Lebensdaten
1908 – 2001
Geburtsort
Basel
Sterbeort
Villars-surGlâne (Kanton Freiburg)
Beruf/Funktion
Dominikaner ; Sozialphilosoph ; Theologe ; Philosoph ; Hochschullehrer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119064022 | OGND | VIAF: 110146654
Namensvarianten
  • Utz, Fridolin Maria (Ordensname)
  • Utz, Arthur F.
  • Utz, Fridolin Maria (Ordensname)
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Zitierweise

Utz, Arthur F., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119064022.html [24.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    V August (1877–1950), Schlosser, Angest. d. Bad. Bahn in B., S d. Gustav (1840–1914) u. d. Katharina Stoll (1841–1909);
    M Elisabeth (1883–1954), T d. Johann Baptist Fitz (1852–1933), Inh. e. Sandsteinbruchs b. Lörrach, u. d. Maria Raimann (1858–1934).

  • Biographie

    U. legte 1928 in Freiburg (Br.) das Abitur ab und trat in den Predigerorden ein. Nach dem Noviziat in Venlo, phil.-theol. Studien in Walberberg (b. Bonn) und der Priesterweihe 1934 in Köln wurde er 1937 in Freiburg (Uechtland) bei Santiago Ramírez OP (1891–1967) promoviert. Anschließend war U. bis zur Enteignung des Klosters 1942 als Dozent in Walberberg tätig und lebte danach im Berg. Land, bevor er 1946 als Ordinarius für Ethik und Sozialphilosophie nach Freiburg (Uechtland) zurückkehrte. Hier setzte er sich 1946–78 als Leiter des von ihm mitgegründeten Internationalen Instituts für Sozialwissenschaften und Politik dafür ein, die kath. Soziallehre für die politisch-sozioökomomische Praxis fruchtbar zu machen (Hg. d. institutseigenen Zs. „Politeia“ 1949–53). Dieses Ziel verfolgte U. über die Emeritierung 1978 hinaus auch mit Hilfe der „Union de Fribourg, Internationales Institut für Sozial- und Politikwissenschaften“ und als Funktionsträger in anderen von ihm geprägten Einrichtungen, etwa als Präsident der Internationalen Stiftung Humanum (Bern, heute Lugano) 1976–98 und Leiter des mit der Stiftung verbundenen Scientia-Humana-Instituts in Bonn sowie besonders als Vorsitzender des Bonner Instituts für Gesellschaftswissenschaften Walberberg 1966–93.

    U. war ein hervorragender Kenner und Kommentator des thomasischen Werks wie des zeitgenössischen sozialwissenschaftlichen und -ethischen Schrifttums. Er wurde als Ratgeber und Gutachter von Regierungen und Unternehmen geschätzt und – ähnlich wie sein Antipode Oswald v. Nell-Breuning SJ (1890–1991) – als „Nestor“ der Kath. Soziallehre bezeichnet. Daß er seine Sozialethik in kritisch-ablehnender Auseinandersetzung mit Kants transzendentalem Idealismus und anderen idealistischen, (rein) empiristischen oder positivistischen „Systemen“ seinsrealistisch-metaphysisch anlegte und dabei nicht zuerst vom Individuum, sondern von der am Gemeinwohl ausgerichteten sozialen Natur des Menschen ausging, brachte ihm auch Kritik ein. Vor allem in seinem mehrfach übersetzten Hauptwerk „Sozialethik, Mit internationaler Bibliographie“ (5 Bde., 1958–2000) entwarf U. eine alle Bereiche des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens erfassende Sozialethik, die nicht als Anhängsel einer Individual- oder „Standesethik“ oder als spezifisch christliche Ethik zu verstehen ist. U.s dynamische Neubegründung des „Naturrechts“ differenziert zwischen unveränderlichen Prinzipien und dem flexiblen, eine „Situation im Hier und Jetzt“ entscheidenden Sollen. Seine Methode, das christliche Menschenbild auf die soziale Wirklichkeit normativ anzuwenden, ohne ein christliches Bekenntnis vorauszusetzen, entspringt der Überzeugung von der Erkenntniskraft der (im Dienst der Offenbarung stehenden) natürlichen Vernunft. Sie wissenschaftlich entfaltet zu haben, ist U.s bleibende Leistung. Von seinen Schülern, zu denen Heinrich Basilius Streithofen OP (1925–2006), Peter Paul Müller-Schmid (* 1941) und Wolfgang Ockenfels OP (* 1947) gehören, sowie in der „Stiftung Professor Dr. A. F. Utz“ in Freiburg (Uechtland) wird sein Werk fortgeführt.

  • Auszeichnungen

    A Ernennung z.Mag. in Sacra Theologia“ durch d. Ordensgen. d. Dominikaner (1965);
    Gr. BVK (1968);
    Ehrenpräs. d. Internat. Vereinigung f. Rechts- u. Sozialphilos. (1979);
    „Doxa“-Preis d. Ak. f. Philos. (Mexiko, 1980);
    Dr. phil. h. c. (Basel 1985);
    Gr. Goldenes Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Rep. Österr. (1991).

  • Werke

    W u. a. De connexione virtutum moralium inter se secundum doctrinam St. Thomae Aquinatis, 1937 (Diss.); Thomas v. Aquin, Summa theologica I–II 49–70, Übers. (mit H. M. Christmann), Anmm. u. Komm., 1940; dass., II–II 1–16, Anmm. u. Komm., 1950; dass., II – II 57–79, Einl., Anmm., Komm. u. Exkurse, 1953, Nachfolgefassung 1987; Aufbau u. Entfaltung d. gesellschaftl. Lebens, Soz. Summe Pius XII., 3 Bde., 1954–61 (Hg. mit J. F. Groner); Grundsatzfragen d. öff. Lebens (seit Bd. 3 Bibliogr. d. Sozialethik, Recht, Ges., Wirtsch., Staat, 11 Bde., 1960–80 (Hg.); Die Friedensenzyklika Papst Johannes’ XXIII. Pacem in Terris, Mit e. Einf. in d. Lehre d. Päpste über d. Grundlagen d. Pol. u. e. Komm. v. A.-F. U. OP sowie mit e. Nachruf auf Papst Johannes XXIII. v. Joseph Kard. Frings, 1963, ²1965; Ethik, 1970; La Doctrine sociale de l’Église à travers les siècles, Documents pontificaux du XVème au XXème siècle, 4 Bde., 1970, ²1973 (Hg.; dt. hg. v. A. F. U. u. B. Gfn. v. Galen, 4 Bde., 1976); Die christl. Konzeption d. pluralist. Demokr., Akten d. Internat. Symposiums Madrid 1976, 1977 (Hg. mit H. B. Streithofen); Die marxist. Wirtsch.philos., 1982; Die offene Ges. u. ihre Ideologien, 1986, span. 1989 (Hg.); Glaube u. demokr. Pluralismus im wiss. Werk v. Joseph Kard. Ratzinger, 1989 (Hg.); Die kath. Soz.lehre u. d. Wirtsch.ordnung, 1991, ital. 1992, span. 1993 (Hg.); Thomas v. Aquin, Theol. Summe I–II 90–97, Anmm. u. Komm., 1996; Der Weg des Menschen z. dauerhaftem Glück u. innerem Frieden, Ein Resümee d. Ethik u. d. Moraltheol. d. Thomas v. Aquin, hg. u. mit e. Vorw. versehen v. W. H. Spindler, 2011; – Aufs.slgg.: Ethik u. Pol., Grundfragen d. Ges.-, Wirtsch.- u. Rechtsphilos., hg. v. H. B. Streithofen, 1970 (Bibliogr. 1937–70, S. 501–06); Eth. u. soz. Existenz, hg. v. dems., 1983 (Bibliogr. 1970–83, S. 533–37); Ethik d. Gemeinwohls, hg. v. W. Ockenfels, 1998 (Bibliogr. 1983–97, S. 613–20); – Nachlaß: Inst. f. Ges.wiss. Walberberg, Bonn.

  • Literatur

    L H. B. Streithofen, Das Inst. f. Ges.wiss. Walberberg, in: A. F. U., Ethik u. Pol. (s. W), S. 13–31;
    ders., Vorwort, in: A. F. U., Eth. u. soz. Existenz (s. W), S. IX-XV;
    P. P. Müller-Schmid, Kants Autonomie d. Ethik u. Rechtslehre u. d. thomas. Naturrechtsdenken, in: Jb. Christl. Soz.wiss. 27, 1986, S. 35–60;
    ders., Gesch. u. Vernunft, Naturrecht u. Pluralismus b. A. F. U. OP, in: Die Neue Ordnung 65, 2011, 343–59, 415–26;
    B. Kettern, Soz.ethik u. Gemeinwohl, Die Begründung e. realist. Soz.ethik b. A. F. U., 1992;
    Die Neue Ordnung 47, 1993, S. 81–160 (Themenheft Soz.ethik u. Gemeinwohl, A. F. U. z. 85. Geb.);
    W. Ockenfels, Zur Wirtsch.ethik v. A. F. U., in: L. Bossle u. P. Kell (Hg.), Die Erneuerung d. soz. Marktwirtsch., FS f. H. Kürpick, 1995, S. 99–115;
    ders., in: Zeitgesch. in Lb. 12, 2007, S. 143–54 (P);
    K. Kaaf, Die soz. Summe e. Ordnungsdenkers, in: Handelsbl. v. 15. 4. 1998;
    A. Zocchi Fischer, in: W. Lienemann u. F. Mathwig (Hg.), Schweizer Ethiker im 20. Jh., 2005, S. 133–48;
    W. H. Spindler, in: Thomistenlex., hg. v. D. Berger u. J. Vijgen, 2006, Sp. 677–84 (W, L);
    ders., Wahrheit u. Glück, A. F. U. als Moraltheol., in: A. F. U., Der Weg d. Menschen … (s. W), 2011, S. 5–9 (P);
    G. Franchi, A. F. U. interprete della democrazia pluralistica, in: ders., Bonum ordinis, Studi di etica sociale e della cultura, 2011, S. 201–18;
    BBKL 22 (W, L); HLS.

  • Autor/in

    Wolfgang Hariolf Spindler
  • Zitierweise

    Spindler, Wolfgang Hariolf, "Utz, Arthur F." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 680-681 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119064022.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA