Lebensdaten
1779 bis 1849
Geburtsort
Kunreuth bei Forchheim
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
weimarischer Kanzler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117580104 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Friedrich (bis 1807)
  • Müller, Friedrich von
  • Müller, Friedrich (bis 1807)
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Zitierweise

Müller, Friedrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117580104.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Friedrich M. (1753-1807), Kastner im Dienst d. Frhr. v. Egloffstein in K., preuß. Hofrat, S d. Adjunctus Johann Leonhard in K. u. d. Catharina Barbara Götscher;
    M Christiana (1748–1807), T d. August Göckel (1710–74), Justizrat u. Univ.-Prof. in Erlangen, u. d. Eberhardina Henriette Christi(a)na Frizlin (1725–62) aus Stuttgart;
    B August M. (1780-1850), sachsen-weimar. Major, Carl M. (1784-1843), Jurist in Sachsen-Weimar;
    1804 Wilhelmine (1782–1857), T d. Gutspächters N. N. Lüttich in Klosternauendorf b. Allstedt;
    1 S Adelbert (1805–50), sachsen-weimar. Geh. Kammerrat.

  • Leben

    Sowohl der Großvater als auch der wohlhabende, später verarmte Vater waren Verwalter des Familienfideikommiß der Freiherren v. Egloffstein zu Kunreuth, und so ergaben sich für M. schon früh Beziehungen zu Mitgliedern dieser fränk. Familie, denen er zeitlebens verbunden blieb. 1792 wurde M. in die Matrikel des Gymnasiums Bayreuth eingetragen, wo er – im wesentlichen durch Privatunterricht bei Johann Erhard Engelhardt – auf ein Studium vorbereitet wurde. Im Mai 1796 schrieb er sich als Jurastudent an der Erlanger Universität ein, die er aber im März 1799 wegen seiner führenden Mitgliedschaft im Orden der „Schwarzen Brüder“ (Harmonisten) mit einer Relegation verlassen mußte. In Göttingen fand M. dann in J. St. Pütter, G. Hugo, J. Ch. Leist, G. Sartorius, auch J. F. Blumenbach anregende Lehrer und gesellschaftlichen Umgang in mehreren Professorenhäusern. Eine belobigte Arbeit in Pütters Praktikum über einen Apoldaer Rechtsfall und Empfehlungen seiner Lehrer sowie einiger, nun in Weimar ansässiger Mitglieder der Familie v. Egloffstein machten Hzg. Carl August auf den jungen Juristen aufmerksam. Er übertrug M. die Führung eines lange schwebenden Vormundschaftsprozesses, den dieser in kurzer Zeit beenden konnte. Dies führte 1801 zu M.s Anstellung als Assessor bei der Regierung im Weimar. Seit 1803 Regierungsrat, erschien er nach der Schlacht bei Jena als der geeignete Mann, für Sachsen-Weimar Verhandlungen im franz. Hauptquartier zu führen. Nachdem M. in einer Audienz bei Napoleon eine Fristverlängerung für Carl Augusts Ausscheiden aus dem preuß. Militärdienst erreicht hatte, stattete ihn der Herzog am 3.12.1806 in Berlin mit den nötigen Vollmachten für Friedensverhandlungen aus. Im Vertrag von Posen (15.12.1806) erreichte M. für Sachsen-Weimar-Eisenach den Erhalt der Souveränität, erkauft durch Eintritt in den Rheinbund. Eine Herabsetzung der enormen Kontributionsforderungen konnte er, auch bei Verhandlungen in Napoleons Hauptquartier zu Warschau (22.1.-4.3.1807), nicht erreichen. Obwohl in Weimar M.s übereifriger Verhandlungsstil, seine zuweilen taktlos drängenden Briefe an den Herzog und seine gelegentliche Einmischung in Angelegenheiten der Nachbarstaaten auf Kritik stießen, verkannte man doch nicht seine Fähigkeit, gute Beziehungen zu Napoleons Umgebung (Talleyrand, J. B. de Labesnardière, den Generälen Grafen J. Rapp u. H. J. G. Clarke) zu knüpfen und zu pflegen. So sandte man ihn im August 1807 als Bevollmächtigten nach Paris, rügte aber alsbald erneut seine Geschäftigkeit und überzogene Rheinbundtreue (u. a. Vorschlag, den Code Napoléon in Sachsen-Weimar einzuführen) und schickte ihm W. v. Wolzogen, seinen|schärfsten Kritiker (er bescheinigte M. „physische und moralische Beweglichkeit“), gleich hinterher. M. verließ die franz. Hauptstadt noch im Dezember, womit seine diplomatische Laufbahn – wenn man von seiner Beteiligung am Erfurter Fürstenkongreß 1808 absieht – beendet war. Mit seinen lesenswerten „Erinnerungen aus den Kriegszeiten 1806-1813“ (Niederschrift 1845/47) vermittelt er ein lebendiges, im wesentlichen treues Bild jener Zeit.

    M.s Tätigkeit im Dienste der Landes Justiz hatte als Schwerpunkte die Trennung von Verwaltung und Rechtspflege, Errichtung eines Oberappellationsgerichts in Jena, Städteordnung, Stempel- und Gebührenordnung, Kriminalordnung. Seine Ernennungen zum Kanzler (15.12.1815), Geheimrat (1829), Wirklichen Geheimrat mit dem Prädikat Exzellenz (1843) sind Zeugnis für die Zufriedenheit der Fürsten mit den Leistungen eines Mannes, der Weimar auch als Abgeordneter des Landtags seit 1835 (mehrfach zum Vorstand gewählt) diente. Den Umwälzungen des Jahres 1848 fühlte sich der Kanzler nicht mehr gewachsen und erhielt am 14.7.1848 den erbetenen Abschied.

    Für die Nachwelt liegt M.s Bedeutung vor allem darin, daß es ihm gelang, in jahrelangem Verkehr Goethes Vertrauen, ja Freundschaft zu gewinnen. Eine erste Annäherung kam 1808 zustande, als Goethe sich M.s Erfahrungen im Umgang mit franz. Behörden zunutze machte und ihn zur Mitarbeit bei der Theaterzensur heranzog. Es taucht nun häufiger M.s Name in Goethes Tagebuch auf, und am 23.10.1812 schreibt M. zum erstenmal eine „Unterhaltung mit Goethe“ nieder, der im Laufe der Jahre zahlreiche Gesprächsberichte in seinem Tagebuch mit Ausarbeitungen auf gesonderten Blättern folgen. M. scheint nach Goethes Tod, angeregt auch durch Eckermanns „Gespräche mit Goethe“, beabsichtigt zu haben, diese von ihm mehrfach überarbeiteten „Unterhaltungen“ herauszugeben, doch hat ihn die ablehnende Kritik der Ghzgn. Maria Pawlowna schließlich davon abgehalten. So traten diese bedeutenden Goethezeugnisse, die dem weisen Olympier der Eckermann-Gespräche die „Proteus-Natur“ des vertrauteren Umgangs entgegensetzten, erst 1870 an die Öffentlichkeit. Selbst publiziert hat M. 1832 nur zwei Gedächtnisreden auf Goethe, die schon den Reichtum seiner Goethe-Aufzeichnungen erkennen lassen.

    M. beriet Goethe nach dem Tod des Sohnes bei der Erstellung seines Testaments, das unter dem Datum des 6.1.1831 den Kanzler als Testamentsvollstrecker einsetzt. In dieser Funktion hatte M. jahrelang mühevolle Arbeit und schwierige Verhandlungen mit der Goetheschen Familie und den Verlegern J. F. und J. G. Cotta zu bewältigen. Ernsthafte Verstimmungen zwischen ihm und den Enkeln Walther und Wolfgang v. Goethe hatten zur Folge, daß M.s Edition des Goethe-Reinhard-Briefwechsels scheiterte, und beeinflußten wohl auch die ablehnende Haltung der Familie bei dem von M. befürworteten Ankauf des Goethehauses mit den Sammlungen als Nationaldenkmal durch den Deutschen Bund.

    Hatte Ch. G. Voigt 1806 seinen Kollegen M. als „lebhaften, mutigen und unterrichteten Mann“ geschildert, „unermüdet, treibend, immer von neuem anklopfend, exaltiert, nicht empfindlich, geschmeidig, frischen Entschlusses, edler Dreistigkeit, guter Gesundheit, von angenehmem Äußeren, jugendlich klug und wortreich“, so klang 1813 das Urteil des franz. Gesandten in Weimar de Saint-Aignan weniger schmeichelhaft: „Das ist ein Mensch, der sich in alles mischen will, an keiner Meinung festhält und, indem er die am Ort lebenden Personen mit Besuchen und Gefälligkeiten verfolgt, endlich doch die Überzeugung hat aufkommen lassen, daß er viel Einfluß besitze.“ Sicher ist, daß M.s „Viel- und Schnelltätigkeit“, die Goethe einst rühmte, vielen Fremden und Freunden zugute kam, die das goethesche und nachgoethesche Weimar besuchten und dort der Hilfe und Gastfreundlichkeit des Kanzlers sicher sein konnten. Zu nennen sind u. a. K. F. Gf. Reinhard, H. Ch. v. Gagern, Kg. Ludwig I. von Bayern, J. F. Rochlitz, C. L. Immermann, F. Rückert, H. Ch. Andersen. Gute Beziehungen, besonders auch zu auswärtigen Logenbrüdern (M. war rühriges Mitglied der Loge Amalia seit 1809) nutzte der Kanzler bei seinen erfolgreichen Aufrufen zu Spenden für das Weimarer Herder-Denkmal, dessen Vollendung er allerdings nicht mehr erlebte.

  • Werke

    Goethe in seiner pract. Wirksamkeit, Eine Vorlesung in d. Academie gemeinnütziger Wiss. zu Erfurt am 12. September 1832, 1832;
    Goethe in seiner eth. Eigenthümlichkeit, Zweiter Btr. zu seiner Charakteristik, 1832;
    Goethes Persönlichkeit, Drei Reden d. Kanzlers F. v. M. – gehalten in d. J. 1830 u. 1832, hrsg. u. eingel. v. W. Bode, 1901;
    Rez. v. W. v. Humboldt's ges. Werken, in: Neue Jenaische Allg. Lit.ztg. 2, Nr. 1 u. 2, 1843, S. 1-8;
    Erinnerungen aus d. Kriegszeiten v. 1806-1813, hrsg. v. A. Schöll, 1851 (Neuausg. 1911);
    „Vorrede“ z. Briefwechsel Goethe u. Reinhard, zuerst gedr. in d. Ausgabe d. Briefwechsels, 1957;
    Goethes Unterhaltungen mit d. Kanzler F. v. M., hrsg. v. C. A. H. Burkhardt,|1870, 31904;
    Unterhaltungen mit Goethe, Krit. Ausg. besorgt v. E. Grumach, 1956 (P);
    Unterhaltungen mit Goethe, Kl. Ausg. hrsg. v. E. Grumach mit Anmerkungen v. R. Fischer-Lamberg, 1959, 21982 (P).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Goethe- u. Schiller-Archiv, Weimar.

  • Literatur

    ADB 22;
    NND 27, S. 841-52 (P);
    C. W. v. Fritsch, Zum Gedächtniss an F. v. M., in: Freimaurer-Analecten, H. VIII, 1852, S. 5-11;
    H. v. Egloffstein, in: Ll. aus Franken 2, 1922, S. 312-23;
    ders., Alt-Weimars Abend, 1923;
    U. Crämer, Der pol. Charakter d. weimar. Kanzlers F. v. M. u. d. Glaubwürdigkeit seiner „Erinnerungen“ 1806-1813, Eine quellenkrit. Unters., 1934 (P);
    E. v. Krosigk, Der Kanzler F. v. M., d. Freund Goethes, Juristenleben in e. Zeitenwende, Diss. Erlangen 1952 (ungedr.);
    Pol. Briefwechsel d. Hzg. u. Ghzg. Carl August v. Weimar, bearb. v. H. Tümmler, II, 1958;
    Qu. u. Zeugnisse z. Druckgesch. v. Goethes Werken, T. 3: Die nachgelassenen Werke u. d. Quartausg., bearb. v. E. u. H. Nahler, 1986;
    Kosch, Lit.-Lex. – Eigene Archivstud.

  • Portraits

    Radierung v. G. Schuchardt, n. 1815 (Goethe-Mus., Düsseldorf);
    Gem. v. H. Kolbe, 1822 (?) (Goethe-Nat.mus., Weimar);
    Zeichnung v. J. J. Schmeller, 1824 (ebd.);
    Zeichnung v. Julie v. Egloffstein, undat. (ebd.);
    Zeichnung v. G. v. Reutern, 1824 (Goethe- u. Schiller-Archiv, Weimar);
    Gem. v. F. Remde, 1843 (verschollen), Abb. b. F. Neubert, Goethe u. sein Kreis, 1922.

  • Autor/in

    Renate Grumach
  • Empfohlene Zitierweise

    Grumach, Renate, "Müller, Friedrich von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 375-377 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117580104.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Müller: Friedrich v. M., großherzoglich sächsischer wirklicher Geheimer Rath und Kanzler, ward geboren am 13. April 1779 zu Kunreuth, einem Schlosse der alten fränkischen Adelsfamilie v. Egloffstein, deren ansehnliches Familienfideicommiß unter der Verwaltung seines Vaters stand. Er ward in der Engelhard'schen Anstalt zu Baireuth erzogen und besuchte dann die Universitäten Erlangen und Göttingen. Hier fügte es sich, daß er eine aus dem Weimarischen an die Universität zum Urtheilsspruch eingesandte Proceßsache zur Bearbeitung bekam und durch die Art und Weise, wie er sich dieser Aufgabe erledigte, die persönliche Aufmerksamkeit des Herzogs Karl August auf sich zog. Er ward veranlaßt nach Weimar zu kommen und schon 1801 als Assessor bei der Regierung, dem oberen Justizcollegium, angestellt und im J. 1804 zum Regierungsrath befördert. Seine während dieser Jahre vielfach dargelegte Arbeitskraft, persönliche Gewandtheit und Rechtlichkeit hatten ihm bereits eine ganz besondere Geltung verschasst, als nach der Schlacht von Jena die Schrecken des Krieges über Weimar hereinbrachen. Der Herzog stand damals in preußischen Kriegsdiensten und war mit seinem Truppentheile bis nach Arnstadt gekommen, als ihn die Kunde von jener unglücklichen Schlacht zum Rückmarsch hinter Erfurt|nöthigte. Der Kaiser Napoleon hatte seine sofortige Heimkehr nach Weimar unter Aufhebung seiner bisherigen Stellung zur Bedingung der Fortdauer der Souveränetät gemacht, und es ward demnach versucht den Herzog aufzufinden, um ihn hiervon in Kenntniß zu setzen. Da dies nicht gelang, ward M., der zufällig die Bekanntschaft des berühmten Denon gemacht hatte und von ihm zur Begleitung nach Naumburg eingeladen war, von der Herzogin beauftragt, in das dortige Hauptquartier des Kaisers zu reisen, um eine längere Frist für die Rückkehr des Herzogs zu erbitten. Der ununterbrochene Vormarsch der Armee ließ ihn jedoch den Kaiser erst in Potsdam erreichen, und es gestalteten sich die Umstände jetzt so eigenthümlich, daß M. nicht nur längere Zeit in Berlin verweilen, sondern dem Kaiser auch nach Posen folgen mußte, und zwar jetzt als Geheimer Regierungsrath v. M., da die Verleihung eines höheren Titels und des Adels dem inzwischen in Berlin eingetroffenen Herzog als nothwendig war angerathen worden. In Posen kam dann ein förmlicher Friedensvertrag zu Stande und der Beitritt des Herzogs zum rheinischen Bund. Im Januar 1807 mußte M. nach Warschau reisen, um wiederholte Vorstellungen gegen die übermäßigen Contributionen und Requisitionen zu machen, mit denen Weimar überbürdet worden war, was jedoch ohne Erfolg blieb. Alles dies sowie seine spätere diplomatische Verwendung in Paris vom August bis December 1807, bei dem Erfurter Congreß 1808 und bei den ferneren kriegerischen Ereignissen bis zum October 1813 hat M. in seinen „Erinnerungen aus den Kriegszeiten von 1806—1813“ ausführlich und lebendig dargestellt. Nach Wiederherstellung des Friedens arbeitete er an einer verbesserten Criminalordnung und an der Hebung des Gemeindewesens durch Einführung freisinniger Städteordnungen. Unter seiner wesentlichen Betheiligung ward die Trennung der Rechtspflege von der Verwaltung ausgeführt und er trat dann 1815 als Kanzler an die Spitze der Justiz. Im folgenden Jahre schloß er den Vertrag mit den herzoglich sächsischen und fürstlich reußischen Staaten über die Errichtung eines gemeinschaftlichen Oberappellationsgerichts zu Jena. Im J. 1835 in den Landtag gewählt, war er ununterbrochen ein treufleißiger Mitarbeiter an dessen Geschäften und gehörte seit 1841 wiederholt zu dessen Vorstand. Seine vielfachen Verdienste wurden 1843 durch Ernennung zum wirklichen geheimen Rathe mit dem Prädicate Excellenz und durch Verleihung des Großkreuzes vom Falkenorden anerkannt. Seine durch vielseitige Kenntnisse gehobene persönliche Liebenswürdigkeit, verbunden mit hervorragendem dichterischen Talent und fein durchbildeten künstlerischem Geschmack, stellte ihn nicht nur auf den ersten Platz in allen geselligen Beziehungen, sondern vermittelte auch seine Anerkennung bei allen bedeutenden Repräsentanten der Kunst und Wissenschaft, selbst über die Grenzen Europa's hinaus. Insbesondere war es Goethe, der den thatkräftigen, lebendigen, unermüdlichen Mann seit seinem Eintritt in die weimarischen Verhältnisse mit Gunst, Wohlwollen und stets zunehmendem Vertrauen beglückte, was von diesem mit rührender Hingebung und immer steigender Dankbarkeit erwiedert ward. Die Nachwelt ist davon durch Müller's Aufsätze „über Goethe's ethische Eigenthümlichkeit" und „Goethe's praktische Wirksamkeit“ unterrichtet, sowie durch die „Gespräche mit Goethe“, welche nach Müller's Tode von Burkhardt herausgegeben worden sind. Von M. rührt der schöne, aus reinster Pietät entsprungene Gedanke her, daß Goethe's Haus mit sämmtlichen Sammlungen vom deutschen Bunde angekauft und zu einem Nationaldenkmal geweiht werden möge, — ein Plan, der im J. 1845 vom Bundestage bereits genehmigt worden war, als ihn eine entgegengesetzte Ansicht über Pietät von Seiten der hinterlassenen Enkel Goethe's zerstörte. Weiter ging von ihm der Vorschlag aus, ein Ehrenstandbild Herder's zu errichten und als eifriger Freimaurer wußte er durch Einwirkung auf die verschiedenen deutschen|Logen sowie durch Vermittelung von Sammlungen nach allen Seiten hin manche Schwierigkeiten glücklich zu überwinden; doch sollte er leider die Vollendung des Denkmals nicht mehr erleben. Die Aufregungen des Jahres 1848 brachten ihm, der nach so vielen Seiten hin Zustände und Personen mit treuer Pietät und warmer Begeisterung ehrte und pflegte, viel Schmerzliches und die damit verbundenen, stets sich erneuernden nervösen Spannungen übten auf Körper und Geist des Siebenzigjährigen eine nachtheilige Wirkung aus. Nach seinem Austritte aus dem Staatsdienst, dem er 47 Jahre lang angehört, dachte er wol daran, die über sein Verhältniß zu Goethe gesammelten Papiere zu einer Denkschrift über den großen Mann zu verarbeiten, doch ließen es die immer mehr abnehmenden Kräfte nicht dazu kommen. Am 21. October 1849 entrückte ihn ein sanfter Tod diesem Erdenleben.

  • Autor/in

    C. v. Beaulieu-Marconnay.
  • Empfohlene Zitierweise

    Beaulieu-Marconnay, Carl Freiherr von, "Müller, Friedrich von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 535-537 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117580104.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA