Lebensdaten
1784 oder 1785 - 1814
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
La Lobbe bei Rethel (Frankreich)
Beruf/Funktion
Mitbegründer der Turnbewegung ; deutscher Patriot ; Sportlehrer
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 119061228 | OGND | VIAF: 37718431
Namensvarianten
  • Friesen, Karl Friedrich
  • Friesen, Friedrich
  • Friesen, Karl Friedrich
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Zitierweise

Friesen, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061228.html [20.09.2021].

CC0

  • Genealogie

    Illegitim, 1788 legitimiert;
    V Joh. Frdr. Friesen (1739–93), aus Magdeburg, Akzisen- u. Niederlagsbuchhalter, S d. Chirurgen Joh. Chrstn. u. d. Anna Maria Costenoble;
    M Marie Louise (1749–1813), verw. Grameke, T d. Akzisebeamten Chrstn. Dav. Lange u. d. Anna Sophia Weisse;
    Vt 2. Grades Carl Ludw. Costenoble ( 1837), Schauspieler (s. NDB III); ledig.

  • Leben

    Nach Schulbesuch in Magdeburg kam F. nach Berlin und studierte an der Bauakademie (nachweisbar April 1801-September 1802). 1807 bis Frühjahr 1808 arbei tete er als Zeichner bei A. von Humboldt für dessen mexikanischen Atlas. Fichtes Reden an die deutsche Nation sollen ihn auf eine sittlich-politische Erziehungsaufgabe gewiesen haben. 1808 trat er als Lehrer in die nach Pestalozzis Ideen geführte Plamannsche Anstalt ein, in der kurz darauf auch F. L. Jahn und der Pädagoge Wilhelm Harnisch als Lehrer tätig waren. F. führte das Fechten und Armbrustschießen in den Unterricht ein. 1808 gründete er die „Fechtbodengesellschaft“, 1811 eine Schwimmschule („Badehütte“). Seit 1811 beteiligte er sich an dem Turnbetrieb Jahns auf der Hasenheide und entwickelte das „Schwingen“ (Übungen am|Pferd). Im „Turnkünstlerverein“ hatte er das Ordneramt inne. – F. gehörte dem 1810-12 bestehenden patriotischen „Deutschen Bund“ an und legte 1812 eine von Jahn bearbeitete Denkschrift „Ordnung und Einrichtung der Burschenschaft“ Fichte als dem damaligen Rektor der Universität vor, der aber starke Bedenken gegen sie erhob. Deren Gedanken sind zum Teil von der 1815 in Jena gegründeten Burschenschaft wieder aufgenommen worden. Bei der engen Zusammenarbeit Jahns und F.s ist der jeweilige Anteil beider nicht zu scheiden. F. dürften hier und auch sonst die Klärung und Ordnung der meist sprunghaften und wirren Einfälle Jahns zuzuschreiben sein. 1813 trat F. in das Lützowsche Freikorps ein, wurde später Lützows persönlicher Adjutant und ist in Frankreich gefallen. Ein Freund grub seine Leiche aus und führte sie 26 Jahre mit sich, bis sie 1843 in Berlin eine ehrenvolle Ruhestätte fand. – F. gilt mit Jahn als Begründer des deutschen Turnens. Auch bei ihm steht, aus dem Geist der deutschen Erhebung erwachsen, die Leibeserziehung im Zusammenhang eines Programms der sittlich-nationalen Erneuerung. Wenn auch die unmittelbare Wirkung F.s nur auf einen kleinen Kreis beschränkt blieb, so wurden doch seine Zielsetzung und sein Enthusiasmus von späteren Generationen aufgenommen, die das Bild F.s zu einem leuchtenden Vorbild heroisierten.

  • Literatur

    (unkritisch) ADB VIII (sachl. überholt);
    C. Euler, F. F., 1899 (L, P);
    H. Gerstenberg, in: Mitteldt. Lb. II, 1927, S. 117-24 (L, P);
    E. Rundnagel, F. F., 1936 (L, P);
    E. Pusch, F. F., 2[1939] (L, P);
    Lex. d. Päd. II, 1953;
    Körner.

  • Portraits

    Anonyme Kreidezeichnung, Abb. in: Die Gr. Deutschen im Bild, 1936;
    Denkmal v. E. Habs, 1893 (Magdeburg, Nähe Dom), Abb. b. Pusch, s. L;
    Gedenkstein auf d. Hasenheide in Berlin, Abb. ebd.

  • Autor/in

    Marianne Leber
  • Empfohlene Zitierweise

    Leber, Marianne, "Friesen, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 613-614 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061228.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Friesen: Friedrich F., am 27. September 1785 in Magdeburg geboren. Der Vater, Baumeister, starb früh, und F. wurde von der trefflichen Mutter, der er sich mit ganzer Seele anschloß, erzogen. Besuchte die Schule in Magdeburg, dann die Bauakademie in Berlin, 1808 war er Lehrer an der Plamann’schen Schule, die nach Pestalozzi's Grundsätzen eingerichtet war. Hier beförderte er namentlich die Turnkunst, und erfreute sich der unbegrenzten Liebe und Verehrung seiner Schüler. Mit Jahn, Zeune, aber auch mit den Dichtern Fouqué und Chamisso befreundet, gehörte er in Berlin einer Fechtbodengesellschaft an, die aus Männern aller höheren Stände bestand, sie waren durch das Bewußtsein belebt, daß die Befreiung des Vaterlandes nur erreicht werden könne, wenn Leib und Seele aller Kämpfer gleich stark sei. F. war ein gewandter Turner, auf dem Fechtboden hat er nie einen ihm gewachsenen Gegner gefunden. „Die Erziehung sollte nicht wie bisher Wisser, sondern Menschen bilden. Der volle Menschenbegriff sollte in jedem Einzelnen so zur Wahrheit werden, daß endlich im ganzen Vaterlande eine einzige Mannesseele schlüge, seinen Feinden zu ewigem Trotz und Verderben.“ F. war Mitglied des sogenannten Tugendbundes, und allen geistesverwandt, vielen befreundet, welche die Befreiung des Vaterlandes auf dem Wege der sittlichen Regeneration aller Stände des Volkes erstrebten. Jahn und F. standen an der Spitze des Zweigvereins, der sich in Berlin gebildet hatte. Als der Aufruf im Februar 1813 erlassen war, trat F. in das Lützow’sche Freicorps, bald nach dem Ueberfall bei Kitzen (17. Juni) wurde F. Lützow's Adjutant. Am 15. März 1814 wurden 2 Schwadronen des Lützow’schen Corps von überlegener Macht bei Rethel im Departement der Ardennen angegriffen und zersprengt. F., der sein ermüdetes Pferd am Zügel führte, wurde von Bauern und einzelnen Nationalgarden gefangen und erschossen. Die Leiche wurde auf dem Kirchhofe von Launoy feierlich begraben; sie wurde. 1843 nach Berlin gebracht, und dort auf dem Invalidenkirchhofe an seinem Todestage neben Scharnhorst beerdigt. Arndt und Schenkendorf preisen F. in ihren patriotischen Gedichten. Jahn sagt von ihm: „Er war ein aufblühender Mann in Jugendfülle und Jugendschöne, an Leib und Seele ohne Fehl, voll Unschuld und Weisheit, beredt wie ein Seher, eine Siegfriedsgestalt von großen Gaben und Gnaden,|den Jung und Alt gleich lieb hatte, ein Meister des Schwertes auf Hieb und Stoß; kurz, rasch, fest, fein, gewaltig und nicht zu ermüden, wenn seine Hand erst das Eisen faßte — ein Sinner in der Turnkunst, dem Deutschland viel verdankt. Ihm war nicht beschieden ins freie Vaterland zurückzukehren, an dem seine Seele hielt. Von wälscher Tücke fiel er bei düstrer Winternacht durch Meuchelschuß in den Ardennen — ihn hätte auch im Kampfe keines Sterblichen Klinge gefällt. Keinem zu Liebe und Keinem zu Leide — aber wie Scharnhorst unter den Alten, ist F. von der Jugend der größte aller Gebliebenen.“

    • Literatur

      Friedrich Friesen, Lebensbeschreibung nebst Bildniß von E. Schiele, Berlin, F. Duncker, 1875.

  • Autor/in

    v. Meerheimb.
  • Empfohlene Zitierweise

    Meerheimb, von, "Friesen, Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 88-89 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119061228.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA