Lebensdaten
1756 bis 1823
Geburtsort
Straubing
Sterbeort
Kissingen
Beruf/Funktion
Physiker ; Geologe ; Mineraloge
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118684051 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Flurl, Mathias Bartholomäus von
  • Flurl, Matthias von
  • Flurl, Mathias von
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Zitierweise

Flurl, Mathias von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118684051.html [16.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Matthäus ( 1787), aus Tirschenreuth, Kunstweber;
    M Anna Theresia ( 1778), T d. | Schreiners u. Orgelmachers Ott in St.;
    1) München 1800 Catharina ( 1814), T d. Andreas Eisenauer in Haag, 2) ebd. 1814 Regina Maria Charl. Ulrica Amalia (1764-n. 1823), T d. N. N. Wotschicka u. d. Marianna Koppts; Schwager N. N. v. Wotschicka, Oberfinanzrat, Johanniter-Donat u. Kanzler; kinderlos.

  • Leben

    F. ging 1777 mit seinem Lehrer, dem Physiker Joseph Danzer, nach München und wurde dort schon 1780 selbst Professor der Physik und Naturgeschichte an der Marianischen Landakademie. Auf einer seiner geologischen Erkundungsfahrten in den Ferien entdeckte er 1784 ein Porzellanerdelager bei Mitterteich. Auf Verwendung von Sigmund Graf von Haimhausen wurde er daraufhin 1787 zum Bergrat und 1788 zum Kommissär der Porzellanmanufaktur Nymphenburg ernannt. 1787 und 1788 bereiste er auch Sachsen und hörte in Freiberg Privatvorlesungen über Mineralogie bei A. G. Werner. 1796 übernahm F. die Professur für Naturgeschichte und Chemie bei der Akademie der Wissenschaften in München. 1799 wurde er Direktor der Deputation des Salinen-, Berg- und Münzwesens in Bayern und schließlich Vorstand der neuen General-Bergwerks-, Salinen- und Münz-Administration. F. war fortwährend um Verbesserungen und um die Hebung der bayerischen Volkswirtschaft, insbesondere des Bergbaus und Salinenwesens, bemüht; unter seine Direktion fällt zum Beispiel der Bau der Solenleitung von Berchtesgaden nach Reichenhall. Die Heranbildung des Nachwuchses war schon früh eines seiner Hauptanliegen. Vor allem auch seiner wissenschaftlichen Leistungen wegen gehörte er zu den bedeutenden Männern im damaligen Bayern: sein Hauptwerk „Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz“ (München 1792) stellt die erste eingehende geologisch-mineralogische Beschreibung Bayerns (das heißt Ober- und Niederbayerns und der Oberpfalz) dar. Deshalb nannten ihn C. F. Ph. von Martius und W. von Gümbel später „Bayerns Werner“, und Laubmann würdigte ihn als den „ersten Mineralogen und Geologen Bayerns“.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss..

  • Werke

    Weitere W u. a. M. F.s … Tagbuch od. Bemerkungen, welche er auf e. Reise durch d. obere Pfalz u. e. Theil v. Franken, Sachsen u. Böheim gemacht hat, 1787, in: H. Laubmann, M. v. F.,…, 1919, S. 19-97 (P: Stich v. G. F. Vogel, 1818, mit biogr. Einl.);
    Rede v. d. Einflusse d. Wiss., insbes. d. Naturkde., auf d. Kultur e. Nation, München 1799;
    Grundlinien d. Naturgesch., 5 Abt., 1801;
    Über d. Gebirgs-Formation Baierns in d. dermalig Kurpfalzbaier. Staaten, 1805;
    Ältere Gesch. d. Saline Reichenhall, 1809/11.

  • Literatur

    ADB VII;
    Lebens-Skizze d. M. v. F., Mit e. Nachworte v. C. v. Weiller, 1824 (W-Verz.);
    [C. E. v. Moll], in: Neue Jbb. d. Berg- u. Hüttenkde. 6, 1825, S. 137-42;
    C. F. Ph. v. Martius, Akadem. Denkreden, 1866, S. 560-62;
    L. Hoffmann, Oekonom. Gesch. Bayerns unter Montgelas, 1. Bd., 1885, S. 23-27;
    E. Probst, Bayerns erster Geologe, in: Unser Bayern 7, 1958, S. 60 f. (P);
    Meusel, Gel. Teutschland (W-Verz.);
    Pogg. I.

  • Portraits

    Ölgem. (München, Bayer. Ak. d. Wiss.), Abb. in: Geist u. Gestalt, Biogr. Btrr. z. Gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss.… III, 1959.

  • Autor/in

    Kurt von Gehlen
  • Empfohlene Zitierweise

    Gehlen, Kurt von, "Flurl, Mathias von" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 263 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118684051.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Flurl: Matth. v. F., Geh. Rath und Vorstand der General-Bergwerks-, Salinen- und Münzadministration in München, Baierns erster eingeborener Geognost, geboren am 5. Februar 1756 in Straubing, gest. am 27. Juli 1823 in Kissingen, war ursprünglich für den geistlichen Stand bestimmt, wendete sich aber schon frühzeitig mit Vorliebe den physikalischen Studien zu. Als er mit seinem Lehrer dem Canonicus Danzler nach München übergesiedelt war, erhielt F. daselbst eine Verwendung als Repetitor der Physik am Lyceum und 1780 bereits eine Professur der Physik und Naturgeschichte an der sog. Landakademie, wo er bis 1790 wirkte. Seine erste schriftstellerische Thätigkeit bekundete sich in der mit Pallhausen gemeinschaftlich unternommenen Herausgabe der sog.|"Kinderakademie“ (1784—86), einer Monatsschrift, welche den Zweck verfolgte, Bildung und Aufklärung unter der Jugend allgemeiner zu verbreiten. In gleichem Sinne verfaßte er die Unterrichtsschrift: „Erdbeschreibung und alte Geschichte von Pfalzbaiern“, 1784. Doch beweisen einzelne kurze Notizen im Bergmännischen Journal 1789—90 über das Vorkommen von Porzellanerde und Graphit, über Blei- und Galmeierze am Rauschenberg, über den Rosenquarz bei Zwiesel, daß F. schon damals mit Vorliebe mineralogische Studien verfolgte. Seine Entdeckung eines Porcellanerdelagers 1788 gab aber zunächst die Veranlassung, den Professor der Physik zum Commissär an der Nymphenburger Porcellanfabrik zu ernennen und dies bezeichnet zugleich auch den Wendepunkt in seinem Berufe. F. fühlte sich in seiner neuen Stellung bezüglich mineralogischer und bergtechnischer Dinge nicht unterrichtet genug und empfand lebhaft das Bedürfniß, sich in diesen Fächern nachträglich noch gründlichere Belehrung zu verschaffen. Er entschloß sich daher mit v. Schütz in bereits vorgerückten Jahren nach Freiberg zu gehen, wo er ein Privatcolleg bei Werner über Mineralogie und bei Köhler über Bergrecht hörte. Nun war F. ein fertiger Bergmann. Gleich nach seiner Rückkehr von Freiberg wurde er zum Bergrath ernannt und erhielt sofort zahlreiche commissionelle Aufträge, die ihm zu sehr vielen Reisen die erwünschte Gelegenheit verschafften. Auf diesen sammelte und untersuchte F. mit Eifer und tiefer Einsicht die Mineralien und Gebirge Baierns und verfaßte 1792 seine bedeutendste wissenschaftliche Arbeit „Beschreibung der Gebirge von Baiern und der oberen Pfalz“, in welcher er die Ergebnisse seiner Beobachtungen bei sämmtlichen Berg- und Hüttenwerken Baierns niederlegte. Eine bewundernswürdige Einfachheit der Darstellung in Briefform verbindet sich darin mit einer Lebendigkeit der Schilderung und Treue der Berichterstattung, zugleich mit einer so erschöpfenden Vollständigkeit bei voller wissenschaftlicher Höhe der Auffassung, aber mit Fernhaltung aller Hypothesen und Theorien über die damals so heftig bestrittenen Ansichten der Vulkanisten und Neptunisten, daß das Werk in seiner Art als eine der hervorragendsten Leistungen damaliger Zeit anerkannt werden muß. Diese Beschreibung, die erste ihrer Art in Baiern, versteht es eine Aufzählung der vorkommenden Mineralien und der Art ihrer Gewinnung mit geognostischen Bemerkungen und einer ziemlich erschöpfenden Bergwerksgeschichte gleich unterhaltend und belehrend zu verknüpfen und bildet noch jetzt die Hauptquelle über Bergwerksverhältnisse der älteren Zeit. Auch ist derselben eine für damalige Zeit sehr gelungene, durch die Genauigkeit ihrer Angaben ausgezeichnete geognostische Karte mit durch Farben unterschiedenen acht Hauptgebirgsgliedern, nämlich: Granit, Gneiß, Schiefer, Kalkstein, hohes Kalksteingebirge, niedere Kalk- und Sandsteinflötze, Gries- mit Nagelflüh und Sandstein beigegeben. Diese Karte ist zugleich die erste geognostische von Baiern. F. vervollständigte diese Mineralbeschreibung 1805 durch einen inhaltsreichen Nachtrag: „Ueber die Gebirgsformationen in den damalig churbayerischen Staaten“. 1792 zum Hofkammer- und Salinenrath befördert, beschäftigte sich F. nunmehr mit montanistisch-technischen Fragen und suchte mit aller Energie die baierischen Bergwerke und Salinen auf die Höhe, welche damals die Technik einnahm, emporzuheben, indem er auf Verwendung der reichen Torfvorräthe hinarbeitete und bereits auch schon die Benutzung der subalpinen Pechkohle von Miesbach veranlaßte. Auch führte er vielfache Verbesserungen in der Porcellanfabrication ein. Seit 1797 war F. zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Wissenschaften an v. Baader's Stelle berufen worden und übernahm hier die Professur für Naturgeschichte und Chemie. Seine Rede über den Einfluß der Wissenschaft, besonders der Naturkunde auf die Cultur der Nation, 1799, zeigt den klaren, dem Fortschritt entschieden zugewendeten Geist des überaus wohlwollenden Akademikers. F. wurde 1799 zum Mitglied der Deputation und kurz darauf zum Director des Salinen-, Berg- und Hüttenwesens befördert, von welcher Stellung aus er nach und nach bis zum Geh. Rath und Vorstand dieser Behörde emporstieg, 1808 mit dem Kronenorden und 1816 mit dem Commandeurkreuz dieses Ordens geehrt wurde. In diese Zeit fällt der wichtige Bau der Soolenleitung von Berchtesgaden bis nach Rosenheim, ein damals eminentes, noch jetzt mit Recht bewundertes und noch nicht übertroffenes Wasserwerk, welches, von dem genialen Reichenbach projectirt, wesentlich durch Flurl's Billigung und Bemühungen (1816—17) in Ausführung gebracht wurde. Aber trotz seinen vielseitigen dienstlichen Arbeiten war F. auch noch wissenschaftlich thätig, besonders vervollständigte er seine große Mineraliensammlung, die er mit seltener Liberalität für den Unterricht den Bergzöglingen zur Verfügung stellte. Unter seinen kleineren Schriften heben wir hervor: „Historisch-geologische Beschreibung des Eisensteinbergbaues am Kressenberg", 1794; „Geologische Beschreibung der Gipsflötze an der Kamalp", 1798; „Historische und geologische Beschreibung der Blei- und Gallmaybergwerke am hohen Staufen und Rauschenberg", 1799; „einige Bemerkungen über Anhydrit“, 1804; „Aeltere Geschichte der Saline Reichenhall“, 1808; „einige Notizen über das Vorkommen von Brandschiefer von Seefeld“ (Moll's N. Jahrb. 1813—15); „Ueber das Vorkommen der Steinkohle zu Häring“, 1813; „Ueber einen am Rathhausberg entdeckten Blauspath“ (Moll's N. Jahrb. 1818); „einige Nachrichten über die Salzwasserleitung von Berchtesgaden nach Reichenhall“ (das. 1819); „Ueber Erhitzung und Entzündung der Steinkohlen“ (das. Bd. V.). Schon 1798 ehrte ihn die Jenenser mineralogische Gesellschaft, 1816 jene der Wetterau und 1817 die naturhistorische Gesellschaft zu Edinburgh, sowie die Gesellschaft zur Beförderung der g. Naturwissenschaft in Marburg durch Ernennung zu ihrem Mitgliede. Auf einer Dienstreise endigte ein Schlaganfall in Kissingen das Leben dieses ungemein thätigen Mannes. F. war langsam und derb im Reden und bedächtig im Thun, aber würdig, bescheiden und wohlwollend, in der Wissenschaft wie in der Technik dem Fortschritt zugethan. Klare, sinnige Naturauffassung, von keinem theoretischen Vorurtheil getrübter, durchdringender Blick, ein unermüdlicher Fleiß, nüchterne und uneigennützige Redlichkeit, hohe Begeisterung für sein Fach zeichnen diesen Mann aus, der seiner Zeit in Süddeutschland voraneilend mit Recht Baierns Werner genannt zu werden verdient.

    • Literatur

      Lebensscizze des M. v. F. von v. Weiller, 1824; v. Martius, akadem. Denkreden, S. 560.

  • Autor/in

    Gümbel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Gümbel, Wilhelm von, "Flurl, Mathias von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 140-142 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118684051.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA