Dates of Life
1645 – 1711
Place of death
Magdalena (Sonora, Mexiko)
Occupation
Jesuit ; Missionar ; Forschungsreisender ; Kartograph ; Katholischer Theologe
Religious Denomination
katholisch
Authority Data
GND: 119167670 | OGND | VIAF: 29584765
Alternate Names
  • Chini, Eusebio
  • Quino, Eusebio
  • Kühn, Eusebius
  • more

Relations

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Citation

Kino, Eusebio, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119167670.html [05.12.2023].

CC0

  • Biographical Presentation

    K. besuchte das Jesuitenkolleg in Hall (Tirol) und trat 1665 in Landsberg/Lech in die Gesellschaft Jesu ein. In Hinblick auf seinen Wunsch, als Missionar nach China zu gehen, widmete er sich bei seinen Universitätsstudien in Freiburg im Breisgau und besonders in Ingolstadt auch der Mathematik, Astronomie und Geographie. Seit 1672 bewarb er sich um Entsendung in die Mission, schlug deshalb 1676 eine Mathematikprofessur in Ingolstadt aus, wurde aber erst 1678 nach „Neu-Spanien“ berufen. Nach einem 2½jährigen Aufenthalt in Spanien traf K. im Frühjahr 1681 in Mexiko ein. Als leitender Missionar und „königlicher Kosmograph“ (Astronom und Kartograph) wurde er der von Isidro de Atondo geführten Niederkalifornien-Expedition zugeteilt, die von Süden aus bis etwa 26° nördliche Breite gelangte und die Halbinsel Nieder-Kalifornien bis zum Stillen Ozean durchquerte. 1685 mußte Atondo das Unternehmen wegen Nachschubschwierigkeiten abbrechen; K. kehrte in die Hauptstadt zurück und wurde 1687 zur Missionierung der Indianer in die Pimería Alta (Nordwest-Mexiko und südliches Arizona) entsandt. Noch im selben Jahr gründete er dort die Missionsstation Dolores; von hier aus organisierte er fast ein Vierteljahrhundert lang seine Seelsorge- und Forschungstätigkeit. K.s bis zuletzt verfolgtes Ziel war die Missionierung und Erforschung ganz Kaliforniens. Dazu wollte er die Pimería Alta als Versorgungsbasis und Ausgangspunkt für die Wegeerkundung benützen. Seine über 40 Expeditionen müssen unter diesem Blickwinkel gesehen werden. K.s Aktionsradius reichte im Norden und Nordwesten bis zum|Gila-Fluß und etwas über den Colorado River hinaus, im Westen bis an die Küsten des Golfes von Kalifornien. Seine Bedeutung liegt neben den missionarischen Leistungen in der genauen Erforschung und kartographischen Aufnahme dieser Landstriche. Er wurde auf einigen Reisen von den deutschen Patres Markus Anton Kappus (1657–1717) und Adam Gilg (1653–1729) begleitet, die vor allem wichtige völkerkundliche Forschungsbeiträge leisteten. Als K. 1699 bei einem Unternehmen zum Gila-Fluß bei Eingeborenen im Landesinneren die gleichen blauen Muscheln wie schon 1683 an der Pazifikküste Kaliforniens sah, zog er hieraus und aus anderen Hinweisen den richtigen Schluß, daß Niederkalifornien nicht – wie damals allgemein angenommen – eine Insel sei, sondern mit dem Festland zusammenhängen müsse, was zwar schon im 16. Jahrhundert bekannt, dann jedoch wieder in Vergessenheit geraten war. Bei diesen Überlegungen dürfte K. nicht unwesentlich vom geographischen Wissen seines Ingolstädter Lehrers Adam Aigenler (1635–73) beeinflußt worden sein, der 1668 Niederkalifornien auf einer Karte richtig als Halbinsel dargestellt hatte. Anhand der Ergebnisse von 4 Expeditionen (1700–02) vermochte K. seine Theorie schließlich zu beweisen. Die Kenntnis von der Halbinselnatur Nieder-Kaliforniens setzte sich durch die seit 1705 in Frankreich, England und Deutschland veröffentlichten Karten K.s in der Wissenschaft rasch durch.

  • Works

    Exposición astronómica de el cometa, 1681;
    Favores celestiales, hrsg. v. H. E. Bolton u. d. T. K.s historical memoir of Pimería Alta, 2 Bde., 1919, ²1948, sowie hrsg. v. F. F. del Castillo u. E. Böse, in: Las misiones de Sonora y Arizona, 1922;
    Vida del P. Francisco J. Saeta, hrsg. v. E. J. Burrus, 1961.-Von d. Karten am bedeutendsten: Paso por tierra a la California …, 1701, veröff. u. a. in: Lettres édifiantes et curieuses V, 1705;
    Mémoires de l'hist. des sciences et des beaux arts, 1705;
    Philosophical Transactions, 1708;
    Der neue Weltbott I, hrsg. v. J. Stöcklein, 1726.

  • Literature

    E. Ricci, Il padre E. Ch., esploratore missionario della California e dell'Arizona, 1930;
    P. Stitz, Kaliforn. Briefe d. P. E. F. K. (= Chini) nach d. oberdt. Prov., in: Archivum Historicum Societatis Jesu III, 1934, S. 108-28;
    H. E. Bolton, Rim of christendom, A biogr. of E. F. K., Pacific coast pioneer, 1936, ²1960;
    E. J. Burrus, K. and the cartography of northwestern New Spain, 1965 (P);
    F. J. Smith, J. L. Kessell u. F. J. Fox, Father K. in Arizona, 1966 (L);
    B. Bolognani, Pioneer Padre, A biogr. of E. F. K., missionary, discoverer, scientist, 1968;
    W. Deckardt, Die wiss. Arb. K.s u. s. Mitarbeiter im Rahmen d. Sonora-California-Projektes, Diss. Wien 1972 (ungedr.).

  • Portraits

    Statue, 1965 (Washington, D. C., Nat. Statuary Hall).

  • Author

    Johannes Dörflinger
  • Citation

    Dörflinger, Johannes, "Kino, Eusebio" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 625-626 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119167670.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA