• Genealogie

    V Johann Peter, Schlosser (Betriebsleiter);
    M Margarethe Kraft.

  • Leben

    Nach dem Abitur war L. 1916-18 Soldat, danach studierte er in Bonn und Köln Rechtswissenschaft. Nach der Referendarzeit in Koblenz und Köln wirkte er seit 1926 als Verbands- und Steuersyndikus in Berlin. 1933 wurde er wegen seiner Verbindung mit einem jüd. Geschäftspartner aus seiner Stellung entlassen, was ihn zur zeitweiligen Übersiedlung in die Niederlande veranlaßte. 1936 kehrte er nach Deutschland zurück, wo er ein eigenes Wirtschaftsunternehmen in Köln gründete, das 1939 stillgelegt und schließlich von Bomben zerstört wurde. Ehe er zur Wehrmacht eingezogen wurde, wirkte er wieder als Syndikus in verschiedenen Wirtschaftsunternehmen. 1945 war er zunächst Landarbeiter in der Nähe von Gotha, strebte dann die Richterlaufbahn an und wurde bald in den Justizdienst des Landes Thüringen übernommen. – Politisch trat L. erst nach dem 2. Weltkrieg hervor, obwohl er schon 1919-24 der DDP angehört hatte. 1945 war er Mitbegründer der Liberaldemokratischen Partei (LDP) in Thüringen und wurde im Okt. 1946 zum Oberbürgermeister von Gotha gewählt. Am 4.6.1948 wurde er als Nachfolger von Helmut Külz Justizminister in Thüringen. Auch innerhalb der LDP errang er zielbewußt wichtige Funktionen. Seit dem 3.8.1948 war er stellvertretender, nach dem Rücktritt Leonhard Moogs seit dem 1.2.1949 erster Landesvorsitzender der thür. LDP. In dieser Funktion befürwortete L., der 1947 die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft mitbegründet hatte, die Gleichschaltung seiner Partei mit der SED im Sinne der sog. Blockpolitik. Er trug auch entscheidend zum Sturz der Parteivorsitzenden Arthur Lieutenant und Hermann Kastner bei. Im Juli 1951 wurde er auf sowjetischen Druck zusammen mit Karl Hamann zum Vorsitzenden der LDP gewählt. Nach der Ausschaltung und Verhaftung Hamanns übernahm L. am 12.12.1952 allein den Parteivorsitz, den er bis zu seinem Tode innehatte. Trotz seiner einstigen Zugehörigkeit zur DDP verfocht L. frühzeitig eine Politik der Absage an einen angeblich überlebten Liberalismus und akzeptierte bald die von der SED den bürgerlichen Parteien zugewiesene Aufgabe, die traditionell antikommunistischen Bevölkerungsschichten für die von ihr betriebene gesellschaftliche Umgestaltung zu gewinnen. Seine frühere Meinung, daß sich Liberalismus und Sozialismus wie Feuer und Wasser zueinander verhielten, modifizierte er auf dem Eisenacher Parteitag im Febr. 1949 dahingehend, daß|„liberale Menschen keine Sozialisten, doch jedem Fortschritt aufgeschlossen“ seien.

    L. war seit 1948 Mitglied der von der sowjetischen Besatzungsmacht eingesetzten Deutschen Wirtschaftskommission, seit 1949 Abgeordneter der Provisorischen Volkskammer, seit 1950 der Volkskammer der DDR. Am 12.10.1950 wurde er zum Finanzminister im Kabinett Grotewohl (SED) berufen. Von 1950 bis zu seinem Tode blieb er einer der sechs stellvertretenden Ministerpräsidenten. Zu Grotewohl geriet er wiederholt in Gegensatz, konnte sich jedoch durch demonstrative Ergebenheit gegenüber den sowjetischen Stellen halten. Stalin nannte er seinen „Lehrer und Meister“. Mitte 1953 wurde er vorübergehend als Finanzminister suspendiert, angeblich weil er von sowjetischer Seite beschuldigt wurde, falsche Angaben über die finanzielle Situation der DDR gemacht zu haben. L. unternahm wiederholt Informationsreisen in die Sowjetunion, die auf propagandistische Wirkung in der bürgerlichen Öffentlichkeit angelegt waren. Diesem Zweck diente auch seine Tätigkeit als Vorsitzender des von der SED gelenkten „Ausschusses für deutsche Einheit“, der u. a. während der Berliner Konferenz im Jan. 1954 mit einer Stellungnahme zur Deutschlandfrage an die Öffentlichkeit trat und später als Forum zur Verbreitung belastenden Materials gegen westdeutsche Politiker bekannt wurde. L. war seit 1949 auch Präsidialmitglied des „Deutchen Komitees der Kämpfer für den Frieden“ und des „Nationalrates der Nationalen Front des Demokratischen Deutschland“. Am 27.11.1955 wurde er – angeblich auf eigenen Wunsch – als Finanzminister entlassen.|

  • Auszeichnungen

    Vaterländ. Verdienstorden in Gold (1954), Banner d. Arbeit (1960).

  • Werke

    Die Nat. Front, Völkerrecht u. Frieden, 1950;
    Ein Bürger sieht d. Sowjetunion, 1953;
    Entscheidende Tage, 1953 (P);
    Mit Bleistift u. Kamera durch d. russ. Alltag, 1954;
    Angehörige d. Mittelstandes - d. Kampf gegen d. Pariser Verträge verstärkt fortsetzen! 1955;
    Auferstehung einzigartiger Kunst durch edle Freundestat, 1955;
    Auf seltsamen Pfaden, Streifzüge durch Rußland v. gestern u. heute, 1955;
    In e. neue Epoche, Ein Buch f. d. Mittelstand, 1958;
    Von der Elbe b. z. Gelben Meer, 1958;
    Wir sind dabeigewesen, 1959.

  • Literatur

    H. Heyne, L. begräbt d. LDP, in: Telegraf, Wochenspiegel 3, 1953;
    Statist Dr. H. L., in: Kölner Stadtanz. v. 3.10.1956;
    J. van Soest, Wie Dr. H. L. Vorsitzender d. LDP wurde, in: Ost-West-Kurier v. 20.10.1956 (P);
    H. Köster, H. L., Ein ehrgeiziger Arbeitersohn, Sogar der Kreml kann verzeihen, in: Interpress, Internat. Biogr. Pressedienst, Pol. Nr. 192;
    ebd., Archiv Nr. 466 (8.10.1956);
    G. Buch, Namen u. Daten, Wichtige Personen d. DDR, 1979, S. 380;
    BHdE;
    H. Krieg, LDP u. NPD in d. „DDR“ 1949-58, 1965.

  • Autor/in

    Herbert Hömig
  • Empfohlene Zitierweise

    Hömig, Herbert, "Loch, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 742 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118573721.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA