Dates of Life
1731 – 1793
Place of birth
Aschersleben
Place of death
Quedlinburg
Occupation
Zoologe ; Naturforscher
Religious Denomination
lutherisch
Authority Data
GND: 116745509 | OGND | VIAF: 41991931
Alternate Names
  • Goeze, Johann August Ephraim
  • Goetze, Johann August
  • Goetze, Johann August Ephraim
  • more

Objekt/Werk(nachweise)

Relations

Outbound Links from this Person

Genealogical Section (NDB)
Life description (NDB)

The links to other persons were taken from the printed Index of NDB and ADB and additionally extracted by computational analysis and identification. The articles are linked in full-text version where possible. Otherwise the digital image is linked instead.

Places

Map Icons
Marker Geburtsort Place of birth
Marker Wirkungsort Place of activity
Marker Sterbeort Place of death
Marker Begräbnisort Place of interment

Localized places could be overlay each other depending on the zoo m level. In this case the shadow of the symbol is darker and the individual place symbols will fold up by clicking upon. A click on an individual place symbol opens a popup providing a link to search for other references to this place in the database.

Citation

Goeze, Johann August Ephraim, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116745509.html [17.04.2024].

CC0

  • Genealogy

    V Joh. Heinr. Goetze (1689–1766), Mag., Oberpfarrer u. Insp. in A., S d. Joh. Melchior (1658–1727), Dr. theol., Domprediger u. Konsistorialrat in Halberstadt, u. d. Agnesa Marg. Bertram;
    M Cath. Margarete (1693–1732), T d. Stadtkämmerers Kirchhoff in Qu.;
    B Joh. Melchior (s. 2);
    Quedlinburg 1770 Leopoldine Maria Keller (1743–99);
    4 K.

  • Biographical Presentation

    Nach dem Theologiestudium in Halle, besonders bei S. J. Baumgarten und dem Wolfianer J. Fr. Meier, unterstützte G. seit 1751 den Vater im Amt, und auch den Schwager Meineke in Quedlinburg, nach dessen Tode er, inzwischen selbst Pfarrer an der dortigen Hospitalkirche, die Sorge für Schwester und Neffen übernahm. 1762 wurde er an die Blasiuskirche berufen. 1787 erhielt er das weniger belastende Amt des 1. Hofdiakons am Quedlinburger Stift. Das Interesse für die Zoologie erwachte um 1772 in dem bis dahin vorwiegend rezeptiv mit reformationsgeschichtlichen und homiletischen Studien Beschäftigten urplötzlich gelegentlich einer abendlichen Unterhaltung beim Anblick eines Mikroskops des Optikers Samuel Gottlieb Hoffmann in Leipzig. G. erwarb das Instrument auf der Stelle unter teilweiser Veräußerung seiner Bibliothek und begann schon am nächsten Tag mit den Untersuchungen (Beispiel eines romantischen Forschertyps nach Wilhelm Ostwald). Erste Studien betrafen die Insekten und die Kleintierwelt des Wassers im Anschluß an Werke von Ch. Bonnet und A. Trembley, die er unter Zufügung von vielen eigenen Beobachtungen und Zusätzen übersetzte. Zahlreiche Erstbeschreibungen enthielt das erste selbständige Werk „Entomologische Beiträge zu des Rr Linné zwölften Ausgabe des Natursystems“ (Leipzig 1777–83). Als Arthropodenforscher beschrieb unter anderem er 1773 den ersten Tardigraden. Wichtig wurden vor allem G.s seit etwa 1775 betriebene helminthologische Untersuchungen, die, in den Spuren von F. Redi, die Kenntnis der Arten, besonders der Bandwürmer, ganz außerordentlich bereicherten. Dabei vertrat G. 1780 in einer Preisschrift der Gesellschaft der Wissenschaften zu Kopenhagen den damals gängigen, auch von seinem Mitbewerber M. E. Bloch eingenommenen Standpunkt, daß die „Samen der Würmer den tierischen Körpern|angeboren seien“. – Auch seine „Entdeckung, daß die Finnen im Schweinefleisch keine Drüsenkrankheit, sondern Blasenwürmer sind“ (1784), konnte ihn in dieser Auffassung nicht irre machen, obschon S. P. Pallas bereits 1760 aus der Tatsache, daß Wurmeier mit dem Kot der Tiere ins Freie gelangen, auf die Einschleppung der Eier mit der Nahrung geschlossen hatte. Der Irrtum wird durch seine Fütterungsversuche verständlich, aus denen G. die Spezifität des Wirt-Schmarotzerverhältnisses erkannte; auch betonte er – zu einer für die biologische und entwicklungsgeschichtliche Seite der Helminthologie noch nicht reifen Zeit (nach 1850 vor allem durch C. Th. von Siebold und R. Leuckart endgültig geklärt) nach Beobachtungen am Menschen die wichtige Rolle der Disposition. In der Schrift „Über das vermeynte bei Quedlinburg gefundene Einhorn“ (Quedlinburg 1786) stellte G., da Höhlenfunde tropischer Tiere eine Verfrachtung durch Überschwemmungen ausschließen, die interessante Frage, ob „etwa vor vielen tausend Jahren das Klima hier afrikanisch, das afrikanische nördlich gewesen. Die Fakta liegen indes vor Augen und die Bibel ist keine Physik“. Später ging die Kraft, eigene Untersuchungen abzuschließen, zurück – den wichtigen „Nachtrag zur Naturgeschichte der Eingeweidewürmer“ gab I. G. H. Zeder erst 1800 heraus –, während die Übersetzer- und popularisierende Tätigkeit stärker hervortrat. Sie zeigt G. als einen menschenfreundlichen Aufklärer und Bekämpfer des Aberglaubens in erbaulicher Absicht, aber auch als geschickten Demonstrator einfacher Versuche (Schwingkölbchen der Stubenfliege), der seine Zeit vielfach angeregt haben muß. G.s Sammlung, deren Verzeichnis er 1791 veröffentlichte, wurde von Kaiser Joseph II. für die Universität Pavia erworben.

  • Works

    Weitere W u. a. Einige Predigten in: J. M. Goeze [s. 2], Slg. auserlesener Kanzelreden, Magdeburg 1754–65, 12. T.;
    F. H. W. Martini's Leben, Berlin 1779;
    Versuch e. Naturgesch. d. Eingeweidewürmer thier. Körper, Blankenburg 1782;
    Zeitvertreib u. Unterricht f. Kinder, Leipzig 1783-85;
    Nützliches Allerlei a. d. Natur u. d. gemeinen Leben…, ebd. 6 Bde., 1783-88;
    Gesch. einiger… schädlichen Insekten…, Leipzig 1787 (Übers. a. d. Franz., mit Anmerkungen);
    Cornelius, ein Lesebuch fürs Volk, 3 T., Leipzig 1789–92.

  • Literature

    ADB IX;
    H. M. A. Cramer, Zum Andenken d sel. Pastors G., Leipzig 1793;
    F. A. H. v. Schlichtegroll, Nekr. auf d. J. 1793, 4. Jg., I, 1794, S. 182-226, u. Suppl. auf d. J. 1790–93, II, S. 145-58;
    Schrr. d. Berliner Ges. naturforschender Freunde XI, Stück 2, 1794;
    R. Leuckart, Die menschl. Parasiten, 1863, S. 28 ff.;
    Hdb. d. Zoologie, gegr. v. W. Kückenthal, hrsg. v. Th. Krumbach, 1923 ff., bes. b. O. Fuhrmann, Plathelminthes, in: II, 1. Hälfte, (2), 1928-33, S. 142 passim;
    H. A. Hagen, Bibl. Entomologica, 1862 (W-Verz.);
    Meusel, Verstorb. Schriftst. IV, S. 258-63 (W-Verz.).

  • Portraits

    in: Neue Mannigfaltigkeiten II, Berlin 1775;
    Allg. Dt. Bibl. 102, ebd. 1791, Titelkupfer.

  • Author

    Martin Müllerott
  • Citation

    Müllerott, Martin, "Goeze, Johann August Ephraim" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 597-598 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116745509.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographical Presentation

    Goeze: Johann August Ephraim G., der vierzehn Jahre jüngere Bruder des streitlustigen Theologen Johann Melchior G., wurde am 28. Mai 1731 in Aschersleben geboren. Auch er studirte Theologie, und zwar von 1747—51 in Halle, wurde nach einem vorzüglichen Examen schon mit 24 Jahren Hospitalprediger und 1762 an St. Blasii Prediger in Quedlinburg, erhielt 1786 auf seinen Wunsch (um eine ruhigere, mit weniger seelsorgerischen Pflichten verbundene Stellung zu haben) das Diaconat an der Stiftskirche in Quedlinburg und starb daselbst am 27. Juni 1793. Wenn auch eifriger Theolog, hielt er sich doch von den ihn unangenehm berührenden Streitigkeiten seines Bruders fern, lebte seinem Amte und den Kindern seines früh verstorbenen Schwagers, wegen deren er selbst erst als Vierziger heirathete. Im Anfang der siebziger Jahre wurde er durch Zufall mit einem zusammengesetzten Vergrößerungsglas des Leipziger Optikus Hofmann bekannt, dessen wunderbare Aufschlüsse ihn der Naturforschung zuführten. Die erste Frucht seiner naturhistorischen Arbeiten waren die „Entomologischen Beyträge zu des Ritters Linné 12. Ausgabe des Natursystems", welche 1777—83 in 4 Bänden erschienen. Von großer Bedeutung wurde er aber durch seine helminthologischen Untersuchungen, welche er theils in seinem „Versuch einer Naturgeschichte der Eingeweidewürmer“ (1782; ein Nachtrag von ihm selbst wurde 1800 von Zeder herausgegeben), theils in der Schrift niederlegte „Neueste Entdeckungen, daß die Finnen im Schweinefleisch keine Drüsenkrankheit, sondern wahre Blasenwürmer sind“ (1784). Mit welchem Fleiße er sich der Naturgeschichte hingab, dafür geben die von 1773 an fast jährlich erschienenen Uebersetzungen bedeutungsvoller französischer und anderer ausländischer Werke einen Beweis. So erschienen von ihm 1773 und 74 Uebersetzungen der Bonnet’schen Abhandlungen aus der Insectengeschichte, 1775 die Bonnet’schen Betrachtungen über die organisirten Körper, in demselben Jahre die Uebersetzung der Schrift von Trembley über Polypen, 1776 die der Fermin’schen Schrift über die surinamische Kröte, 1778 die der Schrift von Lister über Spinnen, und 1782 der 1. Band der kleinen Schriften aus der Naturhistorie von O. F. Müller. Von 1785—88 gab er in 6 Bänden „Nützliches Allerley aus der Natur und dem gemeinen Leben" (1788 in neuer Ausgabe in 3 Bänden) heraus, dem sich von 1789—94 6 Bände unter dem Titel „Natur, Menschenleben und Vorsehung" anschlossen. Von 1791—93 veröffentlichte er die ersten drei Bände der „Europäischen Fauna“ (Säugethiere; die Fortsetzung, 4.—9. Band besorgte Donndorf). Daß er aber während dieser reichen Thätigkeit auf naturhistorischem Gebiete der Theologie nicht fremd blieb, beweist ein 1785 erschienener Band von Passionspredigten und ein 1786 veröffentlichter Aufsatz: „Vorschläge zur Verbesserung des öffentlichen Gottesdienstes“.

    • Literature

      Allgemeiner Nekrolog der Deutschen.

  • Author

    Carus.
  • Citation

    Carus, Victor, "Goeze, Johann August Ephraim" in: Allgemeine Deutsche Biographie 9 (1879), S. 530 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116745509.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA