Lebensdaten
1807 bis 1878
Geburtsort
Erfurt
Sterbeort
Venedig
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118738488 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Nehrlich, Friedrich (bis 1828)
  • Nehrlich, Christian Friedrich (bis 1828)
  • Nehrlich, Federico
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Zitierweise

Nerly, Federico von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738488.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Paul Nehrlich ( 1815), Postsekr. in E.;
    M Rosa Haeßler ( n. 1850);
    Om Heinrich Joachim Herterich (1772–1852), Maler u. Lithograph in Hamburg (s. ThB);
    Venedig 1840 Agathe Alginovich (1810–89), Adoptiv-T d. Marchese Maruzzi;
    1 S Friedrich (Federico) Paul (1842–1919), Maler in Rom (s. ThB).

  • Leben

    N. wuchs nach dem frühen Tod des Vaters in Hamburg bei Verwandten auf. Zunächst erhielt er Unterricht bei seinem Onkel Heinrich Joachim Herterich, der auch Runges Zeichenlehrer gewesen war, und war Lehrling in dessen mit Johann Michael Speckter (1764–1845) betriebener Lithographenanstalt. Früh übte sich N. in Landschafts- und Naturstudien. Seine Zeichnungen fielen Carl Friedrich v. Rumohr (1785–1843) auf, der N. 1823 als Schüler auf sein Gut Rothenhausen bei Hamburg nahm, wo er ihn methodisch ausbildete. 1827 reisten beide über den Harz nach Thüringen (Besuch bei Goethe), Dresden (Begegnung mit Ludwig Richter) und München. Rumohr führte seinen Schüler|nach Italien, das dieser nur noch zu zwei kurzen Besuchen seiner Heimatstadt Erfurt 1850 und 1862 verlassen sollte. 1828 erreichten die beiden Florenz und Siena. Von dort reiste N. allein nach Rom weiter, wo er bald Anschluß an die Gruppe der deutschen Künstler, darunter Preller d. Ä., Koch, Overbeck, Veit und Cornelius, fand. Er nannte sich nun „Federico Nerly“. Kleine Reisen in die Umgebung und nach Süditalien brachten reichen Ertrag an originellen Landschaftsansichten und figürlichen Studien, die stets als Staffage für die effektvoll arrangierte Landschaft Verwendung fanden, niemals in ein repräsentatives Portrait mündeten. Seine Lebensfreude und gesellschaftliche Gewandtheit machten ihn zum Mittelpunkt der deutschen Künstlerschaft. Er wurde Generalissimus der Ponte-Molle-Gesellschaft. Als N. schließlich 1837 nach Deutschland zurückkehren wollte, reiste er über Genua, Mailand und Verona nach Venedig, wo er die Adoptivtochter eines reichen Marchese heiratete. Er blieb in Venedig ansässig und entwickelte seinen Atelierbetrieb geschäftsmäßig, vor allem um Reisende mit Venedig-Ansichten zu versorgen. Seine begabte Landschafts- und Vedutenmalerei trat aus dem Kreis einer geschickten, in den Lichteffekten dramatisierten, gleichwohl oberflächlichen Kunst nicht hervor. Wie der etwas ältere Karl Blechen könnte N. Theatermaler gewesen sein, denn sein in allen Werken sichtbares Talent erfüllte sich in der Inszenierung künstlicher Zustände.|

  • Auszeichnungen

    Orden d. Württ. Krone (1856); preuß. Kronen-Orden; Prof. u. Ehrenmitgl. d. Ak. v. Venedig.

  • Werke

    Ölgem.: Landschaft mit schlafendem Hirten;
    Landschaft mit Hirt u. Melkerin, 1827 (beide Kiel, Kunsthalle);
    Gebirgslandschaft mit Burgruine, 1827 (Wiesbaden, Mus.);
    Ital. Gebirgslandschaft mit Hirten, 1831 (Wuppertal, Von-der-Heydt-Mus.);
    Transport e. Marmorblocks unterhalb d. carrares. Gebirges, 1831 (Schwerin, Staatl. Mus., 2. Version: Kopenhagen, Thorvaldsen-Mus.);
    Die Piazzetta in Venedig b. Mondschein: Mondnacht am Canal Grande in Venedig;
    Winzerzug auf dem Monte Circello, um 1850;
    Die Abreise d. jungen Tizian von Pieve di Cadore;
    Landschaft mit Tizian u. seiner Tochter Lavinia;
    Heinrich d. Löwe in Venedig, 1878 (alle Erfurt, Angermus.);
    e. größere Gruppe Handzeichnungen u. Ölstud. in Bremen, Kunsthalle. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Erfurt, Angermus.

  • Literatur

    ADB 23;
    C. F. v. Rumohr, Drey Reisen nach Italien, 1832;
    A. Wolf, in: Kunstchronik 14, 1879, Sp. 192-96;
    Franz Meyer, in: Mitt. d. Ver. f. d. Gesch. u. Altertumskde. v. Erfurt, H. 28, 1907, S. 45-144 (Qu- u. W-Verz., P);
    R. Schapire, Zu F. v. N., Aus unveröff. Briefen, ebd. H. 29, 1908, S. 1-9;
    A. Lichtwark, Rumohr u. N., in: Jb. d. Ges. Hamburger Kunstfreunde 17, 1911, S. 79-92;
    F. Noack, Ponte Molle u. Cervaro, in: Der Cicerone 18, 1926, S. 318-26, 484-89, 537-41, 606-13, 744, 747;
    A. V. Przychowski, in: Die Kunst 59, 1929, S. 99-104;
    F. N., Ein dt. Romantiker in Italien 1807-1878, Ausst.kat. Kunsthalle Bremen 1957;
    L. Martius, F. N., Ponte Molle u. Cervaro, in: Nordelbingen, Btrr. z. Kunst- u. Kulturgesch. 41, 1972, S. 63-86;
    M. Lukke, F. N. z. 100. Todestag, Ausst.kat. Angermus. Erfurt 1978;
    Th. Gädeke, F. N. u. d. Künstler um C. F. v. Rumohr, Ausst.kat. Schleswig 1991;
    H. Sieveking, Von Füssli bis Menzel, Ausst.kat. Weimar, München, Frankfurt 1997;
    Mitteldt. Lb. 3, 1928, S. 418-28 (P);
    ThB.

  • Portraits

    Selbstbildnis, Zeichnung, 1828 (Frankfurt/M., Städelsches Kunstinst.);
    Ölgem. v. G. Ph. Kratzmann, 1838 (Erfurt, Angermus.).

  • Autor/in

    Thomas Gädeke
  • Empfohlene Zitierweise

    Gädeke, Thomas, "Nerly, Federico von" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 65 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738488.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Nerly: Friedrich N. (Nehrlich), geb. am 29. September 1807 in Erfurt, am 21. October 1878 in Venedig, ward bei Verwandten in Hamburg und Holstein erzogen und knüpfte dort bald Freundschaft mit dem bekannten Thierfabelmaler Speckter an, weshalb er auch schon früh sich der Darstellung der Thiere zuwandte. Das Talent, das der schöne und einnehmende Jüngling dabei zeigte, erwarb ihm die Gönnerschaft des berühmten Kunstkenners Baron Rumohr, der sich nun seiner in großartigster Weise annahm, ihn in Weimar dem alten Goethe vorstellte und eine Studienreise nach Italien ermöglichte. Als Nerly um 1830 nach Rom kam, trat er die deutsche Künstlercolonie noch in größter Blüthe, mit Overbeck, Koch, Reinhard, Thorwaldsen an der Spitze, Preller, Genelli, Rahl u. A. in frischem Aufstreben. Mit allen diesen in näheres Verhältniß tretend und früh ein bedeutendes geselliges Talent entwickelnd, widmete sich N. nun vorzugsweise der Darstellung der Landschaft, mit reicher Staffage von Menschen und Thieren, wozu er sich den Stoff in der römischen Campagna oder auf einer nach Unteritalien und Sicilien gemachten Studienreise holte. Mehr Zeichner als Colorist, ist sein berühmtestes Bild aus dieser Zeit ein Büffelfuhrwerk, welches einen großen, für Thorwaldsen bestimmten Marmorblock durch die Campagna zieht. Großartig und stilvoll aufgefaßt, ist es auch in der Färbung nicht ohne pikanten Reiz der Gegensätze. Coloristen auszubilden war freilich das damalige Rom der denkbar schlechteste Ort, man begnügte sich mit großer Auffassung im Stile der Classiker oder der noch immer herrschenden Romantik. So, fast an Claude erinnernd, malte N. auch eine Rückkehr der Winzer vom Monte Circello, die ebenfalls vorzüglich aufgefaßt ist, aber nie recht fertig ward. Das ewig wechselnde und meist ganz frivole Fremdenpublicum, auf das der Künstler angewiesen ist, kann eben auch das größte Talent ruiniren. Der unstreitig hochbegabte N. ist denn auch den schlechten Einwirkungen dieser Verhältnisse, die durch die Expatriation noch verstärkt wurden, nicht entgangen. Von eleganten Manieren, schöner Persönlichkeit und dem heitersten Humor ward er bald die Seele aller geselligen Vergnügungen der deutschen Künstlercolonie, besonders der berühmten Cervarafeste. Daß die künstlerische Vertiefung und Ausbildung darunter leiden mußten, war unvermeidlich und so hat denn auch N. die großen Erwartungen, die man von seinem Talente hegen konnte, allerdings nicht erfüllt, obwohl man seinen Arbeiten weder Geschmack noch Stilgefühl und glückliche Auslassung absprechen kann. Aber über das viel Versprechen kamen seine Bilder selten hinaus bis zum Halten. Es war denn wohl auch das Gefühl dieser gründlich ungesunden Existenz, zu der fast alle deutsch-römischen Künstler verdammt sind, das ihn endlich 1837 in die Heimath wieder zurücktrieb. In Venedig angekommen und entzückt über die Schönheit der Stadt dort verweilend, malte er die Piazeita im Mondschein. Das gefiel nun so, daß er nachmals das Bild noch 36mal wiederholen mußte und es recht eigentlich sein Schicksal entschied. Denn nun blieb er sein ganzes übriges Leben in der träumerisch schönen Lagunenstadt, gleich gefesselt von der blendenden Schönheit seiner nachmaligen Gattin und durch den unendlichen Reiz des Aufenthaltes überhaupt. Er warf sich nun ganz auf die Vedutenmalerei, die er indeß mit durchaus poetischer und|echt künstlerischer Auffassung zu adeln wußte, selbst als er in der Technik von den Jüngeren schon längst überflügelt war. Für alle nach Venedig kommenden Deutschen aber ward fortan sein gastfreies Haus der Mittelpunkt, wie er denn als guter Patriot der Entwicklung des Vaterlandes mit Entzücken folgte. Als anerkanntes Haupt der deutschen Colonie auch von den Italienern hoch geachtet, von allen bedeutenden Fremden im Palazzo Pisani aufgesucht, wo er als Nachfolger des unglücklichen Leopold Robert seine Wohnung 40 Jahre lang beibehielt, war er nach und nach selber zu einer Art Sehenswürdigkeit geworden, die gewiß Niemand ohne Befriedigung kennen lernte. Unermüdlich thätig, wie er es war, sind seine venetianischen Prospecte in alle Welt gegangen und verdienen es auch, wenigstens durch ihre originelle und poetische Auffassung.

  • Autor/in

    F. Pecht.
  • Empfohlene Zitierweise

    , "Nerly, Federico von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 23 (1886), S. 435-436 unter Nerly, Friedrich [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118738488.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA