Lebensdaten
um 1425 oder 1430 - 1467 oder 1468
Beruf/Funktion
Kupferstecher ; Handwerker ; Künstler ; Goldschmied
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118687387 | OGND | VIAF: 90592168
Namensvarianten
  • E. S. (Monogramm)
  • Ribeisen
  • Stechlin, Gillis
  • mehr

Quellen(nachweise)

Orte

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Zitierweise

Meister E. S., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118687387.html [17.09.2021].

CC0

  • Leben

    Über das Leben M.s ist nichts bekannt. Seinen Notnamen erhielt er nach einer kleinen Gruppe von Kupferstichen mit den Initialen E und S. Einige dieser Blätter, seine nach Formensprache und Technik spätesten Arbeiten, sind 1466/67 datiert, die frühesten entstanden um 1450, woraus sich ein ungefährer Anhaltspunkt für die Lebensdaten ergibt. Das Monogramm wurde häufig mit historisch faßbaren Künstlern in Verbindung gebracht, genannt wurden Erhard Schön, E. Stern, Gillis (Egidius) Stechlin, Erhard Schongauer, Endres Silbernagel und Erwin von Stege, Münzmeister Kaiser Friedrichs III. Außerdem wurde M. als Mitglied der Straßburger Familie Ribeisen identifiziert. Alle diese Namensgebungen sind jedoch hypothetisch, da keine gesicherten Quellen vorliegen. Neuerdings wird in Zweifel gezogen, ob die nur auf 18 Blättern vorkommenden Initialen überhaupt als Monogramm des Stechers aufzulösen sind. Stilistische und ikonographische Eigenheiten in seinem Werk sprechen für eine Lokalisierung M.s am Oberrhein, im Raum Basel/Konstanz oder Straßburg; vielleicht war er auch zeitweise an verschiedenen Orten tätig. Für die Benediktinerabtei Einsiedeln in der Schweiz schuf M. aus Anlaß einer berühmten Jubiläumswallfahrt 1466 drei Stiche mit Darstellung der „Madonna von Einsiedeln“. Er scheint sich schon zu Lebzeiten einen über die engere Heimat hinausreichenden Namen als Stecher gemacht zu haben.

    Vermutlich hat M. zunächst, wie üblich, das Goldschmiedehandwerk erlernt. Das ihm zugeschriebene Werk, das erneut kritischer Überprüfung bedarf, umfaßt ca. 318 nach Druckplatten, nicht nach Abzügen, gezählte Stiche und einige wenige Zeichnungen. Es enthält traditionelle religiöse Darstellungen: Leben und Passion Christi, Marienleben, Apostelfolgen und Heiligenlegenden. Daneben existiert aber auch eine große Zahl profaner Blätter: satirische Minneallegorien, Kartenspiele, ein Figurenalphabet sowie Ornamentvorlagen für Goldschmiedearbeiten. Auffällig ist die Verschiedenartigkeit der vom Stecher benutzten Vorlagen. Tradierte|er einerseits ältere Vorbilder, Bilderhandschriften und Musterbücher des frühen 15. Jh., so griff er andererseits auf die zeitgenössische oberrhein. Malerei des Kreises um Konrad Witz und auf die niederländ. Kunst der Umgebung Rogier van der Weydens zurück. Wichtige Anregungen empfing er auch von der Straßburger Plastik um Nicolaus Gerhaert und von dem Meister der Karlsruher Passion, einem zeitgenössischen Straßburger Maler. Bei aller Anlehnung an fremde Vorbilder bewahren seine zeichnerisch und stechtechnisch souverän ausgeführten Blätter ihre künstlerische Eigenständigkeit, so daß man hier nicht von Reproduktionsgraphik sprechen kann. Umfang und Vielseitigkeit des Stichwerks legen die Vermutung nahe, daß M. eine Werkstatt unterhielt und bereits als kommerzieller Verleger von Druckgraphik auftrat. Durch die Verbreitung seiner offensichtlich in hoher Auflage gedruckten Stiche übte der Künstler großen Einfluß auf Malerei und Plastik seiner und der nachfolgenden Generation aus und wirkte dadurch in gewissem Sinne selbst stilbildend. Auch in technischer Hinsicht verlieh er dem Kupferstich entscheidende und z. T. innovative Impulse. Sein Werk steht am Übergang von den Anfängen des Kupferstichs in den 30er und 40er Jahren zum systematisch ausgebildeten Linienstich des späten 15. Jh.

  • Werke

    Kupferstiche: Die Sibylle v. Tibur u. Kaiser Augustus (zwei Versionen);
    Folge d. ars moriendi;
    Folge d. sitzenden Apostel;
    Der Schmerzensmann u. d. Engel mit den arma Christi;
    Christus am Kreuz zw. Maria u. Johannes (zwei große Versionen);
    Die Madonna v. Einsiedeln (drei Versionen), 1466;
    Die Muttergottes auf d. Mondsichel;
    Entwurf f. e. Patene, 1466;
    Das Jesuskind im Herzen, 1467;
    Der sog. Große Liebesgarten;
    Folge d. Figurenalphabets. – Zugeschriebene Zeichnungen: Das Mädchen mit d. Ring (Hl. Katharina?) (Berlin-West, Kupf.kab.);
    Taufe Christi (Paris, Louvre, Cabinet des Dessins).

  • Literatur

    M. Geisberg, Die Anfänge d. dt. Kupferstiches u. d. Meister E. S., 1909;
    ders., Die Kupferstiche d. Meisters E. S., 1923;
    ders., Der Meister E. S., 1924;
    M. Lehrs, Gesch. u. krit. Kat. d. dt., niederländ. u. franz. Kupferstichs im 15. Jh. II, 1910 (W-Verz.);
    E. Hessig, Die Kunst d. Meisters E. S. u. d. Plastik d. Spätgotik, 1935;
    L. Fischel, Nicolaus Gerhaert u. d. Bildhauer d. dt. Spätgotik, 1944;
    E. W. Hoffman, Some Engravings Executed by the Master E. S. for the Benedictine Monastery at Einsiedeln, in: The Art Bulletin 43, 1961, S. 231-37;
    A. Shestack, Master E. S., Five Hundredth Anniversary Exhibition, Ausst.kat. Philadelphia 1967;
    H. Bevers, Meister E. S., Ein oberrhein. Kupferstecher d. Spätgotik, Ausst.kat. München u. Berlin 1986/87 (L);
    H. Appuhn, Das Monogramm d. Meisters E. S. u. d. Pilgerfahrt n. Einsiedeln, in: Kunstchronik 41, 1988, S. 277-80;
    ThB.

  • Autor/in

    Holm Bevers
  • Empfohlene Zitierweise

    Bevers, Holm, "Meister E. S." in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 711-712 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118687387.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA