Lebensdaten
1758 bis 1825
Geburtsort
Seltsch (Selč) bei Beraun (Böhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Pianist ; Komponist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11900853X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Gelinek, Josef
  • Gelinck
  • Gelinec
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Zitierweise

Gelinek, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11900853X.html [14.11.2018].

CC0

  • Leben

    G. wurde in der Jesuitenschule zu Příbram erzogen. Er trat 1783 in das Generalseminar zu Prag ein, wo er 1786 die Priesterweihe empfing. Bei J. N. Seeger nahm er Orgel- und Kompositionsunterricht. Durch die Fürsprache Mozarts, der zur Aufführung seines Don Juans in Prag weilte, erhielt G. eine Stelle als Hauskaplan und Klaviermeister bei Ph. Graf Kinsky, dessen Familie er etwa 2 Jahre später (wohl vor 1795) nach Wien begleitete. Er trat dort in den Dienst des Fürsten Joseph Kinsky, wo er 13 Jahre als Lehrer tätig war. Bei G. Albrechtsberger studierte er Kontrapunkt. - G. galt als einer der ersten Klaviervirtuosen seiner Zeit. Er gehörte zum Bekanntenkreis von Haydn, Mozart und Beethoven. Mozart schätzte ihn vor allem wegen seiner Improvisationskunst. Beim Wiener Adel, ebenso in der bürgerlichen Gesellschaft war er als Klavierlehrer gesucht. Er schrieb etwa 1000 Kompositionen. Besonders beliebt waren seine Variationen. G.s größte Erfolge lagen um die Zeit der Jahrhundertwende, etwa bis 1810. Seine Schöpfungen zeigen einen eleganten, flüssigen Modestil, Glätte und Leichtigkeit. Sie entsprachen dem Geschmack des Publikums und regten eine Reihe anderer Komponisten an, ihre Werke unter dem Namen des berühmten Abbé herauszubringen.

  • Werke

    Sonaten f. Klavier;
    Rondeaux f. Klavier;
    Sonaten f. Violine u. Klavier, f. Flöte u. Klavier;
    Trios f. Violine, Violoncello u. Klavier;
    Lieder;
    Couplets etc.;
    - ca. 125 Variationen, Fantasien u. Potpourris (themat. Kat. d. Variationen bis Nr. 100 b. J. André in Offenbach), darunter: Variations sur le duo de Don Juan, op. 6, Paris o. J.;
    10 Variations sur la Gavotte d'Armide (Gluck), op. 15, ebd. o. J.;
    12 Variations sur l'air bohémien „O mein lieber Augustin“, op. 16, ebd. o. J.;
    Pot-Pourri sur Die Zauberflöte, Don Giovanni et Les Noces de Figaro, ebd. o. J.;
    Variations brillantes sur la valse favorite du Freyschütz, ebd. o. J. u. Brüssel o. J. - Etrwa 145 W im Druck erschienen.

  • Literatur

    ADB VIII;
    A. Prosniz, Hdb. d. Klavierlit. I. 21908, S. 135 f.;
    A. W. Thayer, L. v. Beethovens Leben II, 21910, S. 155 f., 294;
    T. Frimmel, Beethoven-Hdb. I, 1926, S. 162 f.;
    K. M. Komma u. F. Vernillat, in: MGG IV, Sp. 1630-33 (W, L, P);
    Gerber;
    Grove;
    Eitner;
    Wurzbach V.

  • Autor/in

    Rudolf Nowotny
  • Empfohlene Zitierweise

    Nowotny, Rudolf, "Gelinek, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 174 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11900853X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Gelinek: Abbé Joseph G., geb. zu Selez in Böhmen am 3. December 1758, besuchte die Jesuitenschule zu Przibram, dann die Universität zu Prag, wo ihm der rühmlichst bekannte Organist Segert Orgel- und Compositionsunterricht ertheilte, wodurch sein schon früh erwachtes Talent für Musik sehr gefördert wurde. 1783 trat G. ins Generalseminar zu Prag ein und erhielt 1786 die Priesterweihe. Um diese Zeit kam Mozart nach Prag, um dort seinen Ton Juan aufzuführen. Der Meister lernte G. beim Grafen Philipp Kinsky kennen und empfahl ihn diesem, so daß derselbe ihn zu seinem Hauscaplan und Claviermeister ernannte. Nach ungefähr 2 Jahren begleitete G. die gräfliche Familie nach Wien, wo er in die Dienste des Fürsten Joseph Kinsky trat, in dessen Hause er 13 Jahre lang Lehrer der Familie blieb. In Wien nahm er noch theoretischen Unterricht bei Albrechtsberger und hatte das Glück in noch engere freundschaftliche Verbindung mit Mozart zu treten. Er fing seine schöpferische Laufbahn zuerst mit Variationen über Themen des großen Meisters an und kam bald als Componist solch leichteren Genres und auch als Pianist und Lehrer zu großem Ruf. Diese für ihn glänzende Epoche dauerte bis ungefähr 1810. Die Zahl von Gelinek's Compositionen, unter denen sich sehr viel Variationen befinden, ist außerordentlich groß. Man schätzt die Menge der geschriebenen und gedruckten Werke auf nahezu 1000. Schimmer nennt ihn den „Variationen-Heros“. Der Raum verbietet, seine Compositionen hier sämmtlich aufzuzählen; es befinden sich darunter 2 Trio's für Piano und Streichinstrumente (op. 10. u. 25), 3 Sonaten für Pianoforte mit Streichinstrumenten (op. 11. 13. 35), viele Sonaten, Phantasien, Rondo's, Potpourri's etc. für Piano allein; gegen 125 variirte Themen, gedruckt in den verschiedensten Städten von nur einiger Bedeutung. Bei Andre in Offenbach ist ein thematischer Katalog dieser Variationen erschienen, der bis zu Nummer 100 geht. Außerdem sind aber viel derartige Compositionen unter dem Namen Gelinek's erschienen, die gar nicht von ihm sind. Die Pariser Musikalienhändler hatten Musiker im Solde, welche für sie „Musik von Gelinek“ fabrizirten, die einzige, welche damals die Modenwelt spielen wollte. Uebrigens entbehren diese Compositionen kleineren Genre's nicht einer gewissen Eleganz und Leichtigkeit: Eigenschaften, welche dem Componisten so raschen, wenn auch schnell verblassenden Ruhm verschafften. G. starb am 13. April 1825 in Wien und hinterließ, obwol er bei Lebzeiten einen Theil seines Vermögens eingebüßt, den dürftigen Verwandten, die er zeitlebens unterstützt hatte, noch ein Vermögen von 42000 Gulden, welches er durch seine Compositionen erworben hatte.

    • Literatur

      Wurzbach, Biogr. Lexikon 5. Theil. Fétis' Biogr. univers. des Musiciens. T. III. Paris 1862.

  • Autor/in

    Fürstenau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Fürstenau, Moritz, "Gelinek, Josef" in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 543-544 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11900853X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA