• Genealogie

    V Ewald, Prof. d. Chemie a. d. Tierärztl. Hochschule in D.;
    M Helene Kerst;
    Berlin 1906 Gertrude (1881–1946), T d. Kaufm. Herm. Voigt u. d. Auguste Rückert; kinderlos.

  • Leben

    G. studierte Theologie, später Germanistik und dann ausschließlich Philosophie in Heidelberg, Berlin, Leipzig und Erlangen (hier 1904 Dr. phil.). Er hatte sich bereits bei dem|Leipziger Vertreter der Sprechkunde, Martin Seydel, mit Theorie und Praxis des gesprochenen Wortes vertraut gemacht; seit 1906 war er Lektor für Vortragskunst an der Universität Halle. Nach dem 1. Weltkrieg holte ihn Franz Saran nach Erlangen, wo G. sich 1925 für „Deutsche Sprachkunst“ habilitierte (außerplanmäßiger Professor 1932). Dieses für das 20. Jahrhundert wiedergewonnene Gebiet reichte von der Phonetik und Rhetorik über Metrik und Poetik bis zur Stilistik. – G.s Hauptwerk „Erziehung zur Hochsprache“ (2 Bände, 1925/34) verfolgt die geschichtliche Entwicklung der deutschen Hochsprache bis ins 20. Jahrhundert und umreißt die Forderungen der Gegenwart. Die sittlich-pädagogische Grundhaltung G.s, die sich schon in seiner Dissertation zeigte und im Laufe seiner Entwicklung immer stärker hervortrat, bewahrte seine Rhetorik vor dem Pragmatismus mancher neueren Lehrbücher dieses Fachs; sie wurde aber durch den Nationalismus der NS-Zeit fehlgeleitet. In Fragen des deutschen Stils geriet er durch Verbindung von Purismus und Deutschtümelei in einen biederen Manierismus. Wertvoll sind G.s Untersuchungen über den Stand der Hochlautung (von G. geprägter Terminus, der den unscharfen und Mißdeutungen ausgesetzten Begriff „Hochsprache“ ablösen sollte). Sie setzen mit der Frage ein, ob sich aus der gegenüber der Regelung der „Bühnenaussprache“ (seit 1898, von Theodor Siebs) veränderten Situation nicht auch neue Festsetzungen der Lautnormen ergäben, da doch der Rundfunk täglich für das gesamte deutsche Sprachgebiet allgemeingültige Lautungsformen verbreitet. Durch seinen und seiner Frau Freitod war es unmöglich, seine Vorarbeiten für eine Normung der Aussprache, die den verschiedensten Bereichen der gesprochenen deutschen Sprache gerecht wird, bei der Neuausgabe des „Siebs“ (1956) sinnvoll zu verwenden.

  • Werke

    Weitere W u. a. Vollst. Verz. im Inst. f. Sprechkde, d. Univ. München;
    Das empir. Ich od. d. Menschen in d. Fichtischen Philos., Diss. Erlangen 1904;
    Rhetorik, 2 Bde., 1910/14;
    Gemeinsprache u. Mundart, in: Zs. f. d. dt. Unterricht 25, H. 5 f., 1911;
    Schriftsprache, Hochlautung u. Gemeinsprache, in: Muttersprache 48, 1933, S. 316 ff.;
    Vortragskunst u. wiss. Verslehre, in: Wort u. Ton, 1934, H. 6;
    Vom dt. Stil, 1937;
    Normung d. Aussprache?, in: Muttersprache 53, 1938, H. 8;
    Wortschwere auch im Großsatz, in: Zs. f. Dt. Bildung 16, 1940, H. 5 f.;
    Die dt. Hochsprache im Widerspiel v. Nord u. Süd, in: Jb. f. d. dt. Sprache, 1941, S. 78-84.

  • Literatur

    M. Lemmer, Zur Gesch. d. Sprachkde. a. d. Univ. Halle, in: Wiss. Zs. d. Univ. Halle-Wittenberg, Ges.- u. Sprachwiss. R., 6, 2, 1956, S. 189-96 (P);
    Rhdb. (P);
    Kürschner, Gel.-Kal., 1935;
    M. Weller, Das Sprachlex., 1957, Sp. 73 f. (W).

  • Autor/in

    Irmgard Weithase
  • Empfohlene Zitierweise

    Weithase, Irmgard, "Geißler, Ewald" in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 158 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116503041.html#ndbcontent

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