Lebensdaten
1869 bis 1956
Geburtsort
Graditz bei Torgau
Sterbeort
Bad Godesberg
Beruf/Funktion
preußischer Landstallmeister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119118246 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lehndorff, Siegfried Graf von
  • Lehndorff, Siegfried

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Zitierweise

Lehndorff, Siegfried Graf von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119118246.html [22.07.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Georg (s. 1);
    - Januschau (Ostpr.) 1906 Maria (1886–1945), T d. Elard v. Oldenburg, auf Januschau, u. d. Agnes Gfn. v. Kanitz;
    5 S (2 ⚔), 1 T, u. a. Hans (* 1910), Dr. med., Chefarzt, Schriftsteller.

  • Leben

    Nach Ablegung des Abiturs in Leipzig begleitete L. seinen Vater im Herbst 1889 nach England zum Besuch von Vollblutgestüten. 1890 trat er beim 1. Garde-Ulanen-Rgt. in Potsdam ein, wo er 1891 zum Offizier befördert wurde. Während seiner Militärzeit und in den ersten Jahren danach zählte L. mit 166 Siegen bei 541 Starts zur Spitzengruppe der deutschen Herrenreiter; erwähnenswert ist sein Start im schwersten Hindernisrennen des Kontinents, der Pardubitzer Steeplechase, in der er 1897 auf Crackshot Dritter wurde.

    Nach seinem Übertritt zur preuß. Gestütverwaltung war L. als Landstallmeister vom 1.4.1896 bis 31.3.1906 Dirigent des Friedrich-Wilhelm-Gestüts und des Landgestüts Lindenau b. Neustadt/Dosse (Prov. Brandenburg). Im Hauptgestüt stellte er den anfangs auf die Zucht von Angloarabern ausgerichteten Bestand durch Ankauf edler, kräftiger Stuten aus Hannover, Ost- und Westpreußen systematisch auf die Erzeugung eines dem Bedarf der Brandenburger Warmblutzüchter besser entsprechenden Wirtschaftstyps um. In der Landespferdezucht der Provinz, die wegen sehr unterschiedlicher landwirtschaftlicher Gegebenheiten im Norden und Süden in der Wahl zwischen Warmblut und Kaltblut völlig zerstritten war, bahnte er einen für alle Beteiligten gangbaren Weg an.

    1906 wurde L. als Nachfolger seines Vaters Dirigent des Hauptgestüts Graditz, wo in zwei getrennten Herden Halbblut und Vollblut – mit eigenem Rennstall – gezogen wurde. In der vorwiegend ostpreuß. gezogenen Halbblutherde, deren Stuten im Bau stärker, im Typ etwas weniger edel als die Trakehner waren, bevorzugte er Beschäler derselben Zuchtrichtung, wodurch der Graditzer Halbbluttyp international fixiert wurde. Durch Anwendung eigener Erfahrungen im Rennwesen sowie durch Verpflichtung fähiger Trainer und Jockeys für den staatlichen Rennstall erreichte er eine beträchtliche Zunahme der Erfolge und Gewinne der Graditzer Vollblüter; die Derby-Sieger Arnfried xx (1909), Orient xx (1910), Gulliver xx (1912), Gibraltar xx (1919) und Herold xx (1920) unterstreichen, bei gleichbleibend strenger Berücksichtigung der unerläfllichen Korrekturen im Exterieur, das erreichte Leistungsniveau.

    Bei der Verlegung der Vollblutzucht nach Altefeld b. Herleshausen/Werra vor die Wahl der Leitung von Altefeld, Graditz oder Trakehnen gestellt, entschied sich L. für Trakehnen, das er am 1.4.1922 übernahm. Hier war bereits durch Kurt Gf. v. Sponeck die züchterische Umgestaltung des im Spezialtyp eines Reit- bzw. Remontepferdes hochedlen Trakehners zum großrahmigeren, vielseitigen Gebrauchspferd begonnen worden; es war dies eine für die ehemalige Remonteprovinz Ostpreußen lebenswichtige Konsequenz aus dem, durch die Truppenverringerung nach 1918 bedingten, erheblichen Rückgang im Absatz von Heeresremonten. Da L. ebenso wie die ostpreuß. Züchterschaft die Einkreuzung rassefremden Halbbluts zwecks schnellerer Erfolge bei der sogenannten „Verstärkung“ grundsätzlich ablehnte, wurde der Anglonormanne Floral mit seiner gesamten Nachzucht aus Trakehnen entfernt. Obwohl die von Trakehnen maßgeblich gesteuerte Umzüchtungsphase durch Verwendung erstklassiger Hengste (Tempelhüter, Jagdheld, Pirat, Thronhüter und Dampfroß) gut abgesichert war, mußte anfangs auf kaliberstarke Beschäler aus der ostpreuß. Landespferdezucht zurückgegriffen werden (u. a. Waldjunker). Mit den Trakehnern Ararad, Parsival, Saturn, Poseidon, Kupferhammer und Pilger sowie dem Graditzer Astor konnten bis 1929 Hengste eingestellt werden, die dem damaligen Zuchtziel in Exterieur und Vererbung voll entsprachen; die in nur beschränktem Maße eingesetzten Vollblüter Friedensfürst, Gießbach und Großinquisitor waren durch ihre zahlreichen Töchter von Nutzen. In der breiten Öffentlichkeit war L.s Amtszeit in Trakehnen überstrahlt durch die Erfolgsserie zahlreicher Trakehner im Leistungssport des In- und Auslandes; aus den Geburtsjahrgängen 1914-22 seien hier genannt: Peipus, Heiliger Speer, Morgenglanz, Heimatsang, Hartherz, Heimathorst, Alp, Minneri, Posidonius, Badewanne. Die zu L.s Zeiten gezogenen Hauptbeschäler Hyperion, Pylhagoras, Bussard, Polarstern und Hirtensang erwiesen ihre hohe Qualität unter seinem Nachfolger (1.9.1931 bis 8.5.1945) Dr. Ernst Ehlert (1875–1957, s. Altpr. Biogr. III).

    Unter Berücksichtigung der hervorragenden züchterischen Verdienste von L. in Trakehnen ist es um so tragischer, daß persönliche Differenzen mit seinen Vorgesetzten nicht beigelegt werden konnten und seine Versetzung zum ostpreuß. Landgestüt Braunsberg zur Folge hatten. Dort schied er am 30.9.1934 mit Erreichung der Altersgrenze aus der preuß. Gestütverwaltung aus, in der er fast 40 Jahre als Gestütdirigent „zum Besten des Landes“ gewirkt hatte. In seinem Buch „Ein Leben mit Pferden“ (1943, 21956) behandelt L. u. a. ausführlich die Geschichte der Hauptgestüte Neustadt, Graditz und Trakehnen und die noch heute aktuellen Maßnahmen, die er dort zwecks Angleichung der Zuchtprodukte an die Forderungen der Landespferdezucht mit großem Erfolg in die Wege leitete.

  • Literatur

    M. Heling, Trakehnen, 1959, 41970;
    Hans Gf. v. Lehndorff (S), Menschen, Pferde, weites Land, 1981;
    Altpr. Biogr. III.

  • Autor/in

    Jürgen von Henninges
  • Empfohlene Zitierweise

    Henninges, Jürgen von, "Lehndorff, Siegfried Graf von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 106-105 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119118246.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA