Lebensdaten
1879 bis 1944
Geburtsort
Passau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Politiker ; bayerischer Wirtschaftsminister
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118946226 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hamm, Eduard

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Zitierweise

Hamm, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118946226.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Baptist (1841–1921), Oberlandesgerichtsrat, S d. Glasermeisters Joh. Baptist u. d. Barbara Beer;
    M Luise (1858–1945), T d. Anton Niederleuthner (1809–71), Weinhändler u. Hotelbes., u. d. Anna Obermüller;
    Nürnberg 1907 Maria (1882–1955, ev.), T d. Carl Rr. v. Merz (1848–1910), Senatspräs, am Oberlandesgericht in Nürnberg (s. Schärl), u. d. Antonie Thelemann;
    1 S, 2 T.

  • Leben

    H. studierte in München Jurisprudenz und legte 1902 die 1. und 1905 die 2. juristische Staatsprüfung ab. Als Hilfsarbeiter ins Bayerische Justizministerium berufen, wurde er 1906 3. Staatsanwalt, 1908 Rechtsrat in Lindau, 1909 Bezirksamtsassessor in Memmingen. 1911 ins Bayerische Innenministerium versetzt,|wurde er 1916 als Vertreter Bayerns ins Kriegsernährungsamt und in die Zentraleinkaufsgesellschaft nach Berlin entsandt. 1917 übernahm er die Leitung der Landesfettstelle in München und wurde 1918 Legationsrat im Bayerischen Ministerium des Äußeren.

    Schon lange vor dem 1. Weltkrieg in liberalen Gruppen politisch tätig, schloß H. sich danach der Demokratischen Partei an, für die er 1919 in den Reichstag und den Bayerischen Landtag gewählt wurde, und übernahm 1919 als eines der beiden demokratischen Mitglieder der Regierung von Knilling das nach dem Krieg neu geschaffene Ministerium für Handel, Industrie und Verkehr, das er unter 4 Regierungen leitete, bis die Demokraten wegen der sich immer mehr verschärfenden Spannungen zwischen Bayern und dem Reich am 31.7.1922 aus der Regierung ausschieden. – Im Herbst 1922 wurde er im Kabinett Cuno Staatssekretär in der Reichskanzlei und trat im August 1923 zusammen mit Cuno zurück. Am 30.11.1923 übernahm H. im Kabinett Marx das Reichswirtschaftsministerium, das er bis zum 15.1.1925 leitete. 1925 berief ihn der Deutsche Industrie- und Handelstag als 1. Geschäftsführendes Präsidialmitglied an die Spitze seiner Geschäftsführung, eine Stellung, aus der er im Frühjahr 1933 der nationalsozialistischen „Gleichschaltung“ weichen mußte. In den folgenden Jahren in Berlin und München als Rechtsanwalt eingetragen, trat (beziehungsweise blieb) er in Verbindung mit Kreisen des Widerstands. Am 2.9.1944 wurde er auf seinem Hof in Reit im Winkl verhaftet, und am 23.9. machte er seinem Leben durch einen Sprung aus dem Fenster ein Ende.

    H., „ein besonders lauterer, kluger und unvorstellbar fleißiger Mann von größter Bescheidenheit“ (Luther), stand als Bayerischer Handelsminister und als Reichswirtschaftsminister vor besonders schweren Aufgaben. Als Handelsminister mußte er die damals völlig neuen Probleme der Überleitung aus der Kriegs- in die Friedenswirtschaft meistern und die Folgen des Währungsverfalls für die Wirtschaft zu mildern suchen. Als Reichswirtschaftsminister war er unter anderem mit der Überführung der Wirtschaft in die neue Reichsmarkwährung befaßt, für die er die gesetzlichen Maßnahmen nicht nur politisch zu verantworten hatte. Als leitender Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelstages, der die Interessen von Industrie, Handel und Verkehr zu vertreten hatte, die aber von den verschiedenen Wirtschaftszweigen nicht immer gemeinsam gesehen wurden, bewährte sich seine Fähigkeit zum Ausgleich und sein immer auf das Ganze gerichteter Blick. Obwohl er häufig die Interessen der Wirtschaft gegen den Staat zu vertreten hatte und die Bedeutung der Wirtschaft für das Schicksal des Deutschen Reiches gerade in dieser Zeit für ihn außer Zweifel stand, verlor er nie die übergeordneten Belange des Staates aus dem Auge. Auch als Mitglied des Vorläufigen Reichswirtschaftsrates und als Geschäftsführendes Präsidialmitglied der deutschen Gruppe der Internationalen Handelskammer waren nicht nur seine Kenntnisse und Erfahrungen, sondern auch seine über jeder einseitigen Interessenvertretung stets das Ganze berücksichtigende Haltung von größtem Wert.

    Die Gefahr des Rechtsradikalismus hat er stets in aller Schärfe gesehen und bekämpft. Nach dem Hitlerputsch vom November 1923 appellierte er an den Generalstaatskommissar von Kahr, unter dem Gesichtspunkt der Rechtsstaatlichkeit keine größeren Zugeständnisse an die Rechtsradikalen zu machen als an die Linke und sich für die Sicherheit des Staates nicht mit den „fragwürdigen Beteuerungen Hitlers“ zu begnügen. Und noch 1932 veranlaßte er im Organ des Deutschen Industrie- und Handelstages, der „Deutschen Wirtschaftszeitung“, deren Herausgeber er war, eine Artikelreihe, die das „Wirtschaftsprogramm“ des Nationalsozialismus einer scharfen sachlichen Kritik unterzog. Ohne Rücksicht auf die angekündigte „Abrechnung“ ließ er diese Arbeit noch in den letzten Wochen von 1932 mit seinem Geleitwort als Broschüre erscheinen und in weiten Kreisen verteilen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. iur. h. c. (Erlangen 1928).

  • Literatur

    A. Leber, Das Gewissen entscheidet, 1957, S. 195 ff.;
    F. Facius, Wirtsch. u. Staat, 1959;
    H. Luther, Politiker ohne Partei, 1960, S. 94;
    Die Verantwortung d. Unternehmers in d. Selbstverwaltung, 1961, S. 128 ff.;
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Karlheinrich Rieker
  • Empfohlene Zitierweise

    Rieker, Karlheinrich, "Hamm, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 586-587 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118946226.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA