Lebensdaten
1871 bis 1944
Geburtsort
Wolfenbüttel
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Politiker ; Publizist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119212919 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Südekum, Albert Oskar Wilhelm
  • Südekum, Albert
  • Südekum, Albert Oskar Wilhelm

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Zitierweise

Südekum, Albert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119212919.html [17.01.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1835–1927), Gastwirt, Landwirt u. Hotelier in W.;
    M Johanna Sandvoß († 1915);
    2 B Hermann (1869–96), Zahnarzt in W., Otto (1872–1943), Hotelier in W. u. Bad Harzburg, Pol.;
    Berlin 1904 Anna Luise (1872–1948), T d. Julius Zuelzer (1838–89), Fabrikbes. in Haynau (Schlesien), u. d. Henriette Friedlaender (1852–1931);
    1 S Lothar (1908–2002, Violet Hopwood), Vers.manager, 2 T Irmgard (1905–2002, 1] Hans Roth, 1899–1945, RA, 2] Andro Vrkljan, 1902–95, kroat. Fregattenkpt.), Rosemarie (1906–2002, ⚭ Joachim-Dieter Bloch, 1906–45, Jur.).

  • Leben

    S. besuchte zunächst die Dorfschule in Weißenhasel (Hessen-Nassau), anschließend die Bürgerschule und das hzgl.-braunschweig. Gymnasium in Wolfenbüttel (Abitur 1891). Während seines Studiums der Nationalökonomie in Genf, München, Berlin und Kiel schloß sich S. unter dem Einfluß Georg v. Vollmars (1850–1922) und Ferdinand Tönnies’ (1855–1936) der SPD an. Nach seiner Promotion zum Dr. phil. 1894 bei Wilhelm Hasbach (1849–1920) in Kiel trat er im selben Jahr als Volontär in die Redaktion des „Vorwärts“ ein, bevor er 1896/97 die stellv. Leitung der „Leipziger Volkszeitung“ übernahm. Weitere Stationen seiner journalistischen Karriere waren die Chefredaktion der „Fränk. Tagespost“ in Nürnberg (1898–1900) und der „Sächs. Arbeiter-Zeitung“ in Dresden (1900–03). Als Herausgeber der „Kommunalen Praxis“ sowie als Mitherausgeber des „Kommunalen Jahrbuchs“ (1908–30) und des „Handwörterbuchs der Kommunalwissenschaften“ (1918–24) profilierte er sich als führender Kommunalexperte seiner Partei. Im Mai 1900 zog S. für seinen Nürnberger Wahlkreis in den Reichstag ein, dem er 18 Jahre lang angehörte. Als einer der markantesten Vertreter des „revisionistischen“ Fraktionsflügels bemühte er sich um eine reformorientierte Bündnisstrategie mit den Liberalen. Zu namhaften Repräsentanten des Liberalismus wie Friedrich Naumann, Theodor Heuss, Bernhard Dernburg und Hugo Preuß entwickelte er enge politische und persönliche Beziehungen. Mit Ausbruch des 1. Weltkriegs stellte sich S. kompromißlos in den „Dienst des Vaterlandes“ und versicherte den dt. Reichskanzler Theobald v. Bethmann Hollweg am 29. 7. 1914 der Loyalität der SPD. Als „Agent“ des Auswärtigen Amtes unternahm er politische Missionen in Italien, Schweden und Rumänien, um die neutralistischen Flügel der sozialistischen Bruderparteien zu stärken. Der Begriff der „Südekumerei“ avancierte zu einem international gebräuchlichen Schlagwort und trug ihm die unversöhnliche Feindschaft der revolutionären Linken ein. S. war Mitglied der „Dt. Gesellschaft 1914“, der „Vereinigung Gleichgesinnter“ und des „Dt. Nationalausschusses“. Im Nov. 1918 wurde er – zunächst gemeinsam mit dem Unabhängigen Sozialdemokraten Hugo Simon (1880–1950), seit Jan. 1919 allein – mit der Leitung des preuß. Finanzressorts betraut. Im Zuge der Umbesetzung der preuß. Staatsregierung nach dem Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920 mußte er seinen Posten räumen und wechselte – nach einem kurzen Intermezzo als preuß. Staatskommissar für die Groß-Hamburg-Frage 1921/22 – in die Wirtschaft. Seit 1926 gehörte er dem Vorstand der „Dt. Zündholz-Verkaufs-Aktiengesellschaft“, seit 1930 der „Dt. Zündwaren-Monopolgesellschaft“ an. Nach 1933 sämtlicher Posten enthoben, verfolgte er die politische Entwicklung mit wachsender Resignation. Seit Ende der 1930er Jahre trat er in|Kontakt mit führenden Vertretern des Widerstands, mit Wilhelm Leuschner, Carl Friedrich Goerdeler, Ernst v. Harnack und Jakob Kaiser, und stellte die Verbindung zwischen den verschiedenen Widerstandsgruppen her.

    S.s Rolle als wichtiger Repräsentant des sozialdemokratischen Reformismus, v. a. seine Unterstützung der dt. Kriegsanstrengungen 1914–18, wurde von Zeitgenossen und Forschung kontrovers diskutiert. Er selbst empfand sich stets als Patriot, der – in Anlehnung an Ferdinand Tönnies’ Gemeinschaftskonzept – Nation und Sozialismus in Einklang zu bringen versuchte.

  • Auszeichnungen

    A E. K. II. Kl. (1915); Vorstandsmitgl. d. Dt. Ges. (1915–33); Vorstandsmitgl. d. Ver. z. Abwehr d. Antisemitismus (1917–31); Präs. d. Sportclubs Charlottenburg (S.C.C.) (1927–33); Mitgl. d. Arb.ausschusses d. Dt. Kunstges. (1928–33); Vors. d. Dt. Verbandes f. Kinderschutz; Mitgl. d. Dt. Ges. f. Völkerrecht.

  • Werke

    Weitere W Darwin, Sein Leben seine Lehre u. seine Bedeutung, Nach Alphonse de Candolles, 1893;
    Über d. Malthus`sche Gesetz u. d. Bevölkerungsproblem d. kommunist. Ges., 1894;
    Großstädt. Wohnungselend, 1908;
    Die Wertzuwachssteuer, 1911;
    Ja oder Nein? Soz.demokratie u. direkte Reichssteuern, 1913;
    Menschen u. Einrichtungen, 1918;
    Kapital- u. Gewinnbeteiligung als Grundlage planmäßiger Wirtsch.führung, 1921;
    Überss.:
    G. Renard, Ist d. Mensch frei?, 1893;
    P. Leroy-Beaulieu, Die chines. Frage, 1900;
    J. Jaurès u. J. Guesde, Zum Bruderzwist in Frankr., 1901;
    J. Jaurès, Sozialist. Studien, 1902;
    É. Vandervelde, Die Entwickelung z. Sozialismus, 1902;
    R. Hunter, Das Elend d. neuen Welt, 1908;
    W. Sanders, Engl. lokale Selbstverw. u. ihre Erfolge, 1908;
    Mithg.:
    Für Groß-Berlin, 1912 (mit B. Dernburg, A. Dominicus u. H. Muthesius).

  • Literatur

    J. Fischart (d. i. Erich Dombrowski), Das alte u. d. neue System, Zweite Folge: Die Männer d. Übergangszeit, 1920, S. 185–90;
    H. Radandt u. D. Baudis, Dok. z. Rolle A. S.s, in: ZfG 8, 1960, S. 376–79;
    H. Wohlgemuth, Weitere Dok. z. Rolle A. S.s im Ersten Weltkrieg, ebd. 17, 1969, S. 748–59;
    W. Gutsche, S. u. d. anderen, Dok. z. Rolle rechter Führer im ersten Weltkrieg, ebd. 18, 1970, S. 1179–86;
    A. Laschitza u. J. Peters, S.s Auftrag in Schweden, Dok. z. soz.chauvinist. Funktion A. S.s im Ersten Weltkrieg in Schweden, in: Btrr. z. Gesch. d. Arbeiterbewegung 16, 1974, S. 600–20;
    R. Thies, Ethnograph d. dunklen Berlin, Hans Ostwald u. d. „Großstadt-Dok.“ (1904–1908), 2006, S. 20 f. (P);
    M. Bloch, A. S. (1871–1944), Ein dt. Soz.demokrat zw. Ks.reich u. Diktatur, 2009 (P);
    Rhdb. (P);
    Biogr. Lex. Sozialismus;
    Kosch, Lit.Lex.3;
    Braunschweig. Biogr. Lex. I (P);
    Stadtlex. Nürnberg;
    Sozialdemokrat. Parlamentarier;
    Nachlaß:
    BA Koblenz.

  • Autor/in

    Max Bloch
  • Empfohlene Zitierweise

    Bloch, Max, "Südekum, Albert" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 672-673 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119212919.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA