Lebensdaten
1886 bis 1913
Geburtsort
Altaussee (Steiermark)
Sterbeort
Manndlkogel (Oberösterreich)
Beruf/Funktion
Bergsteiger
Konfession
jüdisch?
Normdaten
GND: 118817094 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Preuss, Paul (auch)
  • Preuß, Paul
  • Preuss, Paul (auch)
  • mehr

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Preuß, Paul, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118817094.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Fam. stammt aus Fünfkirchen (Ungarn);
    V Eduard (1847–96), Pianist u. Musikprof. in Wien;
    M Caroline Lauchheim;
    N. N.;
    2 T.

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters, den er schon als Kind auf dessen botanischen Streifzügen am Sommerwohnsitz in Altaussee begleitet hatte, wanderte P. selbständig und oft allein in den Bergen. Seinen ersten Gipfel erstieg er 1904; 1908 begann er mit einem Alleingang durch die Planspitze-Nordwand (Pichl-Roule) sportlich zu klettern. In nur wenigen Jahren übertraf er, hakenfrei und allein kletternd, die alpine Elite seiner Zeit. P. studierte 1906-10 Botanik und Chemie in Wien und München. Nach der Promotion 1912 war er Assistent am Botanischen Institut der Univ. München.

    Unter P.s zahlreichen Erst- und Alleinbegehungen ragen als Spitzenleistungen heraus: Crozzon di Brenta Nordostwand, Alleinüberschreitung der Langkofelgruppe an einem Tag, Erstbesteigung und Überschreitung der Kleinsten Zinne, Ostwand und Überschreitung des Campanile Basso (Guglia di Brenta) und Totenkirchl Westwand (beides allein, alle Touren 1911). Im Urgestein der Silvretta eröffnete er Neuanstiege, im Wallis gelangen ihm u. a. die Matterhorn-Überschreitung bis zum Breithorn in einem Zuge, im Montblanc-Gebiet die Aiguille Gamba sowie vier neue Routen. Weitere Erfolge waren die Wintererstbesteigungen der Dreiherrenspitze und des Gran Paradiso auf Skiern. In nur 9 Jahren erreichte der hervorragende Kletterer, Eisgeher und Tourenskifahrer rund 1200 Gipfel, davon 300 im Alleingang. Bei der Alleinbegehung der Nordkante des Nördl. Manndlkogels (Gosaukamm) stürzte P. wahrscheinlich am 3.10.1913 unter ungeklärten Umständen ab. Der Leichnam wurde erst am 14. Oktober aufgefunden und in Altaussee bestattet.

    Im Kreis der elitären Münchner Hochtouristensektion „Bayerland“ des Deutschen Alpenvereins entwickelte sich P. auch zum geistig führenden Alpinisten. Er hielt Vorträge in Deutschland, Italien und Frankreich, kritisierte literarisch damals populäre Formen des Bergsteigens und verfocht das Klettern als natürliche Fortbewegungsart des Menschen. In Streitschriften („Hakenstreit“) forderte er den Verzicht auf künstliche Kletterhilfen, wie Haken, und formulierte Freikletterregeln, konnte sich damit allerdings nicht durchsetzen. Sein außerordentliches Können als Kletterer wurde international anerkannt. P. hob die Kletterkunst der „führerlosen“ Zeit vor dem 1. Weltkrieg auf eine neue Stufe. Nach dem Krieg wurde P. als Halbjude zunächst diffamiert, dann totgeschwiegen. Sein Modell des hakenfreien Steigens setzte sich gegen das Klettern mit technischen Hilfsmitteln erst seit den 70er Jahren in der sog. Freikletterbewegung, die in P. einen ihrer Pioniere sieht, weltweit durch.

  • Werke

    u. a. Künstl. Hilfsmittel auf Hochtouren, in: Dt. Alpenztg. 11, 1911, 1, S. 242-44, auch in: Mitt. d. Dt. u. Österr. Alpenver. 1911, S. 265, 282-84;
    Guglia di Brenta Ostwand, Kleinste Zinne, Grohmannspitze Ostwand, Delagoturm, ebd., S. 245 f.;
    Gr. Seehorn Nordostwand, Gr. Litzner Nordwand, Kl. Litzner v. Norden, ebd. S. 259;
    Trisselwand Westpfeiler, Crozzon di Brenta Nordostwand, ebd. S. 273 f.;
    Die Nordkante d. Gr. Ödsteins, ebd. 1912, S. 265-69;
    Mitterkaiser durch d. Griessener Schlucht, ebd. 1913, S. 284;
    Hochwanner Nordgrat, ebd. 1913, S. 337;
    Schartenmandl, Däumling, Gr. Hochwandeck Südgrat, Scharwandeck v. Norden, Hinteres Großwandeck, ebd. 1914, S. 21;
    Trafoier-Eiswand Bäckmanngrat, in: Dt. Alpenztg. 12, 1912, 1, S. 165-69;
    Crozzon di Brenta, ebd. 2, S. 87-91;
    Eine Überschreitung d. Steinernen Meeres, ebd. 2, S. 192-96;
    Norweg. Rennen im alpinen Gelände, in: Winter 1912, S. 350-52, 368-71;
    Die Amateurfrage, ebd. S. 80-83, 1913, S. 357-60;
    Eine Winterfahrt auf d. Dreiherrenspitze, ebd. 1913, S. 445-47.

  • Literatur

    E. Oertl, in: Österr. Alpen-Ztg 35, 1913, S. 375-77;
    W. Bing, in: Mitt. d. Dt. u. Oesterr. Alpenver.|1913, S. 323 f.;
    ders. u. F. Henning, in: Dt. Alpenztg. 12, 1913, 2, S. 149-55 (P);
    F. Schmitt, ebd. 32, 1933, S. 498-500;
    ders., in: Jb. d. Dt. Alpenver. 1963, S. 182-91 (P);
    ders., in: Der Bergsteiger 1986, H. 8, S. 55-59 (P);
    L. Trenker, ebd. 1968, S. 666-68;
    O. W. Steiner, ebd. 1969, S. 867-69;
    G. W. Young, in: Alpine Journal 27, 1913, S. 427-29;
    G. v. Saar, ebd. 28, 1914, S. 50-57;
    H. Reinl, Der Gosaukamm, in: Zs. d. Dt. u. Oesterr. Alpenver. 1914, S. 219-63;
    A. Hartwich, in: Berg u. Ski 17, 1937, Nr. 180, S. 3-7;
    P. Jacobi, Bergsteigen als Lebensform, 1949, S. 15-18;
    S. Casara, Arrampicata libere sulle Dolomiti, ca. 1951;
    ders., L'alpinista leggendario, 1969.;
    ders., P. P., 1970;
    U. di Vallepiana, in: Alpinismus 11, 1973, H. 3, S. 28;
    A. Mokrejs, in: Bergwelt 1986, H. 8, S. 62-64;
    R. Messner, P. P., 1996 (Schrr. in Auszügen, unvollst. Schrr.- u. Tourenverz.);
    ÖBL.

  • Autor/in

    Peter Grimm
  • Empfohlene Zitierweise

    Grimm, Peter, "Preuß, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 711 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118817094.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA