Lebensdaten
um 1355 bis 1437
Geburtsort
Donauwörth
Sterbeort
Brixen
Beruf/Funktion
Kanzler Herzog Friedrichs IV. von Österreich ; Bischof von Brixen
Konfession
-
Normdaten
GND: 118897608 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ulrich II. Putsch
  • Putsch, Ulrich
  • Ulrich von Brixen
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Zitierweise

Ulrich II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118897608.html [10.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob P., Ratsherr in D.;
    M N. N.;
    B Heinrich P. ( 1429), Dr. decr., 1413–28 Abt d. Prämonstratenserstifts Wilten b. Innsbruck.

  • Leben

    U. entstammte einer ratsfähigen Donauwörther Familie und verfügte über möglicherweise an einer ital. Universität erworbene jur. Kenntnisse. 1376 ist er erstmals als Schreiber seiner Heimatstadt belegt. In der Folge (ab 1379) urkundete er als öffentlicher, mit päpstl. und ksl. Vollmacht ausgestatteter Notar für die nahe Donauwörth gelegene Zisterze Kaisheim, und für die Oberinntaler Zisterzienserabtei Stams, eine Kaisheimer Filialgründung. Kontakte nach Tirol ergaben sich wohl auch über Landsleute vor Ort in wichtigen Positionen – nach 1406 jedenfalls gehörte er zum engeren Umfeld des neuen habsburg. Landesherrn Hzg. Friedrich IV. von Österreich (1382–1439). Im hzgl. Dienst stieg U. in der Kanzlei (1407 Schreiber u. notarius iuratus, 1412 secretarius, 1413 Kanzler), Rat und familiaris rasch auf und trug Friedrichs gegen den Landesadel gerichtete Mediatisierungspolitik mit; diplomatische Missionen führten U. nach Wiener Neustadt (1416) und ins Elsaß (1423 u. 1425/26). Seine Loyalität wurde mit verschiedenen Pfründen und Ämtern belohnt: Im April 1411 wurde er auf Betreiben Friedrichs Pfarrer von Tisens (Diözese Trient), 1412–27 war U. Kanoniker zu Trient und päpstl. Kollektor der Bistümer Trient, Brixen, Chur und Konstanz, 1412–27 Pfarrer von Tirol (Diözese Chur), 1416–25 Erzpriester bzw. Archidiakon im Vinschgau, im selben Zeitraum hatte er eine Domherrenpfründe in Chur inne, 1417–27 ein Kanonikat in Brixen, 1426 schließlich ist U. als Pfarrer von Piné (Diözese Trient) erwähnt. Im Aug. 1419 erhielt er vom Herzog die Aufsicht über sämtliche tirol. Bergwerke mit der Befugnis, selbst als Gewerke tätig zu werden; 1421 erwarb er die Burg Prunberg (Brunnenburg) als tirol. Lehen.

    Am 4. 11. 1427 wurde U. vom Domkapitel als Ulrich II. zum Bischof von Brixen gewählt, am 19. Jan. des Folgejahres von Martin V. bestätigt und providiert; die Weihe erfolgte wegen Vorbehalten des zuständigen Salzburger|Metropoliten in Venedig. Bei der Besitzergreifung fand der Bischof seine Residenz nach Ausweis seines Diariums im wesentlichen leergeräumt vor; zudem hatte er Schulden seines Amtsvorgängers zu übernehmen. Aus eigenen Mitteln brachte er umfangreiches Inventar und eine Bibliothek von etwa 100 Bänden nach Brixen. Sein Pontifikat war zunächst von Auseinandersetzungen mit dem Trienter Bf. Alexander (reg. 1423–44) um Vogteirechte über die in der Diözese Brixen gelegene Benediktinerinnenabtei Sonnenburg geprägt. Die Nichtbeachtung der bei der Wahl beschworenen Wahlkapitulationen führte im Herbst 1429 zu heftigen Auseinandersetzungen mit dem Kapitel, Vertretern des Stiftsadels (namentlich Oswald v. Wolkenstein, 1445) und mehreren Tiroler Freischöffen. Bei gewaltsamen Übergriffen wurde U. mißhandelt und in seiner Residenz neun Tage gefangengesetzt, ein adliger Parteigänger des Bischofs ermordet. Erst nach drei Monaten am hzgl. Hof in Innsbruck und nach Eingreifen Friedrichs IV. konnte U. im Febr. 1430 wieder in seine Residenzstadt einziehen. Die Opposition des Kapitels war damit gebrochen.

    Sein dank seines Diariums außergewöhnlich dicht belegtes Regierungshandeln zeigt U. als Seelsorger (Altar-, Kirchen- u. Friedhofsweihen, Firmungen) und Reformator seines Klerus, v. a. aber als durchsetzungsstarken Territorialherrn. Als Bauherr war er verantwortlich für Infrastrukturmaßnahmen wie die Pflasterung seiner Hochstiftsstädte, die Anlage von Wasserleitungen, den Ausbau der Hofburg und für Arbeiten an den wichtigsten Burgen des Stifts; darüber hinaus betätigte er sich als Stifter (Dreikönigskapelle am Dom mit Grablege u. Benefizium) und Kunstmäzen, ließ Reliquiare anfertigen, Handschriften illuminieren und die Dreikönigskapelle ausmalen. Neben seinen Leistungen als geistlicher Fürst verdient insbesondere seine literarische Tätigkeit Beachtung. Im Autograph erhalten sind seine in kolloquialem, von humanistischen Einflüssen noch freiem Latein, in größeren Teilen ad hoc abgefaßten autobiographischen Aufzeichnungen (acta), die seine Jahre als Bischof von Brixen (Nov. 1427 bis Mitte 1437) umfassen und mit Blick auf den Streit mit dem Kapitel apologetische Züge aufweisen. Noch in seine letzte Zeit als Pfarrer von Tirol (1426) fällt sein in die Volkssprache übersetztes, in mehreren Abschriften erhaltenes Predigerhandbuch „Das liecht der sel“ auf der Grundlage der verbreiteten moralisch-erbaulichen Exempelsammlung des „Lumen animae“ von Berengar von Landorra in der gekürzten Fassung C.

  • Werke

    W Perutilis modus orandi sub celebracione missarum cuique observandus (Oraciones super missam) (1431);
    Manuale simplicium sacerdotum libros non habencium (1434);
    Diarium (Acta per reverendissimum dominum Udalricum episcopum Brixinensem … propria manu conscripta) (1427–37), Autograph im StA Bozen, Bfl. Archiv Brixen, Lade 3, n. 1, lit. C, alle drei ed. v. N. Harris, The Shorter Writings of U. P., 2013;
    Das liecht der sel, ed. v. N. Harris, The Light of the Soul, The Lumen anime C and U. P.’s Das liecht der sel, 2007.

  • Literatur

    L K. Wolfsgruber, U. P., Der Brixner Fürstbf. (1427–37) aus Donauwörth, in: Mitt. d. Hist. Ver. f. Donauwörth u. Umgebung, 1990, S. 7–14;
    H. Tersch, Österr. Selbstzeugnisse d. Spätma. u. d. Frühen Neuzeit (1400–1650), 1998, S. 25–33;
    E. Curzel, I canonici e il Capitolo della cattedrale di Trento dal XII al XV secolo, 2001, S. 688–90;
    A. Schwob (Hg.), Die Lebenszeugnisse Oswalds v. Wolkenstein, Ed. u. Kommentar, Bde. 2 u. 3, 2001–04;
    F. P. Knapp, Die Lit. d. Spätma. in d. Ländern Österr., Steiermark, Kärnten, Salzburg u. Tirol v. 1273 bis 1439, Teilbd. 2, 2004, S. 484–87 u. 519–24; U. M. Schwob, Spuren d. Femgerichtsbarkeit im spätma. Tirol, 2009, S. 54–114, passim;
    LexMA; H. Obermair, in: Vf.-Lex. MA 2 (L); Gatz IV.

  • Portraits

    P zu Lebzeiten (1429) gefertigte Grabplatte mit Liegefigur (Brixen, Vorhalle d. Doms)

  • Autor/in

    Gustav Pfeifer
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfeifer, Gustav, "Ulrich II." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 583-584 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118897608.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA