• Genealogie

    V Carl, Graveur;
    M Agnes Sadiel;
    1875 Gertrud, T d. Dr. phil. W. Gottlob Schneider u. d. Anna Knoll;
    2 S, 3 T.

  • Leben

    Das 1868 in Breslau bei F. Roemer begonnene Universitätsstudium setzte H. in Bonn und Berlin fort. 1872 ging er als Assistent von P. Groth an die neu begründete Universität Straßburg (1873 Promotion). Eine Augenkrankheit und wirtschaftliche Gründe zwangen ihn 1875, seine wissenschaftliche Tätigkeit aufzugeben. Er verwertete seine Kenntnisse im Mineralienhandel, zunächst in Straßburg und Kehl, seit 1880 als wissenschaftlicher Leiter des Dr. F. Krantz'schen Rheinischen Mineralien-Kontors in Bonn. Neben seinen Berufsgeschäften widmete er sich weiter chemischen und mineralogischen Studien.

    1884 konnte sich H. auf nachdrückliche Fürsprache Kekulés in Bonn habilitieren. In Vereinigung von Wissenschaft und Praxis wurde H. zu einem der besten Mineralienkenner. Schon 1886 erhielt er durch Roemer einen Ruf nach Breslau und wurde nach dessen Tode (1892) ordentlicher Professor und Direktor des Mineralogischen Instituts der Universität und der TH Breslau (1910). 1909 Geheimrat.

    H.s Arbeiten hatten in erster Linie kristallographische und chemische Untersuchungen an Mineralien sowie an organischen Verbindungen zum Inhalt, die zielstrebig selbständige Gedanken über die gesetzmäßigen Beziehungen zwischen den beobachteten Kristallformen und der ermittelten chemischen Zusammensetzung entwickelten, aber auch über die morphologische Verwandtschaft, die instruktive Morphotropie und die gegenseitigen Verwachsungen berichteten; die meist nur wenige Seiten umfassenden Arbeiten verraten einen ungewöhnlichen Scharfblick, so daß sie noch heute einwandfreie und grundlegende Beiträge zur Mineralkunde darstellen. H.s Lebenswerk aber liegt in der Begründung und in der Herausgabe des „Handbuchs der Mineralogie“. In ihm, dem „Hintze“, hat er in 30jähriger, intensiver und kritischer Arbeit ein heute noch grundlegendes Nachschlagewerk, ein für die mineralogische Wissenschaft unentbehrliches Hilfsmittel geschaffen, das, in einem Umfang von 4516 Seiten unvollendet geblieben, in H.s Sinne von G. Linck und zahlreichen Mitarbeitern weitergeführt wurde und jetzt durch einzelne Ergänzungsbände (bisher 3) vervollständigt wird.

  • Werke

    Weitere W u. a. Kristallograph. Unterss. üb. Naphtalinderivate, in: Poggendorffs Ann. d. Physik u. Chemie, Erg.bd. VI, 1874;
    Die Bedeutung d. kristallograph. Forschung f. d. Chemie, 1884 (Habil.rede);
    Ist ein wesentl. Unterschied anzunehmen zw. anorgan. u. organ. Verbindungen rücksichtl. d. Beziehungen zw. Krystallform u. chem. Constitution?, in: Verhh. d. naturhist. Ver. d. preuß. Rheinlande u. Westf. 41, 1884;
    Krystallograph. Beziehungen v. Terpenverbindungen, in: Zs. f. Krystallogr. 13, 1887.

  • Literatur

    Cbl. f. Mineral, usw., 1917, S. 72;
    Mineralogical Mgz. 18, 1918, S. 138 f.;
    A. Sachs, Beschr. d. Trauerfeier f. H., 1917;
    Pogg. III-VI.

  • Portraits

    Phot. (Titelbild) in: Hdb. d. Mineral., Erg.bd. II, hrsg. v. K. F. Chudoba, 1960.

  • Autor/in

    Karl F. Chudoba
  • Empfohlene Zitierweise

    Chudoba, Karl F., "Hintze, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 193 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11689864X.html#ndbcontent

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