Lebensdaten
1736 bis 1797
Geburtsort
Konitz (Pommerellen)
Sterbeort
Hannover
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118727788 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leß, Gottfried
  • Less, Gottfried
  • Leß, Gottfried
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Zitierweise

Less, Gottfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727788.html [29.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Matthias (1696–1768), Lakenhändler, Bgm. in K., S d. Sattlers Georg, aus Schlesien eingewandert, u. d. Barbara Helffling;
    M Dorothea Elisabeth (1711–71), T d. Apothekers Joh. Wolff in K. u. d. Anna Elisabeth Vergin;
    Rappoltsweiler 1776 Dorothea Salome verw. Imlin (1748–91), T d. Christian Reinhardt Steinheil (1708–86), pfalzgfl.-birkenfeld. Wirkl. Kammerrat u. Oberrentmeister d. Gfsch. Rappoltstein, u. d. Anna Dorothea Westphal; Schwäger Christian Carl Albrecht Steinheil (1738–1811), Rat u. Archivar in Rappoltsweiler, Friedrich Jacob Steinheil (1751–1836), franz. Rat, Advokat u. Notar in Straßburg;
    1 S (jung †), 1 T, 1 Stief-T.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Collegium Fridericianum in Königsberg (1750–52) studierte L. Theologie im Jena J. G. Walchs, dann in Halle bei S. J. Baumgarten. Diesem vor allem verdankte er den wissenschaftlichen Arbeitsstil und zugleich das stete Bemühen, im geschichtlichen Wandel das Unaufgebbare des christlichen Glaubens nicht preiszugeben; sein Zug zum Pietismus wird kritisch gezügelt. 1758-63 war er in Danzig, zunächst als „Kandidat“ und seit 1761 als ao. Professor der Theologie am Akademischen Gymnasium. Auf einer kurzen Zwischenstation seiner „gelehrten Reise“ nach England (1763) bestimmte ihn in Hannover G. A. Frhr. v. Münchhausen dazu, als ao. Professor und Universitätsprediger an die von ihm gelenkte Univ. Göttingen zu gehen. In England wurden für ihn wichtig EB Secker von Canterbury sowie die dortige kirchliche Auseinandersetzung mit dem Deismus: der praktischen und apologetischen Funktion der Theologie galt fortan seine Arbeit.

    Für die zweite Generation an der Theol. Fakultät in Göttingen wurde L. eine kennzeichnende Gestalt (1765 o. Professor, 1784 Primarius). Bei ihm wird die Verbindung der dortigen Theologie mit der engl. Aufklärung sichtbar. L. lag daran, die Bibel als verläßlich zu erweisen und neu zur Geltung zu bringen. Der christliche Glaube entspreche der Naturreligion, erweise sich für diese aber auch als nötig. So vertrat L. eine vermittelnde und zugleich die Aufklärung bejahende Position, war aber in seiner Grundhaltung keineswegs schwankend. Einflußreich war er als Lehrer der Pfarrer. Für die Gebildeten schrieb er eine „praktische Dogmatik“. Seine damals verbreiteten Predigtbände waren ergiebig gerade für die „Social-Pflichten“. Er bezog Stellung zu aktuellen Fragen im Bereich der Ethik (Selbstmord, Goethes Werther, Theaterbesuch), griff aber auch ein in den Streit um die Wolfenbüttler Fragmente.

    Für seine letzten Lebensjahre (1791–97) ging L. nach Hannover als 1. Hofprediger und Generalsuperintendent von Hoya-Diepholz, 1793 von Calenberg. Seine Sorge für die Pfarrstellen, aber auch die Leitung der „Hof-Töchter- und Söhne-Schule“ zeigen seine Teilhabe am damaligen kirchlichen Reformbestreben. – Kein herausragender theologischer Denker, ist L. mit seinen vielgelesenen Büchern gleichwohl aufschlußreich für die ev. Aufklärungsfrömmigkeit im letzten Drittel des 18. Jh.; für ihren Bezug zur Theologie wie zur luth. Kirche.

  • Werke

    Auferstehungs-Gesch. Jesu n. allen vier Evangelisten, 1779;
    Über d. Religion, ihre Gesch., Wahl u. Bestätigung, I: Gesch. d. Rel., 21786, II|Wahrheit d. christl. Rel., 61786 (1. Aufl, selbständig u. d. T. Beweis d. Wahrheit d. christl. Rel., 1768);
    Hdb. d. Christl. Moral u. d. Allg. Lebens-Theologie, 31787;
    Hdb. d. Christl. Rel.-Theorie f. Aufgeklärtere, Oder Versuch e. Praktischen Dogmatik, 31789. - Bibliogr.:
    Meusel, Verstorb. Schriftst. VIII, S. 165-71;
    O. Fambach, Die Mitarbeiter d. Götting. gel. Anz. 1769-1836, 1976, S. 474 f.

  • Literatur

    ADB 18;
    [J. C. A. Holscher], G. L., Ein biogr. Fragment, 1797;
    Gottlieb Konrad Pfeffel's Fremdenbuch, hrsg. v. H. Pfannenschmid, 1892, S. 226 f., vgl. 167;
    A. Pelemann, Der Benediktiner Simpert Schwarzhueber, Prof. in Salzburg, als Moraltheologe, s. Beziehungen z. Moraltheol. d. Protestanten G. L., z. Salzburger Moraltheologen J. Danzer u. z. I. v. Fabiani, 1961;
    K. Scholder, Grundzüge d. theolog. Aufklärung in Dtld., in: Geist u. Gesch. d. Ref., Festgabe f. H. Rückert, 1966, S. 460-86;
    W. Kröger, Das Publikum als Richter, Lessing u. d. „kleineren Respondenten“ im Fragmentenstreit, 1979, S. 49-51;
    Verz. d. Bücher-Slg., weyland Herrn Consistorial-Raths Dr. Leß, 1797 (Auktionskat.);
    PRE, 1. Aufl., VIII, 1857.

  • Portraits

    Kupf. v. J. H. W. Tischbein (Wolfenbüttel, Hzg.-August-Bibl., u. Göttingen, Univ.bibl.);
    Kupf. v. Geyser n. Zeichnung v. Abel (Göttingen, Univ.bibl.), Abb. in: M. Voit, Bildnisse Göttinger Professoren, 1937, Nr. 40.

  • Autor/in

    Ernst Berneburg
  • Empfohlene Zitierweise

    Berneburg, Ernst, "Less, Gottfried" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 334 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727788.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Leß: Gottfried L., ein seiner Zeit bekannter und geschätzter lutherischer Theologe, wurde als einziges, spätgebornes Kind des Bürgermeisters Johann Matthias L. am 31. Januar 1736 zu Conitz in Westpreußen geboren. Wegen seiner großen Kränklichkeit wurde er in seinen ersten Lebensjahren besonders nachsichtig erzogen, doch prägte sich der fromme Sinn seiner Eltern dabei seinem Gemüthe unauslöschlich ein. Als er vom 14. Jahre an das Collegium Fridericianum zu Königsberg besuchte, erstarkte seine Gesundheit und unter tüchtigen Lehrern holte er früher Versäumtes bald ein. Er bezog darauf zunächst die Universität Jena, sodann Halle, wo Baumgarten besonderen Einfluß auf ihn gewann, der, für die Art, wie L. nun selbständig theologische Studien trieb, entscheidend ward. Baumgarten verwandte ihn bei der Herausgabe seiner „Nachrichten von merkwürdigen Büchern“ und suchte ihm in Halle eine Anstellung zu|verschaffen. Als sich das hinzog, ging L. im J. 1757 nach Danzig, wo der Rector des akademischen Gymnasiums Ernst August Bertling (vgl. Bd. II, S. 514) sich seiner annahm; hier ward er dann im J. 1761 außerordentlicher Professor der Theologie an dem genannten Gymnasium. Bald darauf unternahm er eine wissenschaftliche Reise nach England und Holland. Auf seiner Durchreife durch Hannover lernte ihn der Minister von Münchhausen kennen und bot ihm sogleich eine Stellung in Göttingen an. So trat dann L. nach Vollendung seiner Reise im Herbst 1763 als außerordentlicher Professor der Theologie und Universitätsprediger sein Amt in Göttingen an, in welchem er eine längere Zeit hindurch sich großen Ansehens erfreuen und einen weithin reichenden Einfluß ausüben sollte. Schon im J. 1765 ward er ordentlicher Professor, 1766 Doctor der Theologie, 1770 Mitglied der schwedischen Gesellschaft für Glauben und Christenthum (pro fide et christianismo) und im J. 1784 Consistorialrath. Obschon seine Gesundheit oft litt, was auch auf seinen Vortrag Einfluß hatte, — er war reizbar, äußerst lebhaft auch in seinen Geberden und seine Stimme hatte einen „klagenden Jammerton“ — war er ungemein fleißig und fand als Professor und als Prediger großen Beifall. Seine wissenschaftlichen Arbeiten wandten sich vor allem der Apologetik zu und im Zusammenhange damit der Moral; das Christenthum gegen den immer mehr einbrechenden Deismus zu schützen und seine Vortrefflichkeit zu zeigen, war sein Hauptbestreben; obschon er eigentliche Gelehrsamkeit schon als Schüler Baumgarten's besaß und schätzte, so war sein Ziel doch zumeist ein praktisches, und dieser Zug ist auch an seinen dogmatischen Werken spürbar. Von besonderem Einfluß auf seine Anschauungen war eine längere Reise, die er um seine Gesundheit zu stärken, im Jahr 1774 nach der Schweiz und dem südlichen Frankreich machte. Auf der Rückreise kam er durch Paris, wo er auf der königlichen Bibliothek und in der Abtei St. Germain einige Handschriften des neuen Testamentes verglich (vgl. hierüber Michaelis, Orientalische und exegetische Bibliothek, Bd. 9, S. 140 bis 152). Mittheilungen aus seinem Tagebuche über den Zustand der Protestanten in Frankreich veröffentlichte er in Walch's neuester Religionsgeschichte (Theil 6 im Anfange; vgl. aber auch schon Theil 5, S. 195 ff.), — Während er selbst den Glauben der Kirche festzuhalten bestrebt war und doch, ohne es wohl größtentheils selbst recht zu merken, ein Stück desselben nach dem andern aufgab, konnte er es je länger desto mehr weder denen, die am alten Glauben festhielten, noch den Aufgeklärten recht machen. Als die „Fragmente“ erschienen waren, bekämpfte er die in ihnen an der Geschichte der Auferstehung Jesu geübte Kritik in einer Monographie ("Auferstehungsgeschichte nach allen vier Evangelisten nebst einem doppelten Anhange gegen die Wolfenbüttelschen Fragmente u. s. s.“, Göttingen 1779), einer Schrift, auf welche Lessing in den „so genannten Briefen an verschiedene Theologen“ zu antworten im Sinne hatte (vgl. Lessing's Werke, Ausgabe Hempel, Bd. XX, 1. Abth., S. 793 und 801; das Fragment Bd. XVII, S. 191 ff., ist auch gegen L. gerichtet, bezieht sich aber nicht auf diese Schrift desselben). Um dieselbe Zeit aber wurde L. selbst mehrfach wegen seiner Heterodoxien und seines Latitudinarismus angegriffen; andererseits verspotteten ihn die fortgeschrittenen Geister als einen zurückgebliebenen. Daß er auch in seiner akademischen Thätigkeit nun die frühere Beliebtheit verlor, brachte ihn dann im Verein mit seiner kränklichen Reizbarkeit vollends dazu, sich nach einer anderen Stellung zu sehnen; und so nahm er im J. 1791 eine Berufung zum Consistorialrath und Hofprediger als Nachfolger von Koppe (Bd. XVI, S. 692) nach Hannover an, wo er nach dem Tode Johann Adolf Schlegel's im J. 1793 auch Generalsuperintendent des Fürstenthums Calenberg und sodann im J. 1795 zugleich Director der Hoftöchterschule wurde. Hier hat er noch|einige Jahre unermüdlich und in Segen gewirkt. Er starb am 28. August 1797. — In Göttingen gab L. im J. 1779 mit Miller ein Gesangbuch heraus.

    • Literatur

      (J. Conr. Achatz Holscher), Gottfried Leß, ein biographisches Fragment, Hannover 1797. — Schlichtegroll, Nekrolog auf das J. 1797, Gotha 1801, S. 219—247. —
      Schlegel, Kirchen- und Reformationsgeschichte von Norddeutschland u. f. f., Bd. III, Hannover 1832, S. 488 ff. —
      Meusel, Bd. VIII, S. 165—171, wo ein ausführliches Verzeichniß von Leß' Schriften sich befindet. —
      Richter, Allg. biogr. Lexikon S. 198 f. — Herzog und Plitt, Real-Encyklopädie für prot. Theologie und Kirche, 2. Aufl., Bd. VIII, S. 600 ff.

  • Autor/in

    Bertheau.
  • Empfohlene Zitierweise

    Bertheau, Carl, "Less, Gottfried" in: Allgemeine Deutsche Biographie 18 (1883), S. 444-446 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727788.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA