Lebensdaten
1958 bis 1994
Geburtsort
Graz
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Künstler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119355221 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwab, Werner
  • Schwab, W.
  • Švab, Verner
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Zitierweise

Schwab, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119355221.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Erwin (1919–78), aus Abtissendorf b. G., Bauarbeiter;
    M Aloisia (* 1924), Haushaltsgehilfin, später Hausmeisterin, T d. N. N. Konrad, Bauer in Pöllauberg b. Jagerberg (Steiermark);
    Feldbach 1982 1991 Ingeborg Orthofer (* 1960), bildende Künstlerin, Soz.wissenschaftlerin;
    1 S Vinzenz (* 1981), Musiker.

  • Leben

    Nachdem sein Vater die Familie 1959 verlassen hatte, wuchs S. bei seiner Mutter in Graz auf. wo er die Volks- und Hauptschule besuchte. Die Ausbildung auf einer Handelsschule brach er 1974 nach einem Jahr ab und wechselte an die Grazer Kunstgewerboschule (Fachschule f. Bildhauerei b. Josef Pillhofer), die er 1977 ohne Abschluß verließ, um als freier Künstler zu arbeiten. Seit Ende der 1970er Jahre wirkte S. in der von seinem Freund János Erdödy in Graz gegründeten Produzentengalerie „cool tour“ mit, wo 1978 seine erste Ausstellung „veraendung“ gezeigt wurde. Dort zählten u. a. Erwin Wurm, Harry Kostmann und Arnold Strohmeier zu seinen Weggefährten. 1978-82 studierte S. an der Akademie der Bildenden Künste (Meisterklasse f. Bildhauerei b. Bruno Gironcoli) in Wien, experimentierte mit „found footage“ und erzeugte mit Erdödy „mail art“. Daneben schrieb er kontinuierlich literarische Texte und beschäftigte sich mit Kunsttheorie sowie zeitgenössischer Musik. 1981 zog S. mit seiner späteren Ehefrau nach Kohlberg (Oststeiermark), wo er – neben seiner Tätigkeit als Subsistenzbauer – an Prosatexten arbeitete. Sein bildnerisches Interesse galt der Herstellung von Installationen mit verwesenden Materialien und collagiertem Text. Der Versuch, im österr. Literaturbetrieb zu reüssieren, blieb lange ohne Erfolg, da seine sprachexperimentellen Texte als „zu hermetisch“ galten. Die erste Inszenierung eines Theaterstücks von S. (Das Lebendige ist das Leblose u. die Musik) fand am 22.4.1989 im „Bronx“ in Graz im Rahmen eines Projekts von Christian Marczik statt. Im selben Jahr knüpfte S., nach Vermittlung durch den Konzeptkünstler Jörg Schlick, Kontakte zum Forum Stadtpark, wo er eine seiner ersten Autorenlesungen bestritt. 1990 publizierte Alfred Kolleritsch Prosa von S. in der Zeitschrift „manuskripte“.

    Im dt. Sprachraum schlagartig bekannt wurde S. 1990/91 durch die Uraufführungen seiner Stücke „Übergewicht, unwichtig: Unform“ (Schauspielhaus Wien) und „Volksvernichtung'“ (Münchner Kammerspiele). 1991 von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Jungdramatiker des Jahres“, 1992 zum „Dramatiker des Jahres“ ernannt, lebte S. seitdem wieder in Wien, wo er in kurzer Zeit eine Reihe von (Auftrags-)Stücken (Künstlerdramen u. „Coverdramen“, versammelt in d. Bdn. „Königskomödien“, 1992, u. „Dramen III“, 1994) produzierte. Für die Aufführungspraxis als besonders produktiv erwies sich die Zusammenarbeit mit F. M. Einheit, dem Schlagzeuger der Musikgruppe „Einstürzende Neubauten“, sowie mit der Schauspielerin Jennifer Minetti. 1993 übersiedelte S. abermals nach Graz; im dortigen Schauspielhaus führte er Regie bei der Uraufführung seines Stücks „Pornogeographie“, für das er auch die Ausstattung besorgte. S. starb 1994 an den Folgen exzessiven Alkoholkonsums.

    S. verarbeitete Genreanleihen, u. a. aus dem Volksstück und dem Künstlerdrama, mit Elementen aus Artauds „Theater der Grausamkeit“ sowie mit „Trash“-, „Comic“- und „Punk“-Ästhetik zu theatralischen Ereignissen voll anarchischer Effekte und von großer Bühnenwirksamkeit (Brachialgewalt, Skatologien, Szenen derb-komischer Sexualität). Einer eklektizistischen Handhabung dramaturgischer Versatzstücke stand als das Besondere der S.sehen Dramatik eine von der Kritik bald als „Schwabisch“ bezeichnete Figurenrede gegenüber. Mittels variantenreicher Verfremdungsverfahren schuf S. eine Sprachform von großer Dichte und schrägem Witz. Die Intensität des Sprachspiels und die offene Sinnkonstruktion der Spielvorlagen beförderten eine vielfältige Rezeption von S.s Dramen.

  • Auszeichnungen

    Forum-Stadtpark-Lit.förderungspreis (Graz 1990); Mülheimer Dramatikerpreis (1992); Förderungspreis d. Schiller-Gedenkpreises (1992).

  • Werke

    Sämtl. Werke (in Vorbereitung);
    Fäkaliendramen, 1991 (enthält: Die Präsidentinnen;
    Übergewicht, unwichtig: Unform;
    Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos;
    Mein Hundemund;
    z. T. auch einzeln gedr.);
    Das Grauenvollste, einfach wundervoll, in: Theater heute 1991, Nr. 12, S. 9 (P);
    |Der Dreck u. das Gute, Das Gute u. der Dreck, 1992;
    Abfall, Bergland, Cäsar, Eine Menschenslg., 1992;
    Hausbeispiel u. Spielgebiß, in: Theatermagazin d. Bühnen Graz, 1992, Nr. 9/10, S. 17;
    Der Schreibmuskel u. d. Suchtfetzen, in: Jb. d. Zs. „Theater heute“, 1993, S. 32-34 (P);
    Der Bauch, in: manuskripte, 1994, Nr. 125, S. 3;
    brack komma ein, ebd., 1995, Nr. 127, S. 5-20;
    schlagen da zwei, ebd., S 21-35;
    Wäsche Farbe Musik, ebd., 1995, Nr. 129, S 181;
    Voyeur, ebd., S. 183;
    liebe eins bis drei, ebd., 1997, Nr. 138, S. 42 f.;
    Die Krankenwurst, ebd., 1998, Nr. 139, S. 61-63;
    Vorhut, ebd., 1998, Nr. 142, S. 75;
    Reise in d. gastwirtschaftl. Begriff Eins, ebd., S. 76 f.;
    Der Präs. u. d. Böschung, ebd., 2000, Nr. 147, S. 46 f.;
    Ohne Titel, ebd., Nr. 150, S. 199 f.;
    sein letzter Text, ebd., 2004, Nr. 165, S. 47 f.;
    Schwabtexte, Orgasmus, Kannibalismus, Sieben Liebesbriefe an d. eigene Beschaffenheit, in: Schwabslg., hg. v. I. Orthofer u. P. Weibel, 1996;
    Der reizende Reigen nach d. Reigen d. reizenden Herrn Arthur Schnitzler, 1996;
    in harten schuhen, ein handwerk, hg. v. I. Orthofer, 1999 (Nachwort v. M. Streeruwitz);
    Thierschädel, in: Schreibkraft 1999, Nr. 2/3;
    |

  • Quellen

    Qu: Privates S.-Archiv, Graz.

  • Literatur

    J. Landa, „Königskomödien“ oder „Fäkaliendramen“?, in: Modern Austrian Literature 1993, Nr. 3/4, S. 215-229;
    G. A. Höfler, „Stop making sense“, in: Jenseits d. Diskurses, hg. v. A. Berger u. G. E. Moser, 1994, S. 322-36;
    H. Schödel, Seele brennt, 1995 (P);
    W. S., hg. v. M. Sens, 1995 (P);
    T. Trenkler, Die Krüppelwürmer, in: Germanist. Mitt. 1996, Nr. 43/44, S. 165-74;
    S.slg., hg. v. I. Orthofer u. P. Weibel, 1996;
    J. Preece, Form, Structure and Poetrv in the Varied Plays of W. S., in: Centre stage, Contemporary drama in Austria, hg. v. F. Finlay u. R. Jeutter, 1999, S. 15-30;
    I. Orthofer u. S. Schwar, in: Dt. Dramatiker d. 20. Jh., hg. v. A. Allkemper u. N. O. Eke, 2000, S. 884-99;
    W. S., hg. v. G. Fuchs u. P. Pechmann, 2000 (Bibliogr. v. L. Kramberger u. P. Pechmann, P);
    J. Lajarrige, Artaud revisité par S., in: Austriaca 2001, Nr. 53, S. 195-217 (P);
    D. Hornig, W. S., Groteske Körper/Obszöne Stimmen, in: Aug' um Ohr, hg. v. B. Banoun, 2002, S. 117-30;
    H. Miesbacher, Die Anatomie d. Schwabischen, 2003 (P);
    J. Kern, Fäkalien, Mord u. Tuschwasser, 2004 (P);
    A. Pełka, Körper(sub)versionen, 2005;
    Sucher, Theaterlex.;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Portraits

    Fotos v. J. G. Rittenberg, Abb. in: Jb. d. Zs. „Theater heute“ 1993, S. 32, v. H. Utri, C. de Grancy u. F. Nöbauer, alle Abb. in: W. S., hg. v. G. Fuchs u. P. Pechmann (s. L).

  • Autor/in

    Paul Pechmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Pechmann, Paul, "Schwab, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 774-775 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119355221.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA