• Leben

    Als Lesemeister des Franziskanerklosters Sankt Katharinen in Lübeck ist D. 1368-80, als Mitglied dieses Konvents weiter bis 1394 nachweisbar. 1385 erhielt er von den Lübecker Gerichtsherren den Auftrag, die Stadeschronik fortzusetzen, die nur bis 1349 vom Ratsschreiber geschrieben vorlag. Er setzte zunächst diese Chronik bis 1386 fort; das Werk ist nur auszugsweise in der sogenannten Ruffuschronik erhalten. Wohl dieser Arbeit schloß er seine kurze Geschichte der Streitigkeiten der Stadt und der Mönchklöster mit der Weltgeistlichkeit unter Bischof Burchard von Serken an. Unter Heranziehung anderer chronikaler Quellen schrieb er dann eine nur im Auszug erhaltene lübische Weltchronik 1105-1386. In 2 Handschriften erhalten ist eine erneute Bearbeitung der Weltchronik 1101-1395. Der wertvollste Teil seiner Arbeiten behandelt die Zeit seines eigenen Erlebens, daneben bringt er viele sonst nicht erhaltene Nachrichten über Norddeutschland und den Norden. Seine Chronik wurde von verschiedenen bis 1482 fortgesetzt.

  • Werke

    D.-Chron., = Die Chron. d. dt. Städte 19, 1884, u. 26, 1899, S. 1-174, 317-32.

  • Literatur

    ADB V;
    F. Bruns, Reimar Kock, in: Zs. d. Ver. f. Lübeckische Gesch. u. Altertumskde. 35, 1955.

  • Autor/in

    Olof Ahlers
  • Empfohlene Zitierweise

    Ahlers, Olof, "Detmar" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 618 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10243218X.html#ndbcontent

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  • Leben

    Detmar: Bruder D. wird nach Jakob v. Melle's Vorgange von den Neueren der Lesemeister des Franciscanerklosters in Lübeck genannt, welcher 1385 von den Gerichtsherren der Stadt den Auftrag erhielt, die seit dem schwarzen Tode (1350) nicht fortgeführte Stadtchronik wieder anzufangen. In Testamenten der sechziger bis achtziger Jahre des 14. Jahrhunderts kommt nämlich als Lesemeister bei den Franciscanern D. vor, 1396 ein Johann von Osnabrück. Darfman, was nicht über allen Zweifel erhaben ist, die Lesemeisterstelle für eine constante halten, so ist D. der Name des Chronisten gewesen, jedenfalls aber hat er die Arbeit nicht über 1395 fortgesetzt, da sich, auch aus Vergleichung der Handschriften, für dieses Jahr ein Abschnitt in der Chronik nachweisen läßt. D. hat nicht die alte Stadtchronik nach 1350 einfach fortgeführt, sondern laut seiner eigenen Erklärung sie mit Weltchroniken und Localaufzeichnungen neu compilirt. Der für uns werthvollste Theil ist daher die Zeit seiner eigenen Erlebnisse, etwa 20 Jahre. Uebrigens behält das Ganze seine hohe Bedeutung als Sammlung vieler sonst nicht erhaltenen Nachrichten über Norddeutschland und den europäischen Norden, und ist mit den sehr verschieden gearbeiteten Fortsetzungen bis 1482 ein hervorragendes Denkmal niedersächsischer Prosa.

    • Literatur

      Chronik des Franciscaner Lesemeisters Detmar, herausgeg. von F. H. Grautoff, 2 Thle. Hamburg 1829/30. Koppmann in Hans. Geschichtsbl. 1871, S. 75 ff. 1872, S. 157 ff.

  • Autor/in

    Mantels.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mantels, "Detmar" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 82 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd10243218X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA