Lebensdaten
1884 bis 1965
Geburtsort
Rostock
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Völkerrechtler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11871564X | OGND | VIAF: 19807230
Namensvarianten
  • Kraus, Herbert

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Zitierweise

Kraus, Herbert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871564X.html [15.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Martin Krause (s. 3);
    1) (⚮) Katherine (* 1889), Bildhauerin (s. Vollmer), T d. Staatsanwalts Henry Wise Hobson u. d. Katherine Sofia Thayer, 2) 1940 Mathilde Nagel (* 1903);
    2 S aus 2).

  • Leben

    K. wuchs in Dresden auf. Seit 1903 studierte er zunächst kurze Zeit Geschichte und Philosophie, dann Jurisprudenz in Heidelberg, Leipzig und Berlin. Sein wichtigster Lehrer war F. von Liszt, bei dem er 1907 mit einer strafrechtlichen Arbeit promoviert wurde. Nach dem Assessorexamen studierte er auf Liszts Rat Völkerrecht und besuchte hierzu 1911-14 die Columbia University in New York, die Harvard University und die Sorbonne. 1914 habilitierte er sich in Leipzig für Völkerrecht und Kolonialrecht. Nach Ausbruch des 1. Weltkriegs wurde K. Zivilkommissar und völkerrechtlicher Berater bei der deutschen Verwaltung in Belgien. 1917 trat er in die Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes ein und nahm an den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk und Versailles teil. 1919 nahm K. als Privatdozent seine Lehrtätigkeit in Leipzig wieder auf und ging 1920 als außerordentlicher Professor an die Universität Königsberg, wo er 1921 einen Lehrstuhl übernahm. Seit 1928 war er Ordinarius für öffentliches Recht und anglo-amerikanisches Recht sowie Direktor des Instituts für Völkerrecht|an der Universität Göttingen. In den folgenden Jahren übte er auch eine umfangreiche Lehr- und Vortragstätigkeit im Ausland (Chicago, Princeton, Den Haag, Genf, Riga) aus. 1937 wurde er aus politischen Gründen pensioniert. Er lebte nun in Dresden, wo er an einem großangelegten Lehrbuch des Völkerrechts arbeitete. Das fast fertiggestellte Manuskript wurde im Februar 1945 beim Luftangriff auf Dresden vernichtet. Während der erzwungenen Muße verfaßte K. auch eine Anzahl historischer Romane und Erzählungen, von denen einige veröffentlicht wurden. – 1945-47 war K. Verteidiger bei den Nürnberger Prozessen und verteidigte unter anderem Hjalmar Schacht. Später übernahm er die Leitung der deutschen Ausgabe der amtlichen Publikationen über den sogenannten Hauptkriegsverbrecherprozeß. 1947 nahm er seine Lehrtätigkeit in Göttingen wieder auf. 1949 begründete er im Institut für Völkerrecht eine Forschungsstelle zur historischen und juristischen Auswertung der von ihm gesammelten Nürnberger Prozeßakten. Seit 1951 war er Präsident des Göttinger Arbeitskreises ostdeutscher Wissenschaftler. 1953 wurde er emeritiert.

    K. wissenschaftliche Arbeit beschäftigt sich mit einer Vielzahl von Problemen der internationalen Rechtsordnung im Spannungsfeld von Politik und Diplomatie. Als Vertreter einer streng „rechtlichen“, das heißt antipragmatischen Völkerrechtsauffassung sah K. seine Aufgabe darin, den Normen des Rechts und einer internationalen Ethik gegen die oft übermächtigen politischen Realitäten zur Durchsetzung zu verhelfen. Seit 1945 traten in seinen Veröffentlichungen Fragen der Rechtsnachfolge des Deutschen Reiches, der Grenzziehung (Oder-Neiße-Linie), der internationalen Stellung der Bundesrepublik und der sich abzeichnenden neuen Staatenordnung in Westeuropa in den Vordergrund.|

  • Auszeichnungen

    Gr. Bundesverdienstkreuz mit Stern (1964).

  • Werke

    u. a. Die Monroedoktrin in ihren Beziehungen zur amerikan. Diplomatie u. zum Völkerrecht, 1914;
    Germany in Transition, 1924;
    Das Problem. Internat. Ordnung bei Immanuel Kant, 1931;
    The Crisis of German Democracy, 1932;
    Die Krise d. zwischenstaatl. Denkens, 1933;
    Gerichtstag in Nürnberg. 1947;
    Die auswärtige Stellung d. Bundesrep. Dtld., 1950;
    Staatsinteressen im internat. Leben, 1951;
    Probleme d. europ. Zusammenschlusses, 1956.

  • Literatur

    J. v. Braun, in: Jb. d. Albertus-Univ. zu Königsberg 16, 1966, S. 5-15 (W);
    Mensch u. Staat in Recht u. Gesch., Festschr. f. H. K., 1954 (W-Verz., P);
    Recht im Dienste d. Menschenwürde, Festschr. f. H. K., 1964 (W-Verz., P);
    Altpr. Biogr.

  • Autor/in

    Hans Jaeger
  • Empfohlene Zitierweise

    Jaeger, Hans, "Kraus, Herbert" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 682-683 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11871564X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA