Lebensdaten
1852 bis 1926
Geburtsort
Schwäbisch Gmünd
Sterbeort
Rottenburg/Neckar
Beruf/Funktion
Bischof von Rottenburg
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118777068 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Keppler, Paul Wilhelm von
  • Keppler, Paul von
  • Keppler, Paul Wilhelm von
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Zitierweise

Keppler, Paul von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777068.html [11.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1804–55, ev.), Gerichtsnotar in Münsingen, seit 1852 in Sch. G., S d. Ludwig (1772–1855), Kaufm., Stadtrat u. Heiligenpfleger in Pfullingen, u. d. Christiane Gottliebin Leutwein;
    M Caroline (1811–82, kath.), T d. Dr. med. Peter Laib, Oberamtsarzt in Oberndorf, u. d. Eleonore Albus.

  • Leben

    Nach Schulbildung in Schwäbisch Gmünd begann K. trotz Sprach- und Gedächtnisstörungen das Studium der Theologie in Tübingen bei J. von Kuhn, P. von Schanz und F. X. Funk und trat 1874 nach Erlangung des 1. Preises für eine Homilie über Rom. 8, 13 in das Priesterseminar in Rottenburg ein. Nach der Priesterweihe 1875 wurde er Kaplan in Ulm und Schwäbisch Gmünd. 1876 ernannte ihn Bischof K. J. von Hefele zum Repetenten am Wilhelmstift in Tübingen. Er arbeitete an der „Theologischen Quartalschrift“, der „Literarischen Rundschau“ und den „Historisch-Politischen Blättern“ mit, wurde 1880 Stadtpfarrer von Cannstatt und 1882 Schulinspektor von Stuttgart. In dieser Zeit begann er seine kritischhomiletische Arbeit. 1883 wurde er als Nachfolger von Schanz Professor für neutestamentliche Literatur und Exegese und promovierte 1884 mit der Untersuchung „Die Composition des Johannesevangeliums“. 1889 wurde er Professor für Moral- und Pastoraltheologie in Tübingen und 1894 für Moraltheologie in Freiburg. Er beschäftigte sich auch mit religiöser Kunst und unternahm 1892 eine Studienreise nach Palästina, Griechenland und Italien. Durch seine publizistische Tätigkeit, insbesondere die beiden in zahlreichen Auflagen erschienenen Bücher „Mehr Freude“ (1909, 183. Tausend 1929, in 14 Sprachen übersetzt) und „Leidensschule“ (1914, 71. Tausend 1923, in 7 Sprachen übersetzt) wurde er in breitesten Kreisen bekannt. 1885-94 war er auch Schriftleiter des „Archivs für christliche Kunst“. 1898 wurde er zum 6. Bischof von Rottenburg gewählt. Nach der Bischofsweihe 1899 widmete er sich auch weiterhin der schriftstellerischen Tätigkeit; bis zu seinem Tode wurden mehr als ½ Million Exemplare seiner Bücher in 15 Sprachen gedruckt.

    In der heutigen Sicht wird das Bild K.s insbesondere durch seine Teilnahme am Modernistenstreit verdunkelt. Er galt ursprünglich nicht als reaktionär und war als Professor in Freiburg sogar mit F. X. Kraus befreundet. 1901 hatte er mit Vorbehalt dem Werke „Der Katholizismus im 20. Jahrhundert im Licht der kirchlichen Entwicklung der Neuzeit“ von A. Ehrhard das Imprimatur erteilt. Wahrscheinlich unter dem Einfluß seines Freundes Julius Langbehn, des sogenannten „Rembrandtdeutschen“, wurde K. immer mehr auf die Seite des Integralismus gedrängt. Am 1.12.1902 hielt K. in Rottenburg eine aufsehenerregende Rede über „Wahre und falsche Reform“ (21903, englisch und französisch), die bis in wörtliche Formulierungen hinein von Langbehn beeinflußt war und sich in scharfen Wendungen wie „Margarinekatholizismus“ über den „Reformkatholizismus“ ausließ und eine langjährige Hetzkampagne gegen K. einleitete. Er gab zwar zu, daß gewisse Dinge in der Kirche einer Reform bedürften, doch seine kaum verhüllte Kritik an Männern wie Kraus, Schell und Ehrhard erstaunte allgemein. Die vielen Angriffe in der Presse und im Landtag verletzten ihn tief und verhärteten das Klima. Er verfaßte auch den deutschen Hirtenbrief zum Antimodernisteneid und wurde zu einem der führenden deutschen Bischöfe. In grundsätzlichen Fragen kannte er keine Kompromisse. Seine Fachkenntnis in künstlerischen und literarischen Fragen war allgemein anerkannt, wenn er sich auch nicht vom Subjektivismus freizuhalten vermochte. Sein Leben zeigt, wie sehr an sich unpolitische Naturen, die vom Katheder weg zum Bischof berufen wurden, durch die Wirren der Zeit in eine von ihnen nicht gewollte Richtung gedrängt wurden. K. erwarb sich bleibende Verdienste für den deutschen Katholizismus durch seinen erfolgreichen Kampf gegen das katholische Bildungsdefizit in Deutschland.

  • Werke

    Weitere W Das Johannesevangelium u. d. Ende d. 1. christl. Jh., 1883;
    Unseres Herrn Trost, 1887, 31914 hrsg. v. S. Weber;
    Württembergs kirchl. Kunstaltertümer, 1888;
    Wanderfahrten u. Wallfahrten im Orient, 1894, 101922;
    Das Problem d. Leidens, 1894, 91919;
    Die Advenlsperikopen, 1899, 61917 (engl.);
    Aus Kunst u. Leben, 2 Bde., 1905, 81923 in 1 Bd.;
    Homilet. Gedanken u. Ratschläge, 1910, 61911 (in 5 Sprachen übers.);
    Homilien u.|Predigten, 3 Bd., 1912. 91929 (franz., holländ., poln.);
    Die Armenseelenpredigt, 1913, 81923 (engl., holländ., span.);
    Im Morgenland, 1913, 17. Tsd., 1930 (fläm.);
    Vorwort zu: P. B. M. Nissen, Der Rembrandtdeutsche, 1926, Wasser aus d. Felsen, 2 Bde., hrsg. v. H. Seibold, 1927/28, 21929.

  • Literatur

    J. Baumgärtner, P. W. v. K., 1925;
    J. K. Brechenmacher, Bischof P. W. v. K. als Päd., 1925;
    G. Hassl, P. W. v. K., 1928;
    F. Egger, Bischof P. W. v. K., Leben u. Werk, 1928;
    Die Diözese Rottenburg u. ihre Bischöfe 1828-1928, hrsg. v. F. Stärk, 1928 (P);
    E. Mack, Dr. P. W. v. K., 1932;
    H. Schiel, Franz Xaver Kraus u. d. kath. Tübinger Schule, 1958;
    A. Hagen, in: Lb. Schwaben VI, 1957, S. 429-44 (W, L, P);
    ders., Gesch. d. Diözese Rottenburg III, 1960 (P);
    ders., Der Reformkatholizismus in d. Diözese Rottenburg 1902–20, 1962;
    O. Köhler, Bewußtseinsstörungen im Katholizismus, 1972;
    Hdb. d. KG, hrsg. v. H. Jedin, VI/2: Die Kirche zw. Anpassung u. Widerstand (1878–1914), 1973.

  • Autor/in

    Wilhelm Baum
  • Empfohlene Zitierweise

    Baum, Wilhelm, "Keppler, Paul von" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 508 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118777068.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA