Lebensdaten
1712 bis 1774
Geburtsort
Weimar
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Maler ; Graphiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118746324 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dietericy, Christian Wilhelm Ernst
  • Dietricy, Christian Wilhelm Ernst
  • Dietrich, Christian Wilhelm Ernst
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Zitierweise

Dietrich, Christian Wilhelm Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118746324.html [25.01.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Gg. (1684–1752) aus Weißensee (Thür.), Hofmaler in Weimar u. Dresden (s. ThB);
    M Joh. Dorothea, T des Joh. Ernst Rentsch ( 1723), Hofmaler in Weimar (s. ThB);
    Schw Maria Dor. (1719–92, Joh. Jak. Wagner [um 1710-97], Miniatur- u. Porzellanmaler in Meißen, s. ThB), Landschaftsmalerin (s. ThB unter Wagner), Rahel Rosina (1725–70, Carl Wilh. Böhme [1720-95 ?], Porzellanmaler in Meißen u. Berlin, Radierer, führte in Berlin die Seeprospektenmalerei ein, s. ThB), Malerin;
    1) um 1735 T des Hofgoldarbeiters Wagner, 2) 1759 Christiane Magd., T des Kaufm. Biehler;
    6 K aus 1);
    N Joh. Gg. Wagner (1744–67), Landschaftszeichner, -maler u. -radierer (s. ThB).

  • Leben

    D.s frühreife Begabung wurde in den ersten Jahren nach seiner Übersiedlung nach Dresden (1724) von A. Thiele gefördert. Stärkere Anregungen erfuhr er durch das Studium der Gemälde der Dresdner Galerie. Die Frühzeit seines Schaffens stand unter dem Patronat des Grafen Brühl. Ob D. die Niederlande, das Land seiner künstlerischen Vorbilder, auf einer Reise um 1734 gesehen hat, bleibt fraglich. Nach seiner Rückkehr wurde er von Kurfürst August III. 1741 zum Hofmaler bestimmt. Auf dessen Anordnung unternahm er 1743 eine einjährige Studienfahrt nach Italien, die sich in seinem Werk nur thematisch auswirkte. In der folgenden Zeit erreichte er den Höhepunkt seines Könnens. Seine Werke, die überall in Europa erworben wurden, brachten ihm die Ehrenmitgliedschaften der Akademien von Augsburg, Bologna und Kopenhagen ein. Bei der 1763 einsetzenden neuen Kunstförderung in Sachsen wurde D. 1764 zum Direktor der Kunstschule in Meißen ernannt. Ein Jahr später übernahm er an der Dresdner Akademie eine Professur, die er bis zu seinem Tode innehatte.

    In D.s Werk sind die Kunstrichtungen des endenden 17. Jahrhunderts und seiner Zeit nebeneinander gelagert. Besonders die niederländ. Kleinmeister, Rembrandt und die Nachfolger Watteaus haben maßgeblich auf D.s Produktion eingewirkt. Sein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen ließ ihn den gewählten Vorbildern sehr nahe kommen, wenn auch D.s Eigenart in Auffassung und Technik immer sichtbar bleibt. Dieser Eklektizismus ist nicht allein aus D.s Veranlagung verständlich, sondern ist eine Folge kunsttheoretischer Forderungen des Rokoko nach Auswahl und Nachahmung. Trotz dieser fragwürdigen künstlerischen Haltung stellte D. in dem damaligen internationalen Dresden die stärkste deutsche Kraft dar. In seinem Oeuvre sind alle Stoffgebiete und Techniken der Malerei vertreten. Am meisten geschätzt wurden seine Landschaften, die entwicklungsgeschichtlich die letzte Stufe vor dem Einsetzen einer realistischen Landschaftsmalerei durch D.s Schüler J. Ch. Klengel bedeuten. D.s hochstehende Druckgraphik, die mehr durch die Virtuosität der Technik als durch die Tiefe der Empfindung besticht, umschließt wie seine Malerei alle Möglichkeiten des 18. Jahrhunderts.

  • Werke

    Gem., Radierungen u. Zeichnungen in Mus. d. In- u. Auslandes (u. a. in Celle, Dresden, Rudolstadt, Schwerin) u. in Privatbes.

  • Literatur

    ADB V;
    Ch. L. v. Hagedorn, Betrachtungen üb. d. Malerei, Leipzig 1762;
    J. F. v. Rackwitz, Skizze e. Gesch. d. Künste, bes. d. Malerei in Sachsen, 1811;
    J. F. Linck, Monogr. d. v. … C. W. E. D. radierten, geschabten u. in Holz geschnittenen malerischen Vorstellungen, 1846;
    M. Wiessner, Die Ak. d. bildenden Künste zu Dresden, 1864;
    ThB. - Qu.: Sächs. Landeshauptarchiv Dresden;
    Landesarchive in Schwerin, Weimar, Rudolstadt.

  • Portraits

    Kupf. v. J. M. Schmutzer nach Selbstbildnis v. 1765, in: F. H. Hofmann, Das Porzellan d. europ. Manufakturen im XVIII. Jh., 1932, S. 214, und Rave; Kupf. v. D. Chodowiecki 1774, nach Zeichnung v. F. Reclam, 1768.

  • Autor/in

    Hans-H. Jungbauer-Haupt
  • Empfohlene Zitierweise

    Jungbauer-Haupt, Hans-H., "Dietrich, Christian Wilhelm Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 696 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118746324.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dietrich: Christian Wilhelm Ernst D., welcher sich zuweilen auch Dietricy oder Dietericy schrieb, geb. zu Weimar am 30. Octbr. 1712, zu Dresden am 24. April 1774, war einer der begabtesten Maler seiner Zeit. Er lernte die Anfangsgründe der Kunst bei seinem Vater, einem weimarschen Hofmaler, und kam dann als Schüler zu dem Landschaftsmaler Alexander Thiele nach Dresden, wo er durch glänzende Talentproben die Aufmerksamkeit August des Starken auf sich zog. Derselbe gab dem Grafen Brühl Auftrag, für die weitere Ausbildung des jungen Künstlers Sorge zu tragen. Brühl blieb letzterem ein beständiger Gönner. Er erwirkte ihm zunächst eine Pension aus der königl. Casse. Später ward D. zum Hofmaler ernannt. Da der Künstler aber die vom König zahlreich nach Dresden berufenen italienischen Maler sich immer vorgezogen sah, so ging er, verstimmt darüber, unter dem Vorwande, eine Reise nach Holland machen zu wollen, längere Zeit nach Weimar und Braunschweig. Als er 1742 nach Dresden zurückkehrte, fand er daselbst mehr Beachtung als früher. Sein alter Gönner, Graf Brühl, war mittlerweile Intendant der königlichen Sammlungen und Kunstanstalten geworden; er sowol wie Heinecken, dessen Urtheil in künstlerischen Angelegenheiten maßgebend war und der D. schätzte, suchten diesen möglichst zu fördern. Heinecken faßte ihn für die Directorstelle der projectirten Kunstakademie ins Auge und empfahl dem Hof, den Künstler, zur Vorbereitung für diese Stellung, nach Italien zu schicken. Letzterer ging denn auch 1743 zuerst nach Venedig, dann nach Rom; aber die italienische Luft und Kunst hatte wenig Reiz für ihn und schon in dem nächsten Jahr trieb ihn das Heimweh nach Dresden zurück. Heinecken schreibt bitter:|D. habe nicht das Geringste aus Italien mitgebracht, weder von der Manier im Malen, noch im Zeichnen; sein Widerwille gegen die Italiener erstrecke sich sogar auf ihre Schule. Man ernannte den Künstler weiterhin zum Inspector der Gemäldegallerie. Während des siebenjährigen Krieges scheint er in Freiberg und Meißen gelebt zu haben. Bei der Errichtung der Dresdener Kunstakademie sah man von D. ab; jedoch gab man ihm 1763 das Directorat der Malerschule an der Meißener Porzellanmanufactur, aber schon 1765 wurde er als Professor an die Akademie zu Dresden versetzt. Unter seinen Schülern ist der Landschaftsmaler und Radirer Klengel hervorzuheben. — D. fehlte der selbständige, schöpferische Künstlergeist und seine große Begabung war mehr nur technischer Natur. Hauptsächlich gefiel er sich in der Nachahmung insbesondere niederländischer Meister, welche Nachahmung aber immer nur eine äußerliche blieb. Noch den meisten Charakter, soweit es die naturentfremdete, manierirte Zeit gestattete, zeigt er in seinen landschaftlichen Arbeiten; Winckelmann nennt ihn sogar den Raphael der Landschaftsmaler. Am besten wird man den Künstler in Dresden kennen lernen, die dortige Gallerie besitzt von ihm 54 Gemälde. Als Hofmaler hatte er die Verpflichtung, jährlich vier Cabinetsstücke zu liefern. Auch an seinen Handzeichnungen ist Dresden reich. Eine hervorragende Stelle nimmt D. als Maler-Radirer ein. Seine zahlreichen Blätter bezeichnen einen großen Fortschritt der deutschen Aetzkunst und geben zugleich von der Leichtigkeit und Beweglichkeit seines Schaffens Zeugniß. Seine nachgelassenen Kupferplatten wurden von seinen Erben herausgegeben; später wurden die Platten wieder aufgestochen und an Frauenholz verkauft. Eine Sammlung seiner Handzeichnungen, Studien und Skizzen publicirte 1810 Ch. Otto in Leipzig, in Kreidemanier auf Stein gezeichnet, in 5 Heften. Viele Künstler haben nach ihm gestochen.

    • Literatur

      Vgl. J. F. Linck, Monographie der von D. radirten, geschabten und in Holz geschnittenen malerischen Vorstellungen, Berlin 1846. — Deutsches Kunstblatt, 1856: Ch. W. E. Dietrich. Ein Beitrag z. d. Kunstgesch. des 18. Jahrb., von L. v. Schorn.

  • Autor/in

    C. Clauß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Clauß, Carl, "Dietrich, Christian Wilhelm Ernst" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 192-193 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118746324.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA