Lebensdaten
1865 bis 1936
Geburtsort
Magdeburg
Sterbeort
Gießen
Beruf/Funktion
Indogermanist
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 11691534X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hirt, Herman
  • Hirt, Hermann
  • Hirt, Herman

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Zitierweise

Hirt, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11691534X.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Heinr. Hermann (1832–91), Zimmermeister, S d. Maurermeisters Andreas u. d. Maria Laue;
    M Bertha (* 1832), T d. Landwirts Carl Bollmann in Halberstadt u. d. Dorothea Bremer;
    Magdeburg 1894 Margarethe (* 1871), T d. Versicherungsdir. Ernst Große (1831–1911) u. d. Clara Auguste Louise Gößling;
    1 S (⚔), 1 T.

  • Leben

    In Magdeburg besucht H. das Gymnasium „Zum Kloster unserer Lieben Frauen“; in Leipzig und Freiburg im Breisgau hört er bei den „Junggrammatikern“ Karl Brugmann, August Leskien sowie bei Friedrich Zarncke und Eduard Sievers indogermanische Sprachwissenschaft. Forschungsreisen führen ihn durch Litauen und den slawischen Balkan. Die Promotion findet 1889, die Habilitation 1891 statt. In Leipzig wird er 1896 Extraordinarius, in Gießen, wo er bis zu seinem Tode bleibt, 1912 ordentlicher Professor des Sanskrit und der vergleichenden Sprachwissenschaft.

    H., dessen äußeres Leben ohne große Ereignisse verläuft, ist ein origineller Denker mit divinatorischer Kraft und Mut zu Hypothesen, der viele und oft kühne Ideen zur Indogermanistik beigesteuert hat und von dem daher starke Anregungen ausgegangen sind. – Anders als Brugmann fragt H. nicht nur nach dem Bau der (erschlossenen) indogermanischen Grundsprache unmittelbar vor dem Beginn der Ausgliederung von Einzelsprachen und -sprachzweigen in der 2. Hälfte des 3. Jahrtausends vor Christus, und erst recht nicht – wie überwiegend die heutige Generation – nach den Problemen der späteren Einzelsprachen, sondern er versucht – ähnlich wie vor ihm F. Bopp und A. Schleicher –, noch die Entstehung der Grundsprache selbst zu erkennen, das heißt mehrere ältere Vorstufen des Indogermanischen zu rekonstruieren, in denen sich allmählich der nicht-flektierende Bau des „Prae-Indogermanischen“ zu einem flexivischen verändert habe („glottogonische Fragestellung“). Dabei seien zunächst die Kasusendungen des Nomens, später dann die Personalendungen des Verbs entstanden. Auch die Genusunterscheidung sei jung. Schon die Untersuchung der Phänomene von Ablaut und Akzent hatte H. erlaubt, in deren Entwicklung mehrere Stadien zu erkennen. – Die „Urheimat“ der Indogermanen sucht er in der norddeutsch-russischen Tiefebene von der Weser (oder sogar vom Rhein) an mit Einschluß Südskandinaviens bis zum Ural. Sie decke sich also in ihrem westlichen Teil mit dem Ausgangsgebiet der Germanen. Die großen Verschiedenheiten innerhalb der indogermanischen Sprachgemeinschaft sind nach H. wesentlich durch Sprachübertragung auf Menschen mit anderer Sprache („Substrattheorie“) und durch Sprachmischung entstanden (so zum Beispiel auch die beiden Lautverschiebungen im Germanischen und Deutschen).

  • Werke

    u. a. Vom schleifenden u. gestoßenen Ton in d. idg. Sprachen, 1891 (Habil.schr.);
    Der idg. Akzent, 1895;
    Der idg. Ablaut, vornehml. in s. Verhältnis z. Betonung, 1900;
    Hdb. d. griech. Laut- u. Formenlehre, 1902, 21912;
    Die Indogermanen, Ihre Verbreitung, ihre Urheimat u. ihre Kultur, 1905-07;
    Etymol. d. neuhochdt. Sprache, 1909, 21921;
    Gesch. d. dt. Sprache, 1919, 21925;
    Idg.|Grammatik, 7 Bde., 1921-36;
    Hdb. d. Urgermanischen, 3 Bde., 1931-34;
    Die Hauptprobleme d. idg. Sprachwiss., hrsg. u. bearb. v. H. Arntz, 1939. -
    Verz.: H. Arntz, H. H.s Schrr., in: Germanen u. Indogermanen, Volkstum, Sprache, Heimat, Kultur, Festschr. f. H. H., II, 1936, S. 591-602 (P).

  • Literatur

    A. Walter, in: German.-Roman. Mschr. 13, 1925;
    H. Arntz, in: Bursian Jberr. 262, 1938;
    C. Karstien, in: FF 12, 1936.

  • Portraits

    Phot. a. d. J. 1893, 1911 (?) u. 1916 (Univ. Gießen, Seminar f. vgl. Sprachwiss.).

  • Autor/in

    Günter Neumann
  • Empfohlene Zitierweise

    Neumann, Günter, "Hirt, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 235 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11691534X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA