Lebensdaten
1850 bis 1893
Geburtsort
Bülach, Kanton Zürich
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Chemiker ; Industrieller ; Mitbegründer der Sandoz-Werke
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 117511706 | OGND | VIAF: 67245037
Namensvarianten
  • Kern, Alfred
  • Kern, A.
  • Cern, Alfred
  • mehr

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Zitierweise

Kern, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117511706.html [11.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V David (1817–71), Bez.schreiber u. Gemeindepräs. in B., S d. Bez.schreibers Heinrich (1791–1854) u. d. Maria Nägeli;
    M Elisabeth Meierhofer (1820–95) aus Weiach;
    1874 Emma (1851–1931), T d. Kaufm. Anselm aus Offenbach;
    3 S, u. a. Richard (1882–1948). Chemiker, Mitgl. d. Verwaltungsrats d. Sandoz AG;
    E Richard (* 1921), Chemiker, Dir. d. Sandoz AG.

  • Leben

    K. erhielt seine Ausbildung als Chemiker 1868-72 am Eidgenössischen Polytechnikum (heute ETH) in Zürich bei J. Wislicenus und P. Bolley. Von Wislicenus wärmstens empfohlen, fand er seine erste Anstellung im Juni 1872 in Offenbach/Main, wo mehrere Mitglieder der Familie Oehler aus Aarau eine Anilinfabrik betrieben. Aus der Zeit der Offenbacher Tätigkeit ist wegen Archivverlusten wenig überliefert. In der Frankfurter Chemischen Gesellschaft hielt K. damals Vorträge über die Herstellung von Farbstoffzwischenprodukten und über Monomethylanilin. Im Sommer 1874 promovierte er in Gießen.

    1878 wandte K. sich nach Basel, wo die beiden Winterthurer Robert Bindschedler (1844–1901) und Albert Busch (1836–84) 1873 die erste Basler Farbenfabrik von Alexander Clavel-Linder erworben hatten, aus welcher später die „Ciba“ hervorgehen sollte. Am 1.1.1879 übernahm K. bei Bindschedler & Busch die Leitung der Triphenylmethan-Farbstoff-Abteilung. Zu Beginn der 1880er Jahre gelangen ihm mehrere wichtige Entdeckungen, die seinen Namen bekannt machten. Mit Hilfe von Phosgen (Chlorkohlenoxyd), einem hochgiftigen, unter damaligen Laborverhältnissen gefährlichen Gas, synthetisierte er verschiedene neue Farbstoffe und fand dafür praktikable Fabrikationsmethoden. Am meisten bewundert wurde sein goldglänzendes „großkristallisiertes Violett“. Zur Verwertung dieser und anderer Erfindungen tat sich die Firma Bindschedler & Busch mit der BASF in Ludwigshafen zusammen: hierdurch ergab sich eine vortreffliche Zusammenarbeit zwischen K. und Heinrich Caro, welche auch zu einem besseren Patentschutz von K.s Verfahren führte. Neben dem Kristallviolett brachte bald auch das 1883 von beiden entdeckte Auramin große Erfolge (DRP 37730, 1886). In Zusammenarbeit mit Caro gelangte K. auf Grund des Hydrolverfahrens zu neuen blauen und gelben Farbstoffen, die jahrzehntelang zum Färben von tannierter Baumwolle, Papier, Leder, Halbseide, Jute und Kokosfaser verwendet wurden.

    Nachdem im Sommer 1884 Busch, zu dem K. ein weit besseres Verhältnis hatte als zu Bindschedler, die Firma verlassen hatte, schied zum 31.12. des gleichen Jahres auch K. aus und mußte seine wertvollsten Erfindungen (Ketonfarbstoffe) der Ausnützung durch andere überlassen. Wenige Monate später kam er in Fühlung mit dem um 3 Jahre jüngeren Edouard Sandoz, einem hervorragenden Kaufmann, der bei Durand & Huguenin gearbeitet hatte, und gründete mit ihm zusammen in Basel die Farbenfabrik Kern & Sandoz. Als Startkapital zahlte K. 100 000 und Sandoz 200 000 Franken ein. Im Juli 1886 begann die Produktion. Die erste Anlage war sehr klein. Der rastlose Forscher K. fand immer wieder neue und einfachere Verfahren für die Herstellung von|Farbstoffen – darunter wieder Auramin –, und schon bald gelang ihm die Fabrikation eines neuen Farbstoffes „Pflaumenblau“, der sogleich ein großer Erfolg wurde. So kam es, daß die Firma Kern & Sandoz schon in den ersten Jahren ihres Bestehens einen starken Aufschwung nahm und 1892 bereits 23 Farbstoffe produzierte.

    K. erlag frühzeitig einem Herzleiden. Sein Partner betrieb die Firma unter dem Namen Sandoz & Cie weiter, wandelte sie 1895 in eine AG um und verstand es, vorzügliche Kräfte heranzuziehen, die das Unternehmen glücklich weiterentwickelten. Die Sandoz AG wurde zu einem Weltkonzern der chemischen und besonders pharmazeutischen Industrie mit (1975) 35 000 Beschäftigten.

  • Literatur

    Festschr. z. 75j. Bestehen d. Sandoz AG, 1961;
    R. Wizinger-Aust, A. K. 1850-1893, 1970 (P).

  • Autor/in

    Hans Rudolf Schmid
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmid, Hans Rudolf, "Kern, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 517-518 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117511706.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA