Lebensdaten
um 1465 bis 1538
Geburtsort
wahrscheinlich Nürnberg
Sterbeort
Nürnberg
Beruf/Funktion
Baumeister ; Steinmetz ; Stadtbaumeister
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 11892186X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pehaim, Hans der Ältere
  • Peham, Hans der Ältere
  • Pehem, Hans der Ältere
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Zitierweise

Behaim, Hans der Ältere, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11892186X.html [25.05.2017].

CC0

Behaim, Hans der Ältere

Steinmetz und Stadtbaumeister in Nürnberg, * um 1465 wahrscheinlich Nürnberg, vor 26.8.1538 Nürnberg.

  • Genealogie

    V Hans Behaim, Handwerker; M Adelheid (beide vor 1497); B Büchsengießer und Beckenschläger Lorenz Behaim ( 1494); Nürnberg 1496 T des Geschützgießers Hans Pegnitzer; S Matthias Behaim, Geistlicher an St. Lorenz in Nürnberg, Hans Behaim der Jüngere, Baumeister, Paulus Behaim (s. 3); 3 T.

  • Leben

    Die Ausbildung als Steinmetz und Baumeister erfolgte im städtischen Bauhof, der Peunt, gemeinsam und gleichzeitig mit dem Baumeister und Bildhauer Adam Kraft. Dessen Reliefs und steinerne Maßwerkbrüstungen für die Häuser und Höfe B.s sind dafür der Beweis. Der Steinmetz B. wurde durch Ratserlaß vom 12.9.1491 als Steineicher zur Vermessung der bei Kornburg neu gebrochenen Steinquader angenommen. Das Meisterrecht erwarb er bei den Steinmetzen 1496. Er wurde vor 1500 als Stadtmeister, Werkmeister der Steinmetzen und Stadtbaumeister verpflichtet, am 2.5.1503 dann als Steinmetz, gemeiner Stadt-Werkmeister, Anschicker und Buchhalter auf der Peunt bestellt. Dieses Amt hatte er bis 1538 inne. Ein Patrizier war ihm als Ratsherr und Baumeister (Verwaltung) vorgesetzt. 1502-11 war dies Michael B. ( 1533). Seit 1520 war Hans B. der Ältere diesem Ratsherrn gleichgestellt und auch selbständig. 1520 war er Genannter des Größeren Rats.

    Seine öffentlichen Bauten entstanden im Auftrag des Rates und haben als große und markante Quaderbauten das Stadtbild Nürnbergs mitbestimmt. Die hohen Dächer mit mehreren Böden sind für B. charakteristisch. Weniger ins Auge fallend sind seine kirchlichen Bauten. Bei seinen Patrizier- und Bürgerhäusern sind die Fassaden zurückhaltend behandelt. Die Pracht entfaltet sich erst im Innern und in der Hofanlage mit den steinernen oder hölzernen Galerien.

    Die Fürsten, Bischöfe und Städte beriefen B. oft als Berater oder zur Ausführung von Brücken, Befestigungen und anderen Gebäuden. 1494 war er deswegen in Torgau, weilte 1502 und 1516 in Forchheim, war 1512 in Mansfeld und Römhild, 1516 in Bamberg, 1511 in Ulm, 1517 in Hof/Saale und 1519 in Augsburg und Regensburg. 1521 bis 1523 vollendete er den spätgotischen Chor der St. Gumbertuskirche in Ansbach mit dem Netzgewölbe und dem Gumbertuserker. Zwischen 1522 und 1528 baute er die hohenzollersche Wasserburg in Ansbach um und erweiterte sie (nicht erhalten). 1534 war er Berater in Hanau und Augsburg.

    B. war einer der bedeutendsten spätgotischen Baumeister, dessen Bauwerke für die Stadtgestaltung entscheidend waren. Im 2. Weltkrieg sind die meisten seiner Bauten sehr schwer oder vollständig zerstört worden.

  • Werke

    u. a. Sog. Unschlitthaus auf d. ehemal. 2. Stadtgraben, 1490/91; Sog. Kaiserstallung auf d. Burg, 1494/95 (1951 Wiederaufbau als Stadtjugendbaus); Kornhaus am Inneren Frauentor, 1498–1502; Große Waage auf d. 2. Stadtgraben (seit 1572 große Mauthalle, Wiederaufbau 1952); Die Alte Waage, Herren- od. Fronwaage mit d. Herrentrinkstube, 1497/98 (zerstört); Reichsstädt. Münze, 1510 (späterer Marstall im 2. Stadtgraben, zerstört); Nürnberg Schloßbau Lichtenau b. Ansbach als Festung, 1515/16; Erweiterung d. Heiliggeistspitals mit Überbauung d. einen Pegnitzarmes u. großem sog. Kreuzigungshof, 1504/27 (Wiederaufbau 1951/52); Landauersches Zwölfbruderhaus mit Allerheiligenkapelle, 1506/07 (z. T. erhalten, aber beschädigt); St. Sebastiansspital mit Kapelle, 1509/13 (1552 abgebrochen); Kornhaus d. Deutschordenskommende, 1516 (als Polizeipräsidium erhalten); Kaiserhof f. Heinrich Wolff v. Wolfstahl 1496/97 (zerstört); Wohnhäuser: Adlerstr. 21, 1498 (Hof erhalten, Fassade barock verändert), Bindergasse 26 (zerstört), Sog. hist. Hof f. Peter Imhoff, Tucherstr. 20, um 1500 (zerstört), Zu d. Rosen f. d. Kaufherrn Jakob Welser, Theresienstr. 7, 1509/12 (Hof erhalten, Fassade schwer zerstört).

  • Literatur

    ADB II; C. L. Sachs, Nürnbergs reichsstädt. Arbeiterschaft während d. Amtszeit d. Baumeisters Michel Beheim (1503–11), = Mitt. aus d. German. Nationalmus., Jg. 1914–15, 1915, S. 141 bis 209; H. Karlinger, H. B. d. Ä., in: Das Bayerland, Bd. 49, 1938, S. 289-312; E. Lutze, H. B.d. Ä., in: Ztschr. d. dt. Ver. f. Kunstwiss., Bd. 5, 1938, S. 181-203 (Festrede, Gedenkfeier d. Stadt Nürnberg 28.5.1938); W. Schwemmer, H. B. d. Ä., in: Nürnberger Gestalten aus 9 Jh., 1950, S. 59-64; A. Bayer, Die Ansbacher Hofbaumeister beim Aufbau einer fränk. Residenz, = Neujahrsbll., hrsg. v. d. Ges. f. fränk. Gesch., H. 22, 1951, S. 16, 26 ff.; ThB. – Qu.: Nürnberger Archivalien.

  • Autor

    Kurt Pilz
  • Empfohlene Zitierweise

    Pilz, Kurt, "Behaim, Hans der Ältere" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 748 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11892186X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Behaim, Hanns

  • Leben

    Behaim: Hanns B., Baumeister, (nach Neudorffer) 27. Aug. 1531 oder (nach Rettberg, der dabei wol der unvollendeten Haller'schen Ausgabe Neudorffer's in den "Beiträgen" von 1822 folgt) 27. Aug. 1538, gehört einem denselben Namen wie das rathsfähige Geschlecht führenden, sehr verbreiteten, rein bürgerlichen Handwerkergeschlecht an, das aber außer durch ihn, auch durch Männer der Wissenschaft einen nicht unbedeutenden Glanz erhalten hat. Sohn eines gleichnamigen Vaters wird er zuerst in einer Urkunde vom Samstag 4. Febr. 1497 genannt, zugleich mit den Kindern seines damals bereits verstorbenen Bruders Lorenz, darunter drei Söhne, nämlich Georg, welcher damals Magister, nachher Doctor und von 1513 bis 1520 Propst zu St. Lorenzen war; Sebald, Rothschmid und Beckschleger und Dr. Lorenz, damals zu Rom im päpstlichen Dienst, später Canonicus zu St. Stephan in Bamberg, wo er vermuthlich auch starb, ein Freund Pirkheimer's. Die Familie war nach Allem nicht unbemittelt und zugleich wissenschaftlichen Bestrebungen nicht abhold, weshalb Dr. Christoph Scheurl in seinem Nekrolog auf den Propst Anton Kreß, dessen Nachfolger|Georg B. wurde, sie gegenüber den rathsfähigen Geschlechtern so erhob, daß der Rath nicht mit Unrecht sich dadurch beleidigt fand und ihm einen ernstlichen Verweis nebst dem Befehl, seine Schrift zu unterdrücken, zugehen ließ. Sie ist uns gleichwol erhalten. Ueber den Bildungsgang Hanns Behaim's liegt nichts vor. Technische Kenntnisse waren von Alters her in Nürnberg zu Hause, ohne daß viel Wesens davon gemacht wurde, und wenn auf Regiomontan's kurzen Aufenthalt herkömmlich ein großes Gewicht gelegt wird, so ist dagegen zu erinnern, daß die bedeutenden Arbeiten, die noch jetzt vor Augen sind, der Bau der Kirchen, der jetzt der Zerstörung entgegengehenden Mauern, die kunstvollen Wasserleitungen sowol des Schönen Brunnens, als auch des Spitalbrunnens, die unter der Pegnitz hinweggeführt sind, und noch Anderes, lange vor Regiomontan's Zeit fallen. Erst Johann Neudorffer, den man als den Vater der modernen deutschen Kalligraphie betrachten darf, hat in seinen 1547 leider sehr flüchtig in wenig Tagen aus dem Gedächtniß zusammengeschriebenen Nachrichten (herausgegeben durch Fr. Campe, 1828) den Grund zu einer Kunstgeschichte Nürnbergs gelegt, dem dann — abgesehen von Sandrart's "Deutscher Akademie", 1675, die einen allgemeineren Zweck verfolgt—1730 Doppelmayr gefolgt ist; den Schluß machte 1860 Joseph Baader durch seine "Beiträge". Hanns B. wird sich dem Rath zuerst durch die Ausführung des Kornhausbaus auf der Stätte des 1420 niedergebrannten burggräflichen Schlosses empfohlen haben. Dieser Bau wurde aber nicht 1493 vollführt, wie Neudorffer angibt, sondern erst am 11. Oct. 1494 beschlossen und 1495 beendet, wie auf der aus der Zeit des Baues stammenden wohlerhaltenen Tafel deutlich steht. Ohne Zweifel war B. schon damals Werkmeister der Stadt, obgleich er erst am 2. Aug. 1496 gelegentlich als solcher genannt wird. Jetzt ward ihm als "Maurer" und Georg Stadelmann als "Zimmermann" der am 11. Jan. 1497 beschlossene Bau eines neuen Wag- und Zollhauses übertragen, und den beiden Meistern zu ihrem geordneten Lohn noch eine "ziemliche Ehrung" versprochen, damit sie das Werk möglichst fördern möchten. Hierzu kam noch am 28. Aug. 1498 der Beschluß, auf der Wage zwei Stuben zu machen, von denen die im mittlern Gaden zu einer Trinkstube, die im obern Gaden zu einer Poeten- und Philosophen-Schule gebraucht werden solle. Dies war der erste Versuch, eine Schule außerhalb des kirchlichen Verbandes auf rein humanistischer Grundlage zu errichten, sie ging aber nach etwa zehnjährigem Bestand aus Mangel an Schülern wieder ein. Die Herrentrinkstube, wie das ganze Gebäude gewöhnlich auch noch jetzt genannt wird, bestand als Gesellschaftslocal des Patriciats und überhaupt der Ehrbarkeit bis nahe zum Ausgang der Reichsfreiheit Nürnbergs. Aeußerlich trägt das Gebäude noch ganz seinen alten Charakter, wie er auf dem Blatt Joh. Alex. Böner's zu sehen ist. Bekannt ist es zumeist durch das treffliche, launige Hochrundbild Adam Kraft's über der einen nach Westen schauenden Thür, welche aber wegen ihrer kunstreichen Construction nicht minder beachtungswerth ist. Noch in demselben Jahr wurde am 27. Nov. 1498 beschlossen, für die Stadt "noch ein Kornhaus zu bauen, auf den Graben vor St. Lorenzen, da wo der innere Frauenthorthurm gestanden war". Auch diesen Bau führte Hanns B.; Neudorffer sagt: "Dazu wurden der Juden Grabsteine zum Grund gebraucht". "Unter diesem Kornhaus kann man ohne alle Verhinderung des Wetters Steine hauen, und es ist mit solchen starken Gewölben verfertigt, daß man darin unter der Erde mit geladenen Lastwägen fahren mag". In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde es ebenfalls zum Waggebäude bestimmt, und führt seitdem, zur Unterscheidung von jener ältern Wage, den Namen der großen Wage. Außer diesen größten Werken des Meisters Hanns B. war er bei den vielen Arbeiten, die außerdem das Bedürfniß der Stadt erheischte, ohne Zweifel|auch bei dem damals über den Fluß geführten Spitalbau, in erster Reihe beschäftigt, und da er nun auch als Anschicker in der Prunt (Verwalter im Bauhof) erscheint, so war er gewiß in vollem Maße mit Arbeit bedacht. Auch auswärts wurde seine Geschicklichkeit zu Zeiten in Anspruch genommen, z. B. in Bamberg 1516 und 1518 (s. Beitr. zur Kunst und Litter. 1822. S. 15). Zur Erleichterung wurde ihm daher 1514 von Rathswegen für die Haltung eines Pferdes 25 Guld. rhn. verwilligt. (Baader, Beitr. 2. 16). Im J. 1520 wurde er unter die Genannten des größern Raths gewählt, dem er dann bis an seinen Tod angehörte. Als König Karl 1519 zum Kaiser gewählt worden war, sah man dem ersten gemäß der Goldnen Bulle in Nürnberg abzuhaltenden Reichstag entgegen, der aber bekanntlich wegen der 1520 mit großer Heftigkeit auftretenden Seuche, nicht daselbst, sondern zu Worms (1521) gehalten wurde. Dessen ungeachtet fand man es nothwendig, das Rathhaus renoviren zu lassen, was nicht blos im Innern, im großen Saale geschah, der damals durch die an der nördlichen Wand befindlichen Gemälde, Triumphwagen, Pfeiferstuhl und die allegorische Darstellung des Gerichts, welche der Idee und dem Entwurf nach auf Dürer zurückgeführt werden, geziert wurde, sondern auch am Gebäude selbst, und zwar, nach Neudorffer, mit nützlichen Gemachen und zwei zierlichen Schnecken- oder Wendeltreppen, was durch Hanns B. ausgeführt wurde. — Hanns B. starb wohlbetagt, nachdem er 49 oder (nach Rettberg, s. o.) 48 Jahre im Dienste des Raths gewesen war. Von seinen Söhnen war Matthias Kleriker und erhielt 1521 eine Pfründe zu St. Lorenzen. Ein zweiter, Hanns, war Landbaumeister, gab aber 1518 diese Stelle auf; der dritte, Paulus, war ebenfalls Steinmetz. Der Name dieser bürgerlichen Behaim's, die auch Böheim, Beham u. s. w. geschrieben werden, kommt noch längere Zeit in handwerklichen, auch künstlerischen Lebensstellungen vor; es ist aber schwer, ja fast unmöglich, die Zusammengehörigkeit, wo nichts als der bloße Name einen Anhalt gibt, nachzuweisen. Ob diese Behaim's aus Weißenburg im Nordgau nach Nürnberg gezogen sind, so wie ob sie zu dem Wappen eines rothen Schildes mit zwei übereinander gekreuzten Hirtenstäben ein Recht hatten, muß unentschieden bleiben.

  • Autor

    Lochner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lochner, Georg Wolfgang Karl, "Behaim, Hans der Ältere" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 274-276 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11892186X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA