Lebensdaten
1875 bis 1947
Geburtsort
Günzburg
Sterbeort
bei Regensburg
Beruf/Funktion
Reichsschatzmeister der NSDAP
Konfession
-
Normdaten
GND: 117366587 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schwarz, Franz Xaver
  • Schwarz, Franz
  • Schwarz, Franz Xaver

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Zitierweise

Schwarz, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117366587.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef, Bäckermeister in G.;
    M Anna N. N.;
    7 Geschw; – wohl ledig.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volks- und der Berufsfortbildungsschule wurde S. 1892 beim Amtsgericht seiner Heimatstadt als Volontär angestellt. Während seiner Militärzeit (1895–99) wurde er zum Verwaltungsdienst beim Münchner Stadtkommandanten abgeordnet. Im Sept. 1899 wechselte er zur Stadtverwaltung München, 1904–14 arbeitete er als Assistent der Bezirksinspektion München und brachte es bis zum Verwaltungsoberinspektor. Im Sept. 1914 zum Landsturmbataillon Weilheim einberufen und bald zum Feldwebel-Leutnant befördert, im April 1915 zum Landwehr-Infanterie-Rgt. 3 abgeordnet, nahm S. Anfang 1916 aus gesundheitlichen Gründen seinen Abschied aus der Feldtruppe und wurde zur Kommandantur des Ersatzbataillons Freising versetzt. Nach seiner Entlassung Ende 1918 kehrte er in die Dienste der Münchner Stadtverwaltung zurück und engagierte sich verstärkt für die „völkische“ Rechte. Er gehörte zu den Gründern des „Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes“ in München, wurde in der dortigen Einwohnerwehr tätig und trat im Frühjahr 1922 der NSDAP bei. 1923 wirkte S. führend an der Vereinigung der bayer. paramilitärischen Verbände zum „Deutschen Kampfbund“ mit und beteiligte sich am Putschversuch Hitlers vom 8./9. Nov. 1923. Von der Stadtverwaltung München in den Ruhestand versetzt, engagierte er sich in der „Großdeutschen Volksgemeinschaft“ (GVG), einer Tarnorganisation der NSDAP, als Kassierer der Sektion Schwabing, seit Aug. 1924 als Erster Kassierer der GVG. Bei der Neugründung der NSDAP im Febr. 1925 wurde S. zu deren Schatzmeister bestellt. Diesen rasanten Aufstieg in der NSDAP verdankte er seinen administrativen Fähigkeiten und seinem engen Vertrauensverhältnis zu Hitler. Seither bemühte sich S., der Partei ein solides finanzielles Fundament zu geben, u. a. durch eine partielle Zentralisierung der innerparteilichen Kassenverwaltung. Auf Hitlers Anordnung vom 16.9.1931 avancierte S., der seit Okt. 1929 im Münchner Stadtrat saß, zum Generalbevollmächtigten der NSDAP in allen vermögensrechtlichen Angelegenheiten (SA- u. SS-Gruppenführer 1931 bzw. 1932). Angesichts der steigenden Mitgliederzahlen begann er mit dem Aufbau einer eigenen Dienststelle in der Reichsgeschäftsstelle in München. Mit wenigen Mitarbeitern, darunter Reichsgeschäftsführer Philipp Bouhler (1899–1945), verwaltete er die Mitgliederkartei der NSDAP, erwarb neue Immobilien und baute einen umfänglichen innerparteilichen Revisionsapparat sowie die „Hilfskasse“ für Partei- und SA-Angehörige im Todes- und Invaliditätsfall auf. 1932 reorganisierte er die Finanzverwaltung und übertrug den Ortsgruppenleitern die Befugnis zur autonomen Regelung des Finanzwesens innerhalb ihres Dienstbereichs. Das alleinige Recht zur Prüfung der Ortsgruppenkassen verblieb jedoch bei S., der 1933 zum Reichsleiter der NSDAP aufstieg. Somit bildete das Reichsschatzmeisteramt, das sich in fünf, seit 1943 in zehn Hauptämter gliederte, neben der Dienststelle des Stellvertreters des Führers Rudolf Heß die zweite Säule der Parteiführung. Über den Reichsschatzmeister liefen alle staatlichen Zuschüsse, die der Partei, ihren Gliederungen und angeschlossenen Verbänden gewährt wurden. Er finanzierte Wahlkämpfe und Parteiveranstaltungen, die hauptamtlichen Funktionäre und Dienststellen der Partei, verwaltete die parteieigenen Liegenschaften und führte die Baumaßnahmen durch. Den Kern bildete die Mitgliederverwaltung; 1945 umfaßte die Zentralmitgliederkartei der NSDAP neun Mio. Personen. Darüber hinaus war S. oberste Instanz der Strafverfolgung bei Unterschlagungen und Zweckentfremdungen von Parteivermögen durch Parteimitglieder (1934–41 insgesamt 10 887 Strafverfahren). Einerseits wollte er die innerparteiliche Korruption bekämpfen, andererseits profitierte er, indem er in Zusammenarbeit mit der Dienststelle des Stellvertreters des Führers Hunderte von jüd. Grundstücken zu Vorzugskonditionen für die NSDAP erwarb, von den „Arisierungen“ und spielte bei der nachträglichen Legalisierung der umfangreichen Konfiskationen, die einzelne NS-Organisationen vornahmen, eine führende Rolle. In den letzten Wochen des Krieges übernahm er das Kommando eines Volkssturm-Bataillons in Grünwald bei München, wurde von den Amerikanern gefangengenommen und in Bad Mondorf und einem Internierungslager bei Regensburg inhaftiert, wo er starb. Eine Münchner Spruchkammer stufte S. im Sept. 1948 postum als „Hauptschuldigen“ ein und verurteilte ihn zu Vermögensentzug.

  • Auszeichnungen

    Danziger Kreuz I. Kl.; Goldenes Parteiabzeichen d. NSDAP; Ehrendegen d. Reichsführers-SS.

  • Werke

    Reichsverw.ordnung d. NSDAP, Reichskassenordnung, 1. Jan. 1938, hg. v. Reichsschatzmeister d. NSDAP F. X. S., 1938;
    Die Verw. d. NSDAP, Von Dr. Anton Lingg, Oberbefehlsleiter d. NSDAP im Stab d. Reichsschatzmeisters, Mit e. Geleitwort v. Reichsschatzmeister S., 41941.

  • Literatur

    U. Lükemann, Der Reichsschatzmeister d. NSDAP, Diss. Berlin 1963;
    A. Tyrell, Führer befiehl . . . , Selbstzeugnisse aus d. „Kampfzeit“ d. NSDAP, 1969;
    D. Degreif, F. X. S., Das Reichsschatzmeisteramt d. NSDAP u. dessen Überlfg. im BA, in: FS f. Hans Booms, hg. v. F. P. Kahlenberg, 1989, S. 489–503;
    S. Laube, Hilfskasse statt Vers., Die NSDAP u. d. „Wagnis Machtergreifung“ (1926–1933), in: ZUG 44, 1999, S. 196–217;
    B. Heusterberg, Personenbezogene Unterlagen aus d. Zeit d. NS, Das BA Berlin u. seine Bestände, insbes. d. ehem. amerik. Berlin Document Centers (BDC), in: Herold-Jb., NF, 2000, S. 149–86;
    F. Bajohr, Parvenüs u. Profiteure, Korruption in d. NS-Zeit, 2001;
    J. E. Schulte, Zwangsarbeit u. Vernichtung, Das Wirtsch.imperium d. SS, Oswald Pohl u. d. SS-Wirtsch.-Verw.hauptamt 1933–1945, 2001;
    C. W. Reibel, Das Fundament d. Diktatur, Die NSDAP-Ortsgruppen 1932–1945, 2002;
    M. Rösch, Die Münchner NSDAP 1925–1933, 2002;
    Das Dt. Führerlex., 1934 (P);
    Biogr. Lex. Drittes Reich;
    Lilla, MdR.

  • Autor/in

    Armin Nolzen
  • Empfohlene Zitierweise

    Nolzen, Armin, "Schwarz, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 3-5 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117366587.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA