Lebensdaten
1724 bis 1765
Geburtsort
Güns (Niederungarn)
Sterbeort
Sondershausen
Beruf/Funktion
Dichter ; Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 119010437 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Giseke, Nicolaus Dietrich
  • Gieseke, Nikolaus Dietrich
  • Giseke, Nicolaus Dietrich
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Zitierweise

Giseke, Nicolaus Dietrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119010437.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Paul (1686–1724), Pfarrer in G., S d. Kaufm. Nik. Dietrich in Hamburg u. d. Marie Krochmann;
    M Catharina Krahmer ( 1745), aus Hamburg;
    Gerdau b. Uelzen 1753 Joh. Cath. Eleonore (1726–1804), T d. Pastors Gottlieb Cruse (1692–1761), Schriftsteller (s. L), u. d. Sophie Elis. Knoche; Schwägerin Luise Marie Henr. (⚭ Karl Chrstn. Gärtner, 1791, Schriftsteller, Hrsg. d. „Bremer Beiträge“, s. NDB VI);
    4 S, 1 T (dazu 5 K früh †), u. a. Ludwig (1756–1832), braunschweig. Hofrat, Schriftsteller (s. W, L), Ernst (1763–1838), Sup. u. Konsistorialrat (s. ADB IX);
    Ur-E Albrecht Otto Frhr. v. G. (1822-90), sachsenweimar. WGR u. Staatsmin., Robert (1827–90), Schriftsteller, Vertreter d. jungdt. zeitgeschichtl. Romans, Redakteur (s. L).

  • Leben

    Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter nach Hamburg zurück, wo G. auf dem Johanneum zusammen mit J. A. Ebert und Basedow seine Schulbildung erhielt. Die erste Förderung seiner dichterischen Begabung erfuhr er durch Brockes und Hagedorn. 1745 ging er zum Studium der Theologie nach Leipzig, wo er sogleich in den Freundeskreis der „Bremer Beiträger“ aufgenommen wurde. Von Gärtner übernahm er 1747 die Redaktionsgeschäfte der „Neuen Beiträge zum Vergnügen des Verstandes und Witzes“. Zur gleichen Zeit gab er zusammen mit Johann A. Cramer und Ebert die moralische Wochenschrift „Der Jüngling“ heraus (Buchausgaben Leipzig 1764, 1775). 1748 war G. Hauslehrer in Hannover, danach in Braunschweig durch Vermittlung des Abts Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem. Während dieser Jahre vollzog sich in seinen Dichtungen ein für die Zeit charakteristischer Wandel zur empfindsamen Gefühlshaltung. Zeugnis der dichterischen Gemeinsamkeit mit Gärtner, Ebert und Zachariae in Braunschweig ist die „Sammlung vermischter Schriften, von den Verfassern der bremischen neuen Beiträge“ (3 Bände, Leipzig 1748–57). 1753 wurde G. Pfarrer in Trautenstein (Harz), 1754 als Nachfolger Cramers Oberhofprediger in Quedlinburg. Fürst Christian Günther berief ihn 1760 zum Superintendenten nach|Sondershausen. G. war ein naher Freund Klopstocks, der ihm 1748 beim Weggang aus Leipzig die Abschiedsode „An Giseke“ widmete. Im Frühjahr 1751 lernte Klopstock durch G.s Vermittlung in Hamburg Meta Moller kennen; an dem Briefwechsel der folgenden Jahre hatte G. reichen Anteil. Er schrieb didaktische Gedichte über ästhetische, moralische und religiöse Fragen, Fabeln und Verserzählungen, geistliche Lieder, Kantaten, Freundschafts- und Liebesoden. In Vers und Prosa war seiner Natur die Form der Epistel besonders gemäß. Der elegische Ton des Anfangs der 50er Jahre hellte sich später zum zärtlich Idyllischen auf. G. besaß keine starke poetische Kraft, doch wird an ihm die Kontinuität von Aufklärung und Empfindsamkeit beispielhaft sichtbar.

  • Werke

    Poet. Werke, hrsg. v. K. Ch. Gärtner, Braunschweig 1767 (P);
    Das Glück d. Liebe, ebd. 1769;
    Slg. einiger Predigten, Rostock 1760;
    Predigten, in e. neuen Slg. aus s. Hss. hrsg. v. J. A. Schlegel, Flensburg/Leipzig 1780;
    Gedichte (Ausw.) u. Vertrauliche Briefe [Teildr.], in: Dt. Lit. in Entwicklungsreihen, R. Aufklärung, Bd. 7, hrsg. v. F. Brüggemann, 1935, S. 34-72. - Zu S Ludwig: Gem. ländl. Glückseligkeit, Leipzig 1791 (mit B Ernst);
    Erzz. aus d. Menschenleben, ebd. 1794.

  • Literatur

    ADB IX;
    E. Schmidt, Btrr. z. Kenntnis d. Klopstockschen Jugendlyrik, 1880;
    Bremer Beiträger I, hrsg. v. F. Muncker, in: Kürschners Dt. Nat.lit. 43, [1889], Einl.;
    W. Lippert, N. D. G., Der Bremer Beiträger, Sein Leben u. Wirken, Diss. Greifswald 1915;
    F. Brüggemann, Einführung, s. W;
    Meta Klopstock, geb. Moller, Briefwechsel mit Klopstock, ihren Verwandten u. Freunden, hrsg. v. H. Tiemann, 3 Bde., 1956, 21962 u. d. T. Gesch. d. Meta Klopstock in Briefen (ohne philol. Apparat d. 1. Aufl.);
    Ch. M. Schröder, Die „Bremer Beiträge“, Vorgesch. u. Gesch. e. dt. Zs. d. 18. Jh., 1956;
    Goedeke IV, 1, S. 70 u. ö.;
    Kosch, Lit.-Lex. - Zu Schwieger-V Cruse: H. W. Rotermund, Gel. Hannover I, 1823;
    - Zu S Ludwig:
    ADB IX;
    Goedeke V, S. 476, VII, S. 319;
    W. Gresky, in: Verhh. d. Hist. Ver. f. Oberpfalz u. Regensburg 97, 1956, S. 393;
    - Zu Ur-E Robert:
    ADB 49;
    Altpreuß. Biogr.

  • Portraits

    Kupf. v. G. A. Gründler n. Zeichnung v. C. F. Haensch (Hoensch), Abb. in: Poet. Werke, s. W.

  • Autor/in

    Adalbert Elschenbroich
  • Empfohlene Zitierweise

    Elschenbroich, Adalbert, "Giseke, Nicolaus Dietrich" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 412-413 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119010437.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Giseke: Nicolaus Dietrich G., geb. zu Günz (Czoba), in Niederungarn am 2. April 1724, starb 1765, ist ein Sohn des aus Deutschland stammenden lutherischen Predigers der Gespannschaft Eisenberg, Paul G., der seinen deutschen Namen in den ungarischen Köszeghi umgewandelt hatte. Schon siebenzehn Tage nach des Sohnes Geburt starb der Vater und die Wittwe begab sich mit ihren Kindern nach Hamburg zu dort lebenden Verwandten. Hier erhielt G., besonders durch die Gunst und die Unterstützung der bekannten Dichter Brockes und von Hagedorn, eine treffliche Erziehung, woraus er von 1745—48 in Leipzig Theologie und schöne Wissenschaften studirte und hier mit Cramer, Ebert, Gellert, Klopstock und besonders mit seinem nachherigen Schwager Gärtner bekannt wurde und auch als Mitarbeiter an den Bremischen Beiträgen thätig war. Einige Jahre verbrachte er als Erzieher in Hannover und Braunschweig. Durch Gärtner, welcher als Professor an das Collegium Carolinum in Braunschweig berufen war, dem Stifter der Anstalt, Abt Jerusalem, empfohlen, vertraute ihm dieser die Erziehung seines durch Goethe's Werther später bekannt gewordenen Sohnes an. Im J. 1753 wurde G. Prediger zu Trautenstein bei Hasselfelde am Harz, aber schon im folgenden Jahre folgte er einem Rufe als Hofprediger an J. A. Cramer's Stelle nach Quedlinburg. Der Fürst Christian Günther von Schwarzburg-Sondershausen, welcher während seiner Studienzeit in Braunschweig G. kennen gelernt, berief ihn im J. 1760 als Superintendent und Consistorialrath nach Sondershausen. Einen Ruf nach Frankfurt a. M. als erster Geistlicher und Senior schlug er aus, starb aber bereits am 23. Febr. 1765, 40 Jahre alt. — Giseke's jetzt vergessene Gedichte zeichnen sich durch zarte Empfindung, Feinheit des Gefühls und zierliche Anmuth aus. Ohne hohe poetische Begeisterung schilderte er in edler Einfachheit Empfindungen der Religion, Liebe und Freundschaft mit gefälliger Sprachgewandheit. „Des Herrn N. D. Giseke Poetische Werke, herausgegeben von C. Christian Gärtner“, Braunschweig 1767 mit Giseke's Bildniß, enthalten die moralischen Gedichte, geistlichen Lieder und Oden, Cantaten, Fabeln und Erzählungen und kleineren Gedichte. Gärtner mit G. durch Heirath verschwägert, hat denselben eine Lebensbeschreibung des Dichters vorausgesendet. Von G. erschienen ferner noch: „Das Glück der Liebe“, Lehrgedicht in drei Gesängen, Braunschweig 1769. Dessen Predigten|gab in einer andern Sammlung aus seinen Handschriften Joh. Ad. Schlegel, Flensburg und Leipzig 1780 heraus. — Von Giseke's Söhnen starb Ernst Ludw. Otto G., geboren zu Quedlinburg am 21. Juli 1756 als Prediger, Inspector und fürstlich schwarzburg-sondershausenscher Consistorialrath zu Keula am 10. Juni 1838. Der jüngere Sohn August Ludwig Christian G., geboren zu Quedlinburg am 15. Febr. 1758, wurde in Braunschweig im Hause seines Oheims Gärtner mit dessen Söhnen erzogen, und trat, nachdem er in Helmstädt Rechtswissenschaft studirt, im J. 1789 als Secretär in den Dienst des Herrn von Asseburg in Meisdorf ein. Durch Gärtner empfohlen wurde er im J. 1794 Rath und Geschäftsführer bei dem Herzoge Friedr. Karl Ferd. von Braunschweig-Bevern in Glücksburg und hielt sich mit diesem abwechselnd in Glücksburg oder Braunschweig auf. Später erhielt er den Charakter als braunschweigischer Hofrath und im J. 1814 als dänischer Etatsrath. Er starb als Hofpensionär kinderlos am 17. April 1832 in Braunschweig. Beide Brüder gaben gemeinschaftlich heraus: „Gemälde ländlicher Glückseligkeit“, 2 Bde. Leipzig 1792. 8. und „Erzählungen aus dem Menschenleben, dem Thierreiche und der Ideenwelt“, Leipzig 1794. 8. Außerdem schrieben sie kleinere Aufsätze und Abhandlungen für mehrere Zeitschriften. Ludw. G. verfaßte auch eine biographische Skizze des Herzogs Fr. Karl Ferd. von Braunschweig-Bevern, Hamburg 1809.

    G. Giseke, Nachrichten von der Familie Giseke, Eisleben 1843. 8. — Blätter für litter. Unterhaltung. 1844.

    • Korrektur

      S. 192. Z. 20 v. o.: Dr. W. Sillem hat in den Mittheilungen des Vereins für Hamb. Gesch. 1888, Nr. 4, S. 209 f. nachgewiesen, daß Giseke's Vater Paul G. Pfarrer nicht des Eisenburger Comitats sondern der evangelischen Gemeinde von Güns war, welches auf magyarisch Köszegh heißt. Wenn er daher Köszeghi genannt wurde, so ist dies keine Uebertragung seines deutschen Namens Giseke, sondern heißt der Günser. Sein Sohn Nicolaus Dietrich geboren in Nemes-Csóo, zu dem die Gemeinde Güns gehörte, wurde am 29. April 1741, nachdem er das Hamburger Johanneum verlassen hatte, in die Matrikel des dortigen akademischen Gymnasiums eingetragen. Von da ging er 1745 nach Leipzig.

  • Autor/in

    F. Spehr.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spehr, F., "Giseke, Nicolaus Dietrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 192-193 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119010437.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA