Lebensdaten
1798 - 1873
Geburtsort
Bindlach
Beruf/Funktion
Pharmakologe ; Botaniker
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 117607118 | OGND | VIAF: 42619585
Namensvarianten
  • Laurer, Johann Friedrich
  • Laurer
  • Laurer, Ioannes Fridericus
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Laurer, Johann Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117607118.html [17.10.2021].

CC0

  • Leben

    Laurer: Johann Friedrich L., verdienter Pharmakologe, ward geboren am 26. Sept. 1798 zu Bindlach bei Baireuth und starb als ordentlicher Professor der Medicin zu Greifswald am 23. Nov. 1873. Seine wissenschaftliche Vorbildung erhielt er auf dem Baireuther Gymnasium und widmete sich hinterher in der zu ihrer Zeit weit berühmten Officin des Apothekers Funk der Pharmacie. Von seinem Principal früh in das tiefere Studium der Pflanzenkunde eingeführt, machte er in dem für alle Freunde und Pfleger der Naturwissenschaft offenen Hause desselben die Bekanntschaft David Heinrich Hoppe's, des berühmten Regensburger Professors der Botanik, welcher an dem strebsamen Jüngling Gefallen fand und ihn wiederholt auf Fuhreisen durch die Salzburgs Alpen mitnahm. Bei solcher Gelegenheit lernte er den Professor Dr. Hornschuch aus Greifswald kennen und folgte 1824 dessen Einladung, an der pommerschen Hochschule Medicin zu studiren. Rosenthal, damals Professor der Anatomie, nahm ihn zum Assistenten an. Auf Grund seiner Inaugural-Schrift: „Disquisitiones anat. de Amphistomo conico“, Greifswald 1830, zum Doctor promovirt, fuhr er fort, bei Rosenthal als Prosector zu wirken. Trotz mancher Widerwärtigkeiten in Folge eingetretenen Personalwechsels bei der zunächst vorgesetzten Behörde harrte er 24 Jahre in dieser Stellung aus, obwohl er sich gleichzeitig 1830 für Anatomie und Physiologie und später 1849 für Pharmakologie habilitirt hatte. Am 15. Januar 1836 ward er zum außerordentlichen Professor befördert, nahm seit 1838 an den Aufgaben und Arbeiten der delegirten medicinischen Prüfungscommission, meistens als Examinator der Chirurgie, ununterbrochenen Antheil und rückte nach langem Hoffen und Harren endlich am 1. April 1863 in die ordentliche Professur der medicinischen Facultät für das Fach der materia medica auf. Die Anatomie, die Arzneimittellehre, die Bryologie und Lichenologie verdanken seiner Forschung viel, wenn er auch mit großer Selbstverleugnung die Resultate derselben oft genug Anderen zur Veröffentlichung und Ausbeutung überließ. Die mit unglaublicher Geduld von ihm hergestellten sauberen anatomischen Präparate, dauernde Zierden des Greifswalder anatomischen Museums, tragen kaum seinen Namen; bei dem von ihm geradezu neu und zeitgemäß hergestellten Handbuch der Arzneimittellehre von Seifert ließ er den Leser glauben, es handle sich nur um eine zweite Ausgabe der Schrift seines vormaligen Lehrers und Freundes. Die Lichenenflora in der Kratzmann’schen Schrift: „Der Kurort Marienbad“ war lediglich das Ergebniß seiner Wanderungen und Bestimmungen und die reichen Materialien, welche er während seiner Bereisungen des Riesengebirges gewonnen hatte, überließ er unbedenklich den „Lichenologischen Bemerkungen“ seines Freundes, des Majors von Flotow in der Regensburger Bot. Ztg. 1828 (S. 594—704 und 721—751). Ebenso bereitwillig unterzog er sich der Bearbeitung der von Sieber in Neu-Holland und auf Mauritius gesammelten Flechten und in nicht geringem Umfange trug er zur Förderung der von Hepp und Rabenhorst veröffentlichten „Lichenes exsiccati“ bei. Trotz dieser edlen Selbstvergessenheit brach sich die Anerkennung seines großen Verdienstes in der Gelehrtenwelt Bahn. Selbständig veröffentlichte L. in der Regensburger Bot. Ztg. Flora 1827, S. 289 u. flg. die erste, im Lichte der modernen Lichenologie bearbeitete Lichenen-Flora Rügens (87 Species); in der Linnaea von. v. Schlechtendal 1827, Bd. II auf S. 38—46, wies er sieben Pflanzenarten aus Mauritius und Neu-Holland als neu nach und stellte sie abgebildet dar; ebenso kommen in Nylander's Synopsis meth. 1859 zwei neue Laurer’sche Romalinen vor und endlich in Körber's Parerga lichenol. aus dem J. 1861 eine neue Lecidella irrorata. Den fleißigen Sammler und Beobachter zu ehren, wurden manche neue oder für neu gehaltene Pflanzen-Gattungen nach seinem Namen benannt. Kamen Laurer's Verdienste um die Universität Greifswald, was seine amtliche Beförderung anbetrifft, auch erst spät zur Anerkennung, und war es ihm erst in den letzten Lebensjahren vergönnt, die Grundsteine zur gegenwärtigen pharmakologischen Sammlung der medicinischen Facultät zu legen, so wird sein Name dafür um so länger genannt werden, nachdem derselbe gleichsam mit Lapidarschrift in den Archiven der wissenschaftlichen Lichenologie verzeichnet worden ist. Die Langsamkeit seiner Beförderung gestattete ihm erst spät die Begründung eines eigenen Heerdes: mit der Wittwe des verstorbenen Universitätsbuchhändlers Koch geb. Krey seit dem 18. August 1852 verheirathet, lebte er bis zu ihrem im J. 1858 erfolgten Tode in glücklicher, jedoch kinderloser Ehe. Eine Störung erlitt dieselbe dadurch, daß er in Folge vielfacher Kränkung und Zurücksetzung, wie schon früher einmal der Fall gewesen, von geistiger Schwermuth befallen und Genesung in einer Heilanstalt zu suchen genöthigt ward. Die letzten 15 Lebensjahre flossen dem endgiltig Genesenen, aber mehr und mehr Vereinsamten in treuer sorgfältiger Erfüllung seiner Lehrpflichten, auf botanischen Reisen nach dem Fichtelgebirge, oder im engeren Freundeskreise hin. Von starker Constitution und bis in das höhere Alter vorhaltender physischer Kraft ertrug er auf seinen weit ausgedehnten botanischen Excursionen, anscheinend ohne Ermüdung, die stärksten Strapazen. Immer war er heiteren Sinnes und von seltener Gutmüthigkeit, die freilich oft gemißbraucht, aber nie erschüttert ward. Ein dauerndes Andenken sichert ihm neben seiner erfolgreichen Lehrthätigkeit und seinem wissenschaftlichen Verdienst die mit seiner Gemahlin vereinbarte Stiftung der beiden Laurer’schen Stipendien für bedürftige Studirende der Universität Greifswald. Seine mit Aufwendung großer Geld- und Zeitopfer in's Leben gerufenen lichenologischen Herbarien hat er testamentarisch dem großen Staats-Herbarium in Berlin vermacht.

    • Literatur

      Münter's Biographie in „Mittheilungen aus dem naturwissenschaftlichen Verein von Neu-Vorpommern und Rügen“ von Marsson, Berlin 1875, VII, S. 129—134; Album und Personalacten der Greifswalder Universität.

  • Autor/in

    Häckermann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Häckermann, Adolf; Wunschmann, Ernst, "Laurer, Johann Friedrich" in: Allgemeine Deutsche Biographie (), S. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117607118.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Laurer: Johann Friedrich L., Botaniker, geboren zu Bindlach bei Bayreuth am 26. September 1798, zu Greifswald am 23. November 1873, erhielt seine Vorbildung auf dem Gymnasium in Bayreuth und trat darauf in die Officin des Apothekers Funk als Lehrling ein. Dieser, sowie namentlich der Regensburger Botaniker David Heinrich Hoppe, den L. im Funk’schen Hause kennen lernte, förderten im hohen Maße die schon im Knaben früh erwachte Neigung zur Pflanzenwelt. Als Hoppe's Begleiter auf dessen Fußreisen in die Salzburger Alpen trat L. in nähere Beziehung zu dem Greifswalder Professor Hornschuch, dem er 1824 an die dortige Universität folgte, um unter Aufgabe des nur widerwillig erwählten pharmazeutischen Berufes, sich dem Studium der Medicin zu widmen. Mit eiserner Arbeitskraft verfolgte L. trotz ungünstiger äußerer Verhältnisse, in die ihn der frühzeitige Tod seines Vaters versetzt hatte, beharrlich sein Ziel. Daneben bereicherte er seine botanischen Kenntnisse durch häufige Excursionen, die ihn zumal in späteren Jahren, als er sich in gesicherter Lebenslage befand, wiederholt in die Alpen führten. Der Großglockner, den er noch als siebzigjähriger Greis besuchte und die Kärnthner Berge waren sein hauptsächliches Forschungsgebiet. Waren es zunächst die Moose, mit deren Untersuchung und Bestimmung sich L. beschäftigte, so wandte er sich später ausschließlich dem Studium der Flechten zu und erlangte als Systematiker dieser kleinen, aber schwierigen Pflanzengruppe die Stellung einer Autorität in der botanischen Wissenschaft. Die sehr werthvolle Moossammlung Hornschuch's ging nach dessen 1850 erfolgtem Tode in Laurer's Besitz über. 1830 wurde er auf Grund seiner Dissertation: „Disquisitiones anatomicae de Amphistomo conico“ von der Universität Greifswald zum Dr. med. promovirt und habilitirte sich noch in demselben Jahre als Privatdocent für Anatomie und Physiologie. Zugleich wurde L., nachdem er vier Jahre lang als Assistent des Anatomen Rosenthal gewirkt hatte, als Prosector an dem anatomischen Institut angestellt, in welcher Stellung er 24 Jahre hindurch verblieb. 1836 erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Die von ihm angestrebte Lehrthätigkeit wurde durch mancherlei Intriguen erschwert und so habilitirte er sich 1849 auch noch für Pharmacologie und deren Nebenzweige. Erst im J. 1863, nach langem vergeblichen Harren erhielt L. die Bestallung als ordentlicher Professor der medicinischen Facultät für das Fach der materia medica. Seine erst im späteren Lebensalter geschlossene, durchaus glückliche Ehe mit der Wittwe des Universitätsbuchhändlers Koch wurde 1858, schon nach sechs Jahren, durch den Tod der Gattin gelöst. L. überwand diesen Schlag zwar ohne daß die befürchtete Rückwirkung auf sein Gemüthsleben eintrat, das gerade während der Zeit seines Ehestandes durch die ihm widerfahrenen Zurücksetzungen auch seinen Körper ungünstig beeinflußt und seine Aufnahme in eine Heilanstalt nöthig gemacht hatte; dennoch führte er von jetzt ab nur mehr ein einsames, auf sich selbst beschränktes Leben und folgte nach 15 Jahren seiner Gattin im Tode nach, obwol er im übrigen von kräftiger Constitution und bis ins hohe Alter hinein von beneidenswerther physischer Kraft und Elasticität war. L. besaß,|vielleicht in Folge übergroßer Bescheidenheit, eine gewisse Scheu, die Resultate seiner Untersuchungen zu publiciren, so daß die Zahl seiner selbständig erschienenen Arbeiten nur gering ist. In Folge der Ueberlassung seiner Funde an seine lichenologischen Freunde, findet man aber vielfach die Spuren seiner wissenschaftlichen Arbeit in Werken, die nicht seinen Namen tragen, obwol L. den Anspruch erheben konnte, seiner Zeit einer der tüchtigsten Flechtenkenner Deutschlands zu sein. Mit werthvollen Beiträgen betheiligte sich L. an den von v. Flotow in der Regensburger „Flora" 1825 erschienenen „kritischen Bemerkungen“, sowie an den von demselben Verfasser ebendort 1828 herausgegebenen „Lichenologischen Bemerkungen“, worin er das im Riesengebirge gesammelte Material verwerthet hatte. Selbständig von L. bearbeitet kam 1827, ebenfalls in der „Flora“, die erste umfassende Flechtenflora der Insel Rügen heraus, die 87 Arten behandelt, und noch in demselben Jahre unterzog er sich der Bearbeitung der von dem Reisenden Sieber auf den Inseln Bourbon und Mauritius und in Australien gesammelten Flechten (Linnaea 1827, II. Bd.). Als Fortsetzung der von Hoppe und Funk begonnenen Beschreibungen und Abbildungen deutscher Lichenen in Sturm's „Flora Deutschlands“ gab L. 1833 ausführliche Beschreibungen und kritische Bemerkungen heraus, die von trefflichen Abbildungen 30 seltener Arten begleitet waren. Er bereicherte endlich die Kenntniß der Flechtenflora Böhmens durch seine Mitarbeit an dem von Emil Kratzmann 1855 publicirten Werkchen „Führer von Marienbad“, worin 154 Flechtenspecies beschrieben sind. Auch an den von Hepp und Rabenhorst veranstalteten „Lichenes exsiccati“ betheiligte sich L. in nicht geringem Umfange. Sein unter Aufwendung großer Geld- und Zeitopfer aufgebrachtes lichenologisches Herbar vermachte er testamentarisch der Berliner Staatssammlung. In anderer Weise noch bewies L. seine Uneigennützigkeit und seinen Wohlthätigkeitssinn durch zwei gemeinsam mit seiner Gattin begründete Stipendien zur Unterstützung hülfsbedürftiger Studirender der Universität Greifswald.

    • Literatur

      A. Minks, Nekrolog in Flora 1873, Nr. 34. — Münter, Joh. Friedrich Laurer, 1873.

  • Autor/in

    E. Wunschmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    CC-BY-NC-SA