Lebensdaten
1846 bis 1934
Geburtsort
Münster (Westfalen)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
preußischer Generaloberst
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116235489 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Kluck, Alexander (bis 1909)
  • Kluck, Alexander von
  • Kluck, Alexander (bis 1909)
  • mehr

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Kluck, Alexander von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116235489.html [18.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl (1803–64), Baumeister, S d. Bankrendanten Philipp in Minden, dann in M., u. d. Louise Haßfordt;
    M Elisabeth (1805–81), T d. Gottfried Tiedemann, Zuckersiedemeister in Minden, seit 1811 in B., u. d. Louise Hersemann;
    Detmold 1874 Fanny (1850–1938), T d. William v. Donop, auf Wöbbel/Lippe, u. d. Harriet Hogue;
    3 S (1 ⚔,) 1 T.

  • Leben

    Die bis zu einem der höchsten militärischen Ränge emporführende Laufbahn K.s war für das wilhelminische Deutschland insofern ungewöhnlich, als der spätere Generalinspekteur (1913) und Oberbefehlshaber einer Armee (1914) weder in früheren Jahren zur Kriegsakademie kommandiert worden war noch jemals Stellungen als Generalstabsoffizier bekleidete. K. machte sich vielmehr seinen Namen als Praktiker und Taktiker, und zwar sowohl als Einheitsführer in der „Linie“ als auch in verantwortlichen Funktionen des Erziehungs- und Ausbildungswesens. Von Kindheit an zum Offizierberuf entschlossen, trat er nach dem Besuch des heimatlichen Gymnasiums Paulinum 1865 in das 6. Westfälische Infanterie-Regiment 55 ein, mit welchem er an den Feldzügen von 1866 (in Süddeutschland) und 1870/71 teilnahm. Wesentliche und für den Werdegang charakteristische Stationen lagen in den beiden Jahrzehnten, als er vom Kompaniechef zum Regimentskommandeur aufstieg, beginnend mit der Tätigkeit an der Unteroffizierschule in Jülich (1881–84) und der Kommandeurstellung an den Unteroffiziervorschulen Annaburg bei Torgau sowie Neubreisach (Oberelsaß) (1884–89), wobei die letztere neu aufzubauen war. Es folgte die Zeit in Magdeburg (1889–96) mit besonderen Aufgaben: Hier war K. beim 3. Magdeburgischen Infanterie-Regiment 66 nacheinander Bataillonskommandeur und Etatmäßiger Stabsoffizier, nahm daneben (1895) in Vertretung die Geschäfte des Kommandanten der Festung Magdeburg wahr und leitete überdies, bereits seit 1892, Planung und Arbeiten zur Anlage des Truppenübungsplatzes Altengrabow.

    K., dessen Fähigkeiten und Leistungen längst die Aufmerksamkeit des Militärkabinetts auf sich gezogen hatten, erwarb sich schließlich durch die Berufung zum Kommandeur des Landwehrbezirks Berlin I (1896–98) die Anwartschaft auf höhere Kommandostellen. Nachdem er noch ein Jahr lang das Pommerische Füsilier-Regiment 34 in Bromberg geführt hatte, stieg er binnen sieben Jahren vom Brigadekommandeur (1899) bis zum General der Infanterie und Kommandierenden General des V. Armeekorps in Posen (1906) auf. 1907 übernahm er als Nachfolger des Generals Colmar von der Goltz das I. Armeekorps in Königsberg und führte es bis 1913. Es mag auffallen, daß es sich bei den – seit Bromberg – K. nacheinander unterstellten Truppenkörpern (Regiment, Brigade, Division, Korps) ausnahmslos um solche gehandelt hat, die an der Ostgrenze der preußischen Monarchie stationiert waren. Ihr hoher Ausbildungsstand für die Aufgabe der Verteidigung ist damals von K. entscheidend mitgeprägt worden, nicht zuletzt auch durch das weithin bekanntgewordene Posener Belagerungsmanöver 1906.

    Gleichwohl wurde K., der 1913 unter Beförderung zum Generaloberst die VIII. Armee-Inspektion in Berlin übernommen hatte, bei Ausbruch des 1. Weltkrieges nicht an der Ostfront eingesetzt, sondern als Oberbefehlshaber der 1. Armee auf dem rechten Flügel des nach Frankreich einmarschierenden Westheeres. Seine Korps, die im August 1914 naturgemäß die größte Marschleistung zu bewältigen und die Engländer bei Maubeuge zurückgeworfen hatten, schwenkten Anfang September nach Süden ein. Im Verlaufe der großen Schlacht an der Marne vermochte K. mit seiner Armee, die zeitweilig von der nach links anschließenden 2. Armee des Generalobersten von Bülow getrennt zu werden drohte, alle französischen Gegenangriffe zu meistern, mußte sich jedoch am 9.9. dem von dem bevollmächtigten Oberstleutnant Hentsch im Namen des Großen Hauptquartiers erteilten Befehl zum Rückzug an die Aisne fügen. Im Januar 1915 ließ er durch ein kleineres offensives Unternehmen nahe der Hochfläche von Vregny eine Frontbegradigung vornehmen („Schlacht von Soissons“); zehn Wochen später wurde er während einer Stellungsbesichtigung bei Vailly schwer verwundet (27.3.1915). Die 1. Armee übernahm General von Fabeck.

    K. fand danach, trotz relativ kurzer Lazarett- und Genesungszeit, zweifellos aus Altersgründen keine Verwendung mehr. Im Oktober 1916 wurde das Abschiedsgesuch des inzwischen 70jährigen genehmigt. In der Nachkriegszeit war K. gelegentlich schriftstellerisch tätig, indem er sich unter anderem auch mit der Problematik der Marneschlacht auseinandersetzte.|

  • Auszeichnungen

    Orden vom Schwarzen Adler (1913), Pour le mérite (1915), Dr. iur. h. c. (Erlangen).

  • Werke

    Der Marsch auf Paris u. d. Marne-Schlacht, 1920, 21926;
    Wanderj., Kriege, Gestalten, 1929.

  • Literatur

    P. Werland, Die Fam. K. in Münster, in: Münster. Anz. v. 20. u. 21.5.1916;
    E. Wolbe, A. v. K. Ein Lb., 1917 (P);
    Der Weltkrieg 1914–18, bearb. im Reichsarchiv, Die militär. Operationen zu Lande IV: Der Marne-Feldzug, Die Schlacht, 1926;
    O. Gerlach (N), Ahnenliste d. Frdr. Wilh. Kluck, 1940.

  • Portraits

    Phot. in: Gothaisches Genealog. Taschenbuch d. Briefadeligen Häuser 11, 1917.

  • Autor/in

    Thilo Vogelsang
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogelsang, Thilo, "Kluck, Alexander von" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 131 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116235489.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA