Lebensdaten
1749 bis 1822
Geburtsort
Mannheim
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Zeichner ; Maler ; Radierer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118777580 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kobell, Franz

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Zitierweise

Kobell, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777580.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Ferdinand (s. 1); - ledig;
    N Wilhelm (s. 4);
    Groß-N Franz (s. 3).

  • Leben

    K. verbrachte seine Schulzeit in Mannheim. Nachdem er sehr früh beide Eltern verloren hatte, gaben ihn seine Vormünder zu einem verwandten Kaufmann nach Mainz in die Lehre. Während der vierjährigen Lehrzeit nutzte er jede freie Stunde, um nach der Natur zu malen. 1762 kehrte er nach Mannheim zurück, wo ihn sein 9 Jahre älterer Bruder Ferdinand in dem Entschluß unterstützte, sich ganz der Kunst zu widmen. Kurfürst Karl Theodor, erfreut über das künstlerische Talent der beiden Brüder, ernannte Ferdinand zum ersten Kabinettsmaler und verlieh K. nach erfolgreicher Akademieausbildung 1778 eine ansehnliche Pension für einen Studienaufenthalt in Italien. In Rom übte sich K. im Architekturzeichnen, auf den häufigen Ausflügen in die Campagna, die Albaner Berge und in die Umgebung von Neapel aber vor allem in Landschaftsdarstellungen. Er schloß Freundschaft mit den Malern Friedrich Müller und Wilhelm Tischbein, dem Dichter Wilhelm Heinse und dem Bildhauer Alex Trippel, in dessen Akademie er manche Anregung bekam. In Rom begegnete er auch Goethe, der 1780 ein Dutzend Zeichnungen bei ihm bestellte; dabei legte dieser Wert darauf, daß er sie nach der Natur zeichne. 1784 kehrte K. nach Deutschland zurück und ließ sich wie sein Bruder in München nieder, wo Karl Theodor seit 1778 residierte. Der Kurfürst ernannte ihn zum Hofmaler und die Akademie der Bildenden Künste zu ihrem Ehrenmitglied.

    K. hat in rastlosem Schaffensdrang eine große Zahl von Blättern gezeichnet. Nach seinem Tod schätzte Domherr Speth, ein genauer Kenner seines Werks, deren Zahl auf 10 000, dagegen erwähnte er nur 12 Ölgemälde. Auch die Anzahl der Radierungen ist gering. Die Technik der Ölmalerei dürfte dem lebhaften Temperament K.s wegen der langwierigen Vorbereitungen widerstrebt haben. Seine Ölgemälde wirken konventionell und stehen Claude Lorrain und Nicolas Poussin nahe. Er nahm lieber den Stift oder die Feder zur Hand, mit denen er seine Ideen schneller auf dem Papier festhalten konnte. Den Pinsel- und Federzeichnungen gab er Licht und Schatten durch Bister oder Sepia, eine Technik, die er in höchster Vollendung beherrschte. Seine frühen Arbeiten sind von seinem Bruder Ferdinand beeinflußt und zeigen dessen Orientierung an der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Während seines Romaufenthalts fand K. in Anlehnung an Lorrain, Poussin und Salvator Rosa zu einem neuen, eigenen Stil. Er zeichnete ideal stilisierte Landschaftskompositionen italienischen Charakters, bewaldete Hügel mit Felsen, Schluchten und Wasserfällen, Ruinen und antikisierende Bauten mit der Steigerung zum Heroischen und effektvoll eingesetztem Licht. Siegfried Wichmann, der erstmals versuchte, das graphische Werk K.s (circa 1 800 Werk-Nummern) zu ordnen, spricht bei einigen unlängst aufgefundenen aquarellierten Federzeichnungen von einer beinahe abstrahierenden Loslösung von den Dingen in der Umwelt; in diesen Darstellungen ist K. seiner Zeit weit voraus. Hinzuweisen ist weiterhin auf seine letzten Blätter der bayerischen Heimat, in denen er stimmungsvolle Bildausschnitte der Natur festhält. Goethe nannte ihn in seinen Versuchen einer deutschen Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts nach Philipp Hackert einen der ersten deutschen Landschafter der 80er Jahre.

  • Literatur

    ADB 16;
    S. Wichmann, F. I. K. (1749-1822). Erste Ansätze e. chronolog. Ordnung d. graph. Werks, 1974;
    Nagler, Künstler-Lex. VII, 1835-52, S. 538 ff.;
    ThB.

  • Portraits

    Bleistiftzeichnung v. C. W. Heideck, 1807 (München, Staatl. Graph. Slg., Halm-Maffei-Slg.);
    Zeichnung mit schwarzer Kreide v. M. Schramm, 1807 (ebd.).

  • Autor/in

    Heidi Praël-Himmer
  • Empfohlene Zitierweise

    Praël-Himmer, Heidi, "Kobell, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 237 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777580.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Kobell: Franz K., Maler und Zeichner, geb. am 23. Novbr. 1749 in Mannheim, am 14. Januar 1822 in München, jüngerer Bruder des Ferd. K. (s. o.), wurde frühzeitig Doppelwaise. Seine Vormünder bestimmten ihn behufs rascherer Gewinnung eigenen Unterhaltes zum Handelsstande und brachten ihn zu einem verwandten Mainzer Kaufmann in die Lehre. Allein wie sein Bruder Ferdinand der Rechtswissenschaft war er (gleich seinem holländischen Vetter Hendrik K.) der Kaufmannschaft abgeneigt; fand dagegen seinen höchsten Genuß im Zeichnen und Malen und benützte jede Freistunde in der reizenden Umgebung von Mainz Aufnahmen nach der Natur zu machen. K. blieb vier ihm endlos dünkende Jahre im Comtoir zu Mainz; nach deren Ablauf erklärte er aber mit Bestimmtheit, sich der Kunst widmen zu wollen, und die vorgelegten Proben rechtfertigten nach dem Urtheile Sachverständiger sein Verlangen. Er besuchte nun die Akademie zu Mannheim, wo ihn sein Bruder Ferdinand mit Rath und That unterstützte. Der Kurfürst Karl Theodor, erfreut über das ausgesprochene Talent des strebsamen jungen Mannes verlieh ihm nach vollendeter Akademiebildung 1776 ein ansehnliches Reisestipendium, das ihn in den Stand setzte, in Italien eingehende Kunststudien zu machen. Er hielt sich hauptsächlich in Rom auf, wo er sich im Landschafts- und Architekturzeichnen übte; durch häufige Ausflüge in die Campagna und das Albanergebirge wurde er mit der Eigenart der römischen Landschaft genau vertraut, weshalb wir deren Formen und Linien in Kobell's späteren Arbeiten begegnen, obwol sie im Allgemeinen von reicher Mannigfaltigkeit Zeugniß geben. Nach neun Jahren (1785) kehrte er über den Brenner in die Heimath zurück und nahm seinen Wohnsitz in München. Der Kurfürst ernannte ihn zum Hofmaler und die Akademie der bildenden Künste in München zu ihrem Ehrenmitgliede. K. besaß eine äußerst lebhafte Phantasie, ein glückliches, reiches Compositionstalent und große Leichtigkeit der Darstellung. Das Vorherrschende war und blieb bei ihm die Idee. — Da ihm die Vorbereitungen zum Oelmalen — überhaupt dessen Technik zu umständlich und zeitraubend war, nahm er lieber den Stift oder die Feder zur Hand, um seinen schnell hervorquellenden künstlerischen Gedanken den entsprechenden Ausdruck zu geben. Die auf solche Weise rasch gefertigten Blätter setzte er dann mit Sepia in die nöthige Haltung von Licht und Schatten. K. malte sehr wenige Oelbilder; nach Professor Speth (einem genauen Kenner von Kobell's Werken) betrug deren Zahl kaum zwölf. Eines derselben war früher in der Pinakothek in München und befindet sich nun zu Bamberg. Es ist eine felsige Landschaft mit Wasserfällen (auf Leinwand) und zählt zu den charakteristischen Gemälden des Meisters. Auch die Zahl der Radirungen ist ziemlich gering; sie besteht in einer Sammlung von 26 Blättern, meist wilde, felsige Gegenden. Dagegen fertigte K. eine geradezu unglaubliche Menge von Handzeichnungen, von denen er sehr viele in Tuschmanier ausführte. Speth schätzt deren Zahl auf mindestens 10 000. Ueber 2000 besaß Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen in Wien, etwa eben so viele v. Rigal in Paris und der mit den Brüdern Kobell vieljährig befreundete Freih. v. Stengel. Auch das Münchner Kupferstich- und Handzeichnungen-Cabinet verwahrt eine volle Mappe und König Ludwig I. erwarb mehrere Skizzenbücher mit hübschen architektonischen Ideen. Manches wanderte nach England. Bei der Vielzahl der Arbeiten sind sie selbstverständlich von ungleichem Werthe; die der früheren Periode sind oft mit einer an Aengstlichkeit grenzenden Sorgfalt gearbeitet und bis ins Kleinste zierlich ausgeführt. Jene der zweiten Periode verrathen größere Sicherheit und freiere Behandlung. Goethe nennt in seinen Versuchen einer deutschen Kunstgeschichte des 18. Jahrhunderts K. nach Hackert einen der ersten deutschen Landschafter der 80er Jahre. Der tieffühlende Meister wußte die Natur auch mit geistigem Auge zu erfassen und copirte sie weniger im Einzelnen, sondern nahm sie nach ihrem ganzen Umfange und in der Vielseitigkeit ihrer Erscheinung in sich auf. Deshalb huldigte er nie dem Zeitgeschmacke, sondern der künstlerischen Eingebung. Seine Lieblingsstoffe waren Landschaftsbilder mit italienischem Charakter, auch bewaldete Hügel mit Felspartien und Wasserstürzen, mit Ruinen oder großen Bauwerken. Die nebensächlich behandelte Staffage besteht aus Hirten mit und ohne Heerden, aus rastenden Pilgern, Schnittern und Landleuten. Arbeit war dem schaffenden Manne Bedürfniß; er zeichnete rasch und leicht; selbst an seinem Todestage wollte er die gewohnte Thätigkeit aufnehmen, das Werk mochte auch im Geiste vollendet sein; allein das Auge und die zitternde Hand versagten den Dienst; er legte den Stift bei Seite und entschlief ruhig am 14. Januar 1822. — Da K. ledig geblieben war, brachte er die Abende gerne bei Freunden, in anregenden Damen- und Herrenkreisen zu, und wurde wegen seiner Unterhaltungsgabe und launigen Einfälle, wegen seiner gründlichen Bildung und Biederkeit hoch geschätzt. Ein Stich in Kleinoctav von C. Heß stellt unseren Meister in seinen letzten Lebensjahren dar, er trägt die Unterschrift: „Als Mensch edel und groß, durch eigenen Witz und festen Charakter höchst ausgezeichnet.“..... Nach seinen und Ferdinands Zeichnungen haben Prestel und Kuntz zwölf Blätter gestochen.

    • Literatur

      Speth im deutschen Kunstblatte, Tüb. 1822. Nr. 46. S. 181. — Goethe, Winkelmann. Bd. II. —
      Nagler, Bd. 7. S. 89—91. — Mannlich, Beschreib. der kurpfälzischen Gemälde-Samml. I, 236. II, 298.

  • Autor/in

    Eisenhart.
  • Empfohlene Zitierweise

    Eisenhart, August Ritter von, "Kobell, Franz" in: Allgemeine Deutsche Biographie 16 (1882), S. 355-356 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777580.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA