1899, ⚭ Siegfried Horovicz), Soz.arb. in B.;
    Frankfurt/Main 1927 Eugen Täubler (1879–1953, ao. Prof. f. Alte Gesch. 1922–25 in Zürich, 1925–33 o. Prof. in Heidelberg, 1933 o. Prof. an d. Hochschule (Lehranstalt) f. d. Wiss. d. Judentums, Berlin, emigrierte 1941 in d. USA, seit 1941 Prof. f. bibl. u. hellenist. Lit. am Hebrew Union College, Cincinnati (Ohio) (s. NDB 25); kinderlos.

  • Leben

    Als einziges Mädchen ihres Jahrgangs am Knabengymnasium in Baden-Baden schloß S. 1909 das Abitur mit Auszeichnung ab. Anschließend studierte sie Philologie und Geschichte in Heidelberg und seit 1911 in München, wo sie 1913 mit der Biographie über einen rhein. Adeligen in der Franz. Revolution bei Karl Theodor v. Heigel (1842–1915) promoviert wurde. Eine geplante Habilitation ließ sich nicht realisieren. Im 1. Weltkrieg zerbrach S.s bürgerlicher Patriotismus am antisemit. Gesellschaftsdiskurs. In der Folge fand sie zu einem kulturgeschichtlich geprägten dt.-jüd. Selbstverständnis, das maßgeblich beeinflußt war durch die Geschichtsphilosophie Eugen Täublers. Dieser gewann sie 1920 als Mitarbeiterin für seine neu gegründete „Akademie für die Wissenschaft des Judentums“ in Berlin. Bis 1933 legte S. dort den Grundstein für ihr Hauptwerk, „Der Preuß. Staat und die Juden“ (Bd. 1, 1925, Bd. 2, 1938; 3 T. in 7 Bdn., 1962–75, 4. T., Gesamtreg. zu d. 7 Bdn. d. T. 1–3, hg. v. M. Kreutzberger, 1975). Es gilt bis heute als Standardwerk der Historiographie über Preußen und wegweisende Studie dt.jüd. Quellenforschung.

    Nach ihrer Heirat zogen Täubler und S. 1927 nach Heidelberg, wo sie weiterhin für die Berliner Akademie arbeitete und 1929 die Biographie des württ. Hoffaktors „Jud Süß“ (Nachdr. 1973) veröffentlichte. Nach der zwangsweisen Schließung der Akademie konnte S. dank der Vermittlung Leo Baecks (1873–1956) weiter zum „Preußen“-Thema recherchieren. 1941 folgten S. und Täubler dem Drängen Baecks und emigrierten über Lissabon nach New York, von dort aus nach Cincinnati (Ohio).

    Täubler nahm dort am Hebrew Union College eine Tätigkeit als Hochschullehrer an. S. begann erst 1947 als Leiterin der American Jewish Archives wieder wissenschaftlich zu arbeiten (1965 pensioniert). 1946 erschien „The Spirit Returneth“ (dt. u. d. T. Ihr seid meine Zeugen, Ein Novellenkranz aus der Zeit des Schwarzen Todes 1348/49, 1972), ihre literarische Verarbeitung der Judenverfolgung. 1950 legte S. mit „The Court Jew“ (Nachdr. 1985, dt. u. d. T. Der Hofjude im Zeitalter des Absolutismus, hg. u. komm. v. M. Sassenberg, 2001) ein weiteres Standardwerk vor mit der bahnbrechenden These, daß v. a. die Hofjuden und weniger – wie bis dahin angenommen – die jüd. Dichter und Denker die Wegbereiter der Emanzipation gewesen seien. 1959, noch bevor in Deutschland das christl.-jüd. Gespräch einsetzte, veröffentlichte sie mit „Josel von Rosheim“ (engl. 1965) ihre erste und einzige Monographie zum Thema christlicher Judenfeindlichkeit. Damit machte sie nicht nur auf die „andere Seite“ der Reformation aufmerksam, sondern zog von dort aus eine direkte Linie zum Antisemitismus der Nationalsozialisten. Gemessen am Grad öffentlicher Aufmerksamkeit wurde es S.s erfolgreichste Publikation. 1960 übersiedelte S. nach Basel, wo sie – 55 Jahre nach dem Beginn des Projekts – ihr „Preußen“-Werk vollendete.

  • Auszeichnungen

    A Gründungs- u. Vorstandsmitgl. d. Leo Baeck Inst., New York (1955); Dr. h. c. (Hebrew Union College, 1956).

  • Werke

    Anacharsis Cloots, der Redner d. Menschengeschlechts, Ein Btr. z. Gesch. der Deutschen in d. franz. Rev., 1914, Nachdr. 1965 (Diss.);
    Karl Wilhelm Ferdinand Hzg. zu Braunschweig u. Lüneburg, 1921;
    Nachlaß:
    Univ.bibl. Basel;
    Leo Baeck Inst., New York.

  • Literatur

    C. Hoffmann, Zerstörte Gesch., Zum Werk d. jüd. Hist. S. S., in: Exilforsch., Ein internat. Jb. 11, 1993, S. 203–15;
    U. Kaufmann, Erinnerung an d. bad. Hist. S. S., in: Allmende 13, Nr. 36/37, 1993, S. 162–67;
    M. Schmidt, S. S. (1890–1981), Exzentr. Bahnen, in: B. Hahn (Hg.), Frauen in d. Kulturwiss., 1994, S. 204–18;
    B. Hahn, Jüd. Frauentypus, in: dies., Die Jüdin Pallas Athene, Auch e. Theorie d. Moderne, 2002, S. 173–82;
    H. Häntzschel, Vom Emanzipationsprojekt z. Schwarzen Tod, S. S.s erzwungener Paradigmenwechsel angesichts d. Schoa, in: A. Huml u. M. Rappenecker (Hg.), Jüd. Intellektuelle im 20. Jh., 2003, S. 119–31;
    M. Sassenberg, S. S. (1890–1981), Das Eigene in d. Gesch., Selbstentwürfe u. Gesch.entwürfe e. Historikerin, 2004 (W, L, P);
    dies., S. S., Erste Frau in d. Wiss. d. Judentums, 2005 (P);
    J. Dick u. M. Sassenberg (Hg.), Jüd. Frauen im 19. u. 20. Jh., 1993;
    BHdE II;
    Baden-Württ. Biogrr. II (W, L);
    Historikerinnen (W, L);
    HLS;
    Lex. dt.-jüd. Autoren (W, L, Qu);
    Heuer.

  • Autor/in

    Marina Sassenberg
  • Empfohlene Zitierweise

    Sassenberg, Marina, "Stern, Selma" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 282-283 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119368161.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA