• Leben

    M. ist benannt nach der Tafel mit der Darstellung der „Hl. Veronika mit dem Schweißtuch“ (um 1410-15, München, Alte Pinakothek). Herkunft und Ausbildungsweg sind nicht bekannt. Als bedeutendster Maler in Köln vor Stefan Lochner ist M. um 1400 mit einer Werkgruppe von etwa zehn eigenhändigen Arbeiten faßbar, die eine Variante des Weichen Stils vertreten. Die meist kleinformatigen Bilder gehören im wesentlichen zu zwei Themenkreisen, der Mariendarstellung und der Passion Christl. Doch begegnen bis um 1400 auch weniger vertraute Motive wie das der hl. Veronika mit dem Schweißtuch oder der Sacra Conversazione, die Jungfrau Maria im Kreise von Heiligen. Wie die führenden Zeitgenossen in anderen Landschaften, darunter Conrad von Soest in Westfalen und Meister Francke in Hamburg, verarbeitete auch M. in diesen thematischen Neuformulierungen westliche Einflüsse höfischer Buchmalerei aus den Zentren der Herzöge von Berry (Bourges) und Burgund (Dijon). Auf Eindrücke byzantin. Marienbilder geht die Besonderheit der halbfigurigen Mariendarstellung zurück, die der Maler in zwei überkommenen Varianten ausführte. Die als „Madonna mit der Wickenblüte“ – oder Erbsenblüte – (um 1410, Nürnberg, German. Nat.mus.; um 1415, Köln, Wallraf-Richartz-Mus.) bekannten Tafeln zeichnet eine gedämpfte, zu Schwarz- und Brauntönen neigende Farbigkeit aus, die im Gegensatz steht zu den klaren Blau-Rot-Gelb-Farbklängen des „Kleinen Kalvarienberges“ (um 1400, Köln, Wallraf-Richartz-Mus.) oder den Szenen am „Passionstriptychon“ (um 1400, Schweiz, Privatbes.). Ähnlich wie bei der namengebenden Münchener Veronika-Tafel bleibt auch bei der Darstellung „Christus als Schmerzensmann“ (um 1395-1400, Antwerpen, Koninklijk Mus.) mit kielbogenförmigem oberem Abschluß die Frage offen, ob es sich dabei ehemals um das Zentrum eines Triptychons oder um ein selbständiges Andachtsbild handelte. Umstritten war die chronologische Abfolge des Gesamtwerks, das durch Zuweisungen von nahestehenden Werkstatt- oder Nachfolgearbeiten vorübergehend zu einem uneinheitlichen Opus von ca. 50 Gemälden anwuchs. Bestrebungen der jüngeren Zeit (Wallrath), M. durch Identifizierung mit „Hermann von Köln“ (belegt zwischen 1389 und 1419) aus der Anonymität zu lösen, konnten bisher ebensowenig bestätigt werden wie die Zuschreibungen des 19. Jh. an „Meister Wilhelm“, der bereits im 14. Jh. lebte und arbeitete.

  • Werke

    Weitere W Kreuzigung mit Kartäuser, um 1395 (Washington, Nat. Gallery of Art);
    2 Einzelbll. mit Kreuzigung u. Predigt d. Abtes Antonius, um 1400 (ehemals Slg. Robert v. Hirsch, Basel);
    Hl. Veronika mit d. Schweißtuch, um 1405-10 (London, Nat. Gallery);
    Triptychon mit Madonna mit d. Wickenblüte (eigtl. Erbsenblüte), um 1415;
    Kreuzigung mit Maria, Johannes u. sieben Aposteln, um 1415 (beide Köln, Wallraf-Richartz-Mus.).

  • Literatur

    K. H. Schweitzer, Der Veronikameister u. s. Kreis, Diss. Bonn 1933, 1935;
    A. Stange, Dt. Malerei d. Gotik, Bd. 3, 1938, S. 56 ff.;
    ders., Krit. Verz. d. dt. Tafelbilder vor Dürer, Bd. 1, 1967, Nr. 35 ff.;
    O. H. Förster, Um d. M., in: Wallraf-Richartz-Jb. 19, 1957, S. 225 ff.;
    P. Pieper, Zum Werk d. M., in: Festschr. f. G. v. d. Osten, 1970, S. 94 ff.;
    R. Wallrath, Die Madonna mit d. Wickenblüte, in: Aspekte z. Kunstgesch. v. MA u. Neuzeit, 1971, S. 299;
    F. G. Zehnder, Der M., in: Vor Stefan Lochner, Die Kölner Maler 1300-1430. Ausst.kat. Köln 1974, S. 36 ff.;
    ders., Der M., Diss. Bonn 1974, 1981;
    ThB.

  • Autor/in

    Barbara Jakoby
  • Empfohlene Zitierweise

    Jakoby, Barbara, "Meister der heiligen Veronika" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 721 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118782975.html#ndbcontent

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