Lebensdaten
1847 bis 1916
Geburtsort
Kassel
Sterbeort
Dresden
Beruf/Funktion
Chemiker ; Professor der Chemie an der TH Dresden ; Chemiehistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 117556416 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyer, E. v.
  • Meyer, E. von
  • Meyer, Ernst Sigismund Christian von
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Zitierweise

Meyer, Ernst von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd117556416.html [28.02.2017].

CC0

Meyer, Ernst von

Chemiker, Chemiehistoriker, * 25.8.1847 Kassel, 11.4.1916 Dresden. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Friedrich Siegmund (1807–88), kurhess. Staatsmin. 1856–59, Gesandter in Paris 1864–66, Mai 1866 Bundestagsgesandter in Frankfurt/M., S d. Friedrich Siegmund (1775–1829), kurhess. Präs. u. Vorsteher d. Finanzmin. (s. NND VII, 1829, S. 850-54), u. d. Charlotte v. Schmerfeld (1776–1855); M Charlotte (1809–82), T d. Prokurators Franz Adolph Benjamin Schlarbaum in Marburg u. d. Wilhelmine Wippermann; Ur-Gvv Wilhelm (Reichsadel 1779, 1731-1806), hessen-kassel. Staatsmin.; - Leipzig 1876 Johanna (1857–1942), T d. Hermann Kolbe (1818–84), Chemiker (s. NDB XII), u. d. Charlotte v. Bardeleben (1832–76); 3 S (1 früh †), 2 T, u. a. Charlotte (1879–1964, Hermann Schmitt, 1874–1932, Dr. iur., Dr.-Ing. E. h., Ministerialdir., Prof. an d. TH Dresden, s. Rhdb.).

  • Leben

    M. besuchte das Gymnasium Fridericianum in Kassel, bestand 1866 das Abitur mit Auszeichnung und besuchte anschließend für einige Monate Paris. Im Wintersemester 1866/67 nahm er das Chemiestudium in Leipzig bei Hermann Kolbe auf, dessen Frau seine Kusine war. 1868 ging M. nach Heidelberg, um bei Bunsen die Methoden der quantitativen anorganischen Analyse zu studieren. Nach Ableistung seiner Militärdienstzeit kehrte er im Herbst 1869 nach Leipzig zurück. Das Studium wurde durch die Teilnahme am Krieg 1870/71 unterbrochen, aus dem M. im März 1871 heimkehrte. 1872 promovierte er mit einer Untersuchung der in Steinkohle eingeschlossenen Gase. Kolbe übertrug ihm nun die Aufsicht über das Anfängerpraktikum, nach seiner Habilitation 1874 (über die unvollkommene Verbrennung von Gemischen brennbarer Gase) auch weitere Aufgaben. 1878 wurde M. Extraordinarius, nach dem Tod Kolbes 1884 betreute er den Lehrstuhl interimistisch bis zur Übernahme durch Johannes Wislicenus zum Wintersemester 1885. Da Wislicenus ein Vertreter der von Kolbe heftig bekämpften Schule der Strukturchemie war, fühlte sich M. bald am Institut nicht mehr heimisch und gründete 1887 zusammen mit einem anderen ehemaligen Assistenten Kolbes, Anton Weddige, ein privates Unterrichtslabor, das zunächst Platz für sieben Schüler bot, aber zwei Jahre später schon 29 Praktikanten hatte. 1883 erhielt M. einen Ruf als Nachfolger Rudolf Schmitts auf den Lehrstuhl für Chemie der TH Dresden.

    M.s chemische Arbeiten beschäftigen sich mit Problemen der Gasanalyse, der Explosivstoffe und mit der Chemie der organischen Cyanverbindungen; Stichworte sind hier die „Dinitrile“ (Iminonitrile) und die von M. so genannten „Kyanalkine“ (stickstoffhaltige Heterocyclen). Wichtiger sind M.s Leistungen als Chemiehistoriker und als Herausgeber des „Journals für praktische Chemie“. Das 1834 von Otto Linné Erdmann gegründete Journal wurde seit 1870 von Kolbe redigiert. 1879 erschien M. als Mitherausgeber, nach Kolbes Tod gab er es alleine heraus. Es gelang ihm, das wegen Kolbes starrer Haltung von vielen qualifizierten Autoren skeptisch beurteilte Fachblatt zu neuem Ansehen zu führen. M.s Hauptwerk, die „Geschichte der Chemie von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart, zugleich Einführung in das Studium der Chemie“, erschien in vier Auflagen und erlebte Übersetzungen ins Englische, Italienische und Russische. Daneben stammen von M. eine Anzahl biographischer Artikel, eine Darstellung des Verlaufes des historisch bedeutsamen Chemikerkongresses von 1860 in Karlsruhe und zwei Beiträge für Hinnebergs „Kultur der Gegenwart“ zur „Entwicklung der Chemie von Robert Boyle bis Lavoisier, 1660-1793“ und zur „Entwicklung der Chemie im 19. Jh. durch Begründung und Ausbau der Atomtheorie“.|

  • Auszeichnungen

    Geh. Hofrat; Mitgl. d. Akademien in Leipzig, Stockholm u. Turin; korr. Mitgl. d. Physikal.-med. Sozietät in Erlangen; Rektor d. TH Dresden (1898–1900, 1912/13).

  • Werke

    Weitere W Die Explosivkörper u. d. Feuerwerkerei, 1874; Ausführl. Lehrb. d. Organ. Chemie v. H. Kolbe III, Abt. I, bearb. v. E. v. M. u. A. Weddige, 1878; Neubearb. d. Kolbeschen Lehrb., 2 Bde., 1880-84; Die Gesch. d. Chemie v. d. ältesten Zeiten bis z. Gegenwart, 1889, 41914 (engl. 1891, 31907; russ. 1899); Zur Erinnerung an Hermann Kolbe, in: Journal f. prakt. Chemie 30, 1884, S. 417-67; Die Karlsruher Chemikerverslg., ebd. 83, 1911, S. 182-89; Lebenserinnerungen, ca. 1915.

  • Literatur

    H. Wichelhaus, in: Berr. d. dt. Chem. Ges. 49, 1910, S. 1249-51; E. Mohr, in: Journal f. prakt. Chemie NF 95, 1917, S. 1-36 (P); W. Hempel, in: Zs. f. Angew. Chemie 29, 1916, S. 189 (P); F. Henrich, in: Mitt. z. Gesch. d. Med. u. d. Naturwiss. 15, 1916, S. 277-81 (P); R. Zaunick, in: Gesch.bll. f. Technik u. Industrie 5, 1918, S. 244-46; A. Hantzsch, in: Berr. d. Verhh. d. Sächs. Ges. f. Wiss., math.-physikal. Kl. 68, 1916, S. 245-51; A. Heiduschka, Die Chem. Abt., in: 1828-1928, FS z. Jh.feier, o. J. (1928), S. 110-12 (P); Pogg. III-V, VII a Suppl.

  • Portraits

    Gem., Abb. in: GHdA Adelige Häuser B 17, 1986, S. 252.

  • Autor

    Claus Priesner
  • Empfohlene Zitierweise

    Priesner, Claus, "Meyer, Ernst von" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 332 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117556416.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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