Lebensdaten
1827 bis 1904
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Bankier
Konfession
-
Normdaten
GND: 1081043296 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sulzbach, Ruben (bis 1864)
  • Sulzbach, Rudolph
  • Sulzbach, Ruben (bis 1864)
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Zitierweise

Sulzbach, Rudolph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081043296.html [17.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Abraham Wolf (1777–1865, zog 1809 aus Fürth n. F., 1810 Bürger ebd., Wechselmakler, Hg. v. „Sulzbachs Frankfurter Börsen-Coursblatt“;
    M Sara Beyfuss (1787–1868), aus F., verwandt mit d. Rothschild u. d. Oppenheim in Köln;
    B Siegmund (1813–76, Bankier in F., Mitinh. v. Gebr. Sulzbach, 3 Schw u. a. Mathilde (* 1819, Jakob Weinschenk);
    1854 Theodora Bass (* 1836), aus Bankiersfam. in F.;
    2 S Emil (1855–1932, seit 1919 ev.), Mitinh. v. Gebr. Sulzbach, verließ 1893 d. Geschäftsführung v. Gebr. Sulzbach, studierte an Dr. Hoch`s Konservatorium in F., seit 1883 Mitgl., 1904–23 Vors. d. Kuratoriums dess., Komp., Musikmäzen, gründete mit Karl Jakob (s. u.) 1904 d. Rudolph Sulzbach-Stiftung z. Förderung junger Kaufleute in F., Teilnachlaß im Inst. f. Stadtgesch. in F. (s. Frankfurter Biogr.; MGG2; H.-O. Schembs, Jüd. Mäzene u. Stifter in Frankfurt am Main, 2007), Karl (1859–1931, ⚭ Edith Kohn-Speyer, * 1863, wohl T d. Siegmund Leopold Kohn-Speyer, 1830–95, Kaufm., Präs. d. 2. Theater-AG in F., u. d. Antonie [Toni] Labicky, 1833–94, Opernsängerin am Stadttheater in F., s. Kosch, Theater-Lex.; Kutsch-Riemens), Dr., Bankier, Mitinh. v. Gebr. Sulzbach, gründete mit Emil (s. o.) 1904 d. Rudolph Sulzbach-Stiftung z. Förderung junger Kaufleute in F. u. 1912 e. Stiftung z. Förderung d. Wiss. an d. zu errichtenden Univ. in F.;
    N Moritz Sigismund (* 1857), gründete 1881 d. Bankhaus Moritz Sigismund Sulzbach & Cie. in Paris, Alfred Weinschenk, n. d. Tod d. Gründers Jakob Adolf Bass (s. o.) u. Adolf Herz Inh. d. Bankhauses Bass & Herz in F.;
    E Walter (1889–1969, Maria Fuerth, 1897– n. 1950, Dr. rer. pol., Vf. v. „Die Theorie d. produktiven Kräfte in Lists `nat. System d. pol. Ökonomie`“, Diss. Göttingen 1920), Dr. rer. pol., studierte Nat.ök., Gesch. u. Rechtswiss., 1922–37 Mitgl. d. Geschäftsführung v. Gebr. Sulzbach, 1921 PD an d. Univ. Frankfurt, 1930–33 ao. Prof. f. Soziol. ebd., emigrierte 1937 in d. USA, 1937–45 Prof. f. Soziol. am Claremont College (Kalifornien), ab 1954 o. Prof. f. Soziol. in F. (s. BHdE II; BHdwE; Die Juden d. Frankfurter Univ., hg. v. R. Heuer u. S. Wolf, 1997), Hilda (1886–1942, Alfred Lipstein, 1876–1942, Dr. med., aus Königsberg, Pr., prakt. Arzt in F.), beide in Theresienstadt ermordet, Gertrud (1892–1978, Heinrich Kirchholtes, 1886–1959, RA, Bankier, Mitinh. v. Gebr. Sulzbach, s. Wenzel; Rhdb.), Ernst (1887–1954, 1] 1917–24 Kerstin Strindberg, 1956, T d. August Strindberg, 1849–1912, Schriftst., Dramatiker, 2] Renée Goldberger, 1892–1978, aus Berlin, Graphikerin, Reklamezeichnerin, emigrierte 1938 n. Schweden, als Nachf. n. d. Tod ihres Mannes Lektorin d. Bonnier-Verl.), Dr. iur., Vf. v. „Zur Lehre v. Blanko-Akzept“, Diss. Erlangen 1911, Journ., Leiter d. Arcadia-Verl. in Berlin, emigrierte 1936 n. Mexiko, 1938 n. Schweden, Mitarb. b. Aufbau d. Filmhist. Slg. in Stockholm, 1941 Lektor d. Bonnier-Verl. in Stockholm (s. BHdE II), Herbert (* 1894, seit 1920 ev., 1] Margot Rocholl, * 1898, 2] Beate Scherk, * 1896, jüd., aus Berlin, Schausp., emigrierte 1938, verwandt mit d. Dirigenten Otto Klemperer), 1920–36 Fabr. in Berlin, Vf. e. Kriegstagebuch „Zwei lebende Mauern, 50 Monate Westfront“, 1935 engl. Übers. 1973, 1937 n. London, brit. Offz., 1945 in d. Betreuung v. dt. Kriegsgefangenen tätig, Publ., 1951–81 Mitarb. d. Kulturabt. d. Dt. Botschaft ebd., 1964 BVK, 1971 Gr. BVK (s. BHdE I), Lili (1889–1973, v. Boxberger), lebte bis 1944 illegal in Berlin, floh n. Salzburg, zuletzt in Freilassing (Bayern);
    Gr-N Hans-Dieter Kirchholtes (* 1917, Traute Eichberg, * 1923, Dipl.-Keramikerin), Mitinh. v. Heinrich Kirchholtes & Co. (s. L);
    Ur-E Kurt Lipstein (1909–2006), Prof. d. Rechte an d. Univ. Pennsylvania in Philadelphia, an d. Northwestern Univ. in Chicago, in Paris u. Cambridge, 1980 Humboldt-Preis (s. BHdE II; Göppinger).

  • Leben

    S. erlernte den Kaufmannsberuf im väterlichen Wechselmaklergeschäft, in das er 1854 als Partner eintrat. 1856 gründete er zusammen mit seinem älteren Bruder Siegmund ein Bankhaus, das bis 1866 als „S. Sulzbach“, danach als „Gebr. Sulzbach“ firmierte. S., treibende Kraft des Unternehmens, suchte neue Ideen und Geschäftsfelder, v. a. in Industriebeteiligungen und der Gründung von Aktiengroßbanken. Unter den dominierenden, traditionell auf das Staatsanleihegeschäft konzentrierten Frankfurter Bankhäusern und in der politischen Führung der Stadt fanden seine Pläne keine Unterstützung. Er wich daher in das Hzgt. Sachsen-Meiningen aus, wo er mit weiteren Frankfurter Privatbankhäusern 1856 die „Mitteldeutsche Creditbank Meiningen“ etablierte, eine Aktiengroßbank, die auch das Notenausgaberecht besaß. Das Institut entwickelte sich rasch zu einer der bedeutendsten dt. Kreditbanken (1929 mit der „Commerz- und Privatbank“ fusioniert), deren Hauptsitz 1876 nach Frankfurt/M. verlegt wurde. S. gehörte 48 Jahre ihrem Verwaltungsrat an, seit 1866 als Vorsitzender. Nach diesem Erfolg agierte S. zunehmend als Spezialist für Bankgründungen. 1862 war er, ebenfalls von Meiningen aus, an der Etablierung der „Deutschen Hypothekenbank“ beteiligt, nach der „Frankfurter Hypothekenbank“ die zweite Spezialbank für private Hypotheken in Deutschland (heute „Eurohypo AG“). 1870 gehörte S. zu den Gründern der „Deutsche Bank AG“. Im sechsköpfigen Gründerkomitee durch einen Mittelsmann vertreten, erwarb er das größte Aktienpaket und wurde Mitglied des Verwaltungsrats, dem er 34 Jahre lang bis zu seinem Tod angehörte. Mit der „German Bank of London“ und der „Banque de Bruxelles“, beide 1871 von S. mitgegründet, weitete „Gebr. Sulzbach“ in den 1870er Jahren seine internationalen Verbindungen aus. Schließlich schuf S. mit der „Eisenbahn-Renten-Bank“ (1887) und der „Eisenbahn-Bank“ (1898) einen neuen, erfolgreich operierenden Typ von Spezialbank zur Eisenbahnfinanzierung. Seit den 1880er Jahren spielte S. auch|auf dem Feld der Industriefinanzierung und Unternehmensgründung eine herausragende Rolle. 1881 errichtete er die „Consolidirte Alkaliwerke Westeregeln“ (heute „Solvay GmbH“), das erste Privatunternehmen zur Gewinnung von Kalisalzen. 1882 stattete S. den Ingenieur Emil Rathenau (1838–1915) mit dem Kapital für eine Studiengesellschaft zur Prüfung der Edison’schen Glühbirne aus, was 1883 zur Gründung der „Deutschen Edison-Gesellschaft“, 1887 umbenannt in „Allgemeine Elektrizität-Gesellschaft“ (AEG), führte. S. gehörte zu deren Hauptaktionären und war stellv. Aufsichtsratsvorsitzender. 1888 zählte er zu den Mitgründern und Verwaltungsräten der in Zürich ansässigen „Aluminium Industrie (AIAG)“ (später „Alusuisse“, seit 2007 „Rio Tinto Alcan“), die in Neuhausen das erste Aluminiumwerk Europas errichtete. Ferner war S. bei Investitionen in zahlreiche Montanunternehmen aktiv und betrieb weiterhin die traditionelle Sparte des Emissions- und Anleihegeschäfts in größerem Umfang.

    Die Entwicklung seiner Heimatstadt förderte S. durch die Gründung der Frankfurter Hotel-Aktien-Gesellschaft (heute Frankfurter Hof), er gehörte dem Komitee für den Neubau der Frankfurter Börse an. Seine Söhne errichteten 1904 die mit 100 000 Mark dotierte „Rudolph-Sulzbach-Stiftung“ zur Unterstützung begabter junger Kaufleute, die 1941 auf die Jubiläumsstiftung der IHK Frankfurt übertragen werden mußte.

    S. gehört als Pionierunternehmer in Gründerzeiten, als Finanzmann großen Stils und engagierter Förderer neuer Technologien zu den bedeutendsten Frankfurter Privatbankiers. Sein Bankhaus mußte 1938 zwangsweise in „Heinrich Kirchholtes & Co.“ umfirmieren (nach dem nichtjüd. Schwiegersohn von Karl Sulzbach), blieb aber in Familienbesitz. 1968 wurde es vom Kölner Privatbankier „Sal. Oppenheim jr. & Cie.“ übernommen.

  • Auszeichnungen

    A Erstes Ehrenmitgl. d. Handelskammer Frankfurt/M. (1903); Ewiges Mitgl. d. Senckenberg. Naturforsch. Ges. (1904).

  • Quellen

    Das Archiv v.Gebr. Sulzbach“ wurde nach Beschlagnahme d. unzerstörten Bankgebäudes 1945 v. d. amerik. Besatzung fast vollständig vernichtet. Reste befinden sich in Fam.bes., sollen jedoch langfristig an d. StadtA Frankfurt/M. übergehen.

  • Literatur

    Gesch. d. Handelskammer zu Frankfurt a. Main (1707–1908), hg. v. d. Handelskammer zu Frankfurt am Main, 1908;
    F. Lerner, Bestand im Wandel, dargetan an d. hundertj. Gesch. d. Privatbankhauses Heinrich Kirchholtes & Co. vorm. Gebr. Sulzbach 1856–1956, 1956 (P);
    E. Achterberg u. M. Müller-Jabusch, Lb. dt. Bankiers aus fünf Jhh., 1963;
    H.-D. Kirchholtes, Jüd. Privatbanken in Frankfurt am Main, 1969;
    ders., in: Jüd. Stiftungen in Frankfurt am Main, hg. v. A. Lustiger, 1988, S. 390–97;
    M. Stürmer, G. Teichmann u. W. Treue, Wägen u. Wagen, 31994;
    C.-L. Holtfrerich, Finanzplatz Frankfurt, 1999.

  • Portraits

    Gem. v. A. Burger, Die Gebr. S. b. Whistspiel, um 1860 (Fam.bes.).

  • Autor/in

    Gabriele Teichmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Teichmann, Gabriele, "Sulzbach, Rudolph" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 697-699 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081043296.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA