• Genealogie

    V Nathan, Kaufm.

  • Leben

    H. besuchte 1879-88 das Gymnasium zum Grauen Kloster in Berlin und studierte zuerst Medizin, dann Sozialwissenschaften und Nationalökonomie an der Universität Berlin, wo er sich in den 90er Jahren an der Arbeit studentischer Reformgruppen beteiligte und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei wurde. Er war zunächst als Journalist tätig und gab mit Curt Baake eine Parlamentskorrespondenz heraus. H. begann seine Laufbahn in der Kommunalpolitik. 1900-21 amtierte er als Stadtverordneter in Charlottenburg und Berlin. 1908 kam er mit den ersten Sozialdemokraten ins preußische Abgeordnetenhaus. Als ihr Fraktionschef bemühte er sich im 1. Weltkrieg, die innerhalb der Sozialdemokratie in der Frage der Kriegskredite und der Kriegspolitik hervorgetretenen Gegensätze auszugleichen, um eine Spaltung der Partei zu verhindern. Als dies mißlang, schloß er sich im Dezember 1916 den Mehrheitssozialisten an. Am 12.11.1918 übernahmen H. und Heinrich Ströbel (USPD) im Auftrag des Vollzugsrates des Arbeiter- und Soldatenrats die Leitung des preußischen Staatsministeriums. Bis März 1919 war H. gleichzeitig preußischer Innenminister und enthob am 4.1.1919 den Berliner Polizeipräsidenten Eichhorn, der dem linken Flügel der USPD angehörte und zu den Spartakisten neigte, seines Amtes. H. war Mitglied der preußischen Landesversammlung, die am 13.3.1919 zusammentrat und ihn als Ministerpräsidenten bestätigte. Er setzte sich in den Diskussionen über eine Neugliederung des Reiches entschieden für den ungeteilten Fortbestand Preußens ein. In den Auseinandersetzungen über den Versailler Vertrag sprach er sich gegen eine Unterzeichnung aus. Nach dem Kapp-Putsch trat er am 24.3.1920 mit seiner Regierung zurück. Die Parteimehrheit hatte ihm mangelnde Energie und Wachsamkeit während der kritischen Tage vorgeworfen. Sein Nachfolger wurde Otto Braun. Bis 1924 blieb H. weiterhin Abgeordneter im preußischen Landtag. Von Juli 1920 bis April 1921 war er als parlamentarischer Staatssekretär im preußischen Ministerium für Volkswohlfahrt tätig. Seit Februar 1921 amtierte er als stellvertretender Bürgermeister in Charlottenburg, bis er im November 1925 zum Bürgermeister von Dortmund gewählt wurde. Dieses Amt übte er bis zur Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 aus.

  • Werke

    Verbrechen u. Prostitution als soz. Krankheitserscheinungen, 21907;
    Die soz. Gesetzgebung im 19. Jh., 1902;
    Der Preuß. Landtag, Hdb. f. soz.demokrat. Landtagswähler, 1903, 31913;
    Unter d. elendsten aller Wahlsysteme, 1906;
    25 J. soz.demokrat. Arb. in d. Gemeinde, 1908;
    Das Kommunalprogr. d. Soz.demokratie Preußens, 1911;
    Aufgaben d. dt. Gemeindepol. n. d. Kriege, 1919, 31921;
    Die Vfg. d. Freistaates Preußen v. 30.11.1920, 1921;
    Der Weg d. Soz.demokratie z. Macht in Preußen, 1929 (P).

  • Literatur

    J. Fischart (d. i. E. Dombrowski), Das alte u. d. neue System, 2. Folge: Die Männer d. Übergangszeit, 1920;
    F. Stampfer, Die vierzehn J. d. 1. dt. Republik, 31953;
    H. Heidegger, Die dt. Soz.demokratie u. d. nat. Staat 1870-1920, 1956;
    Earl R. Beck, The Death of the Prussian Republic, A Study of Reich - Prussian Relations, 1932–34, 1959;
    Hdb. f. d. Preuß. Landtag, Ausg. f. d. 2. Wahlperiode, 1925 (P);
    Der Zentralrat d. dt. Sozialist. Republik, bearb. v. E. Kolb unter Mitwirkung v. R. Rürup, 1968;
    Rhdb. (P);
    F. Osterroth, Biogr. Lex. d. Sozialismus I, 1960.

  • Autor/in

    Klaus Malettke
  • Empfohlene Zitierweise

    Malettke, Klaus, "Hirsch, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 217 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116905670.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA