Lebensdaten
1798 bis 1880
Geburtsort
Breslau
Sterbeort
Breslau
Beruf/Funktion
Dichter ; Schauspieler ; Dramatiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118706640 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Holtei, Karl von
  • Holtai, Karl von
  • Holtei, C. v.
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Zitierweise

Holtei, Carl von, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118706640.html [24.09.2016].

CC0

Holtei, Carl von

Dichter, * 24.1.1798 Breslau, 12.2.1880 Breslau. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Karl v. Holtey (1766–1845), preuß., dann österr. Rittmeister, S d. preuß. Obersten Ernst (1724–95) u. d. Sophie Juliane Freiin v. Seydlitz u. Golau; M Wilhelmine (1773–98), T d. preuß. Majors Ernst Frdr. v. Kessel u. Zeutsch u. d. Charl. Erdmuthe v. Taubadel; 1) Obernigk 1821 Louise Rogée (1800–25), Schauspielerin, illegitime T d. Carolina Louisa verw. Rogée geb. Baldini, 2) Berlin 1830 Julie (1807–39), Schauspielerin, T d. Carl David Holzbecher ( 1830), Schauspieler u. Sänger in B., u. d. Louise Wilhelmine Müller ( 1860), Tänzerin u. Figurantin; 1 S, 1 T aus 1).

  • Leben

    H.s Leidenschaft für das Theater sucht seine Familie zu unterbinden, indem sie ihn als Landwirtschaftseleven auf das Gut Obernigk bei Breslau schickt. Während seiner Militärzeit als Freiwilliger im schlesischen Reserve-Armeekorps (1815) führt ihn sein Freund Th. von Sydow in die Deklamationskunst ein. Nach Breslau zurückgekehrt, beginnt er ein juristisches Studium. Im Kreise um den Schriftsteller Karl Schall erhält H.s Neigung zum Theater neuen Auftrieb; er tritt in Liebhaberrollen auf dem Schloßtheater des Graf Herberstein in Grafenort bei Glatz auf und debütiert 1819 als Mortimer (Maria Stuart) auf dem Breslauer Stadttheater. Vor Ablauf eines Jahres löst er sein Engagement, da er sich den Anforderungen des Berufstheaters nicht gewachsen fühlt, und unternimmt eine Kunstreise als Deklamator. In Dresden nimmt sich Ludwig Tieck seiner an, vermittelt ihm ein Gastspiel am Hoftheater, doch wiederum versagt H. und kehrt nach Schlesien zurück. Nach seiner Heirat wird er gemeinsam mit seiner Frau an das Breslauer Theater verpflichtet. Neben seiner Tätigkeit als Theaterdichter und -sekretär gibt H. nach dem Vorbild des „Wandsbecker Boten“ 1822 die Wochenschrift „Der Obernigker Bote“ heraus, nach deren Eingehen die „Deutschen Blätter für Poesie, Litteratur, Kunst und Theater“ (1823); zur gleichen Zeit begründet er das „Jahrbuch deutscher Nachspiele“ (1822-24), das als „Jahrbuch deutscher Bühnenspiele“ von Gubitz fortgeführt werden und Bedeutung gewinnen sollte. 1823 scheidet H. aus der Direktion des Breslauer Theaters aus und begibt sich mit seiner Frau auf eine Gastspielreise, die ihn nach Prag, Wien, Hamburg und Berlin führt, wo seine Frau ein Engagement am Königlichen Schauspielhaus findet. H. entfaltet eine rege literarische Tätigkeit für das Hoftheater, das seine komischen Liederspiele „Berliner in Wien“ und „Wiener in Berlin“ mit Erfolg aufführt. Als Vorleser von Shakespeare-Dramen Tieck nacheifernd, findet er Anerkennung in den literarischen Kreisen Berlins. 1825 tritt er die Stelle eines Direktionssekretärs, Theaterdichters und Regisseurs am neugegründeten Königstädtischen Theater an. Es gelingt ihm, die von vielen Bühnen umworbene Sängerin Henriette Sontag für sein Theater zu gewinnen. Für den Tagesbedarf des Königstädtischen Theaters verfaßt er unter anderem die einaktige Posse „Der Kalkbrenner“ und das Liederspiel „Der alte Feldherr“. Bei einem Wechsel in der Direktion trennt er sich von dieser Bühne. Den Sommer 1826 verbringt er, inzwischen verwitwet, in Schlesien, wo ein großer Teil|seiner Gedichte in schlesischer Mundart entsteht. Im Dezember 1826 begleitet er den Graf Herberstein nach Paris, wo er für seine literarische Produktion wichtige Anregungen durch das Vaudeville erfährt. Auf der Rückreise verweilt er bei Immermann und Schadow in Düsseldorf, sucht in Weimar Goethe auf und befreundet sich mit Johanna Schopenhauer und August von Goethe. In Berlin tritt er wieder als Vorleser auf und macht die Öffentlichkeit mit Goethes „Egmont“ bekannt, der in Berlin auf dem Theater nicht gegeben werden durfte. Von kurzer Dauer ist 1830 ein Engagement H.s und seiner 2. Frau am Hoftheater in Darmstadt. 1831 ist er wieder in Berlin. Eine Choleraepidemie zwingt ihn zu schöpferischer Muße, und es entsteht unter anderem sein Lokalstück „Ein Trauerspiel in Berlin“ mit der Nebenfigur des Nante, die später durch Glassbrenner und durch den Komiker Beckmann zu dem berühmten Typus des Eckenstehers Nante gesteigert wurde. Er vollendet sein Schauspiel „Der dumme Peter“, die letzte von Ludwig Devrient einstudierte Rolle. Trotz erfolgreichen Auftretens als Schauspieler am Königstädtischen Theater als Dichter Heinrich in seinem Schauspiel „Lorbeerbaum und Bettelstab“ (1833) und in anderen Rollen seiner Stücke wird H. nicht engagiert und geht auf Gastspielreise nach Hamburg, Leipzig und München. Zusammen mit seiner Frau gastiert er 1834/35 am Josephstädtischen Theater in Wien, wo seine beim Wiener Publikum beliebten Liederspiele dem fast bankrotten Theater neuen Auftrieb geben. Da es ihm in Berlin nicht gelingt, am Theater Fuß zu fassen, zieht er sich nach Charlottenburg zurück und beginnt 1837 den 1. Band seiner Lebenserinnerungen „Vierzig Jahre“ (8 Bände, 1843–50); im gleichen Jahre übernimmt er die Direktion des Theaters in Riga. Nach dem Tode seiner 2. Frau legt er sein Amt nieder und geht wieder auf die Wanderschaft als Vorleser. Einer Stellung als Gesellschafter des Graf Herberstein rasch überdrüssig, läßt er sich von Direktor Carl für die Theater an der Wien und in der Leopoldstadt unter Vertrag nehmen. Trotz seiner Erfolge als Autor und Darsteller zieht ihn die Hoffnung, Vorleser beim preußischen König zu werden, bald nach Berlin zurück. Abermals enttäuscht, nimmt er die Arbeit an seinen Memoiren wieder auf und leitet in Grafenort die Schauspieltruppe seines Gönners, des Graf Herberstein, und 1844/45 für kurze Zeit das Breslauer Aktientheater.

    Am Ende der Theatertätigkeit H.s steht die Herausgabe seiner zahlreichen Dramen in der Sammlung „Theater“ (1845; Ausgabe letzter Hand in 6 Bänden, 1867). Die folgenden Jahre bringen noch einmal ausgedehnte Vortragsreisen durch Nord- und Mitteldeutschland, bis er sich 1850 in Graz, wo seine Tochter Marie lebt, niederläßt. Hier entsteht der größte Teil seines umfangreichen Romanwerks (Erzählende Schriften, 39 Bände, 1861–66). 1861 unternimmt er noch einmal eine Vortragsreise durch Schlesien als allerorts gefeierter Rezitator seiner Schlesischen Gedichte. Sein Leben beschließt er in Breslau, wohin es ihn 1864 zurückgezogen hatte, ausgezeichnet mit einem Ehrenpreis der Weimarer Schillerstiftung, versorgt durch ein Gnadengehalt des Königs, als Gast des Klosters der Barmherzigen Brüder.

    Mit seinen Lebenserinnerungen hat H. ein lebendiges Kulturbild der Biedermeierzeit hinterlassen. Als Vorleser und Bearbeiter machte er sich um die Shakespeare-Rezeption in Deutschland verdient. Seinem Einfluß ist es zu verdanken, daß sich in Norddeutschland, insbesondere in Berlin, volkstümliches Theater entwickelte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Bibliogr. in: Goedeke IX, S. 496-547, XI, 1, S. 430;  - Wider d. Theater in Breslau, 1823;  Lustspiele, Prologe u. Theaterreden, 1823;  Schles. Gedichte, 1830;  Btrr. f. d. Königstädter Theater, 1832;  Alm. f. Privatbühnen, 1839;  Briefe aus u. nach Grafenort, 1841;  Bilder a. d. häusl. Leben, 2 Bde., 1858;  Gedichte, 1861;  Noch ein Jahr in Schlesien, 2 Bde., 1864;  Briefe an Ludwig Tieck, 4 Bde., 1864;  Charpie, 2 Bde., 1866;  Nachlese, 3 Bde., 1870;  Simmelsammelsurium, 2 Bde., 1872.

  • Literatur

    ADB 13;  M. Kurnik, K. v. H., 1880 (P);  P. Landau, K. v. H.s Romane, 1904;  A. Moschner, H. als Dramatiker, 1911;  D. Böttger, H.s Werke als Qu. d. schles. Volkskunst, Diss. Breslau 1922;  M. Brie, in: Schles. Lb. I, 1922 (P);  W. R. Riedel, K. v. H.s Schauspielkunst, Diss. Erlangen 1922;  M. Weller, Die fünf großen Dramenvorleser, 1939;  W. L. Höffe, K. v. H. als Dramenvorleser, Diss. Breslau 1939;  I. Weithase, Die Gesch. d. dt. Vortragskunst im 19. Jh., 1940;  E. Pribik, K. v. H., Seine Beziehungen zu Wien, Diss. Wien 1947;  W. Baumgart, C. v. H., 1958;  A. Lubos, Gesch. d. Lit. in Schlesien I, 1960 (P);  F. J. Frhr. v. Reden-Esbeck, Dt. Bühnenlex., 1879;  EisenbergKosch, Lit.-Lex.Kosch, Theater-Lex. -  E. Frhr. v. Obernitz, in: Ahnentafeln berühmter Deutscher, 5. Folge, 1943, S. 217-28.

  • Portraits

    Gem. v. C. Kreyher, Abb. b. KönneckeH. mit s. Frau Julie als Bonjour u. Madelon in d. Schauspiel „Die Wiener in Paris“, Stich v. A. Geiger, Abb. in: Ph. Stein, Dt. Schauspieler, 2. Das 19. Jh., 1908, Tafel 10, Abb. 34;  Zeichnung v. J. Schmeller (Weimar, Nat. Forschungs- u. Gedenkstätten), Abb. b. Lubos, s. L, u. b. Rave.

  • Autor

    Joachim Wilcke
  • Empfohlene Zitierweise

    Wilcke, Joachim, "Holtei, Carl von" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 553 f. [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118706640.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

Holtei, Karl von

  • Leben

    Holtei: Karl v. H., Dichter, Schauspieler, Vorleser und Dramatiker, geb. am 24. Januar 1797 zu Breslau, daselbst am 12. Februar 1880. Die Litteraturgeschichte kennt wenig Lebensläufe, die so bewegt sind wie der Holtei's, der zwar nicht zu den hervorragendsten, aber ohne Zweifel zu den populärsten modernen deutschen Dichtern zählt und auf dem Gebiete der Dialectdichtung, auch wenn er nicht gleich tief, wie etwa Hebel, in das Wesen und den Geist des Volkes eindringt, geradezu einen ersten Platz einnimmt. Als 1878 Holtei's 81. Geburtstag festlich begangen wurde, sagte Professor Weinhold, sein Wirken und Leben treffend schildernd, von ihm: "Holtei ist ein vielseitig entwickeltes Wesen; er ist Dichter. Redacteur, Schauspieler, Liedersänger, künstlerischer Vorleser, Meister im plaudernden Gespräch und im Briefwechsel gewesen; er war ein wilder fahrender Geselle und ein fleißiger Bücherschreiber; er verlor sich in leichtsinniges, thörichtes Treiben und gab sich kindlich weich dem stillen Leben der Natur hin und lauschte den ernsten Geheimnissen der menschlichen Seele. Eine dunkle Macht|jagte ihn in früher Jugend auf die wirren Pfade seines Lebens, und dieser Macht ist er gefolgt, wohin sie ihn führen wollte, ohne ihr bewußtes Wollen entgegenzustellen." Das ist der ganze Holtei! In zwei große Epochen zerfällt das Leben Holteis, deren eine die Wanderjahre umfassend bis 1850 reicht, während der anderen, die mit H.'s Tod ihren Abschluß findet, das ruhige Schaffen und der Frieden des Alters die charakteristische Signatur gibt. Ueber die ersten vier Jahrzehnte der ersten Epoche liegt von H. selbst eine Quelle vor in seiner autobiographischen Schrift "Vierzig Jahre" Breslau (1843—50, 8 Bde., 2. Aufl. 1859/62, 6 Bde.), der wir zunächst folgend, seinen Lebenslauf erzählen. Nach dem frühen Tod seiner Mutter, einer geb. v. Kassen, von einer Verwandten in der verkehrtesten Weise erzogen, ausgebildet auf dem Magdalenäums-Gymnasium zu Breslau, kam H. frühzeitig nach dem Dorfe Obernigk als Eleve der Landwirthschaft, um in einem ernsten Beruf die Leidenschaft für das Theater wieder zu verlieren, die ihn namentlich beim Spiele Ludwig Devrient's machtvoll erfaßt hatte. Sein Eintritt in das schlesische Reserve-Armeecorps befreite ihn ein Jahr später aus der Obernigker Einsamkeit und als er wieder nach Breslau kam, begann er juridischen Studien auf der dortigen Universität sich zu widmen. Freundliche Beziehungen zu dem bekannten Schriftsteller Carl Schall führten ihn vollständig zu seiner alten Liebhaberei, dem Theater, zurück und so erschien er am 5. November 1819 als Mortimer (Maria Stuart) auf dem Breslauer Stadttheater und wurde sogleich engagirt, nachdem er schon vorher auf dem Schloßtheater des Grafen Herberstein in Grafenort bei Glatz sich als Darsteller versucht, auch Lustspiele und Gedichte geschrieben hatte. Bald jedoch verließ er sein Breslauer Engagement und zog mit einem Freunde, der zur Guitarre fang, als Declamator umher. So kam er auch nach Dresden, wo ihn Tieck zum Aufgeben dieses Wanderlebens veranlaßte und ihm eine Unterkunft beim Hoftheater verschaffte. Allein auch hier hielt es ihn nicht und nach manchen Kreuz- und Querfahrten kehrte er nach Obernigk zurück, heirathete dort 1821 die Schauspielerin Louise Rogée (s. u.), die nun am Breslauer Theater Triumphe feierte, während er an eben dem Institut eine Stelle als Theaterdichter und Secretär annahm, außerdem eine bekannte Wochenschrift "Der Obernigker Bote" (Breslau 1822), dann mit Schall und Barth ein großes Blatt "Deutsche Blätter für Poesie, Litteratur, Kunst und Theater" herausgab (ebd. 1823) und das "Jahrbuch deutscher Nachspiele" (ebd. 1822—24), nachmals als "Jahrbuch deutscher Bühnenspiele" von Gubitz fortgesetzt, begründete. Ein Theaterscandal machte der Stellung der Gatten ein Ende und das Paar begab sich nun auf eine Kunstreise, die es nach Prag, Wien, Brünn, Berlin und Hamburg führte. Endlich ließ es sich in Berlin nieder, wo Frau v. H. am königlichen Theater angestellt wurde, während H. eine fruchtbare litterarische Thätigkeit eröffnete. Vor Allem arbeitete er mit Erfolg auf dramatischem Gebiet und gab mit seinen "Wiener in Berlin", "Berliner in Wien" dem deutschen komischen Singspiel einen neuen lebensvollen Impuls. Auch nach dem Tode seiner Frau (1825) setzte er dieses Wirken fort und nahm zugleich beim Königstädtischen Theater die Stellung eines Directionssecretärs, Bühnendichters und Regisseurs ein. Nachdem er diese Stelle niedergelegt hatte, begleitete er den Grafen Herberstein nach Paris, lebte dann einige Zeit in Düsseldorf und Weimar, von Goethe freundlich aufgenommen und an Johanna Schopenhauer eine Freundin für's Leben findend. Nach Berlin zurückgekehrt ließ er die Dramen "Der Kalkbrenner", "Der alte Feldherr", darunter das bis heute sein Publikum findende Volksstück "Leonore" u. A., aufführen, ebenso seinen "Johannes Faust, der wunderthätige Magus des Nordens", heirathete Julie Holzbecher (s. o.) und gab die erste Ausgabe seiner "Schlesischen Gedichte" (Berl. 1830, 14. Aufl. 1875) heraus, denen bereits "Gedichte" (Berl. 1826, 5. Aufl. Breslau 1861) vorangegangen|waren. Von nur kurzer Dauer war ein mit seiner Frau an das Hoftheater zu Darmstadt angenommenes Engagement, das er bald aufgab, um sich abermals nach Berlin zu wenden, wo nun u. A. der von Gläser componirte Operntext "Des Adlers Horst", der durch Ludwig Devrient's Spiel bekannt gewordene "Dumme Peter" und "Das Trauerspiel in Berlin" entstand, in denen zum erstenmal der Versuch unternommen wurde den Berliner Jargon auch für das Tragische nutzbar zu machen. 1833 betrat er selbst wieder auf dem Königstädtischen Theater in Berlin die Bühne und spielte u. A. den Wachtmeister in "Leonore", seinen "Hans Jürge", dann auch in dem effectvollen Drama "Lorbeerbaum und Bettelstab", das seinem Namen ein langes Leben in den Bühnenannalen gesichert hat. Eine Kunstreise mit seiner Frau entführte ihn von neuem Berlin, auf der er u. A. die beiden Stücke "Wiener in Paris" und "Shakespeare in der Heimath" schrieb. Als er abermals zurückkehrte und sich in manchen seiner Erwartungen getäuscht sah, gedachte er der Bühne Valet zu sagen und begann die Abfassung der schon oben erwähnten "Vierzig Jahre" zu schreiben. Allein schon 1837 folgte er einem Rufe als Director des Theaters in Riga. Den glücklichen Tagen, die er dort verlebte, machte der Tod seiner Gattin (1839) ein jähes Ende und ruhelos zog er nun wieder umher, Shakespeare recitirend, wie er es schon früher einmal gethan. Auch vollendete er wieder einige Bände seines Memoirenmerks, bis alle seine Thätigkeit von Neuem durch eine sorgenvolle Directionsübernahme, die des Stadttheaters zu Breslau, durchkreuzt ward. 1845 warf er die Bürde von sich, schrieb weiter an seiner Lebensgeschichte und nahm dann die Vorlesungen von Neuem auf. 1847 vom Fürsten von Trachenberg dahin berufen, dichtete er dort seine "Stimmen des Waldes" (1848), in denen sich der Dichter H. neben seinen prächtigen "Schlesischen Gedichten" von der liebenswürdigsten Seite zeigt. Schon das folgende Jahr sieht ihn abermals mit dem Wanderstab in der Hand; 1850 endlich läßt er sich in Graz nieder, und nun beginnt die Periode seines Schaffens auf dem Gebiete des Romans. Noch in die Zeit vor 1850 fallen neben anderen und oben schon erwähnten Schriften die Sammlungen seiner Dramen u. d. T. "Beiträge für das Königsstädter Theater" (Wiesbaden 1832), "Almanach für Privatbühnen" (Riga 1838) und "Theater" (Breslau 1845, in 6 Bdn. nochmals 1867), ferner "Deutsche Lieder" (Schleuf. 1834, 2. Aufl. 1836) etc. 1864 siedelte H. nach Breslau über und lebte dort — die letzten Jahre im Kloster der barmherzigen Brüder — bis an sein Ende, geliebt und gelegentlich seines 80. Geburtstags von ganz Deutschland gefeiert, ausgezeichnet von seinem Kaiser und geehrt durch die Begründung eines nach ihm benannten Fonds, dessen Gelder zur Unterstützung hilfsbedürftiger Schriftsteller verwendet werden. Wenn auch den meisten seiner Romane, die er in dieser zweiten Epoche seines Lebens schuf, eine künstlerische Conception abgeht, wenn an ihnen auch oft die Flüchtigkeit der Darstellung zu rügen ist, so fesselten sie doch alle durch die Unmittelbarkeit des Geschilderten und die Liebenswürdigkeit und Lebendigkeit, die ihnen meistens zu eigen ist. Am bekanntesten wurden "Die Vagabunden" (Brsl. 1851), denen sich anschlossen "Christian Lammfell" (ebd. 1853), "Ein Schneider" (ebd. 1854), "Ein Mord in Riga" (Prag 1854), "Die Eselsfresser" (Brsl. 1860), "Der letzte Komödiant" (ebd. 1863), "Haus Treustein" (ebd. 1866), "Erlebnisse eines Livreedieners" (ebd. 1868) u. A. m., die zum Theil gesammelt sind in den 39 Bänden der "Erzählenden Schriften" (ebd. 1861—66). Die größte litterarische Bedeutung Holtei's liegt darin, daß er der "vorzüglichste und eigentlichste Vertreter von Schlesiens Antheil an der deutschen Poesie" ist.

    • Literatur

      Vgl. Karl v. Holtei. Eine Biographie (Prag u. Leipzig 1856), u. Max Kurnik. Karl v. Holtei, ein Lebensbild, Berl. 1880.

  • Autor

    Joseph Kürschner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kürschner, Joseph, "Holtei, Carl von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 3-5 unter Holtei, Karl von [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118706640.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA