Lebensdaten
1822 bis 1897
Geburtsort
Schönfließ, Neumark
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Kartograph ; Topograph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11699536X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liebenow, Johannes Wilhelm
  • Liebenow, Wilhelm
  • Liebenow, Johannes Wilhelm
  • mehr

Quellen(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Liebenow, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11699536X.html [25.03.2019].

CC0

  • Leben

    Liebenow: Johannes Wilhelm L., Topograph und Kartograph, wurde am 29. October 1822 in Schönfließ im Regierungsbezirke Frankfurt a. O. als Sohn eines Hofbesitzers geboren. Nach dem frühen Tode des Vaters wollte sich der gut begabte Knabe für den Predigerberuf vorbereiten, mußte aber bald aus Mangel an Geldmitteln diese Absicht aufgeben. Er besuchte deshalb nur die Volksschule seines Heimathsortes und wurde dann 1836 zu einem Kaufmann in dem Landstädtchen Königsberg in der Neumark in die Lehre gegeben. Nach Beendigung der Lehrzeit war er zwei Jahre lang in der Nachbarstadt Bärwalde als Handlungsgehülfe thätig. Da ihn aber dieser Beruf auf die Dauer nicht befriedigte, trat er 1841 in Berlin als Freiwilliger in die Armee und wurde unter die Feuerwerker aufgenommen. Daneben war er eifrig um seine Fortbildung bemüht, las eine große Zahl wissenschaftlicher Werke und hörte an der Universität Vorlesungen, namentlich bei dem Geographen Karl Ritter, für dessen Atlas von Asien er eine Karte von Galiläa zeichnete, ferner bei dem Physiker Heinrich Wilhelm Dove und dem Chemiker Eilhard Mitscherlich. 1847 wurde er wegen seiner Geschicklichkeit im Zeichnen und Entwerfen der topographischen Abtheilung des Großen Generalstabes zur Dienstleistung überwiesen. Hier nahm sich der damalige Dirigent dieser Abtheilung, der Major Gustav Eduard v. Hindersin, in wohlwollendster Weise seiner an. Auch der Major im Generalstab, Albrecht v. Roon, der spätere Feldmarschall und Kriegsminister, erwies ihm mannichfache Förderung. Nachdem sich L. mit der Technik der Landesaufnahme völlig vertraut gemacht hatte, wurde er häufig zu Vermessungsarbeiten abcommandirt. Als gegen Ende der vierziger Jahre der Plan auftauchte, Trier in eine Festung ersten Ranges zu verwandeln, wurde er ein volles Jahr hindurch mit Recognoscirungen im Mosellande beschäftigt. Dabei erwachte in ihm das Interesse an der Alterthumskunde und gab ihm Veranlassung, eine Karte der Gegend von Trier mit Angabe aller damals bekannten Reste aus der Römerzeit zu veröffentlichen. Im Herbst 1850 wurde er gelegentlich einer Mobilmachung dem Stabe des Prinzen von Preußen als Ingenieurgeograph beigegeben. Bald darauf unternahm er in Begleitung seines Lehrers Mitscherlich eine Reise durch die Eifel und fertigte bei dieser Gelegenheit eine große Anzahl von Skizzen, Karten und Reliefmodellen der erloschenen Vulkane jener Gegend an, die Mitscherlich später in seinem Werke „Ueber die vulkanischen Erscheinungen in der Eifel und über die Metamorphose der Gesteine durch erhöhte Temperatur“ (Berlin 1865) benutzte. Nach Berlin zurückgekehrt, hatte L. das Glück, mit Alexander v. Humboldt näher bekannt zu werden, der ihm bis an sein Lebensende ein gütiger Gönner blieb. Auf dessen Rath widmete er eine von ihm entworfene Karte der Hohenzollernschen|Lande in 1:100 000, die später auch im Druck erschien (Berlin 1854), dem König Friedrich Wilhelm IV. und erhielt dafür 1852 die große goldene Medaille für Wissenschaft. 1854 wurde er als technischer Beamter bei der Eisenbahnabtheilung des Ministeriums für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten angestellt. Als solcher hatte er 40 Jahre hindurch wesentlichen Antheil an der Bearbeitung der amtlichen Eisenbahnkarten und der alljährlich erscheinenden Statistischen Nachrichten von den preußischen Eisenbahnen. Neben seinen dienstlichen Verpflichtungen übernahm er noch zahlreiche Privatarbeiten, namentlich für die Berliner Kartenverleger Schropp, Nicolai und Dietrich Reimer. Von seinen Kartenwerken aus jener Zeit, die zum Theil mehrere Auflagen erlebten, sind besonders hervorzuheben: Atlas der neueren Erdbeschreibung für Schule und Haus in 30 Karten (1865), Uebersichtskarte von Centraleuropa, 6 Bl. in 1:1 250 000 (1860), Generalkarte von der Provinz Schlesien, 2 Bl. in 1:400 000 (1861), Specialkarte vom Riesengebirge in 1:50 000 (1862), Specialkarte des nordwestlichen Deutschland in 6 Bl. (1864), Specialkarte der Grafschaft Glatz (1865), Karte von Südböhmen und Mähren (1866), Karte von Neu-Deutschland (1866), Specialkarte von Schleswig-Holstein und Lauenburg (1867), Neue Specialkarte von den Provinzen Rheinland und Westfalen in 35 Bl. (1867), Karte vom Preußischen Staate in 12 Bl. (1867), Situationsplan von Berlin und Umgegend, 9 Bl. in 1:6250 (1867), Specialkarte von Westdeutschland, 10 Bl. in 1:300 000 (1868), Karte von Deutschland zur Uebersicht der Eisenbahnen, Gewässer und hauptsächlichsten Straßen (1869), Karte des Fürstenthums Birkenfeld (1869), sowie zahlreiche Karten preußischer Regierungsbezirke und Kreise. Gegen Ende der sechziger Jahre war er sehr ausgiebig bei der preußischen Landesaufnahme beschäftigt. Etwa 350 Meßtischblätter aus Mitteldeutschland rühren im wesentlichen von ihm her. Als Frucht dieser Vermessungen sind auch seine beiden topographischen Karten der Fürstenthümer Lippe-Detmold und Lippe-Schaumburg anzusehen (1870). Auch das Hauptwerk seines Lebens, die erst 1884 vollendete Specialkarte von Mitteleuropa in 164 Bl. in 1:300 000, wurde um diese Zeit und zwar auf Anregung Moltke's begonnen. Die westlichen Sectionen dieser Karte, welche die Länder vom Rhein bis Paris umfaßten, mußten wegen des drohenden Krieges gegen Frankreich mit äußerster Beschleunigung hergestellt werden. Sie erschienen noch rechtzeitig vor der Kriegserklärung und haben den deutschen Truppen, denen sie in 50 000 Abzügen überwiesen wurden, namentlich während des Marsches wesentliche Dienste geleistet. L. selbst war während des Krieges Mitglied der zum Großen Hauptquartier gehörenden Eisenbahn-Executivcommission und erwarb sich durch seine unermüdliche Thätigkeit das Eiserne Kreuz und den bairischen Militärverdienstorden. Während der Friedensverhandlungen zu Versailles und zu Brüssel wurde er bei der Feststellung der neuen deutsch-französischen Grenze von Bismarck als kartographischer Sachverständiger herangezogen. Die endgültige Grenze wurde in zwei Exemplare seiner Specialkarte von Mitteleuropa eingetragen, und diese verleibte man dann den amtlichen Vertragsprotocollen vom 26. Februar 1871 ein.

    Nach dem Friedensschlusse wurde L. zum Geheimen Rechnungsrath und Director des kartographischen Bureaus des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten in Berlin, später auch noch zum Vorstand der Plankammer für die Bauabtheilung ernannt. Auch in dieser Stellung fand er Zeit, eine große Zahl von Kartenwerken zu veröffentlichen, die meist mehrere Auflagen erlebten: Karte des Reichslandes Elsaß-Lothringen in 4 Bl. (1872), Eisenbahn- und Reisekarte von Mitteleuropa (1874), Karte von Deutschland zur Uebersicht der Eisenbahnen in 4 Bl. (1875), Specialkarte von Schleswig-Holstein, Lauenburg,|Hamburg, Lübeck und den angrenzenden Landestheilen (1875), Karte der europäischen Türkei in 2 Bl. (1876), Signaturen zum Planzeichnen nach den für die Aufnahmen des königl. preußischen Generalstabes geltenden Bestimmungen (1876), Specialkarte der schlesischen Sudeten (1879), Specialkarten der einzelnen preußischen Provinzen und der meisten übrigen deutschen Staaten in 1:300 000 (1879 ff.), Eisenbahn- und Reisekarte vom Deutschen Reiche (1880), Karte von Centraleuropa zur Uebersicht der Eisenbahnen, Gewässer und hauptsächlichsten Straßen (1880), Karte von Afrika mit besonderer Berücksichtigung der deutschen Colonieen (1886), Karte der Insel Rügen (1889).

    Am 1. October 1891 beging L. unter allgemeiner Antheilnahme sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. Im folgenden Jahre erhielt er den Professortitel. 1894 trat er in den wohlverdienten Ruhestand und wurde zum Geheimen Regierungsrath ernannt. Auch jetzt noch arbeitete er rüstig weiter, revidirte unausgesetzt seine Kartenwerke und gab verschiedene Neuauflagen heraus. Am 21. Juli 1897 endete ein sanfter Tod am Herzschlag zu Schöneberg bei Berlin sein langes, arbeitsreiches Leben. Eine verbesserte Bearbeitung seiner großen Specialkarte von Mitteleuropa begann zugleich mit einer Ausgabe für Radfahrer 1899 bei Ludwig Ravenstein in Frankfurt a. M. zu erscheinen.

    • Literatur

      Deutscher Geographen-Almanach I (1884), S. 373—374. — Globus LXXII (1897), S. 116. —
      Geographisches Jahrbuch XX (1897), S. 474. —
      Der Bär XXIII (1897), S. 487 (mit Bildniß). —
      Brandenburgia VI (1898), S. 271—274 (mit Bildniß). — Biographisches Jahrbuch II (1898), S. 295.

  • Autor/in

    Viktor Hantzsch.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hantzsch, Viktor, "Liebenow, Wilhelm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 51 (1906), S. 705-707 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11699536X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA