Lebensdaten
1877 bis 1951
Geburtsort
Altneudorf bei Heidelberg
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 116436506 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Remmele, Adam

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Zitierweise

Remmele, Adam, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116436506.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter (1850–91), Müller in A.;
    M Katharina Daub (1858–1941);
    3 B, u. a. Peter (1879–1953), ab 1928 Dir. d. Arbeitsamts in Ludwigshafen, 1933 zwangsweise in d. Ruhestand versetzt, Hermann (s. 2), 1 Schw;
    1901 Philippine Dilger (1881–1933);
    3 S.

  • Leben

    Der gelernte Müller, der sich früh der Sozialdemokratie angeschlossen hatte, wurde 1903 Leiter des städt. Arbeitsamtes in Ludwigshafen/Rhein, 1905 Zweiter Vorsitzender im Hauptvorstand des Mühlenarbeiterverbandes mit Sitz in Altenburg (Sachsen) und 1908 Redakteur der SPD-Zeitung „Volksstimme“. Politische Erfahrungen sammelte R. als Stadtrat in Mannheim (1911–18) und führender Vertreter der dortigen Rätebewegung (1918/19). Seit 1919 im Landesparlament, setzte der ein Jahrzehnt lang amtierende Innenminister (und zweimalige Staatspräsident, 1922/23 u. 1927/28) einer bad. „Weimarer Koalition“ Prioritäten in der Verwaltungspolitik. So erhielten die Gemeinden (1921) und Kreise (1923) neue rechtliche Grundlagen; 1924 wurden 13 der 53 Amtsbezirke aufgehoben. Die herkömmliche Dominanz nationalliberaler Parteigänger im Beamtentum wurde zugunsten kath. und sozialdemokratischer Beamten teilweise korrigiert, das bürokratische Laufbahnsystem für Nichtakademiker durchlässiger. 1925/26 verwaltete R. als Innenminister zusätzlich das Kultusressort und war daher für ein Lehrerbildungsgesetz verantwortlich, das v. a. wegen des Verzichts auf eine akademische Ausbildung der Volksschullehrer diese ebenso wie die eigenen Parteifreunde enttäuschte. Seit 1928 auch Mitglied des Reichstags, amtierte er 1929-31 wiederum als Doppelminister, diesmal an der Spitze der Ressorts für Kultus und Justiz. In diesem Aufgabenfeld beschäftigte ihn neben der Finanznot der Schulen und Hochschulen vornehmlich die vom Zentrum forcierte Konkordatspolitik. Die abwartende Haltung R.s in dieser Frage führte zu Auseinandersetzungen in der Koalition. Da er bereits im Sommer 1931 zurückgetreten war, erlebte er das Ende des schwarz-roten Koalitionsmodells im Dez. 1932 nicht mehr.

    Während seiner gesamten Ministerzeit betrachtete R. den Kampf gegen die „Narrenpolitik“ linker und rechter Extremisten als staatspolitische Notwendigkeit. Einem antitotalitären Politikverständnis verpflichtet, schritt er energisch gegen illegale kommunistische Aktionen ein, ungeachtet der Beschimpfung als „Bluthund“ und im völligen Bruch mit seinem Bruder Hermann, einem der ranghöchsten dt. KP-Funktionäre. Ebenso widersetzte sich R. dem Aufstieg der NSDAP. Schon im Febr. 1923 wünschte er, Hitler „in eine Heil- und Pflegeanstalt schikken und untersuchen lassen“ zu können. In den Folgejahren versuchte er mit Rede-, Zeitungs- und Uniformverboten sowie der Einleitung von Disziplinarverfahren gegen Parteisympathisanten in der Beamtenschaft, dem NS-Vormarsch Einhalt zu gebieten. Entsprechend hart rächten sich die Nationalsozialisten nach der „Machtergreifung“ an dem verhauten Repräsentanten der Weimarer Demokratie, der seit 1931 zunächst wieder als Redakteur der Mannheimer „Volksstimme“ und danach als Vorstandsmitglied des Zentralverbandes dt. Konsumvereine in Hamburg tätig gewesen war. In einem öffentlichen Zug führten sie ihn durch Karlsruhe und inhaftierten ihn anschließend zehn Monate lang im KZ Kislau (bei Bruchsal). Da ihm die Ministerpension aberkannt wurde, betrieb R. nach der Entlassung in Hamburg ein kleines Versandgeschäft für Kaffee. Nach dem 20. Juli 1944 wurde er nochmals mehrere Wochen festgenommen. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wirkte R. führend am Wiederaufbau der Konsumgenossenschaften mit, deren Interessen er 1948/49 im Wirtschaftsrat der Bizone in Frankfurt/M. vertrat.|

  • Auszeichnungen

    Dr. med. h. c. (Freiburg, Br. 1926).

  • Werke

    Die Kommunisten-Unruhen in Baden, 1921;
    Staatsumwälzung u. Neuaufbau in Baden, 1925;
    Lehrerbildung u. Sozialdemokratie, 1926;
    Vorschläge f. d. Reichs- u. Länder-Reform, 1929;
    Nov.-Verbrecher, Eine kriegspol. Studie, 1930;
    Wie es einst war (1930), in: J. Schadt (Hg.), Wie wir d. Weg z. Sozialismus fanden, Erinnerungen bad. Sozialdemokraten, 1981, S. 56-62;
    Faschist. Treibhauskulturen, Eine belehrende Betrachtung über d. Kampf z. RTwahl 1930, 1930;
    Baden v. Absolutismus z. Volksstaat, 1931;
    „Im Zauberreich des Herrn Remmele“, Eine Antwort an Herrn Dr. Ernst Brühler, 1931;
    Die Futterkrippe, Eine Auseinandersetzung mit d. Nat.sozialisten, 1931;
    Die Konsumgenossenschaften im Neuaufbau, 1947. |

  • Quellen

    Qu Verhh. d. Bad. LT, Protokollhh. 1919–31.

  • Literatur

    J. Stehling, Die bad. SPD im Ersten Weltkrieg u. in d. Weimarer Rep. (1914–1933), in: J. Schadt u. W. Schmierer (Hg.), Die SPD in Baden-Württ. u. ihre Gesch., 1979, S. 132-59;
    H. Schwarzmaier, Der bad. LT, in: Von d. Ständeverslg. z. dem. Parl., Die Gesch. d. Volksvertretungen in Baden-Württ., 1982, S. 224-45;
    A. Cser, in: Schönauer Gesch.bll. 3, 1983, Nr. 29-31, S. 25-36;
    W. Hug, Gesch. Badens, 1992;
    M. P. Heimers, Unitarismus u. süddt.|Klassenbewußtsein, Weimarer Koalition u. SPD in Baden in d. Reichsreformdiskussion 1918-1933, 1992 (P);
    Th. Kurz, Feindl. Brüder im dt. Südwesten, Sozialdemokraten u. Kommunisten in Baden u. Württ. von 1928 bis 1933, 1996;
    M. Ruck, Korpsgeist u. Staatsbewußtsein, Beamte im dt. Südwesten 1928 bis 1972, 1996;
    Der Freiheit verpflichtet, Gedenkb. d. dt. Soz.demokratie im 20. Jh., hg. v. Vorstand d. SPD, 2000;
    G. Kaller, in: Bad. Biogrr. NF II, 1987;
    W. Benz, in: ders. u. H. Graml (Hg.), Biogr. Lex. z. Weimarer Rep., 1988;
    Schumacher, M. d. R.

  • Portraits

    Foto: Landesarchivdirektion Baden-Württ. (Hg.), Archivnachrr. Nr. 20, Mai 2000 (Qu.beil., S. 4).

  • Autor/in

    Hans-Georg Merz
  • Empfohlene Zitierweise

    Merz, Hans-Georg, "Remmele, Adam" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 418-419 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116436506.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA