• Genealogie

    V Hermann Wilh. (1827–70), Fabrikbes., S d. Kaufm. Conr. Heinr. in V. u. d. Cath. Margarete Oncken;
    M Marie Luise (1836–1912), T d. Gerichtsrats Gustav Frdr. Onken u. d. Anna Wilh. Eyting;
    Stief-V Matthias Evers (1845–1906), Hauslehrer d. Fam. Hegeler, Gymnasialoberlehrer, zuletzt Gymnasialdir. in Barmen;
    - 1) 1895 (⚮) Joh. Margarete Demmering (1876–1942), 2) 1906 (⚮) Helene (* 1871), T d. Reg.rats Herm. Paschke in Berlin u. d. Anna Marie Wiechert, 3) 1932 (⚮) N. N.;
    1 T aus 1), 1 T aus 2).

  • Leben

    H. kam mit Mutter, Stiefvater und Geschwistern 1876 nach Elberfeld, 1879 nach Düsseldorf. Dort besuchte er 1879-89 das Gymnasium und studierte dann in München, wo er sich mit Max Halbe befreundete, in Genf und Berlin die Rechte, dazu Geschichte, Kunst- und Literaturgeschichte. In Berlin schloB er Freundschaft mit Eugen Kühnemann. Dieser entzweite sich aber mit ihm, weil er sich in H.s Eheroman „Flammen“ (1905) porträtiert und bloßgestellt fühlte. Gegen Ende seiner Studienzeit wandte sich H. endgültig der Literatur zu. Er verkehrte mit den Schriftstellern des Friedrichshagener Kreises und schrieb dort im Sinne des sozialkritischen Naturalismus seinen ersten Roman „Mutter Bertha“ (1893, neubearbeitet 1916), die mit Selbstmord endende Geschichte einer Kellnerin und ihres unehelichen Kindes. In den folgenden Romanen treten naturalistische Züge allmählich zurück, die zumeist erotische Problematik wird psychologisch tiefer ergründet. H. behält eine Vorliebe für große Leidenschaften und gewaltsame Lösungen der Konflikte, ist aber auch imstande, das Leben von der heiteren Seite zu sehen. Auf der Höhe stehen seine Erzählergabe und Gestaltungskraft in seinen besten Romanen „Ingenieur Horstmann“ (1900) und „Pastor Klinkhammer“ (1903). Horstmann ist der emporgekommene Tat- und Gewaltmensch, der die technische Aufgabe des Baus einer Talbrücke über die Wupper (bei Müngsten) bewältigt, aber an der nichttechnischen Welt der Düsseldorfer Gesellschaft scheitert, aus der er sich seine Frau geholt hat. Der schwerblütige Pastor Klinkhammer erschlägt seinen leichtlebigen Bruder im Kampf um die eigene Frau. Für diesen Roman erhielt H. 1904 den Bauernfeldpreis. Von den weiteren Werken sind literarisch wertvoll „Die frohe Botschaft“ (1910), „Zwei Freunde“ (1921), „Der verschüttete Mensch“ (1922), „Der Zinsgroschen“ (1928) und der Yorck-Roman „Der innere Befehl“ (1936, auch unter dem Titel „Die Entscheidung“). H. lebte 1895-1906 in München und Berlin, 1906-18 in Weimar, 1919-28 in Blankenhain (Thüringen) und 1928-39 wieder in Weimar, 1939-43 in Irschenhausen (Isartal). Am 1. Weltkrieg nahm er als freiwilliger Krankenpfleger und Kriegsberichterstatter im Osten teil.

    H. gehört zu den stärksten epischen Begabungen, die zwischen 1890 und 1895 hervortraten. Er fand den Weg von der äußeren zur inneren Realität und einer persönlichen Gestaltungsweise. Doch ist sein Schaffen ungleich. Manche Romane bieten nicht mehr als gute Unterhaltung.

  • Werke

    Weitere W Romane: Und alles um d. Liebe, 1894;
    Sonnige Tage, 1898;
    Nellys Millionen, 1899;
    Pietro d. Korsar u. d. Jüdin Cheirinca, 1908 (verfilmt 1925);
    Das Ärgernis, 1908;
    Der Mut zum Glück, 1911;
    Die Leidenschaft d. Hofrat Horn, 1914;
    Die goldene Kette, 1915;
    Der Apfel d. Elisabeth Hoff, 1925;
    Die zwei Frauen d. Valentin Key, 1927;
    Das Wunder v. Belair, 1931;
    Das Gewitter, 1939;
    Masken (unveröff.). - Novellen: Pygmalion, 1898;
    Eros, 1913;
    Goya u. d. Bucklige, 1928;
    - Des Königs Erziehung, 1911;
    Der Siegeszug durch Serbien, 1916;
    Bei unseren Blaujacken u. Feldgrauen, Flandr. Erlebnisse, 1917;
    Das Kastemännchen, Erz., 1943 (mit autobiogr. Vorwort). - Schriftl. Nachlaß im 2. Weltkrieg vernichtet;
    3 Briefe an Cotta 1893-95 im Cotta-Archiv, Marbach, Schiller-Nat.mus.

  • Literatur

    E. Kühnemann, Mit unbefangener Stirn, 1937;
    H. Festner, W. H., Diss. Freiburg i. Ue. 1954 (W-Verz., L);
    E. H. Hegeler, Die Delmenhorster Ratsfam. Hegeler, 1952 (Privatdr.);
    Soergel I (P);
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    in: Spemanns goldenes Buch d. Weltlit., 1912, S. 816;
    Kürschner, Lit.-Kal. 38, 1916, n. Sp. 652.

  • Autor/in

    Rupprecht Leppla
  • Empfohlene Zitierweise

    Leppla, Rupprecht, "Hegeler, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 222 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116570962.html#ndbcontent

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