Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
rheinfränkisches Herren- und Grafengeschlecht
Konfession
katholisch,calvinistisch,lutherisch
Normdaten
GND: 118701320 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hanau-Lichtenberg (Linie)
  • Hanau-Münzenberg (Linie)
  • Dorfelden (Name nach der Stammburg)
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Verknüpfungen

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Zitierweise

Hanau, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701320.html [21.11.2018].

CC0

  • Leben

    Das edelfreie, aber wohl nur wenig begüterte Herrengeschlecht erscheint 1166 unter dem Namen seiner Stammburg Dorfelden (nordöstlich Frankfurt a. M.), den es seit 1191 allmählich gegen den einer jüngeren Erwerbung, der Wasserburg Hanau im benachbarten Einflußbereich des befreundeten Erzstifts Mainz, vertauscht. Der eigentliche Aufstieg beginnt jedoch mit Reinhard I. ( 1281), dem sein Haus die entscheidende politische Ausrichtung verdankt: Anschluß und Einheirat in das hochangesehene, 1255 erloschene Nachbargeschlecht der Reichsministerialen von Münzenberg, ein ergänzendes Ehebündnis mit den östlich anschließenden, Mainz verfeindeten Grafen von Rieneck und enge Anlehnung an die von König Rudolf neu begründete Reichsgewalt. Als Ergebnis zeichnen sich bereits deutlich die Umrisse der späteren Grafschaft ab, die sich als langer Streifen aus dem Frankfurter Raum längs der Kinzig bis an das Rhönvorland, mit ansehnlichem Streubesitz um Bad Nauheim und Babenhausen südlich des Untermains, erstreckt; leicht verwundbar in ihrer Ausdehnung, aber wichtig durch die Beherrschung der meisten Straßenzüge um Frankfurt, wurde sie zu einer schwer entbehrlichen Stütze des spätmittelalterlichen Königtums in diesem alten, langsam zerfallenden Zentralraum der Reichsgewalt. Der politische Ausbau wird im wesentlichen bis ins 15. Jahrhundert weitergeführt; in den Stadtgründungen Ulrichs I. ( 1305/06) zeigt sich die allmähliche Kristallisation um Hanau als Mittelpunkt der späteren Niedergrafschaft und Steinau für die Obergrafschaft, während Ulrich III. ( 1370), einflußreicher Landvogt und Günstling Karls IV., zeitweise selbst dem reichen Frankfurt gefährlich werden konnte. Nach vorübergehender Krise gelingt Reinhard II. (circa 1369–1451) in zäher, nochmals gegen Mainz gerichteter Arbeit der Wiederaufbau und die Erhebung des Hauses in den Reichsgrafenstand (1429).

    Mit der Hausteilung 1458 verschiebt sich das Gewichtsverhältnis. Nördlich des Untermains entwickelt sich die Grafschaft Hanau-Münzenberg, die 1642 mit der Nebenlinie Schwarzenfels (südöstlich Schlüchtern) erlischt, und südlich des Untermains entsteht die Grafschaft Hanau-Lichtenberg, benannt nach dem Hauptteil der 1480 angefallenen Grafschaft Lichtenberg im nördlichen Elsaß um die Residenzstadt Buchsweiler und später erweitert in der südlichen Pfalz um das 1570 erworbene Pirmasens. Jedoch sterben fast alle Grafen der Münzenberger Linie frühzeitig, während die Lichtenberger bald durch das Vordringen der französischen Krongewalt gelähmt werden. Trotzdem sind eigenständige Leistungen im Zuge der Reformation zu verzeichnen. Philipp Ludwig II. aus der Münzenberger Linie (1576–1612) gehört vielleicht zu den fähigsten Köpfen des Calvinismus, unterstützt und gefolgt von seiner gleichbegabten Gattin Katharina Belgia (1578–1648), einer Tochter Wilhelms von Oranien; die Neustadt Hanau (1597) wird eine der stärksten Festungen ihrer Zeit, aber auch ein Refugium für flämisch-wallonische Ansiedler, denen die Neugründung ihren Charakter als Stätte eines hochkultivierten, reichgegliederten Kunsthandwerks verdankt, noch ergänzt durch die Hohe Landesschule in der Altstadt (1607) nach dem Vorbild des nassauischen Herborn. Auch in der lutherisch gebliebenen Lichtenberger Grafschaft wird durch Johann Reinhard I. (1569–1625) eine namhafte Gelehrtenschule zu Buchsweiler errichtet. Nach Vereinigung beider Grafschaften entfaltet Friedrich Casimir (1623–85) nochmals eine, freilich allzu vielseitige Regententätigkeit; die Hanauer Fayencemanufaktur und der „Hanauer Mercurius“, eine der ersten deutschen Zeitungen, sind erfolgreicher als das Kolonialprojekt eines Hanauer Indien am Orinoko. Als Bauliebhaber und Förderer des Barorkarchitekten Rothweil beschließen die Brüder Philipp Reinhard ( 1712) und Johann Reinhard III. ( 1736) die Stammfolge des Hauses Hanau, dessen Nordhälfte mit der Grafschaft Hanau-Münzenberg im wesentlichen an Hessen-Kassel, dessen südlicher Besitz mit Hanau-Lichtenberg im wesentlichen an Hessen-Darmstadt übergeht.

    Die Gemahlin des Kurprinzen (späteren Kurfürsten) Friedrich Wilhelm von Hessen ( 1875 s. NDB V), Gertrude geschiedene Lehmann geborene Falkenstein (1803–82), und deren Nachkommen führen seit 1831 den Namen „Graf beziehungsweise Gräfinnen von Schaumburg“ und erhielten 1853/55 den Namen „Fürst beziehungsweise Fürstin von Hanau und zu Hořowitz“.

  • Literatur

    ADB X;
    J. G. Lehmann, Urkundl. Gesch. d. Gfsch. Hanau-Lichtenberg, 2 Bde., 1862/63;
    R. Suchier, Genealogie d. Hanauer Grafenhauses, in: Festschr. d. Hanauer Gesch.ver. 1894;
    Ch. Klein, Btrr. z. Gesch. d. ehemaligen Gfsch. Hanau-Lichtenberg u. ihrer Residenzstadt Buchsweiler, 1912;
    E. J. Zimmermann, Hanau, Stadt u. Land, 21917;
    F. Lübbecke, Hanau, Stadt u. Gfsch., 1951;
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  • Quellen

    Qu.: Landesarchiv d. Grafen v. Hanau-Münzenberg im Staatsarchiv Marburg; Hausarchiv d. Grafen v. Hanau-Lichtenberg im Staatsarchiv Darmstadt, Rest des Landesarchivs in Speyer u. im Departementalarchiv Straßburg.

  • Autor/in

    Claus Cramer
  • Empfohlene Zitierweise

    Cramer, Claus, "Hanau" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 602 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118701320.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA