Lebensdaten
1890 bis 1954
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Bad Wiessee (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118729349 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Angkor (Pseudonym)
  • Luckhardt, Johannes
  • Luckhardt, Hans
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Zitierweise

Luckhardt, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729349.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Wassili (s. 1); - ledig.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Humanist. Gymnasium Berlin-Charlottenburg 1907 begann Wassili 1908 das Architekturstudium an der TH Charlottenburg, das er 1910-12 für den Militärdienst (Leutnant im Garde-Ulanen-Rgt.) unterbrach. Danach setzte er das Studium an der TH Dresden fort und schloß es 1914 ab, anschließend mußte er Kriegsdienst leisten. Hans verließ das Gymnasium ohne Abschluß und studierte 1909-11 drei Semester Architektur an der TH Karlsruhe.

    1919 wurden die Brüder Mitglieder des „Arbeitsrates für Kunst“ und der „Novembergruppe“ in Berlin, 1920 beteiligten sie sich unter den Decknamen „Zacken“ (Wassili) und „Angkor“ (Hans) an dem programmatischen Briefwechsel von Bruno Taut, der unter dem Namen „Gläserne Kette“ bekannt geworden ist. Schon 1919 trat Wassili mit utopischen Architekturentwürfen an die Öffentlichkeit (Festhalle, Kino, „An die Freude“), während Hans zu jener Zeit durch Italien, Spanien, Frankreich und England reiste. Zum Wettbewerb für das Dresdener Hygienemuseum (1921) reichten sie ihre Entwürfe noch getrennt ein, doch im selben Jahr gründeten sie die „Architektengemeinschaft Brüder Luckhardt“, die 1923 nach dem Hinzutreten von Alfons Anker (1872–1958, s. Vollmer) als „Brüder Luckhardt und Alfons Anker“ firmierte. Anker emigrierte 1939 nach Stockholm.

    Das Werk der Brüder läßt sich bis zum Tode von Hans (1954) nicht trennen. Ebensowenig ist der Anteil des Partners Alfons Anker abzugrenzen; auf keinen Fall war dieser nur der den mehr künstlerisch schaffenden Brüdern zur Seite stehende Praktiker, wie oft angenommen wurde. Alle drei traten als Architektengemeinschaft der 1926 in Berlin gegründeten Architektenvereinigung „Der Ring“ bei, in der sich führende Köpfe der damaligen Avantgarde zusammenschlossen, deren bei aller sonstigen Verschiedenheit einigender Grundgedanke die Überwindung des Traditionalismus war, wie er etwa in der Person des Berliner Stadtbaurates Ludwig Hoffmann zum Ausdruck kam.

    Die Brüder L. erstrebten mit A. Anker eine Technisierung der Bauvorgänge durch Anwendung neuartiger Stahl- und Stahlbetonskelettkonstruktionen, was für sie nicht nur eine technisch-ökonomische, sondern gleichzeitig eine künstlerische Komponente besaß. Die klare Form sollte als Ergebnis klaren Denkens und Handelns erkennbar werden, entsprang also einer Ästhetik der Vernunft. Für dieses Bestreben sind die Wohnhausgruppen an der Schorlemerallee in Berlin-Dahlem das überzeugendste Beispiel; an ihrer zeitlichen Reihenfolge (1925, 1927, 1928) läßt sich wie an den darauffolgenden beiden Wohnhäusern am Rupenhorn die Vervollkommnung der universellen Entwurfsarbeit ablesen. Zahlreiche Umbauten von Geschäftshäusern und Läden sind in diesen Jahren entstanden. 1927 begann Hans mit seinen Experimenten für bewegliche Stahlrohrstühle, die er zu großer Perfektion entwickelte, und an denen er bis zu seinem Tode gearbeitet hat. Diese mit zahlreichen Patenten versehenen Konstruktionen sicherten die Existenz während der NS-Jahre, in denen den Brüdern das Bauen versagt war, nachdem sie noch 1933 in einem internationalen Wettbewerb für die Medizinische Hochschule in Preßburg den, allerdings folgenlos gebliebenen, ersten Preis errungen hatten.

    Nach dem Kriege beteiligten sich die Brüder wieder an zahlreichen Wettbewerben, nicht nur in Berlin, bei denen sie oft Preise errangen. 1951 entstand in Zusammenarbeit mit dem Bildhauer Karl Härtung mit dem Berlin-Pavillon auf der ersten bedeutenden Nachkriegs-Bauausstellung, der „Constructa“ in Hannover, ein wegweisender Bau, der in den folgenden Jahren für viele Ausstellungsbauten anderer Architekten Leitbild wurde. Die Wohnbauten am Kottbusser Tor in Berlin wurden nach einem Wettbewerbsentwurf von 1952 vier Jahre später vollendet; sie verkörpern in ihrer kompromißlosen, auf jedes Dekor verzichtenden Neuheit den Beginn der Sanierung des im 19. Jh. dicht bebauten Stadtteils Kreuzberg. 1953 wurde Hans zum Honorarprofessor an der Hochschule für bildende Künste ernannt.

    Wassili errichtete nach einem noch mit seinem Bruder 1953 errungenen Wettbewerbserfolg das Landesversorgungsamt in München, 1967 nach einem mehrstufigen Wettbewerbsverfahren (seit 1961) das Haus der Bürgerschaft am Bremer Marktplatz, ein eigenes Wohnhaus in Berlin-Dahlem (1957) sowie die Institute für Pflanzenphysiologie (1967) und für Veterinärmedizin (1968) der Freien Univ. Berlin. 1956 wurde Wassili zum Mitglied der Akademie der Künste Berlin berufen, 1958 erhielt er den Großen Kunstpreis des Landes Berlin.

    Das Lebenswerk der Brüder L., bis 1939 mit Alfons Anker, seit 1954 von Wassili allein vertreten, spiegelt in seiner Konsequenz eine eigene Richtung innerhalb der zusammenfassend als „Neues Bauen“ bezeichneten Avantgarde, in der ausgeklügelte Konstruktion, Rationalisierung des Bauvorganges und künstlerisches Wollen eine untrennbare Einheit bilden. In Erweiterung der Sullivanschen Forderung „form follows function“ stellten sie die These „Form und Funktion sind eins“ auf. Anders als viele ihrer Weggenossen waren die Brüder L. nie auf eine bestimmte Konstruktionsart oder einen bestimmten Baustoff eingeschworen.

  • Werke

    Weitere W Berlin: 1922, Wettbewerb Hochhaus am Bahnhof Friedrichstr. (2. Preis);
    1922/23, Wohnhaus Berlin-Westend;
    1927-30, Umbauten v. Läden u. Geschäftshäusern;
    1928, Wohnhäuser am Rupenhorn;
    1929, Wettbewerb Alexanderplatz (1. Preis);
    1931/32, Wohnhäuser in Berlin u. Veiten (Mark);
    1957 (mit Hubert Hoffmann), Wohnhäuser im Hansaviertel („Interbau“-Ausstellung);
    - Hannover: 1951, Reihenwohnhäuser auf d. „Constructa“-Bauausstellung. – Zahlr. Beteiligungen an Wettbewerben, oft mit Preisen ausgezeichnet. - Schrr.:
    W. u. H. L., Zur neuen Wohnform, 1930 (mit A. Anker);
    W. L., Lichtarchitektur, 1956 (mit W. Köhler).

  • Literatur

    E. M. Hajos u. L. Zahn, Berliner Architektur d. Nachkriegszeit, 1928, S. 52, 111;
    H. J. Zechlin, Landhäuser, 1951, S. 10, 52 f.;
    U. Kultermann, W. u. H. L., 1958;
    Ak. d. Künste Berlin, Ausst.-kat. „Die gläserne Kette“, 1964, S. 92 ff.;
    L. Hilberseimer, Berliner Architektur d. 20er J., 1967, S. 72 f.;
    M. Hennig-Schefold u. I. Schaefer, Frühe Moderne in Berlin, 1967, S. 36, 85;
    R. Rave u. H. J. Knöfel, Bauen seit 1900 in Berlin, 1968, Nr. 38.5, 68, 106, 131-33, 137, 180/81;
    W. Pehnt, Die Architektur d. Expressionismus, 1973;
    H. Fehling, in: Ak. d. Künste Berlin, 1979, S. 58 (Nachrufe);
    V. M. Lampugnani, Lex. d. Architektur d. 20. Jh., 1983, S. 175;
    F. Jaeger, Bauen in Dtld., 1985, S. 53. -
    Zahlr. Veröff. d. Entwürfe u. Bauten in Zss., vor allem in: Bauwelt;
    Die|Form;
    Innendekoration. -
    Reclam-Kunstführer Dtld. VII, Berlin, 1977, S. 40 f., 307, 312, 321, 401, 479, 523 ff.

  • Portraits

    Phot. (Berlin, Archiv d. Ak. d. Künste).

  • Autor/in

    Günther Kühne
  • Empfohlene Zitierweise

    Kühne, Günther, "Luckhardt, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 280-282 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729349.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA