Lebensdaten
1813 bis 1891
Geburtsort
Kopenhagen
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
evangelisch Augsburger Bekenntnisses
Normdaten
GND: 118545760 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hansen, Theophilos Freiherr von
  • Hansen, Theophil
  • Hansen, Theophilos Edvard Freiherr von
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Zitierweise

Hansen, Theophilos Edvard Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545760.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Rasmus (1774–1825), aus Gaarden Aass Eger/Norwegen, Kassier b. d. dän. Brandassecuranzges.;
    M Sofie Elise Jensen;
    B Christian (1803–83), Architekt (s. ThB);
    - 1851 Sophie (1831–51), T d. Ludw. v. Förster (1797–1863), Architekt in W. (s. ADB VII; ÖBL), u. d. Marie Schmidt; kinderlos.

  • Leben

    H. erhielt als Schüler G. F. Hetschs an der Bauakademie in Kopenhagen seine Ausbildung zum Architekten und ging 1838 mit einem Reisestipendium zunächst nach Berlin, um die Werke Friedrich Schinkels zu studieren, sodann über Dresden, Prag, München, Verona und Venedig nach Athen, wo bereits sein Bruder Christian Fuß gefaßt hatte. Hier blieb er 8 Jahre, wurde Zeichenlehrer an der technischen Lehranstalt, der späteren Technischen Hochschule, und nahm an der Aufnahme der antiken Baudenkmäler teil, wobei er einen Restaurierungsentwurf für das Lysikrates-Denkmal verfaßte. Seit 1842 entstanden hier seine ersten selbständigen Bauten. Dieser Aufenthalt in Athen wurde, da sich H. intensiv mit der griechischen und byzantinischen Kunst beschäftigte, entscheidend für seine künstlerische Entwicklung. 1846 folgte er einem Angebot Ludwig Försters, als Mitarbeiter in dessen Atelier in Wien einzutreten. Gemeinsam mit ihm schuf H. eine Reihe von Gebäuden und trat schließlich selbständig mit dem Bau des Waffenmuseums im Arsenal (1850–56), der ihn sofort berühmt machte, hervor. Es war ihm gelungen, die neuesten Errungenschaften des Musealbaues mit einer sehr eigenwilligen und doch monumentalen Formensprache, die eine Synthese aus byzantinischen, islamischen und gotischen Stilelementen darstellt, in Einklang zu bringen.

    Ebenfalls in byzantinisierenden Formen errichtete er die evangelische Friedhofskirche in Wien-Matzleinsdorf (1857–58) und den Zubau zur Kirche der nicht unierten Griechen (1858–61), während er 1857-84 für Erzherzog Leopold in gotisierenden Formen Umbau und Ausstattung des Schlosses Hernstein in Niederösterreich durchführte und mit dem Bau der Akademie der Wissenschaften in Athen (1857–87) seinen idealen künstlerischen Intentionen durch die Verwendung griechischer Stilformen Gestalt geben konnte. An dem großen Aufschwung der Bautätigkeit in Wien im Zuge der Entstehung der Ringstraße und der sie flankierenden Stadtviertel nach der Demolierung der Basteien 1857, hatte H. in so reichem Maße teil, daß er mit seinen in ununterbrochener Abfolge entstehenden Bauten nicht nur den architektonischen Charakter dieser Prachtstraße, sondern den der gesamten Stadt weitgehend beeinflußte. So schuf H. mit dem Heinrichshof (1861–63, 1945 zerstört) unter Verwendung von Stilelementen der griechischen Kunst und der Renaissance, den neuen Typus des repräsentativen, palaisartigen Wohnhauses der Gründerzeit, der richtunggebend für den Zinshausbau der gesamten Monarchie wurde. Die Evangelische Schule (1860–62), das Gebäude der Gesellschaft der Musikfreunde (1867–69), das Palais des Hoch- und Deutschmeisters (1866–68), das Palais Epstein (1870–73) und das Palais Ephrussi (1872–73), die Akademie der bildenden Künste (1872–77) und die Börse (1874–77) sowie H.s Hauptwerk, das Parlamentsgebäude|(1873-83), in dem er, einen Bautypus von allgemeiner Gültigkeit schaffend, sein Architekturideal, einen Monumentalbau in hellenistischen Formen, verwirklichen konnte, bilden architektonische Höhepunkte dieses neuen Stadtteiles und sind zu klassischen Beispielen der Architektur der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geworden. – Auf die Gestaltung der Innenräume seiner Bauten nahm H. bis auf scheinbar unbedeutende Details Einfluß. Die außergewöhnliche Harmonie der Form und der Farben, hier wurde H. in kongenialer Weise durch die Malereien C. Rahls und Chr. Griepenkerls unterstützt, sowie die Kostbarkeit des verwendeten Materials machen die Säle im Waffenmuseum, im Schlosse Hernstein, im Musikvereinsgebäude, im Palais Todesco sowie in der Börse (verbrannt) und im Parlament zu innenarchitektonischen Ensembles allerersten Ranges.

    H., der aus dem nordischen Spätklassizismus hervorgegangen war, standen beinahe alle historischen Baustile zu Gebote, doch wußte er sie, die Erfordernisse moderner Baukunst voll berücksichtigend, in sehr eigenständiger, von „griechischer“ Idealität getragener Weise anzuwenden. Man kann ihm daher mit der Apostrophierung zum Eklektiker nicht gerecht werden, da er wirklich stilbildend wirkte. So gebührt neben G. von Semper ihm der Hauptanteil an der Schaffung des Wiener Ringstraßenstiles, der die mitteleuropäische Baukunst weitgehend beeinflussen sollte. Ebenso hat er am Aufschwung und an der führenden Stellung des Wiener Kunstgewerbes wesentlichen Anteil.|

  • Auszeichnungen

    Prof. d. Ak. d. bildenden Künste Wien (1868–84) u. deren Ehrenmitgl.; Dr. phil. h. c. (Wien), Ehrenbürger v. Wien, Großbritann. goldene Medaille f. Architektur.

  • Werke

    Weitere W u. a. Villa Pantchoulidzeff, Traunkirchen, 1852;
    k. k. Provinzial-Invalidenhaus, Lemberg, 1854-60;
    Pläne f. d. Anlage d. Wiener Ringstraße, 1858;
    Villa Melkus, Oberweis b. Gmunden, 1860;
    Palais Sina, Wien, Hoher Markt, 1860 (1945 zerstört);
    Villa Genton, Vevey am Geniersee, 1863;
    Villa Kratzer-Andrássy, Wien, Hohe Warte, 1863;
    Wettbewerbsentwurf f. d. Kaiserl. Museen am Ring, 1866;
    Villa Rabl, Bad Ischl, 1866;
    Tschech. Vereinshaus, Brünn, 1867;
    Grabdenkmal f. Carl Rahl, Wien, Zentralfriedhof, 1868;
    Zinshaus, Wien, Börsegasse 8, 1870/71;
    Umbau d. Schlosses Rappoltenkirchen f. Baron Sina, 1872-74;
    Grabkapelle f. A. Gf. Prokesch am Friedhof zu St. Leonhard in Graz, 1872;
    Villa Giulia u. d. dazugehörige Mausoleum f. Gf. Blome am Comersee, 1873;
    Prot. Kirche, Kesmark/Oberungarn, begonnen 1873;
    Wohnungseinrichtung f. L. L. Lobmeyr u. Entwürfe f. dessen Glasfabrik, seit 1866 (einzelne auf d. Pariser Weltausstellung 1867 ausgestellt);
    Entwürfe f. d. Bibl.bau in Athen, n. 1880;
    - Originalzeichnungen u. -ent- würfe, in: Wien, Ak. d. bildenden Künste, Albertina u. im Parlament sowie in dän. Slgg.;
    Consenspläne in d. Plan- u. Schriftenkammer d. Wiener Rathauses;
    - Briefe u. a. Wien, Stadtbibl. - Publ. in: Zs. d. österr. Ing.- u. Architektenver. 1-4, 1849 ff.;
    Das neu zu erbauende Parlamentshaus in Wien, ebd. 25, 1873, S. 319 ff.;
    Das k. k. Reichsratsgebäude in Wien, 1880.

  • Literatur

    ADB 49;
    C. v. Lützow, Das chorag. Denkmal d. Lysikrates in Athen, nach Th. H.s Restaurationsentwurf, 1868;
    ders., Gesch. d. k. k. Ak. d. bildenden Künste, 1877;
    ders., Zur Charakteristik Th. Frhr. v. H.s, in: Zs. f. bildende Künste, 1885;
    F. Pecht, in: Dt. Künstler d. 19. Jh. III, 1881;
    R. v. Eitelberger, Th. v. H., in: Mitt. d. k. k. österr. Mus. f. Kunst u. Industrie 18, Aug. 1883;
    Jberr. d. Hansen Klubs, Klubjahre 1891, 1895, 1898, 1903-07, 1909 f., 1912 ff., 1917;
    G. Niemann u. F. v. Feldegg, Th. H. u. s. Werke, 1893;
    P. Kortz, Wien am Anfang d. 20. Jh., 1906;
    C. Gurlitt, Die dt. Kunst d. 19. Jh., 1907;
    H. H. Russack, Deutsche bauen in Athen, 1942;
    Heck, Zu Th. H.s Bauten an d. Ringstraße in Wien, in: Die Kunst im 3. Reich (Die Baukunst) 6, 1942, S. 87-107;
    M. Fischer, Th. H.s Leben u. Frühwerke, Diss. Graz 1946 (ungedr.);
    ThB (L);
    Dansk Leks. IX;
    Dansk Konstnerleks. I;
    Architektenbibliogr. 1962;
    ÖBL.

  • Portraits

    Bildnisbüste v. H. Häerdtl (Wien, Parlament);
    Bildnisrelief, 1883 (ebd., Aula d. Ak. d. bildenden Künste).

  • Autor/in

    Manfred Leithe-Jasper
  • Empfohlene Zitierweise

    Leithe-Jasper, Manfred, "Hansen, Theophilos Edvard Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 7 (1966), S. 634 -635 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545760.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hansen: Theophilos H., Architekt, am 13. Juli 1813 zu Kopenhagen als Sohn von Rasmus H., Kassirer bei der kgl. dänischen Brandassecuranz-Gesellschaft, geboren, verlor schon mit 11 Jahren seinen Vater und mußte sich gleich seinen beiden älteren Brüdern Christian und Peter frühzeitig Geld verdienen. Wie Christian, der als Zeichenlehrer an der Bürgertugendschule zu Kopenhagen begann, dann Etatsrath und Stadtbaumeister wurde und später in Athen thätig war, fühlte sich auch Theophilos schon in jungen Jahren zur|Kunst hingezogen und studirte an der kgl. Bauakademie bei Gustav Hetsch Architektur. Schon in seiner Abgangsarbeit, dem Entwurf zu einer Börse, huldigt er dem griechischen Stil, der späterhin sein erklärter Liebling werden sollte. Schinkel's Geist beginnt die Architektenwelt zu beherrschen; noch als Greis hat H. in Schinkel seinen Meister erblickt. Es ist ja auch die Zeit Thorwaldsen's, die Nachwirkung Winckelmann'scher Theorien. Für H. bleibt auch die schon in Kopenhagen begonnene Verbindung mit dem Kunstgewerbe bezeichnend; selbst diese Möbelentwürfe schließen sich durchaus an griechische Motive an. Sie haben wenigstens in des Künstlers Heimath dem Wechsel der Mode getrotzt, denn nach Jahrzehnten verehrten ihm die Kopenhagener Tischler eine goldene Kette mit den Worten: „Wir haben Ihnen damals wenig gezahlt, und doch arbeiten wir noch heute unsere Möbel nach Ihren Zeichnungen und ziehen unseren Nutzen daraus.“

    1838 geht H., dem außer Diplom und großer goldener Medaille auch ein Reisestipendium zu theil geworden, über Berlin, München, Venedig nach Athen, wo er am 8. October 1838 eintrifft, von Bruder Christian empfangen, der die dortige Universität zu bauen hatte. Ihm tritt er als Gehülfe zur Seite, bis ihn der erste selbständige Auftrag voll beansprucht. Es ist die Sternwarte in Athen, deren Grundstein 1843 gelegt wurde. Schon hier bethätigt H. seinen ausgesprochenen Farbensinn durch Bemalung des Aeußeren, wobei der gelbe Marmorstuck al fresco mit schwarzem Grund bedeckt wurde, um die beabsichtigte Wirkung zu erzielen. Unter mehreren Wohnhäusern folgt gleichzeitig das des Antonio Dimitrius, jetzt Hotel Bretagne. 1840—43 bekleidete er auch das Amt eines Zeichenprofessors an der polytechnischen Schule daselbst.

    1846 trifft H. in Wien ein, um in das Atelier des Professors Ludwig Förster einzutreten, dessen Tochter Sophie er 1850 heirathete, aber schon nach wenigen Monaten durch den Tod wieder verlor. Gleich im ersten Jahre hatte er an zwölf Bauten (Wohnhäusern) mitzuwirken. Da kam der riesige Auftrag des k. k. Arsenalbaus. H. hatte das Waffenmuseum allein zu bauen, da indessen zwischen ihm und Förster ein völliger Bruch eingetreten war. 1856 wurde der Schlußstein gelegt, die reiche malerische Ausstattung durch seinen Freund Karl Rahl und durch Karl Blaas aber erst 1860 vollendet. H. bediente sich hierbei der byzantinischen Formen, die er in Griechenland studirt und dann in Wien auch bei dem für ihn erfolglosen Wettbewerb für die Altlerchenfelder Kirche (1848), dann an der 1849 erbauten evangelischen Kirche im Bezirk Gumpendorf und am Lemberger k. k. Provinzialinvalidenhause verwendete. Doch hat er sich hier ebensowenig wie bei den späteren „griechischen“ Bauten als strenger Formalist und einseitiger Stilist erwiesen, denn das für Baron Pereira in jener Zeit erbaute Landhaus in Königstetten mischt auch romanische und gothische Einzelheiten dazu und die Villa Pandchoulitseff zu Traunkirchen (1852) erinnert an italienische Renaissance-Landhäuser.

    Sein Ruf war inzwischen über die Mauern Wiens hinausgedrungen, namentlich auch durch seine Restaurierungsentwürfe für das choragische Denkmal des Lysikrates (1845) und für das Erechtheion (1851). Vom griechischen Gesandten in Wien, Baron Simon Sina, 1859 beauftragt in Athen die Akademie der Wissenschaften aus dessen Mitteln zu errichten, kehrte er für kurze Zeit nach Griechenland zurück, erneuerte gleichzeitig darauf den Sina-Palast auf dem Hohen Markt in Wien und beaufsichtigte die Vollendung des Sina-Palastes in Venedig. Der infolge der Vertreibung König Otto's und der politischen und finanziellen Wirren häufig unterbrochene langwierige Bau der Athener Akademie wurde erst 1887 vollendet. Hansen's bedeutungsvollste Wirksamkeit begann jedoch erst mit der Wiener Stadterweiterung. Hier hatte|er inzwischen den Capellenbau auf dem evangelischen Friedhof (1857—58), den Umbau der griechisch-nichtunirten Kapelle und Schule auf dem Fleischmarkt — beide im byzantinischen Stil — und das evangelische Schulhaus mit dreistöckigem glasgedeckten Arkadenhof (1859) durchgeführt und auf der Ringstraße gegenüber der Oper im Heinrichshof, einem im Auftrage Heinrich Drasche's 1861 begonnenen mächtigen Wohngebäude mit drei Durchhäusern, den Typus des Wiener Zinshauses geschaffen. Zahlreiche Paläste — in Wien Tedesco, Epstein (1870—73), Ephrussi (1872—73), die Villa Kratzer in Oberdöbling, das Wohnhaus Genthon in Vevey, der Umbau der Schlößchen Chrastowitz in Mähren und Montpreis bei Cilli, Wohnhaus Prazak und tschechisches Vereinshaus in Brünn, Wohnhaus Schiller in Troppau, der Umbau des Sina'schen Schlosses Rappoltenkirchen, die Villa Giuglia sammt Mausoleum am Gardasee für den Grafen Blome folgten.

    Diese vielseitige Thätigkeit erschöpfte seine Arbeitslust indessen keineswegs. Die großen entscheidenden Thaten standen noch aus. Da kam im Jahre vor dem Krieg (1865) an ihn der ehrenvolle Ruf nebst Schmidt und Ferstel, dem Prager Hellmann, A. Essenwein in Graz und Nikolaus Ybl in Pest an einem Wettbewerb für die damals noch getrennt gedachten Bauten des Abgeordneten- und des Herrenhauses theilzunehmen. Auch hier wie so oft kritisirte er zunächst das ihm fehlerhaft erscheinende Bauprogramm, forderte für das Herrenhaus einen Platz an der Ringstraße und für die Abgeordneten die Stelle, auf der er späterhin (1872) die Akademie der bildenden Künste errichten sollte. Erst 1869 jedoch ward das ganze Programm umgestoßen, die Vereinigung beider Bauten beschlossen, erst 1871 H. mit der Ausführung dieses Parlaments betraut, 1874 der Grundstein gelegt, 1884 der Bau vollendet, mit Ausnahme der von H. hartnäckig verlangten Außenpolychromisirung, die erst nach seinem Tode (1891) zu Stande kam. Der plastische Schmuck war bis zum Sommer 1904 noch nicht abgeschlossen. 1903 gelangte vor der Rampe der riesige Minervabrunnen von Kundmann, Haerdtl und Tautenhayn, vorher schon eine Reihe sitzender Gestalten griechischer Historiker auf der Rampenmauer zur Aufstellung. Von Haerdtl und Karl Stern wurden die Giebelfiguren für die Parlamentshalle 1904 fertig, desgleichen die 18 Statuen von Staatsmännern, Politikern und Philosophen für die Sitzungssäle und die von Hugo Haerdtl modellierte Bildnißbüste Hansen's selbst.

    Schon ein Jahr nach diesem Auftrage, der ihm zu seinem berühmtesten Werke verhalf, ward er mit Ferstel, Hasenauer und Ministerialrath v. Löhr auch zu einem Wettbewerb für die Hofmuseen aufgefordert, die er sich nicht getrennt, sondern durch einen Verbindungsbau vereinigt dachte. Im Preisgericht ward sein Entwurf jedoch nur von einer Stimme empfohlen und späterhin Semper berufen, um den Plan Hasenauer's umzuarbeiten. Glücklicher erging es ihm bei dem 1864 ausgeschriebenen Wettbewerb um das Musikvereinsgebäude, das er ausführen und Ende 1869 vollenden durfte. Die Akustik des mächtigen, großen Saales ist berühmt. Der wenige Wochen nach der Fertigstellung in der Garderobe ausgebrochene Brand konnte zum Glücke rasch gelöscht werden.

    Noch vor der Beendigung dieses in italienischer Renaissance erbauten Palastes beauftragte ihn der Hoch- und Deutschmeister Erzherzog Wilhelm mit dem Entwurf für seinen Palast an der Ringstraße (1868), dessen Grundriß sich den italienischen Bauten der Hochrenaissance nähert. 1873 folgte dann noch die erst in den achtziger Jahren vollendete protestantische Kirche zu Kesmark in Ungarn, die byzantinische Capelle in Filias bei Krajowa, die Grabcapelle für den Fürsten Stirbey zu Bufta in Rumänien. Gleichzeitig|beschäftigten ihn noch zwei monumentale Bauten: die Börse, deren erster Entwurf schon 1868 fertig war, deren Vollendung jedoch erst 1877 erfolgt ist; dann die Akademie der bildenden Künste, deren 1872 entworfener Plan durch die nöthig gewordene Aufsetzung eines dritten Stockwerkes noch während des Baues Veränderungen erfuhr. 1876 entwarf H. eine von ihm verlangte Planskizze für die Basler Rheinbrücke; 1882 nahm er, wenngleich erfolglos, am Wettbewerb des Berliner Reichstagsgebäudes theil, nachdem er das Jahr zuvor auch einen Entwurf für das Victor Emanuel-Denkmal in Rom geliefert hatte. Auf das lebhafteste beschäftigte ihn — „der ich mich einen Schüler Schinkel's nenne, ohne ihn je gesehen zu haben ... da ich nun der einzige jetzt lebende Architekt bin, welcher sich mit diesem Stile befaßt“ — der ebenfalls 1882 ausgeschriebene Wettbewerb für die im griechischen Stil geplante Bebauung der Berliner Museumsinsel.

    1883 hatte er die in Oesterreich für die Lehrthätigkeit vorgeschriebene Altersgrenze erreicht, blieb aber zufolge einer Aufforderung des Ministeriums noch ein Jahr in der ihm 1868 an Stelle van der Nüll's übertragenen Professur an der Akademie der bildenden Künste, von seinen Schülern und Kollegen hoch verehrt. Nach Vollendung des Parlaments wurde er in den Freiherrnstand erhoben und von der Wiener Universität zum Ehrendoctor ernannt. 1884 berief ihn seine Vaterstadt zum Wiederaufbau des abgebrannten Schlosses Christiansburg und zur Planung eines mit dem Schlosse zu vereinigenden Reichstagsgebäudes. 1885 gelangte er endlich dazu, den schon unter König Otto für Athen entworfenen Bibliotheksbau durchzuführen, der als Gegenstück zu seiner Akademie mit ihr und dem Universitätsgebäude seines Bruders Christian die sogenannte Trilogie bildet. 1887 entstehen noch zwei nicht zur Ausführung gelangte Denkmalsentwürfe für Radetzky und Mozart, 1888 der Entwurf für das bisher nicht erbaute Museum in Athen und die Idealentwürfe zu einem hellenischen Schloßbau, einem Rathhaus für Kopenhagen und einer Villa auf der Insel Korfu. Von seiner Schwester Marie, die ihm den Haushalt führte, auf das treueste gepflegt, ist H. am 16. Februar 1891 im 78. Jahre gestorben.

    Was H. erstrebt, ist eine hellenische Renaissance, nicht ohne Zugeständnisse selbstverständlich an die Anforderungen einer neuen Zeit. Er ist sich in dieser Hinsicht immer treu geblieben. Die Riesensäulen als Schornsteine am Parlamentsbau seines gereiften Alters haben ihr Vorbild in der Schülerarbeit, mit der er von der Kopenhagener Akademie schied, dem Entwurf zu einer Börse in griechischem Stile, deren Dach von einer mächtigen Säule getragen wird, die dem ganzen Hause zugleich als Rauchfang der Centralheizung dient. Selbst wo er „gothisch“ bauen mußte wie im erzherzoglichen Schloß Hernstein beanspruchte er doch wenigstens für die innere Ausstattung das Griechische und verschmolz beides ungescheut. Merkwürdig frei zeigt sich H., dem Drange einer stärkeren Zeit folgend, in den Inneneinrichtungen seiner Bauten, denen er besonderes Interesse widmet und oft zu großartiger Erscheinung zu verhelfen weiß. Fresken, Marmor und Vergoldung, Holzvertäfelung, Stuckmarmor und Stuccolusiro und erlesenes kunstgewerbliches Geräthe sind in tiefen Farbentönen festlich zusammengestimmt. Dergleichen hatte das 19. Jahrhundert vor H. nicht gewagt. Es fehlte ihm freilich nicht an Malern, die auf seine Wünsche eingingen: Rahl, den er am meisten liebte, dessen Schüler Griepenkerl, Bitterlich und Eisenmenger, dann Hoffmann und schließlich (an dem Akademiebau) noch der zu früh verstorbene Feuerbach. Dem Kunstgewerbe trat er namentlich durch seine Freundschaft mit Ludwig Lobmeyr nahe, für den er nicht bloß Glaswaren sondern auch Bronzen im Renaissancestil und die ganze Wohnungseinrichtung entwarf. Köchert führte von ihm gezeichneten Schmuck aus, Kunstguß und Thonindustrie verdankten ihm vielfache Anregungen. H. galt ja allen Jüngeren, wie Ferstet noch sterbend gestand, „als Vorbild und Lehrer“.

    • Literatur

      George Niemann und Ferd. v. Feldegg unter Mitwirkung des Hansen-Clubs: Theophilos Hansen und seine Werke. Wien 1893. Daselbst die gesammten Quellen. — Ludwig Hevesi, Oesterr. Kunst im 19. Jahrhundert. Leipzig 1903. — B. Förster, Der Bau der Akademie der Wissenschaften zu Athen. Z. f. bild. Kunst 1880. —
      C. v. Lützow, Feuerbach's Deckengemälde für die Aula der Wiener Akademie in der Zeitschr. f. bild. Kunst, Neue Folge, IV. Jahrg. (1893). — C. v. Lützow, Zur Charakteristik Theophil Frhr. v. Hansen's. Zeitschr. f. bild. Kunst XX. Bd. (1885). — Für die Vollendungsarbeiten insbes. des Parlaments mußten die Nachrichten der Wiener Tagesblätter herangezogen werden.

  • Autor/in

    Julius Leisching.
  • Empfohlene Zitierweise

    Leisching, Julius, "Hansen, Theophilos Edvard Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 49 (1904), S. 762-766 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118545760.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA