• Genealogie

    V Karl Friedrich Bauer (1831–1903), Gutsbesitzer, aus Juristenfamilie;
    M Rosalie (* 1841), T des Kaufmanns Friedrich Gottlob Ihlefeld (1800–78) und der Caroline Auguste Schlenken (1814–69);
    Gvv Johann Karl Bauer (1796–1857), Kreisgerichtsrat;
    Gmv Henriette Auguste Giesecke (1805–70).

  • Leben

    B. trat 1888 in das preußische Fuß-Artillerie-Regiment Nr. 2 von Hindersin, 1889 in die Kriegsschule Hannover, später in die Artillerie- und Ingenieurschule Charlottenburg ein, wurde Adjutant der Artillerie-Prüfungskommission zu Berlin, 1905 zu einer der Festungs-Abteilungen des Großen Generalstabes kommandiert und 1908 Artillerie-Referent in der Aufmarsch-Abteilung des Großen Generalstabes unter Ludendorff. Da sein Aufstieg mit der Entwicklung der Fuß-Artillerie zur Schweren Artillerie des Feldheeres zusammenfiel, gewann er bald einen besonderen Einfluß, zumal auch die schwersten neuen Geschütze (42 cm) zu seinem Ressort gehörten. Im ersten Weltkrieg versuchte er schon am 30.7.1914 sich operativ zu betätigen und die 6. Armee zum Angriff auf die Stellung von Nancy zu bewegen. Seinen wachsenden politischen Einfluß zeigen seine eigenen Bekenntnisse, daß er den Kanzler Bethmann-Hollweg, den Chef des Zivilkabinetts R. von Valentini als die Hauptfeinde jeder starken Regung beim Kaiser und bei der Zivilregierung angesehen und beide, ebenso auch später den Grafen Hertling, mit aller Kraft bekämpft habe. Seine guten Beziehungen zum Kronprinzen Wilhelm förderten ihn dabei. So trug er auch zur Beseitigung des Generals E. von Falkenhayn aus seiner Stellung als Chef des Generalstabes des Feldheeres bei. Unter der dritten Obersten Heeresleitung (Hindenburg und Ludendorff) hat B. sein reiches sachliches Wissen bis zum Kriegsende unermüdlich zur Verfügung gestellt. Seine Urteile in den nach 1918 erschienenen Schriften atmen tiefe Verbitterung über den Kriegsausgang. Seine verzweifelte Stimmung veranlaßte ihn zur Beteiligung am Kapp-Putsch 1920 und später zur Reise nach China.

    Am deutlichsten tritt B.s Einfluß in der Obersten Heeresleitung beim Sturz des Reichskanzlers Bethmann-Hollweg zutage. Seine persönlichen Beziehungen zum Kronprinzen Wilhelm gaben dem damaligen Auseinandersetzungen einen noch ernsteren Charakter. B. bildete während des ersten Weltkrieges in dem „Halbgöttertum“, über das sich Bismarck bereits 1870/71 beklagte, das markanteste Beispiel. Sein Einfluß stieg nach der Entlassung des Generals von Falkenhayn 1916 und seiner Ersetzung durch Hindenburg/Ludendorff. „Der fortgesetzt steigende Umfang der Geschäfte brachte es mit sich, daß die Abteilungschefs des Generalstabes des Feldheeres gelegentlich selbständiger verfuhren, als gut war. Unter Falkenhayn wirkten diese Geister zweiter Klasse nur in dem ihnen zufallenden engeren Bereich; einen darüber hinausgehenden Einfluß anzustreben, durften sie nicht wagen“ (A. Freiherr von Freytag-Loringhoven, Menschen und Dinge, wie ich sie in meinem Leben sah, 1923, S. 326). - Als 1918 der Nachfolger des Reichskanzlers G. Michaelis, Graf Hertling, nach B.s Auffassung seiner Stellung nicht mehr gewachsen schien, lief B. gegen ihn Sturm, konnte aber Ludendorff nicht zu Schritten gegen Hertling veranlassen. Auch seine Bemühungen um Beseitigung des Kriegsministers General H. Scheuch|blieben erfolglos. Anfang Februar 1918 erklärte B. dem Kronprinzen, „daß der Kaiser unser Verhängnis sei, weil er weder selbst Zugriffe, noch fähige Leute an die entscheidende Stelle setze. Wir gingen in die Revolution, und meines Erachtens müsse der Kaiser zupacken oder die Zügel der Regierung für einige Zeit niederlegen“. Der Kronprinz lehnte ab, gegen seinen Vater Stellung zu nehmen; auch Ludendorff war dagegen. - Seine bedeutendsten fachlichen Leistungen innerhalb der Abteilung op II der Obersten Heeresleitung hat B. selbst in seinem Buch „Der große Krieg in Feld und Heimat“ zutreffend geschildert. Über seine Tätigkeit in China sind verbürgte Einzelheiten nicht bekannt geworden.

  • Werke

    Konnten wir d. Krieg vermeiden, gewinnen, abbrechen?, 1918, = Flugschr. des „Tag“;
    Der Irrwahn d. Verständigungsfriedens, 1919;

    Der 13. März 1920, 1920;

    Der große Krieg in Feld u. Heimat, 1921;

    Wer trägt d. Schuld an Dtld.s Unglück?, 1922;

    Ludendorff od. Delbrück?, 1922;
    Das Land d. roten Zaren, 1925.

  • Literatur

    B. Schwertfeger, Die polit. u. militär. Verantwortlichkeiten im Verlaufe d. Offensive v. 1918, 1927;
    ders., Das Weltkriegsende, 1939;
    Kronprinz Rupprecht v. Bayern, Mein Kriegstagebuch, hrsg. v. E. v. Frauenholz, 3 Bde., 1929;
    v. Berendt, Oberst B., in: Die Schwere Artillerie, Jg. 7, 1930, Nr. 4, S. 56;
    Muths, Oberst B. z. Gedächtnis, ebenda, Nr. 3 (P);
    O. Fuchs, Die Mission B.s, in: DAZ, Nr. 245 v. 28.5.1930;
    Reichsarchiv, Der Weltkrieg 1914–18, Bd. 3, S. 10, 11 u. ö.;
    L. Frhr. Rüdt v. Collenberg, in: DBJ XI, S. 16-32 (W, L, u. Totenliste 1929, L).

  • Autor/in

    Bernhard Schwertfeger
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwertfeger, Bernhard, "Bauer, Max" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 643 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118657593.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA