• Genealogie

    Die alban. Herkunft d. Vorfahren, die venezian. Seeoffiziere waren, wird neuerdings bestritten;
    V Anton G. (1777-1828), Linienschiffsleutnant, S d. Gasparo in Korfu;
    M Anna, T d. Gg. Pribich aus Istrien; ledig.

  • Leben

    G. studierte in seiner Vaterstadt (Militärschule Sankt Anna und Akademie der Bildenden Künste) und an der Universität Padua, wo er bereits mit 17 Jahren den Doktorgrad der mathematischen Wissenschaften erlangte. 1819-36 und 1840-42 führte er im Staatsdienst außer Straßenbauten auch Wasser- und Hochbauten zuerst in Venetien und dann in Tirol aus. In der Zwischenzeit war er als Oberingenieur für den Bau der Kaiser-Ferdinand-Nordbahn – der ersten Lokomotivbahn Österreichs – von seinem Amt beurlaubt. 1842 wurde er von der Hofkammer mit dem Architekten Moritz Löhr in die USA entsandt, um die dort erzielten Fortschritte im|Eisenbahnwesen kennenzulernen, nachdem er bereits 6 Jahre früher die Verkehrswege Westeuropas bereist hatte. Nach seiner Rückkehr aus den USA wurde G. zum Inspektor für Planung und Bau der Staatsbahn nach Triest ernannt. Noch im Vormärz konnte er die Teilstrecke von Mürzzuschlag bis Cilli vollenden und für die Überschienung des Semmerings ein baureifes Projekt für eine durchgehende Adhäsionsbahn ausarbeiten. Die dabei vorgesehene Höchststeigung von 25 Promille übertraf bei weitem alle bisher ausgeführten Mittelgebirgsbahnen. Nach Erteilung des Bauauftrages für die Strecke Gloggnitz-Mürzzuschlag im Sommer 1848 konnte G. trotz schwerster Bedenken von berufener und unberufener Seite den Bau der ersten Hochgebirgsbahn der Welt, einer Rampenbahn mit Scheiteltunnel, nach Überwindung vieler Schwierigkeiten 1854 vollenden und einen klaglosen Betrieb einrichten. Er leitete gleichzeitig als Vorstand der Generalbaudirektion beziehungsweise der Zentraldirektion für Eisenbahnbauten den gesamten staatlichen Eisenbahnbau der Monarchie mit Ausnahme von Lombardo-Venetien. Nach Vollendung der Staatsbahn bis Triest (1857) konnte G. wegen Aufgabe des Staatsbahngedankens nurmehr mit Liquidierungs- und Planungsarbeiten beschäftigt werden; 1854 hatte er bereits ein wohldurchdachtes Eisenbahnnetz für die gesamte Monarchie entworfen. G. verfaßte auch verschiedene wissenschaftliche Arbeiten und betätigte sich in der Jugendzeit als Erfinder von geodätischen Instrumenten. Das Vertrauen der Vorgesetzten zu ihm blieb stets unerschüttert.

  • Werke

    Die Baltimore-Ohio Eisenbahn üb. d. Alleghanygebirge, 1844;
    Über nordamerikan. Brückenbau u. Berechnung d. Tragungsvermögens d. Howe'schen Brücken, 1845;
    Übersicht d. Hauptfortschritte d. Eisenbahnwesens in d. Jahrzehnte 1840-50 u. d. Ergebnisse d. Probefahrten auf e. Strecke d. Staatsbahn üb. d. Semmering in Österreich, 1852, 31853;
    Malerischer Atlas d. Eisenbahn üb. d. Semmering, 1855.

  • Literatur

    K. Feiler, K. Rr. v. G., in: Festschr. z. Feier d. 200jähr. Bestandes d. Haus-, Hof- u. Staatsarchivs II, 1951, S. 462-73;
    F. Willfort, Zur 150. Wiederkehr d. Geburtstages v. K. G., in: Zs. d. Österr. Ingenieur- u. Architektenver., 1952, S. 11 f. (P);
    100 J. Semmeringbahn, Festschr. d. Österr. Bundesbahn, 1954 (P);
    P. Mechtler, in: NÖB IX, S. 63-72 (L);
    A. Niel, Der Semmering u. s. Bahn, 1960 (P);
    ÖBL (L);
    Wurzbach XI.

  • Portraits

    2 Radierungen v. J. Kriehuber (Wien, Eisenbahnmus.);
    Erzbüste (ebd., Techn. Mus. f. Industrie u. Gewerbe);
    Denkmal in d. Semmering-Station.

  • Autor/in

    Paul Mechtler
  • Empfohlene Zitierweise

    Mechtler, Paul, "Ghega, Karl Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 364 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118694553.html#ndbcontent

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